Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Vorstellung der Steuersysteme der Schweiz und Deutschlands mitsamt ihrer Steuerarten, gefolgt von einem Vergleich mit Ausarbeitung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Staaten. Auf Grund der Komplexität und Weitläufigkeit des Steuerrechts wird bei der Beschreibung der einzelnen Steuersysteme nur auf den grundlegenden Aufbau der beiden Systeme inklusive kurzer historischer Beleuchtung eingegangen sowie ein grober Abriss der wichtigsten Steuerarten und ihrer jeweiligen länderspezifischen Gegenstücke aufgezeigt, wobei insgesamt ein stärkerer Fokus auf das schweizerische Steuerrecht gelegt wird.
Die Schweiz wird in der allgemeinen Verkehrsauffassung oft als „Steuerparadies“ betitelt, das Steuerflüchtlingen einen „sicheren Zufluchtsort“ biete und so den weltweiten „Mythos der unantastbaren steuerlichen Stellung“ begründe, der zahlreiche Vermögende aus aller Welt anlockt. Wer in Bezug auf Steuern die Schweiz erwähnt, erntet bei seinen Mitmenschen nicht selten ein verschmitztes Lächeln, denn viele assoziieren damit steuerlich paradiesische Verhältnisse mit geringsten Steuersätzen und „Steuerabsprachen“ mit den schweizerischen Finanzämtern.
Deutschland dagegen drangsaliere seine Steuerbürger mit dem „kompliziertesten Steuersystem der Welt.“ So wird oft und gerne die Anekdote verwandt, dass „zwei Drittel der weltweiten Steuerliteratur in deutscher Sprache verfasst seien“ und dies doch nur für die „Intransparenz des unfairen und Menschen daran verzweifelnden deutschen Steuersystems“ stehen könne.
Auf der anderen Seite wird behauptet, die Schweiz würde der Steuerhinterziehung Vorschub leisten und beteilige sich nicht in dem gebotenen Maße an der Verhinderung bzw. Aufdeckung von Steuerbetrug. So hat der Deutsche Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erst kürzlich einen Referentenentwurf zu einem Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz vorgelegt, der die Vorgehensweise gegen Steueroasen verschärfen und in dessen Zuge unkooperative Staaten auf eine „schwarze Liste der Steueroasen“ setzen soll, darunter eventuell auch die Schweiz.
Natürlich sind diese Sichtweisen bewusst zugespitzt, doch ist vielleicht ein wahrer Kern vorhanden? Es stellt sich die Frage, ob das schweizerische Steuersystem wirklich so anders als das deutsche ist, und wenn ja, inwiefern die beiden Systeme sich unterscheiden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Steuersysteme
2.1 Das Schweizer Steuersystem
2.1.1 Die geschichtliche Entwicklung
2.1.2 Das aktuelle System
2.1.3 Die Steuerarten
2.1.3.1 Die Steuern des Bundes
2.1.3.2 Die Steuern der Kantone und Gemeinden
2.2 Das Deutsche Steuersystem
2.2.1 Die geschichtliche Entwicklung
2.2.2 Das aktuelle System
2.2.3 Die Steuerarten
2.2.3.1 Die Steuern der Gemeinschaft
2.2.3.2 Die Steuern des Bundes
2.2.3.3 Die Steuern der Länder
2.2.3.4 Die Steuern der Gemeinden
3. Vergleich der Steuersysteme
4. Vergleich der Steuerbelastung
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist ein fundierter Vergleich der föderalistisch geprägten Steuersysteme in Deutschland und der Schweiz, um Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede herauszuarbeiten und deren Auswirkungen auf die Steuerbelastung und Steuerpraxis zu analysieren.
