Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der horizontalen Ausweitung der EU. Hier geht es im speziellen um die Osterweiterung des Gebietes der Union. Dieses Thema war lange ein wenig betrachtetes Gebiet in der Forschung der Internationalen Beziehungen. Für die Beleuchtung dieses Themas habe ich die Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus gewählt, da diese speziell auf die EU-Integrationen ausgerichtet wurde und anhand dieser entwickelt. Ich werde überprüfen inwieweit die Theorie ihren Ansprüchen, die Integrationsdebatte der Osterweiterung zu erklären, gerecht werden kann.
Dabei werde ich zunächst den Sachverhalt des Beitritts der mittel- und osteuropäischen Länder kurz erläutern. Näher werde ich dabei auf die beitrittsbezogenen Voraussetzungen und Grundlagen eingehen. Danach stelle ich die Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus mit seinen Grundannahmen und Analyseschritten näher vor. Weiterhin werde ich die spezifische Eckpunkte der Osterweiterung mittels des Liberalen Intergouvernementalismus aufzeigen und anschließend aber auch auf Schwachpunkte der Theorie eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beitrittsbestimmungen / vertragsrechtliche und politische Grundlagen
3. Chronologie der Osterweiterung
4. Entstehung und Hintergründe des Liberalen Intergouvernementalismus
5. Grundannahmen des LI
5.1 Analyseperspektive
5.1.1 Präferenzbildungsprozess:
5.1.2 Bargaining-Prozess:
5.1.3 Institutional Choice:
6. Erklärung der Osterweiterung mittels des LI
6.1 Geographische Lage
6.2 Finanzielle Gründe
6.3 Geopolitische Interessen
6.4 Erweiterungsverhandlungen zwischen der EU und den MOEL
7. Schwachstellen und Kritik bei der Erklärung der Osterweiterung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Erklärungskraft der Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus (LI) in Bezug auf den Prozess und die Ursachen der EU-Osterweiterung. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob der LI die Dynamiken der Erweiterung und die Motive der beteiligten Nationalstaaten adäquat deuten kann.
- Grundlagen des Liberalen Intergouvernementalismus nach Moravcsik
- Analyse des nationalen Präferenzbildungsprozesses und der Bargaining-Theorie
- Einfluss ökonomischer Interessen und geographischer Lage auf die Erweiterungspräferenzen
- Vergleich zwischen rationalistischen und konstruktivistischen Erklärungsansätzen für die Erweiterungsentscheidung
Auszug aus dem Buch
5.1.2 Bargaining-Prozess:
Regierungen betreiben eine Integrationspolitik,(?) um den nationalen Produzenten wirtschaftliche und rechtliche Vorteile zu sichern. Somit erklärt sich auch die Nachfrage nach internationaler Kooperation. Die Verhandlungsprozesse bestimmen das Angebot an Koordination. Laut der Ansicht Moravcsiks begründen sich die Reformen der EU auf rationalen Entscheidungen der Mitgliedsstaaten. Diese basieren auf relativer Macht. 25
Der Bargaining-Theorie liegen folgende Annahmen zu Grunde: 1. Die elementaren Entschlüsse der EU werden zwischen Regierungen getroffen, die freiwillig an Gesprächen teilnehmen und nicht dazu gezwungen werden müssen 2. Das transparente Verhandlungsumfeld der Union hilft dabei, den Einfluss von Faktoren, die das rationale Verhalten der Akteure beeinflussen zu reduzieren. Auch besitzen die Regierungen ein breites Wissen der unterschiedlichen Politikoptionen und verfügen über zahlreiche Informationen über die Präferenzen und Spielräume ihrer Verhandlungspartner. Ebenso sind die Transaktionskosten vor EU-Verhandlungen recht niedrig, da diese größtenteils langfristig angelegt sind. Damit ist eine Vielzahl von Kompromissangeboten möglich. Die Mitgliedsstaaten sind während der Verhandlungen somit nicht auf supranationale Institutionen angewiesen. 3. Die Regierung agiert als so genannter gate-keeper zwischen der innenpolitischen und der internationalen Ebene. Wenn die internationalen Handlungen beginnen, haben die nationalen Akteure keine Chance mehr, ihre von der Regierung vertretenen Präferenzen im Nachhinein zu verändern. In der Phase des Bargaining-Prozesses werden die Staaten nun wieder als einheitliche und autonome Akteure angesehen. Nationale Regierungen sind ebenso nicht in der Lage den Prozess der Präferenzbildung in anderen Staaten zu beeinflussen. Die jeweiligen nationalen Arenen sind isoliert und nicht miteinander zu verbinden. 26
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und Einführung in die Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus zur Analyse der Osterweiterung.
