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Individualität und Identität. Zum aktuellen Diskurs der Identitätsproblematik

Title: Individualität und Identität. Zum aktuellen Diskurs der Identitätsproblematik

Term Paper , 2003 , 35 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Falko Neubert (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen des Seminars "Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft" verfasst.

Um sich mit der Konstruktion von Identitäten zu beschäftigen, muss man zuerst erforschen, was "Identität" überhaupt bedeutet, welche Rolle sie früher und heute gespielt hat bzw. spielt und welchen Einflüssen Individuen als auch Gesellschaft ausgesetzt sind, die durch verschiedene Identitäten erzeugt werden oder aber selbst verschiedene Identitäten erzeugen.

Zuvorderst werde ich mich mit der rein formalen Begrifflichkeit der "Individualität" und der "Identität" sowie weiterer, im Rahmen meiner Untersuchung immer wieder auftauchender Begriffe befassen, da es durchaus verschiedene Vorstellungen und Auffassungen vor allem im alltäglichen Sprachgebrauch gibt.

Nachdem die "Formalitäten" geklärt sind, werde ich kurz in die Geschichte eintauchen, um zu erkunden, welche Vorstellungen und Theorien Goethe (betrachtet durch die Augen Georg Simmels) und Simmel selbst von "Individualität" und "Individualismus" hatten. Auf den ersten Blick ein verschiedenes Thema, auf den zweiten erkennt man schnell, dass man "Identität" gar nicht erst zu diskutieren braucht, wenn man Individualität und das damit einhergehende Spektrum von Entwicklungsmöglichkeiten außer Acht lässt. Danach werde ich auf Erik H. Eriksons Theorie der Identitätsbildung eingehen, die zu den Grundlagen der gegenwärtigen Identitätsforschung zählt.

Es folgt eine kurze Zustandsbeschreibung der heutigen Gesellschaft und ihrer Probleme, kurz, weil diese schon an vielen anderen Stellen und oft genug beschrieben und beklagt worden sind.

Nach einem kurzen Exkurs zu Herbert G. Meads komme ich dann endlich zum Diskurs der Identität in der Postmoderne, allerdings auch hier nicht erschöpfend, da der Begriff spätestens seit Beginn der 1990er Jahre Hochkonjunktur hatte und entsprechend viel Literatur produziert wurde. Ich glaube jedoch die wesentlichen Gesichtspunkte herausgegriffen zu haben

Einen wichtigen Punkt der Identitätsbildung, die Anerkennung, werde ich noch gesondert behandeln, bevor ich mich mit bereits vorgefertigten Identitäten ("von der Stange"

sozusagen) beschäftige, die hochgradig attraktiv erscheinen für Individuen, denen die "postmodernen" Vorschläge einer Eigenkonstruktion zu anstrengend sind. Am Ende folgen eine Zusammenfassung sowie eine Schlussfolgerung. Die Arbeit deckt ein weites Spektrum ab, muss sie notwendigerweise auch, da die Identitätsforschung so populär ist. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Begriffsklärung und Vorbetrachtung

2. Goethes Individualitätsbegriff (nach Georg Simmel)

3. Simmels Sicht auf den Individualismus

4. Die Bildung der Ich-Identität nach Erikson

5. Die Problematik der postmoderne Identitäten

5.1 Der Zustand der Gesellschaft als Ursache der Identitätssuche

5.2 Die Forderung der Gesellschaft nach Identität

5.3 Identitätsbildung durch Konstruktion der Biographie

5.4 Patchwork-Identität

5.5 Identität und Anerkennung

5.6 Rückzug in vorgefertigte Identitäten

6. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Identität vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderungen in der Postmoderne. Dabei wird erforscht, wie sich das Individuum in einer durch Beschleunigung, Wertewandel und Auflösung traditioneller Strukturen geprägten Netzwerkgesellschaft konstruieren kann, ohne dabei seine Einzigartigkeit zu verlieren.

  • Historische Betrachtung des Individualitätsbegriffs anhand von Goethe und Simmel.
  • Analyse des psychologischen Modells der Identitätsbildung nach Erik H. Erikson.
  • Diskussion der modernen Identitätsproblematik im Kontext des gesellschaftlichen Drucks.
  • Untersuchung von Identitätskonzepten wie der "Patchwork-Identität" und der Rolle von Anerkennung.

Auszug aus dem Buch

Die erste Phase: Urvertrauen gegen Urmißvertrauen

Die in der Klassischen Psychoanalyse als orale Phase charakterisiert wird, bezeichnet Erikson mit dem Begriff Urvertrauen, welchen man in einer funktionierenden Mutter - Kind Beziehung beobachten kann. Das Kind erwirbt ein erstes Gefühl von Ich - Identität, und ist scheinbar entspannt und ohne Probleme. Die liebende Mutter wird zu einer "inneren Gewißheit" und wird in Spannungssituationen als Helfer angesehen. Außerdem stützt sich das Kind auf Empfindungen und Bilder, welche eine Art Vertrauensbasis zu zuverlässigen Personen herstellen. Das Kind erfährt ein Gefühl von Gegenseitigkeit. Der Säugling bekommt was er benötigt und kann der Mutter erlauben, sich außer Sichtweite zu befinden.

Ein Versagen in diesem Stadium spiegelt sich später im Charakter und in Störungen der Geisteszustandes wider; im schlimmsten Fall kann es zu einer infantilen Schizophrenie kommen.