- Historische Entwicklung und Aufbau der Steuersysteme in beiden Staaten
- Struktur der Steuerhoheit und Kompetenzverteilung auf verschiedenen Ebenen
- Gegenüberstellung der wesentlichen Steuerarten und Bemessungsgrundlagen
- Analyse des schweizerischen Steuerwettbewerbs versus der deutschen Steuervereinheitlichung
- Vergleich der Steuerbelastung für Privatpersonen und Unternehmen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die geschichtliche Entwicklung
Das Schweizer Steuersystem entspricht ganz klar der Theorie des historisch gewachsenen Systems. Bereits 1798 erhielt die damalige Helvetische Republik ein einheitliches Steuersystem, welches allerdings nie wirklich in die Praxis umgesetzt werden konnte und mit dem Zusammenbruch der Helvetik 1803 wieder seine Gültigkeit verlor. Im Laufe der Jahre „entwickelten sich die Kantone ziemlich selbständig, was zur großen Vielgestaltigkeit im Aufbau der Steuersysteme und der Ausgestaltung der einzelnen Steuern führte.“ Mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848 ging dann die bis dahin vorherrschende Zollhoheit der Kantone auf den Bund über. Die Kantone behielten weiterhin das Recht auf Erhebung einer Einkommen- und Vermögensteuer. Während des ersten Weltkriegs wurde die bislang gültige Praxis, wonach dem Bund die indirekten und den Kantonen die direkten Steuern zustanden, aufgegeben, und der Bund erhob zum ersten Mal auch eine direkte Steuer in Form der „Kriegsgewinnsteuer“. Weitere Steuern des Bundes folgten, z.B. im zweiten Weltkrieg die „Wehrsteuer“, die Vorläuferin der heutigen Direkten Bundessteuer, der schweizerischen Einkommensteuer, und die bis heute gültige „Stempelabgabe“. Die Kantone stellten nun ihr System von der Vermögensteuer als Hauptsteuer mit ergänzender Erwerbsteuer zum System der allgemeinen Einkommensteuer mit ergänzender Vermögensteuer um. Der Kanton Glarus schloss diesen Wechsel 1970 als letzter Kanton ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand, erläutert die Beweggründe für den Vergleich der beiden Steuersysteme und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Die Steuersysteme: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte historische und aktuelle Betrachtung der Steuersysteme in der Schweiz und in Deutschland, inklusive der jeweiligen Steuerarten und Kompetenzverteilungen.
3. Vergleich der Steuersysteme: Hier werden die föderalistischen Strukturen beider Länder gegenübergestellt und Unterschiede in Steuerhoheit, Wettbewerb sowie verfahrenstechnischen Aspekten herausgearbeitet.
4. Vergleich der Steuerbelastung: Das Kapitel vergleicht die tatsächliche Abgabenquote und steuerliche Belastung für Privatpersonen sowie Unternehmen in beiden Ländern anhand konkreter Daten.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Unterschiede zusammen, bewertet die Komplexität der Systeme und gibt einen Ausblick auf mögliche Reformbestrebungen.
Schlüsselwörter
Steuersystem, Deutschland, Schweiz, Steuerwettbewerb, Steuerhoheit, Einkommensteuer, Vermögensteuer, Steuerharmonisierung, Steuerbelastung, Föderalismus, Steuerhinterziehung, Unternehmenssteuern, Mehrwertsteuer, Fiskaleinnahmen, Steuergesetzgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Überblick über die Steuersysteme von Deutschland und der Schweiz.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die föderale Struktur der Steuerhoheit, die wichtigsten Steuerarten, die geschichtliche Entwicklung und die Steuerbelastung in beiden Staaten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Steuersysteme aufzuzeigen und die Auswirkungen auf Bürger und Unternehmen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen rechtswissenschaftlich-ökonomischen Vergleich basierend auf einer fundierten Literatur- und Gesetzesanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Steuersysteme, deren direkten Vergleich sowie eine Analyse der steuerlichen Belastung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Steuersystem, Steuerwettbewerb, Steuerhoheit, Föderalismus und Steuerbelastung.
Was unterscheidet das schweizerische System hinsichtlich der Steuerhoheit?
In der Schweiz verfügen die Kantone über eine weitreichende eigene Steuerhoheit, was zu einem ausgeprägten Steuerwettbewerb zwischen den Kantonen führt.
Wie geht die Arbeit mit dem Thema Steuerhinterziehung um?
Die Arbeit thematisiert die rechtlichen Unterschiede, wobei sie hervorhebt, dass die Steuerhinterziehung in der Schweiz als solcher Straftatbestand unbekannt ist, während sie in Deutschland streng sanktioniert wird.
- Citation du texte
- Christoph Kühr (Auteur), 2009, Steuersysteme im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189396