Die deutsche Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus

Charakteristika, Sprachwandel, Sprachverfall


Seminararbeit, 2011

15 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung
Fragestellung und Arbeitsmethode

2. Hauptteil
Die deutsche Sprache des 19. und 20. Jhs
2.1 . Die NS-Sprache ..
2.2. Victor Klemperer über den Sprachverfall in der NS-Zeit
2.3. Die deutsche Sprache nach
2.3.1. Der politische Einfluss am Beispiel der DDR auf die deutsche Sprache nach

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

Die deutsche Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus

Charakteristika, Sprachwandel, Sprachverfall -

1. Einleitung
Fragestellung und Arbeitsmethode

In meiner Seminararbeit werde ich mich mit dem Thema „Die deutsche Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus - Charakteristika, Sprachwandel, Sprachverfall-“ beschäftigen. Ziel ist es, die Veränderungen und Wesensmerkmale zu erarbeiten und darzulegen, und ob ein etwaiger Sprachverfall zu konstatieren ist.

Hierzu werde ich mir auszugsweise die Sprache des 19. und 20. Jhs. anschauen, da dies prägende Jahre für die Sprachentwicklung des Deutschen waren, und um eine Basis für die Veränderungen der Sprache, während des Nationalsozialismus, zu schaffen. Darauf aufbauend werde ich dann die deutsche Sprache im Nationalsozialismus analysieren. Die Analyse soll des Weiteren in einen historischen Kontext eingebettet werden, um eine Grundlage für die Veränderungen zu generieren. Daran wird sich die Betrachtung des Werkes „LTI – Notizbuch eines Philologen“ von Viktor Klemperer anschließen, da er als Philologe die Zeit des Nationalsozialismus aktiv miterlebt und er mit seinem Werk einen wichtigen Beitrag zur Untersuchung der NS-Sprache geleistet hat. Danach werde ich noch einen Ausblick auf die deutsche Sprache nach 1945 geben, um zu untersuchen, inwieweit sich die deutsche Sprache nach 1945 gewandelt hat. Den Abschluss wird ein Fazit bilden.

2. Hauptteil
Die deutsche Sprache des 19. und 20. Jhs.

Was charakterisiert die deutsche Sprache des 19. und 20. Jhs.? Hierzu möchte ich ein Zitat von Herman Riegel, dem Gründer des Allgemeinen deutschen Sprachvereins, anführen: „Gedenke auch, wenn du die deutsche Sprache sprichst, daß du ein Deutscher bist!“[1] Es lässt sich aus dieser Aussage ganz klar das Problem der deutschen Sprache des 19. und 20. Jhs. darlegen. Die deutsche Sprache beinhaltete zu viele Fremdwörter und drohte immer mehr zu einer Art „Fremdsprache“[2] im eigenen Land zu werden. Im Jahr 1871 wurde dann jedoch

„eine neue Welle der Eindeutschung ausgelöst“[3], was u. a. durch „die Gründung des kleindeutschen Kaiserreiches[4] und der damit zusammenhängenden Förderung der orthographischen und orthoepischen Normierung[5] einer einheitlichen deutschen Sprache ausgelöst wurde, welche im „Orthographischen Wörterbuch“ von Konrad Duden ihren Höhepunkt findet.

Nachdem nun 1885 der „Allgemeine deutschen Sprachverein“[6] gegründet wurde, fand zu Beginn eine regelrechte Jagd auf die Fremdwörter in der deutschen Sprache statt.

Die Arbeit des „Allgemeinen deutschen Sprachvereins“ konnte schnell Erfolge nachweisen, vor allem in den Bereichen der Verwaltung, jedoch blieben viele Wörter unangetastet und bis heute erhalten.[7]

Wie werden jedoch Wortentlehnungen oder auch gruppenspezifische Wörter auf Dauer in eine Sprache transferiert? Was prädestiniert sie dazu? Polenz führt hierzu verschiedene Gründe an, wobei der Grundsatz gilt, und dem stimme ich vollends zu: „(...) denn Wörter existieren niemals für sich, sondern nur als Elemente bestimmter Äußerungen von Sprechern in bestimmten Situationen.“[8] Warum gebraucht man aber nun bestimmte Worte in bestimmten Kontexten und warum gibt es Wortentlehnungen, die ein fester Bestandteil in der eigenen Sprache werden? Polenz führt hierzu verschiedene stilistische Gründe an: „Präzisierung, Bedeutungsdifferenzierung, Internationalisierung, Terminologisierung, aber auch Ironie, Wohlklang, Zeitmode, Arroganz, Ablenkung, Tarnung oder Täuschung.“[9] Dies sind alles Gründe, die nicht nur auf die heutige Zeit Anwendung finden, sondern mit denen auch schon der „Allgemeine deutsche Sprachverein“ zu tun hatte.

