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Die dritte und vierte Historie des "Dil Ulenspiegel" im Vergleich mit den Till Eulenspiegel-Erzählungen von Erich Kästner und Elke Leger

Titel: Die dritte und vierte Historie des "Dil Ulenspiegel" im Vergleich mit den Till Eulenspiegel-Erzählungen von Erich Kästner und Elke Leger

Hausarbeit , 2009 , 13 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Katharina Liese (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Till Eulenspiegel-Erzählung von Erich Kästner provoziert in vielerlei Hinsicht. Provozieren (lat. 'provocare') kann mit „herausfordern“ übersetzt werden und genau das ist es, was Till tut, er fordert sein soziales Umfeld heraus. Doch provoziert nicht nur Till Eulenspiegel seine Mitmenschen innerhalb der Geschichten, auch Erich Kästner provoziert seinen Leser. Er wird regelrecht dazu herausgefordert sich eine Meinung über Till Eulenspiegel und seine Schandtaten zu bilden, wobei diese häufig mit den eigenen Moralvorstellungen zu kollidieren scheint. Dennoch empfindet der Leser Mitleid, sowie Sympathien für Till und kann mit ihm über die Opfer seiner Streiche lachen. Hierbei bewegt sich der Leser auf einem schmalen Grat zwischen der Verurteilung Tills für seine moralisch nicht vertretbaren Taten und der Empathie für diesen Schelm. Dieser Gratwanderung, die Erich Kästner, sowie auch Elke Leger in ihren Eulenspiegel-Erzählungen vollziehen, werde ich mich im Folgenden zuwenden. Hierbei wird die Frage zentral sein, wodurch es den Autoren gelingt die Lesersympathien für Till Eulenspiegel zu wecken. Dazu werde ich die Historien von Dil Ulenspiegel mit der Eulenspiegel-Erzählung von Erich Kästner und einer weiteren Bearbeitung von Elke Leger vergleichen. Aufgrund der Vielfalt an Historien werde ich mich hauptsächlich auf die dritte und vierte Historie, beziehungsweise auf die Geschichte Wie Eulenspiegel auf dem Seil tanzte beziehen. Zu diesem Zweck werde ich mich zunächst mit Tills Rache an den Kneitlingern befassen und aufzeigen, wodurch es den Autoren gelingt, Sympathien für Till zu schaffen, obwohl dieser unmoralisch handelt. In einem nächsten Punkt werde ich mich der, bei Kästner anzutreffenden, Verbindung von Till Eulenspiegels Streichen mit dem Tod seines Vaters zuwenden und unter einem weiteren Punkt aufzeigen, dass sowohl die Version von Elke Leger, wie auch die von Erich Kästner eine Lehre intendieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tills Rache an den Kneitlingern

3. Der Tod des Vaters

4. Die Moral von der Geschicht'

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie Erich Kästner und Elke Leger in ihren Till-Eulenspiegel-Erzählungen die Figur des Till Eulenspiegel moralisch und charakterlich zeichnen und durch gezielte Textanpassungen die Lesersympathien steuern. Dabei wird insbesondere analysiert, wie die Autoren den Leser zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Verhalten des Schelms und den Konsequenzen seiner Streiche herausfordern.

  • Vergleich moderner Eulenspiegel-Adaptionen mit der historischen Vorlage von 1515.
  • Analyse der Steuerung von Lesersympathien durch die Darstellung von Tills Opfern.
  • Untersuchung der Verbindung zwischen Tills Streichen und familiären Schicksalsschlägen.
  • Die Funktion von Moral und Lehre in den Erzählungen von Kästner und Leger.
  • Kontrastierung von Provokation und moralischer Aktivierung beim Leser.

Auszug aus dem Buch

Die Moral von der Geschicht'

Die Frage, welcher an dieser Stelle nachgegangen werden soll, ist, ob Kästner eine Moral im Sinne einer Lehre im Eulenspiegel aufzeigt.

Vergleicht man die Historien von 1515 mit den beiden Eulenspiegel-Erzählungen hinsichtlich einer Lehre, die aus den Erzählungen gezogen werden soll, so fällt auf, dass Elke Leger am Ende der Geschichten klare Definitionen der zu lernenden Handlungsmuster gibt. Am Ende der Seiltanzgeschichte, in der Till behauptet, dass er fliegen kann, heißt es: „Aber einige begannen auch nachzudenken und merkten, dass man nicht alles glauben soll, was einem erzählt wird.“ Leger verweist durch die konkrete Definition einer Lehre, welche aus dieser Geschichte gezogen werden soll, direkt auf das Fehlverhalten der Kneitlinger. Sie bietet eine offen dargelegte Bewertung eines Verhaltens an, welche der Leser übernehmen kann, beziehungsweise welche den Leser direkt zum Nachdenken anregen soll. Diese Form der Belehrung erinnert an die „Moral von der Geschicht“, wie man sie auch am Ende eines Kapitels in Märchen, Gedichten oder Fabeln wiederfinden kann. Im Gegensatz zu der Bearbeitung von Leger gibt es eine solche Belehrung in der Version von 1515 nicht. Hier werden die Erlebnisse des Dil Ulenspiegel in erster Linie berichtet, ohne diese abschließend in Form einer Lehre bewertend zu kommentieren. Doch auch Erich Kästner liefert keinen wertenden Kommentar am Ende seiner Geschichten. Dies ist zunächst einmal verwunderlich, da Erich Kästner als erklärter Moralist in vielen seiner Werke seine jungen Leser sogar direkt anspricht. So heißt es beispielsweise in Pünktchen und Anton: „Werdet anständiger, ehrlicher, gerechter und vernünftiger, als die meisten von uns waren!“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Provokationskraft der Eulenspiegel-Erzählungen von Erich Kästner und definiert das Ziel der Untersuchung, nämlich den Vergleich der moralischen Darstellung Tills bei Kästner und Leger.

