„Citius, altius, fortius“ – der von Pierre Frédy Baron de Coubertin in seinen „Olympischen
Erinnerungen“ angeführte Grundsatz vom „schneller, höher, weiter“
scheint nicht allein für das Streben im Sport zu gelten. Betrachtet man die Stadien
dieser Welt, drängt sich der Verdacht auf, dass das Motto auch beim Bau
vieler Sportstätten erste Prämisse war.1 Sportstätten sind in ihren klassischen
Zielen „darauf abgestellt, moralischen und politischen Gesichtspunkten zu genügen.
[…] Unter den Augen aller erhebt und läutert sich die Seele des Bürgers.“
2 Heutzutage muss sich eine Sportstätte weitaus komplexeren Bewältigungen
stellen können, haben sich doch seit den 1980ern mit Beginn der
Kommerzialisierung durchaus vielfältige Möglichkeiten der Nutzung ergeben.
So dienen Sportstätten nicht mehr der Egalisierung des Volkes durch „Brot und
Spiele“3, sondern laden einmalige Architekturen, exklusive VIP-Lounges und
unvergessliche Events die Zuschauer zum Konsumieren von Sport und Erlebnis
ein. Diesen Ansprüchen nicht mehr gewachsene Sportstätten müssen entgegen
aller Tradition neuen, immer extravaganteren Arenen und Stadien weichen. Als
eines der prominentesten Opfer dürfte hierzu wohl das 19234 erbaute legendäre
Wembley Stadium in London gelten, welches 2003 abgerissen wurde und einem
Neubau weichen musste, welcher im Rahmen des Olympia-Zuschlags
2012 an London den hohen Anforderungen an internationale Wettkämpfe entspricht.
Auch wenn kein Sport-Mega-Event5 bevorsteht, modernisieren und
bauen Städte und Gemeinden ihre Stadien und Arenen zu Sehenswürdigkeiten
und Touristenattraktionen aus. Doch bringt der Neubau auch den regelmäßigen
Nutzern der Sportstätte einen Erfolg? Verbessern Mannschaften mit einem
neuen Stadion ihre sportliche Ausgangslage, nachdem sie in den neuen Tempel
umgezogen sind? Ist der Stadionneubau ein Indikator für den sportlichen
Erfolg?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodisches Vorgehen
2.1. Literaturrecherche
2.2. Datenerhebung
2.2.1. Untersuchter Zeitraum / Sportarten / Ligen
2.2.2. Festlegung Stadion / Arena
2.2.3. Definition Neubau
2.2.4. Festlegung Sportlicher Erfolg
2.3. Statistische Methode
3. Datenauswertung
3.1. Kurzfristige Tabellenplatzentwicklung
3.2. Mittelfristige Tabellenplatzentwicklung
3.3. Langfristige Tabellenplatzentwicklung
3.4. Verteilung
3.5. Interpretation der Daten
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob ein Stadionneubau als zuverlässiger Indikator für den zukünftigen sportlichen Erfolg einer Mannschaft herangezogen werden kann. Ziel ist es, durch die Analyse von Tabellenplatzierungen vor und nach Stadioneröffnungen empirische Erkenntnisse über kurz-, mittel- und langfristige Leistungsveränderungen zu gewinnen.
- Analyse der Tabellenplatzentwicklung nach Stadionneubauten
- Einfluss von Sportstättenarchitektur auf Fan-Euphorie und sportliche Leistung
- Methodischer Vergleich von kurz-, mittel- und langfristigen Zeiträumen
- Untersuchung verschiedener Sportarten (Fußball, Basketball, American Football, Eishockey)
- Statistische Auswertung von 28 Sportstätten in internationalen Profiligen
Auszug aus dem Buch
2.2.4. Festlegung Sportlicher Erfolg
Der sportliche Erfolg ist in dieser Untersuchung klar definiert. Es wird nur der erreichte Tabellenplatz gewertet, alle anderen Kriterien wie z.B. finanzielle Besserstellung oder Erreichen eines internationalen Wettkampfes trotz schlechterem Tabellenplatz werden nicht berücksichtigt. Sportlicher Erfolg ist allein die Besserstellung in der Tabelle im Vergleich zur Vorsaison, bzw. vorherigem Zeitraum. Untersuchungen die über den Tabellenplatz hinausgehen, sind aufgrund der Verschiedenheit der betrachteten Ligen zu umfangreich und sind für die Beantwortung der Frage nicht relevant. Des Weiteren gilt es, das in einigen Sportarten übliche Play-off-Verfahren in eine aussagekräftige Tabelle umzuwandeln. Dabei wurde in der NHL und in der NBA folgendes Verfahren angewandt: Beide Ligen sind in jeweils 2 „Conferences“ aufgeteilt. Die Meister der „Conferences“ spielen im Finale den Meister der gesamten Liga aus. Dabei ist der Meister Tabellenplatz 1 und der Vizemeister Tabellenplatz 2. In den so genannten „Conference Finals“ ist die Mannschaft Tabellenplatz 3, die in dieser Runde mehr Siege erreichen konnte. Bei gleich viel Siegen wurden die gesamten Play-off-Siege miteingerechnet und sollten die Mannschaften immer noch gleichgestellt sein, dann ist die Punktezahl, bzw. die Gewinnquote aus der Hauptrunde entscheidend. Sind hier die Mannschaften immer noch gleichgestellt, kommt es auf den direkten Vergleich der beiden Teams untereinander an. Dieses Bewertungssystem wird dann in jeder Runde angewandt, wodurch sich eine Play-off-Tabelle mit den Plätzen 1-16 ergibt. In der NHL ist eine weitere Besonderheit zu beachten. Die Saison 2004/2005 ist aufgrund eines Streiks der Spieler komplett ausgefallen und wird in den Daten mit jeweils „0“ als Tabellenplatz bewertet.