Der Erfolg ist vielmehr abhängig von der Erfüllung der mütterlichen Funktion im jeweiligen Kulturkreis mit den jeweiligen Wertvorstellungen (Wissen, Religion, etc.), als von der Menge der erbrachten Mutterliebe. Dies ist also der Anfang - das Zusammenkommen eines Säuglings, einem Elternpaar und einer Gesellschaft in einem Akt des Glaubens und Vertrauens.

Zusammenfassung der Kapitel

Vorwort: Einführung in die Zielsetzung, die Seminarkontextualisierung und den Aufbau der Arbeit.

1. Begriffsklärung und Vorbetrachtung: Definition zentraler Begriffe wie Identität, Individuum und Individualisierung unter Rückgriff auf lexikalische Quellen.

2. Goethes Individualitätsbegriff (nach Georg Simmel): Analyse von Goethes Individualismusverständnis, bei dem das Individuum als letzter Quellpunkt der Schöpferkraft betrachtet wird.

3. Simmels Sicht auf den Individualismus: Untersuchung der soziologischen Perspektive Simmels auf das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft in der modernen Großstadt.

4. Die Bildung der Ich-Identität nach Erikson: Darstellung des Modells der acht psychosozialen Krisen als lebenslanger Entwicklungsprozess der Persönlichkeit.

5. Die Problematik der postmoderne Identitäten: Erörterung der Auswirkungen gesellschaftlicher Instabilität auf die Identitätsbildung.

5.1 Der Zustand der Gesellschaft als Ursache der Identitätssuche: Beschreibung des gesellschaftlichen Drucks durch Beschleunigung und Verlust stabiler Strukturen.

5.2 Die Forderung der Gesellschaft nach Identität: Hinterleuchtung des Spannungsverhältnisses zwischen der gesellschaftlichen Erwartung an statische Identität und dem tatsächlichen Wandel.

5.3 Identitätsbildung durch Konstruktion der Biographie: Auseinandersetzung mit Giddens' Konzept der Identität als reflexives Projekt der Biographiekontruktion.

5.4 Patchwork-Identität: Diskussion des Konzepts von Heiner Keupp über die aktive, fragmentierte Konstruktion einer Identität in der Moderne.

5.5 Identität und Anerkennung: Analyse der Notwendigkeit dialogischer Anerkennung für die gelingende Identitätsentwicklung und die Folgen ihres Ausbleibens.

5.6 Rückzug in vorgefertigte Identitäten: Reflexion über die Flucht in Konformismus und Ideologien als Strategie gegen die Unsicherheit der Identitätsdiffusion.

6. Resümee: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Identität ein idealer, lebenslanger Prozess ohne festes Ziel ist.

Schlüsselwörter

Identität, Individualität, Identitätsbildung, Erik H. Erikson, Postmoderne, Gesellschaft, Individuation, Patchwork-Identität, Anerkennung, Identitätsdiffusion, Biographiekontruktion, Sozialisation, Individualisierung, Soziologie, Psychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Konstruktion von Identität in der modernen Gesellschaft und untersucht, wie Individuen in einer von Wandel und Unsicherheit geprägten Zeit ihre Individualität behaupten und entwickeln.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen der Individualität (Goethe, Simmel), die psychologische Entwicklung der Ich-Identität (Erikson) sowie die soziologische Betrachtung postmoderner Identitätsentwürfe und deren Problematiken.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Begriff Identität in der Netzwerkgesellschaft neu zu bestimmen und zu zeigen, dass Identitätsbildung heute eine aktive, lebenslange Auseinandersetzung und Konstruktion darstellt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen und psychologischen Standardwerken sowie auf aktuelle Diskurse der Identitätsforschung, um das Wechselspiel zwischen Individuum und Gesellschaft zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Konzepte der Identitätsentwicklung vorgestellt, der gesellschaftliche Druck und dessen Auswirkungen auf das Individuum diskutiert sowie spezifische moderne Phänomene wie die "Patchwork-Identität" und die Bedeutung von Anerkennung erörtert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Identität, Identitätsdiffusion, Postmoderne, Individuation, Anerkennung und Patchwork-Identität geprägt.

Warum ist laut Autor die "Patchwork-Identität" nach Heiner Keupp von Bedeutung?

Sie gilt als optimistischer, wenn auch anspruchsvoller Ansatz, Identität in einer zersplitterten Gesellschaft als kreative Chance durch aktive Gestaltung statt als passives Schicksal zu begreifen.

Warum wird das Ausbleiben von Anerkennung als besonders gefährlich bewertet?

Der Autor führt aus, dass mangelnde Anerkennung durch die Gesellschaft zu Frustration, psychischen Deformationen oder sogar extremen Gegenreaktionen wie Radikalisierung führen kann, da das Individuum sozial "entwertet" wird.

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Details

Title
Individualität und Identität. Zum aktuellen Diskurs der Identitätsproblematik
College
University of Applied Sciences Potsdam  (FB Soziologie)
Course
Identitätskonstruktionen in der Netzwerkgesellschaft
Grade
1,3
Author
Falko Neubert (Author)
Publication Year
2003
Pages
35
Catalog Number
V18933
ISBN (eBook)
9783638231794
Language
German
Tags
Individualität Identität Diskurs Identitätsproblematik Identitätskonstruktionen Netzwerkgesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Falko Neubert (Author), 2003, Individualität und Identität. Zum aktuellen Diskurs der Identitätsproblematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18933
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