Wie es wohl aussieht, das Frühstück der Zukunft? Sicher werden Tassen und
Teller , Kaffee und Tee auch in 20 Jahren noch morgens auf dem Tisch stehen. Wie
aber befriedigen die Menschen ihr Informationsbedürfnis? Informiert ein kleiner
Bildschirm zwischen Wärmekanne und Zuckerdose über Nachrichten aus Politik,
Wirtschaft, Kultur und Sport? Vielleicht blättern sie noch – der alten Zeiten zuliebe – in
einzelnen rasch ausgedruckten Seiten der Online-Ausgabe ihrer Tageszeitung? Oder
sie laden sich die aktuellen Nachrichten auf unverwüstliches E-Paper.
Wohin die Entwicklung auch geht, die Zukunft der gedruckten Tageszeitung
scheint ernsthaft in Gefahr: Das Internet als neues Informationsmedium konkurriert mit
dem Printprodukt um Leser und Geschäft. Längst verfolgt der interessierte Nutzer
stündlich die Berichterstattung über ein aktuelles Ereignis online. Gleichzeitig verlassen
immer mehr Angebote zur Jobsuche oder zum Autokauf den Kleinanzeigenteil der
Tageszeitung und wandern auf kostenlose Homepages der Internetdienste. Den
Großteil der Verlage traf diese Entwicklung der letzten Jahre völlig unvorbereitet. Ohne
besondere Rücksicht auf die Internet-Kundschaft stellten sie eiligst ihre Tageszeitungen
als Online-Angebot ins Netz. Inhaltliche Aspekte sowie Finanzierungskonzepte blieben
zunächst auf der Strecke. Mit dem aufkommenden Werbemarkt im Internet hat nun aber
auch in Chefetagen der Verlagshäuser ein Denkprozeß eingesetzt, der sich immer mehr
in den überarbeiteten Auftritten der Online-Tageszeitungen widerspiegelt.
Es kommt Bewegung in den Konkurrenzkampf um Visits und Page-Impressions.
Die Struktur der Online-Leserschaft mit ihren Interessen und Bedürfnissen rückt dabei
immer mehr in den Vordergrund. Die vorliegende Arbeit will einen Blick auf die
bisherigen Erkenntnisse über die Nutzer von Online-Tageszeitungen werfen und
zugleich die Leser der klassischen Tageszeitung im Auge behalten. Unterschiedliche
Erhebungsmethoden oder verschiedenartige Auswahlkriterien in den einzelnen Studien
machen es schwierig, aussagekräftige Vergleiche oder Prognosen anzustellen.
Außerdem verlangt gerade die Betrachtung der Online-Nutzer einen hohen Grad an
Aktualität, den die vorhandene Literatur zu diesem Thema nur begrenzt liefern kann. Zunächst betrachten wir im folgenden die aktuelle Situation der gedruckten
Tageszeitung und gehen dabei auch auf ihre Leser ein. Anschließend werden die
Geschichte des Internet sowie soziodemographische Aspekte der Nutzer skizziert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. DIE ZEITUNG
2.1 DIE TAGESZEITUNG
2.1.1 Begriff
2.1.2 Konzentration
2.1.3 Aktuelle Situation
2.2 WIE LESER TAGESZEITUNGEN NUTZEN
2.3 DIE ZUKUNFT DER TAGESZEITUNG
3. DAS INTERNET
3.1 GESCHICHTE UND BEGRIFF
3.2 DIE INTERNET-NUTZER
3.3 DAS INTERNET ALS NEUE PLATTFORM FÜR ZEITUNGS-AUFTRITTE
4. TAGESZEITUNGEN IM INTERNET
4.1 GESCHICHTE UND SITUATION
4.2 TYPOLOGISIERUNG DER ONLINE-ZEITUNGEN
4.3 DER INTERNET-TAGESZEITUNGSNUTZER
4.4 AUSBLICK UND TRENDS
5. WER LIEST WAS – GEDRUCKT UND ONLINE?
5.1 SÜDDEUTSCHE ZEITUNG UND SZONNET
5.2 BILD UND BILD-ONLINE
5.3 RHEIN ZEITUNG UND RZ-ONLINE
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der klassischen gedruckten Tageszeitung und ihren Online-Pendants vor dem Hintergrund der veränderten Mediennutzung am Ende des 20. Jahrhunderts. Das primäre Ziel ist es, die demographischen Merkmale und das Nutzungsverhalten der jeweiligen Leserschaften zu analysieren und zu klären, ob das Internet die gedruckte Zeitung verdrängt oder ergänzt.
