Die Rolle der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) in der Politik der EU

Versuch der Analyse des Stellenwerts des KMU Sektors in der Politik auf Europäischer Ebene


Hausarbeit, 2010

22 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Was sind Klein- und Mittelbetriebe? – Definition
Quantitative Beschreibung des Sektors in Österreich und Europa
Stärken und Hauptproblemfelder von KMU
Forschungsleitende Fragestellung und ergänzende Fragen
Hypothese
Abgrenzung der Forschung

2. Europäische KMU Politik
Aktuelle Policy Programme
Die europäische Charta für Kleinunternehmen
Der „Small Business Act“ (SBA)
Das erste Jahr der Implementierung – der SBA ein Erfolg?

3. Interessensvertretung der KMU auf europäischer Ebene
Lobbying

4. Beantwortung der Fragestellungen und Hypothese

5. Abkürzungsverzeichnis

6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Dokumente
Internetquellen
Bibliographie
Sonstige Quellen
Eidesstattliche Erklärung

1. Was sind Klein- und Mittelbetriebe? – Definition

Seit 1. Januar 2005 ist im EU-Raum eine neue Definition von Klein- und Mittelbetrieben gültig. Es wurde dadurch die seit 1996 bestehende Definition von der Kommission überarbeitet, mit dem Ziel, den zwischenzeitlich stattgefundenen wirtschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen und die Einteilungskriterien treffsicherer und wirkungsvoller zu gestalten. Konkret wurden die finanztechnischen Obergrenzen angehoben (Anpassung an Preis- und Produktivitätssteigerungen), eine Kategorisierung für Unternehmen (autonom, Partner und abhängig) geschaffen und eine neue Methode zur Berechnung der tatsächlichen Finanzkraft der Unternehmen eingeführt. Dadurch soll unter anderem sichergestellt werden, dass eine Unterstützung nur jenen KMU zu Teil wird, welche sich nicht auf den finanziellen Background einer Gruppe von Unternehmen verlassen können, deren Teil sie sind (vgl. Homepage der Kommission, SME Definition[1]).

Für die Einteilung von Unternehmungen in die Kategorien Kleinst-, Klein- oder Mittelbetrieb sind entsprechend der Empfehlung der Kommission (2003/361/EC) folgende Grenzen festgelegt worden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle1 (Quelle: Recommendation 2003/361/EC; Recommendation 1996/280/EC)

Die Empfehlung der Kommission und die damit einhergehenden Kategorisierungen dienen als Grundlage für die Abstimmung der KMU Förderprogramme und unterstützenden Politiken der EU, der Mitgliedsstaaten, der Europäischen Investitionsbank (EIB) sowie auch des Europäischen Investment Fonds (EIF) (vgl. Homepage der Kommission, SME Definition[2]).

Quantitative Beschreibung des Sektors in Österreich und Europa

Wie schon aus der oben beschriebenen Definition von Klein- und Mittelbetrieben ableitbar, handelt es sich dabei um einen sehr inhomogenen Sektor. Unter den Begriff KMU, fällt ein selbstständiger Buchmacher oder Monteur ohne weitere Angestellte, ebenso wie etwa ein aufstrebendes, innovatives und exportorientiertes Hochtechnologieunternehmen mit über 200 Mitarbeitern. Diese große Bandbreite muss bei allen folgenden Analysen mitgedacht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

EUROPÄISCHE UNION. Die europäische Wirtschaftslandschaft ist einem ständigen Wandel unterworfen. So wurden in den Jahren 2003 bis 2005 rund 1,56 Mio. neuer Unternehmen gegründet, wohingegen ca. 1,32 Mio. Firmen aufgrund eines Bankrotts oder mangels eines Nachfolgers, zusperren mussten. Dies entspricht also einem durchschnittlichen Nettozuwachs von ca. 240.000 neuen Unternehmen pro Jahr im EU-Raum. Den überwiegenden Teil dieser Neugründungen machen Firmen, mit im Schnitt weniger als vier Angestellten, also sogenannte Kleinst- oder Microunternehmen aus und schaffen dadurch einen ständigen Erneuerungsprozess. Über den, häufig von gerade sehr jungen Unternehmen geleisteten Innovationsinput, wird zudem ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft erbracht (vgl. EIM 2009, 9f).

Tabelle 2 (Quelle: EIM- Annual Report on EU Small and Medium-sized Enterprises, 2009)

