Max Weber und die Verfassung der Weimarer Republik - der Einfluss seiner charismatischen Konzeption


Seminararbeit, 2003
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. a) Politische Vorstellungen
- Einführung in den Kontext
- Das Parlament
- Der Reichspräsident
b) Wissenschaftliche Grundlagen
- Macht und Herrschaft
- Die rational-legale und traditionale Herrschaft
- Die charismatische Herrschaft

3. a) Exkurs
-Liberales Gewaltenbalancedenken oder plebiszitäre Führerdemokratie-
b) Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die wichtigste Monographie zu meinem Thema ist das Werk von Wolfgang J. Mommsen: „Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920“, zum ersten Mal erschienen im Jahr 1959. Zu seinem Werk äußerte sich Mommsen jedoch selbstkritisch: Er habe „mit jugendlichem Ungestüm den Politiker Max Weber dingfest machen wollen, ohne sich sonderlich seines soziologischen Denkens zu kümmern“[1].

Auch der Vorsatz einer starken Abgrenzung gegenüber „Fehlinterpretationen“[2] des politischen Denkens Webers deutet die zeitgeschichtliche Beeinflussung des Werkes an.[3]

Die Quellen, die auf die politischen Positionen Webers hinweisen, sind allerdings gut erschlossen und so fußt meine Arbeit neben der Herrschaftssoziologie seines Hauptwerks „Wirtschaft und Gesellschaft“ auf den „Gesammelten Politische Schriften“ Max Webers, herausgegeben von Johannes Winkelmann.

Der erste Abschnitt des Hauptteils meiner Arbeit beinhaltet eine Einführung in die politischen Vorstellungen Max Webers für eine Neugestaltung der Verfassung, wobei die Forderung nach dem plebiszitär legitimierten Reichspräsidenten den zentralen Punkt der Darstellung bildet.

Der zweite Abschnitt befasst sich mit den Grundlagen seiner Vorstellungen, und nimmt Bezug auf den Bereich der wissenschaftlichen Konzeption des charismatischen Charakters politischer Herrschaft, der sich mit der weberschen Konzeption des Reichspräsidenten verknüpfen lassen könnte.

Besonders im Hinblick auf die Intention des charismatischen Konzepts in Webers verfassungspolitischen Vorstellungen, werde ich am Ende der Hausarbeit auf Mommsen zurückkommen. Auf dessen Interpretation müsste jede Theorie basieren, die die These vertritt, Weber hätte mit der Vorstellung einer „cäsaristischen-plebiszitären Führerdemokratie“ die nationalsozialistische Diktatur „konzeptionell“ mit vorgedacht.

Ob in Webers Vorstellungen aber nicht eher ein liberales „Gewaltenbalancedenken“ überwog, möchte ich in einem Exkurs der Arbeit ansprechen.

Eine Zusammenfassung soll letztendlich die wichtigsten Erkenntnisse dieser Hausarbeit wiederholen und in den Kontext meiner Fragestellung setzen, die auf den Stellenwert des charismatischen Konzepts eines plebiszitären Reichspräsidenten innerhalb des weberschen Gedankengerüst eingeht.

2. a) Politische Vorstellungen

- Einführung in den Kontext

Seit dem Sommer 1918 verschlechterte sich die Situation an der Westfront zunehmend, und es schien als ob im Oktober die militärischen, politischen und auch sozialen Strukturen der alten Ordnung zusammenbrechen werden.

Am 3. Oktober 1918 wurde Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ernannt. Sein neues Kabinett war unter maßgeblicher Mitwirkung der Parteien der Reichstagsmehrheit entstanden und stellte „den entscheidenden Schritt auf dem Weg von der konstitutionellen zur parlamentarischen Monarchie“[4] dar.

Einen Tag zuvor hatte die „Oberste Heeresleitung“ der ersten parlamentarischen Regierung zukommen lassen, dass man keine 48 Stunden auf die Übermittlung eines Waffenstillstandgesuches an den amerikanischen Präsidenten Wilson warten könne.

Das offene Eingeständnis der Niederlage war für die deutsche Öffentlichkeit ein Schock. Unter den nun offenbarten katastrophalen Zuständen erwartete man nicht nur ein sofortiges Ende des Krieges, sondern auch eine weitgehende staatliche Umgestaltung, die als Bedingung für einen Frieden vom amerikanischen Präsidenten gefordert wurde.

Am 5. Oktober wurden Pläne für eine Verfassungsreform im Reichstag vorgelegt, die am 28. Oktober in Kraft traten. Durch diese Modifizierung der Reichsverfassung von 1871 hätte man auch verfassungsrechtlich eine parlamentarische Monarchie geschaffen.

Eine brauchbare Lösung schien dies für die Öffentlichkeit allerdings nicht zu sein, die immer stärker die Abdankung des Kaisers forderte. Es kam zur Novemberrevolution.

Angefangen mit einem Matrosenaufstand in Kiel, bildeten sich in ganz Deutschland Arbeiter- und Soldatenräte. Am 9. November erreichte die Revolutionswelle Berlin und der Reichskanzler war überzeugt, diese nur noch mit der Abdankung des Kaisers beruhigen zu können. Gleichzeitig übergab er das Amt des Reichskanzlers an den Führer der Mehrheits - SPD Friedrich Ebert. Dieser war bestrebt die revolutionären Bewegungen durch parlamentarisch demokratische Verfassungsmaßstäbe zu lenken und kommunistische Tendenzen, wie zum Beispiel den durch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gegründeten Spartakusbund, entgegenzuwirken.