- Historische Entwicklung der Tageszeitung und des Internets
- Strukturanalyse der Online-Leserschaft im Vergleich zur Print-Leserschaft
- Typologisierung von Online-Zeitungsangeboten
- Vergleichende Fallstudien (Süddeutsche Zeitung, Bild, Rhein Zeitung)
- Zukunftsperspektiven für Verlage und Zeitungsmarken
Auszug aus dem Buch
3.3 Das Internet als neue Plattform für Zeitungs-Auftritte
Es ist aus heutiger Sicht nahezu unmöglich, präzise Prognosen über die Entwicklung des Internet und seiner Anwendungsmöglichkeiten zu erstellen. Im Hinblick auf Online-Zeitungen und ihrem Verhältnis zu den gedruckten Ausgaben läßt sich aber wenigstens darstellen, welche Möglichkeiten das technische und multimediale Potential das Internet erlaubt. Ob es sich dabei um Vor- oder Nachteile des neuen Mediums gegenüber dem klassischen Papierprodukt handelt, ist eine Frage der Perspektive und soll hier nicht erörtert werden.
• Multimedialität: Die Benutzeroberfläche des World Wide Web erlaubt problemlos die Kombination von gedrucktem Text, statischen und bewegten Bildern, sowie auditiven Elementen. Für die gedruckte Zeitung erweitert sich damit das Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten zwar enorm, wird bei den Online-Auftritten (bisher) aber kaum genutzt.
• Vernetzung: Das Hypertext-Prinzip erlaubt Verbindungen (,Links‘) zwischen einzelnen Informationseinheiten (,Nodes‘). Das „ermöglicht neue Formen der journalistischen Textgestaltung, nämlich eine nicht-lineare, modulare Präsentation, einschließlich multimedialer Elemente, externer Verbindungen, zum Beispiel zu den Primärquellen eines Beitrags oder einem Diskussionsforum. Da im Gegensatz zur gedruckten Zeitung kein Platzmangel herrscht, können Themen sehr viel ausführlicher dargestellt werden.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Einleitung in die Problematik der Konkurrenz zwischen Print- und Online-Medien sowie Darlegung des Ziels der vorliegenden Untersuchung.
2. DIE ZEITUNG: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Tagespresse, deren Konzentrationstendenzen und eine Analyse des sich wandelnden Nutzungsverhaltens.
3. DAS INTERNET: Beschreibung der technologischen Geschichte des Internets, der demographischen Struktur der Nutzer und der technischen Potenziale für Zeitungsangebote.
4. TAGESZEITUNGEN IM INTERNET: Darstellung der Entwicklung von Online-Zeitungen, deren Typologisierung und eine Untersuchung der spezifischen Nutzergruppen.
5. WER LIEST WAS – GEDRUCKT UND ONLINE?: Empirischer Vergleich der Leserschaften von drei ausgewählten Fallbeispielen: Süddeutsche Zeitung, Bild und Rhein Zeitung.
6. FAZIT: Synthese der Ergebnisse, die eine komplementäre Nutzung beider Medien nahelegt und Perspektiven für die künftige Strategie der Verlage aufzeigt.
Schlüsselwörter
Tageszeitung, Internet, Online-Journalismus, Mediennutzung, Printmedien, Konvergenz, Leserverhalten, Demographie, Multimedia, Werbemarkt, Zeitungsverlage, Qualitätszeitung, Boulevardpresse, Regionalzeitung, digitale Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des Internets als neues Medium auf die traditionelle Tageszeitung und untersucht, wie beide Medienformen im aktuellen Markt koexistieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Einordnung der Print- und Online-Medien, die soziodemographischen Unterschiede der Leserschaften sowie die strategischen Herausforderungen für Verlage im digitalen Zeitalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis von Daten und Studien zu klären, ob Online-Angebote die gedruckte Zeitung ersetzen oder als komplementäres Medium fungieren und wie sich die Leserstrukturen dabei verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die auf der Auswertung bestehender Medienstatistiken, Umfrageergebnissen (u.a. W3B-Studie, Allensbacher Werbeträgeranalyse) und Literaturrecherchen zu den behandelten Fallbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Zeitung und des Internets als Mediensysteme, die Typologisierung von Online-Zeitungsauftritten sowie die detaillierte Gegenüberstellung von Print- und Online-Nutzern anhand dreier konkreter Beispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Online-Journalismus, Mediennutzung, Print-Online-Konkurrenz und die demographische Struktur der Nutzerschaft charakterisieren.
Warum schneidet die Rhein-Zeitung bei der Gewinnung junger Leser online besser ab als in der Printausgabe?
Der Autor zeigt auf, dass das Online-Angebot der Rhein-Zeitung (RZ-Online) eine eigene, vom Printprodukt unabhängige Markenidentität mit bundesweitem Fokus aufgebaut hat, die den Interessen jüngerer Internetnutzer deutlich stärker entgegenkommt als die regional begrenzte und überalterte Printausgabe.
Welche Rolle spielt die "Spielwiese" bei der Typologisierung von Online-Zeitungen?
Der Typ "Spielwiese" beschreibt Online-Angebote, die alle multimedialen Möglichkeiten des Internets (Chats, Spiele, Video) nutzen, um den User zu binden, wobei der Fokus hierbei teilweise weg von der reinen Information hin zur reinen Unterhaltung verschoben wird.
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- Wolfgang Haserer (Author), Andreas Krosta (Author), 2000, Wer liest Tageszeitung? Offline - Online im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18947