Europaweit (EU-27, 2007) sind über 20 Mio. Unternehmen registriert, wobei der Großteil (99,8%) dabei auf KMU entfällt. Durch die große Anzahl an Einpersonenunternehmen (13 Mio. = 57%) und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern (5,7 Mio. = 34%) ist dieser überwältigende Anteil jedoch nicht der eindrücklichste Faktor für den realwirtschaftlichen Stellenwert des KMU Sektors (vgl. EIM 2009, 12f). Als weitaus aufschlussreicher stellt sich hier die Betrachtung des Beitrags der KMU zur Bruttowertschöpfung der Union, also zum BIP und zur Sicherung der Arbeitsplätze, dar. So entfallen rund 58% aller Waren und Dienstleistungen, die während eines Jahres erbracht oder hergestellt werden auf Klein- und Mittelbetriebe und im EU-Durchschnitt etwa 67%(!) der Arbeitsplätze. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die europäischen Kleinstunternehmen (bis zu zehn Mitarbeiter/ EU-Durchschnitt: 2MA, siehe Tabelle 2), mit etwa einem Drittel, für genau so viele Arbeitsplätze sorgen wie Großkonzerne (vgl. Christian Weinberger, 13.09.2009). Auch bei der Entstehung neuer Arbeitsplätze leisten KMU einen nicht zu unterschätzenden Beitrag. So entfielen rund 84%, der in den Jahren 2002 bis 2007 geschaffenen 8,7 Mio. Arbeitsplätze, auf diesen Sektor. Verglichen mit dem Anteil an den Arbeitsplätzen Gesamt (67%), stellt dies einen überdurchschnittlich hohen Wert dar. Gerhard Huemer, Direktor für Wirtschaftspolitik beim UEAPME, der europäischen Interessensvertretung für KMU, spricht in diesem Zusammenhang nicht nur von einer großen Bedeutung für die Wirtschaft, sondern auch für die Entwicklung des Wohlstandes und daraus folgend des sozialen Zusammenhalts (vgl. Huemer, 13.09.2009).

ÖSTERREICH. Der Anteil der Klein- und Mittelbetriebe in Österreich, entspricht mit 99,7% in etwa dem der EU (99,8%). Die Aufteilung des Sektors in Kleinst-, Klein-, und Mittelbetriebe fällt jedoch unterschiedlich aus. So liegt der Prozentsatz der Kleinunternehmen ca. 4% über dem Wert der EU-weiten Vergleichsgruppe. Durch diese Tatsache ist auch der Prozentsatz, der in österreichischen KMU Beschäftigten, höher als der EU-Schnitt (vgl. SBA Fact Sheet Austria[4], 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3[5] (Quelle: SBA Fact Sheet Austria[6])

Stärken und Hauptproblemfelder von KMU

Zu den unumstrittenen Stärken der Klein- und Mittelbetriebe gehört sicherlich die Tatsache, dass es sich bei einem Großteil dieser Firmen um Familienunternehmen ohne, oder mit nur wenigen weiteren Angestellten handelt. Dadurch ist es ihnen möglich, flexibel auf eine schwankende Auftragslage zu reagieren und damit eine Freisetzung von Arbeitskräften, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, weitgehend zu vermeiden. Die Fähigkeit sich rascher auf neue Situationen einstellen und neue Chancen ergreifen zu können, ermöglicht durch eine flache Hierarchie und kleine Entscheidungsgremien, trägt weiter zur hohen Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit der Unternehmen dieses Sektors bei (vgl. Kriz-Zwittkovits, 13.09.2009).

Den genannten individuellen Stärken der Unternehmen, stehen jedoch auch spezifische Schwächen und strukturelle Benachteiligungen gegenüber. Als schwerwiegend und durch die jüngste Wirtschaftskrise von besonderer Brisanz, stellt sich die Beschaffung von Finanzmitteln dar. Durch häufig zu geringe Sicherheiten ist es kleinen Unternehmen, oftmals auch bei guter Auftragslage, nicht möglich entsprechende Kredite zur Zwischenfinanzierung oder zur Expansion zu bekommen. Zusammen mit dem, im Verhältnis zur Unternehmensgröße, hohem Verwaltungsaufwand, bilden ebenso unverhältnismäßige steuerliche Belastungen die Top 3 der strukturellen KMU-Probleme.

Weitere Hindernisse stellen die oft mangelnde Kenntnis über Verfahren und Abläufe in Verbindung mit der generellen Bevorzugung großer Betriebe, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sowie branchenspezifische Probleme in, von der Wirtschaftskrise besonders betroffenen Bereichen (Bau- und Automobilbranche) dar (vgl. Huemer/ Weinberger, 13.09.2009).

[...]


[1] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/facts-figures-analysis/sme-definition/index_en.htm, 12.02.2010

[2] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/facts-figures-analysis/sme-definition/index_en.htm, 12.02.2010

[3] Tatsächlicher Wert: 0,2%

[4] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/craft/sme_perf_review/doc_08/spr08_fact_sheet_at_en.pdf, 13.02.2010

[5] Werte basieren auf Daten der Eurostat. SBS aus den Jahren 2004/05

[6] http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/craft/sme_perf_review/doc_08/spr08_fact_sheet_at_en.pdf, 13.02.2010

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) in der Politik der EU
Untertitel
Versuch der Analyse des Stellenwerts des KMU Sektors in der Politik auf Europäischer Ebene
Hochschule
Universität Salzburg  (Politikwissenschaft und Soziologie)
Note
3
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V189443
ISBN (eBook)
9783656135609
ISBN (Buch)
9783656135890
Dateigröße
989 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, klein-, mittelbetriebe, versuch, analyse, stellenwerts, sektors, politik, europäischer, ebene
Arbeit zitieren
BA Markus Philipp Vogtenhuber (Autor), 2010, Die Rolle der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) in der Politik der EU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189443

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