Ebert besetzte den Posten des Staatssekretärs des Innern mit dem linksliberalen Staatsrechtslehrer Hugo Preuß. Dieser schien bereits Entwürfe für eine künftige Verfassung parat zu haben und vertrat mit seinen Auffassungen eine mittlere Linie, die sowohl von der USPD als auch vom Zentrum hätte akzeptiert werden können.[5]

Vom 9. bis zum 12. Dezember 1918 fanden im Reichsamt des Innern Beratungen über die Grundzüge des Verfassungsentwurfs statt. Hierzu zog Hugo Preuß auch Max Weber. Dieser hatte schon 1917 mit einer Artikelserie über „Deutschlands Parlamentarismus in Vergangenheit und Zukunft“ großes politisches Aufsehen erregt[6], und im Mai 1918 war eine ganze Schriftenreihe zum Thema „Parlament und Regierung im Neugeordneten Deutschland“ erschienen.[7] Alle seine Änderungsvorschläge bezogen sich jedoch auf die bismarcksche Verfassung von 1871, die sich durch eine gewachsene preußische Hegemonie und der hohenzollerschen Dynastie als ein festes Element auszeichnete.

Anfang 1919 erschien in der Frankfurter Zeitung ein Sonderabdruck über „Deutschlands künftige Staatsform“. Im Vorwort, das kurz nach den ersten Beratungen zur Weimarer Verfassung am 15. Dezember verfasst worden war, erläutert Weber, dass unter den veränderten Umständen auch „eine republikanische, großdeutsche und nicht großpreußische Staatsform föderativen und dabei demokratischen Charakters nicht, wie vielfach geglaubt wird, überhaupt unmöglich ist“.[8]

Allerdings wird laut Weber die Republik von allzu vielen noch als „Narkotikum <benutzt>, um durch einen Rausch über den furchtbaren Druck des Zusammenbruchs hinauszukommen“.[9] Für die Republik spricht jedoch ein wichtiges andauerndes Argument. So nimmt sie gerade dem Bürgertum „die Geborgenheit im obrigkeitlichen Schutz“ und fordert von allen gesellschaftlichen Schichten „auf eigenen Füßen zu stehen“, welches eine Voraussetzung darstellt, um den erlebten Zusammenbruch zu überwinden.[10]

Daraus ergab sich für Weber auch eine Überwindung der großpreußischen Hegemonie, die von der Republik durch eine eher unitarische oder föderale Struktur ersetzt werden müsste. Gegen eine unitarische Lösung sprachen zum einen mit Blick auf den Anschluss Österreichs die Differenzen sowohl in den Gesellschafts- als auch Wirtschaftsstrukturen und zum anderen der in den nächsten Jahren nur über Kredite der Amerikaner zu finanzierende Aufbau der deutschen Wirtschaft, die eine stabile bürgerliche Regierung innerhalb eines föderalen Systems in Deutschland wünschten.[11]

Ein schon bei der Verfassungskonstruktion von 1871 aufgetretenes Problem war die ökonomische, wie auch gesellschaftliche Übermacht Preußens. Es in mehrere Bereiche zu gliedern, würde laut Weber zu große „finanzielle und verwaltungstechnische Schwierigkeiten“ beinhalten und „die Gefahr des ostelbischen Partikularismus“ steigen lassen.[12]

[...]


[1] Wolfgang J. Mommsen: Politik im Vorfeld der „Hörigkeit der Zukunft“ – Politische Aspekte der Herrschaftssoziologie Max Webers, in: Wolfgang Mommsen (Hrsg.): Max Webers Herrschaftssoziologie – Studien zu Entstehung und Wirkung, Tübingen 2001, S.303.

[2] Insbesondere das Werk von Marianne Weber: Max Weber – Ein Lebensbild, 1.Aufl. erschienen in Tübingen 1926.

[3] Vgl. Wolfgang J. Mommsen: Vorwort zur zweiten Auflage, in: Wolfgang J. Mommsen: Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920, 2.Aufl., Tübingen 1974, S.XII.

[4] Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 6. Aufl., München 2002, S.3.

[5] Vgl. Mommsen: Max Weber und die deutsche Politik, S.357.

[6] Vgl. ebd., S. 356.

[7] Vgl. Max Weber: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland, in: Johannes Winkelmann (Hg.): Gesammelte Politische Schriften, 4.Aufl., Tübingen 1980, S.306-406.

[8] Max Weber: Deutschlands künftige Staatsform, in: Johannes Winkelmann (Hg.): Gesammelte Politische Schriften, 4.Aufl., Tübingen 1980, S.448.

[9] Ebd., S.454.

[10] Ebd., S.454.

[11] Vgl. ebd., S.461.

[12] Ebd., S.462.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Max Weber und die Verfassung der Weimarer Republik - der Einfluss seiner charismatischen Konzeption
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für wissenschaftliche Politik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V18935
ISBN (eBook)
9783638231817
ISBN (Buch)
9783656305576
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weber, Verfassung, Weimarer, Republik, Einfluss, Konzeption
Arbeit zitieren
Robert Westermann (Autor), 2003, Max Weber und die Verfassung der Weimarer Republik - der Einfluss seiner charismatischen Konzeption, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18935

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