Historisch gesehen befinden wir uns in einer Zeit des (politischen) Umbruches, wobei für das 19. und beginnende 20. Jh. vor allem die Schlagworte „Industrialisierung, Urbanisierung, Modernisierung, Demokratisierung und Ideologisierung“[10] im Mittelpunkt stehen. Diese Punkte stellen entscheidende Faktoren für die Sprachentwicklung dar, da sich gravierende Veränderungen im Leben, und somit auch in der Sprache, der Bevölkerung vollzogen. Und da Sprache kein fixer Zustand ist, sondern dem Wandel unterliegt und von seinem Sprecher abhängig ist, veränderte sich die Sprache.

Durch die Industrialisierung nahm das allgemeine Wirtschaftswachstum zu und die Unternehmen siedelten sich nun vorwiegend in den Städten an, was eine Urbanisierung und Bevölkerungsexplosion[11] zur Folge hatte.[12] In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass um 1910 der Anteil der im landwirtschaftlichen Sektor erwerbstätigen Menschen nur noch bei 37 % lag, während der im Gewerbe und der Industrie tätigen Menschen auf 38 % stieg.[13] Durch die verbesserten Verdienstmöglichkeiten, veränderte sich auch die Sozialstruktur der Bevölkerung, die das „Besitz- und Aufstiegsdenken[14] förderte. Des Weiteren stammen einige Erfindungen[15] aus dieser Zeit, die das Leben moderner und komfortabler machten. Zum Prozess der Demokratisierung lässt sich anführen, dass eine Ausweitung der politischen Beteiligung, in Form eines verbesserten Wahlrechts, stattgefunden hat und dass um 1900 die Bildungselite auf fast 20 % anstieg.[16] Durch diesen Aufschwung erlangte das Bürgertum auch ein gesteigertes Selbstwertgefühl und Nationalbewusstsein (Ideologisierung des Bürgertum)[17], dass im bald darauf folgenden 1. Weltkrieg, in eine fragwürdige Kriegseuphorie münden sollte. Doch was bedeutete dies alles nun für die Entwicklung der deutschen Sprache?

Durch die , verbesserten Lebensbedingungen̕[18], das vor allem eine verbesserte Schulbildung beinhaltete, strebte das gebildete Bürgertum nun nach einer gemeinsamen Sprache, das mit

sozialen Ansehen verbunden war. Sie strebten u. a. nach „Sprachschönheit und Sprachrichtigkeit, [...], der mündlichen Verständigung in besseren Kreisen,an schriftlichen Sprachmustern (in der Nachfolge Goethes und Schillers).“[19]

[...]


[1] Polenz, Peter von (2009): Geschichte der deutschen Sprache. 10. Aufl. Berlin, S. 153.

[2] Ich bin der Ansicht, dass dies zum Teil auch ein Problem unserer heutigen Gesellschaft ist, das nicht immer mit der „Globalisierung“ zu erklären ist und die das Leben, vor allem der älteren Bewohner, nicht gerade erleichtern.

[3] Polenz 2009, S. 153.

[4] Ebd., S. 153.

[5] Ähnliches findet sich bei ebd., S. 153.

[6] Der Verein bestand bis 1947 und wurde dann durch die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ abgelöst.

[7] Siehe hierzu im Einzelnen Polenz 2009, S. 153-154.

[8] Ebd., 154; deshalb muss eine Sprachkritik auch immer eine Sprecherkritik sein, die kontextgebunden ist.

[9] Ebd., S. 154.

[10] Wolff, Gerhart (2009): Deutsche Sprachgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. 6. Aufl. Tübingen, S. 182; ähnliches findet sich bei Polenz 2009, S. 156.

[11] Wolff 2009, S. 183.

[12] Ähnliches findet sich bei Ebd., S. 182.

[13] Ebd., S. 182.

[14] Ebd., S. 182.

[15] Siehe hierzu Wolff 2009, S. 183.

[16] Wolff 2009, S.183-184.

[17] Ebd., S. 184-185.

[18] An dieser Stelle möchte ich anfügen, dass die verbesserten Lebensbedingungen sich nicht auf alle Bevölkerungsschichten gleichsam ausgewirkt haben. Die Industrialisierung hat auch negative Folgen gehabt.

[19] Wolff 2009, S. 185.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die deutsche Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus
Untertitel
Charakteristika, Sprachwandel, Sprachverfall
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V189309
ISBN (eBook)
9783656134725
ISBN (Buch)
9783656134961
Dateigröße
1050 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, zeit, nationalsozialismus, charakteristika, sprachwandel, sprachverfall
Arbeit zitieren
Bachelor Jeanette Michalak (Autor), 2011, Die deutsche Sprache in der Zeit des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189309

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