2. Beitrittsbestimmungen / vertragsrechtliche und politische Grundlagen: Erläuterung der rechtlichen Rahmenbedingungen für EU-Erweiterungen gemäß EU-Vertrag.
3. Chronologie der Osterweiterung: Kurzer Überblick über die wichtigsten Stationen und Zeitpunkte des Beitrittsprozesses der mittel- und osteuropäischen Länder.
4. Entstehung und Hintergründe des Liberalen Intergouvernementalismus: Darstellung der erkenntnistheoretischen Basis und der Entwicklung der Theorie durch Andrew Moravcsik.
5. Grundannahmen des LI: Definition der zentralen Annahmen über Akteure, Staaten und internationale Kooperation sowie die Modellierung der drei Analysestufen.
6. Erklärung der Osterweiterung mittels des LI: Anwendung der LI-Konzepte auf die Präferenzen der Mitgliedstaaten, geographische Lage, Kostenaspekte und Verhandlungsprozesse.
7. Schwachstellen und Kritik bei der Erklärung der Osterweiterung: Diskussion der Grenzen des LI bei der Erklärung der politischen Erweiterungsentscheidung und Gegenüberstellung mit konstruktivistischen Ansätzen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Stärken und Schwächen des LI in der Erklärung der EU-Osterweiterung.
Schlüsselwörter
Liberaler Intergouvernementalismus, EU-Osterweiterung, Moravcsik, Europäische Integration, Präferenzbildung, Verhandlungsmacht, Rationalismus, Beitrittsprozess, Kopenhagener Kriterien, Geopolitik, ökonomische Interdependenz, Konstruktivismus, Interessenvermittlung, Nationalstaaten, gemeinschaftlicher Besitzstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die EU-Osterweiterung unter Anwendung der politikwissenschaftlichen Theorie des Liberalen Intergouvernementalismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Mechanismen europäischer Integration, das Verhalten von Nationalstaaten in Verhandlungen und die Genese politischer Präferenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Erklärungskraft des Liberalen Intergouvernementalismus zu prüfen, um zu verstehen, warum und wie die Osterweiterung der EU stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch geleitete Analyse verwendet, die auf der Prüfung von Hypothesen basierend auf den Annahmen des rationalistischen Intergouvernementalismus beruht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Grundannahmen des LI, die Rolle von Interessengruppen, die geographische und finanzielle Dimension der Erweiterung sowie die Kritik am rein rationalistischen Erklärungsmodell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Liberaler Intergouvernementalismus, EU-Erweiterung, Präferenzbildung, Verhandlungsmacht und ökonomische Interdependenz.
Warum konnte der LI die Entscheidung zur Osterweiterung nicht vollständig erklären?
Laut der Autorin reicht die rein ökonomische und machtbasierte Logik nicht aus; normenbasierte Argumente und die historische Verantwortung spielten eine entscheidende, durch den LI unterbelichtete Rolle.
Welche Rolle spielen die "Vorreiter" und "Bremser" in der Analyse?
Diese Begriffe beschreiben die unterschiedlichen Erweiterungspräferenzen der EU-Mitgliedstaaten, welche sich maßgeblich aus ihrer geographischen Lage und wirtschaftlichen Interessenstrukturen ergaben.
- Quote paper
- Bianca Affeldt (Author), 2009, Inwieweit reicht die Erklärungskraft des Liberalen Intergouvernementalismus um den Prozess und die Ursachen der Osterweiterung der Europäischen Union zu deuten? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189382