In der NFL wurde der Tabellenplatz aus der Hauptrunde erhoben, da sich die Play-offs aus nicht bewertbaren Kriterien wie z. B. der Wild-Card zusammensetzen. In allen anderen Ligen wurde ebenfalls der Tabellenplatz gewertet, der nach der Saison erreicht wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung beleuchtet die historische Entwicklung von Sportstätten und stellt die Forschungsfrage, ob ein Stadionneubau die sportliche Leistung einer Mannschaft tatsächlich positiv beeinflussen kann.
2. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel definiert den Untersuchungsrahmen, die Kriterien für Datenerhebung, die Abgrenzung von Begriffen wie „Neubau“ und „Sportstätte“ sowie die statistische Vorgehensweise zur Erfolgsmessung.
3. Datenauswertung: Hier werden die erhobenen Daten von 28 Sportstätten in kurz-, mittel- und langfristige Tabellenplatzveränderungen unterteilt, statistisch aufbereitet und graphisch interpretiert.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sich kein eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen Stadionneubau und sportlichem Erfolg feststellen lässt, da die Mannschaften tendenziell auf ihrem ursprünglichen Leistungsniveau verweilen.
Schlüsselwörter
Sportmanagement, Stadionneubau, Sportstätte, Arena, Tabellenplatz, Leistungsentwicklung, sportlicher Erfolg, Profiliga, Datenanalyse, Sportarchitektur, Fangemeinde, Saisonleistung, statistische Auswertung, Standortfaktor, Benchmark.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob es eine messbare Korrelation zwischen dem Bau eines neuen Stadions oder einer Arena und dem sportlichen Erfolg der darin beheimateten Profimannschaften gibt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Bereiche Sportstättenbau, Leistungsdatenanalyse im professionellen Ligasport sowie der Einfluss infrastruktureller Veränderungen auf die sportliche Wettbewerbsfähigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine quantitative Analyse zu belegen, ob die oft vermutete „Aufstiegseuphorie“ nach einem Stadionneubau tatsächlich in besseren Tabellenplatzierungen resultiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung nutzt eine statistische Vergleichsmethode, bei der die durchschnittlichen Tabellenplatzierungen über Zeiträume von bis zu zehn Jahren vor und nach dem Neubau analysiert und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte methodische Abgrenzung, die Datenerhebung aus verschiedenen Sportligen (Fußball, Eishockey, Basketball, American Football) sowie die anschließende Auswertung und Interpretation der ermittelten Leistungsdaten.
Welche Schlüsselwörter kennzeichnen die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Stadionneubau, sportlicher Erfolg, Tabellenplatzanalyse, Sportmanagement und infrastrukturelle Auswirkungen definieren.
Wie werden die Auswirkungen des Neubaus zeitlich gegliedert?
Der Autor unterscheidet in kurzfristige (bis zu 2 Jahre), mittelfristige (5 Jahre) und langfristige (10 Jahre) Betrachtungszeiträume, um sowohl psychologische Effekte als auch nachhaltige strukturelle Entwicklungen zu erfassen.
Welche Rolle spielen die untersuchten Sportarten für die Validität der Ergebnisse?
Durch die Einbeziehung verschiedener Sportarten wie Fußball, Basketball, Eishockey und Football in sechs verschiedenen Ländern wird versucht, eine gewisse Allgemeingültigkeit der Ergebnisse über nationale und sportartspezifische Grenzen hinweg zu erreichen.
Zu welchem Schluss kommt der Autor im Fazit?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass ein Stadionneubau kein Garant für sportlichen Erfolg ist; vielmehr tendieren die Mannschaften dazu, ihr ursprüngliches Leistungsniveau beizubehalten.
Gibt es Ausnahmen von der generellen Tendenz, die der Autor erwähnt?
Ja, der Autor führt Beispiele wie die Atlanta Hawks oder die Chicago Bulls als Fälle an, bei denen trotz Stadionneubaus eine deutliche Verschlechterung eintrat, während die Tampa Bay Buccaneers nach dem Stadionumzug eine Verbesserung zeigten.
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- Jona Brunck (Author), 2010, Ist der Stadionneubau ein Indikator für den sportlichen Erfolg?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189557