2. Tills Rache an den Kneitlingern: Dieses Kapitel analysiert, wie die Autoren durch die negative Zeichnung der "Kneitlinger" als Opfer die Rachehandlungen Tills für den Leser legitimieren oder sympathisch erscheinen lassen.

3. Der Tod des Vaters: Der Abschnitt untersucht die Verknüpfung von Tills Streichen mit dem Tod seines Vaters und analysiert, wie Kästner hierdurch gezielt Sympathien und Antipathien des Lesers steuert.

4. Die Moral von der Geschicht': Hier wird diskutiert, inwiefern Kästner und Leger explizite Lehren oder eine Moral in ihre Texte integrieren und wie sie den Leser zur selbstständigen Urteilsbildung anregen.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Autoren durch gezielte Modifikationen der historischen Vorlage Tills Charakter beeinflussen und dem Leser durch Provokation eine aktive, kritische Auseinandersetzung ermöglichen.

Schlüsselwörter

Till Eulenspiegel, Erich Kästner, Elke Leger, Literaturvergleich, Moral, Erzähltheorie, Lesersteuerung, Rezeptionsästhetik, Schelmengeschichte, Kneitlinger, Seiltanzgeschichte, Didaktik, Sympathielenkung, Tradition, Adaption.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Erich Kästner und Elke Leger in ihren jeweiligen Bearbeitungen der Eulenspiegel-Historien die Titelfigur und deren Verhalten gegenüber der Umwelt moralisch und charakterlich neu interpretieren.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen der Vergleich moderner Adaptionen mit der 1515-Version, die psychologische Steuerung von Lesersympathien sowie die Frage nach einer moralischen Belehrung innerhalb von Schelmenerzählungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung geht der Frage nach, wie es den Autoren gelingt, durch inhaltliche Anpassungen die Sympathien des Lesers für den oft unmoralisch handelnden Till Eulenspiegel zu gewinnen oder ihn zur kritischen Stellungnahme zu provozieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Autorin verwendet eine komparatistische Analysemethode, indem sie ausgewählte Historien der Eulenspiegel-Erzählungen systematisch miteinander vergleicht und die narrativen Strategien der Autoren (Auslassungen, Ergänzungen, Charakterisierungen) gegenüberstellt.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Rache an den Kneitlingern, die thematische Einbindung des Vaters Todes sowie die Intention einer moralischen Belehrung durch die Autoren.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Eulenspiegel-Adaption, Sympathielenkung, moralische Provokation, Rezeptionssteuerung und literarischer Vergleich beschreiben.

Warum wird in der Arbeit das Verhalten der "Kneitlinger" besonders hervorgehoben?

Die Kneitlinger dienen als kontrastreiche Opferfiguren; ihre negative Darstellung durch Kästner und Leger ist ein zentrales Mittel, um Tills eigentlich verwerfliche Streiche für den Leser rechtfertigbar oder amüsant wirken zu lassen.

Wie unterscheidet sich die moralische Absicht bei Kästner von der bei Leger?

Während Leger am Ende ihrer Erzählungen eine explizite moralische Lehre formuliert, verzichtet Kästner auf einen wertenden Kommentar und überlässt es dem Leser, aus dem Text eigene moralische Schlüsse zu ziehen.

Welche Bedeutung hat der Tod des Vaters in den untersuchten Erzählungen?

Bei Kästner wird der Vaters-Tod genutzt, um das Bild von Till zu nuancieren und ihn teilweise als Täter erscheinen zu lassen, was den Leser dazu zwingt, seine Sympathie für den Schelm stetig zu hinterfragen.

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Details

Titel
Die dritte und vierte Historie des "Dil Ulenspiegel" im Vergleich mit den Till Eulenspiegel-Erzählungen von Erich Kästner und Elke Leger
Hochschule
Universität Münster  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Till Eulenspiegel und andere Schwankzyklen
Note
1,3
Autor
Katharina Liese (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V189373
ISBN (eBook)
9783656137023
ISBN (Buch)
9783656138662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsch Germanistik Till Eulenspiegel Schwank Schwankzyklen Dil Ulenspiegel Erich Kästner Elke Leger Historie Erzählungen Vergleich Literatur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Katharina Liese (Autor:in), 2009, Die dritte und vierte Historie des "Dil Ulenspiegel" im Vergleich mit den Till Eulenspiegel-Erzählungen von Erich Kästner und Elke Leger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189373
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Leseprobe aus  13  Seiten
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