Der Schwarze Tourismus - eine kritische Betrachtung


Bachelorarbeit, 2011
51 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DER BEGRIFF SCHWARZER TOURISMUS
2.1. DEFINITION UND ABGRENZUNG DES SCHWARZEN TOURISMUS
2.2. GRUNDLEGENDE ELEMENTE
2.2.1. HAUPTKATEGORIEN
2.2.2. ERSCHEINUNGSFORMEN
2.2.3. FACETTENDES SCHWARZEN TOURISMUS - PRODUCT FEATURES WITHIN A “DARKEST- LIGHTEST” FRAMEWORK OF SUPPLY
2.3. GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

3. DIE ANGEBOTSSEITE - DUNKLE ANBIETER
3.1. DARK FUN FACTORIES
3.2. DARK EXHIBITIONS
3.3. DARK DUNGEONS
3.4. DARK RESTING PLACES
3.5. DARK SHRINES
3.6. DARK CONFLICT SITES
3.7. DARK CAMPS OF GENOCIDE

4. DIE NACHFRAGESEITE - DER DUNKLE TOURIST
4.1. CHARAKTERISTIK
4.2. MOTIVE

5. PROBLEMFELDER UND HERAUSFORDERUNGEN DES SCHWARZEN TOURISMUS
5.1. DIE PARADOXIE DES UMGANGES MIT DEM TODE IN DER WESTLICHEN GESELLSCHAFT
5.2. ETHIK UND MORAL
5.3. KOMMODIFIKATION
5.4. MANAGEMENT
5.4.1. ALLGEMEINE HERAUSFORDERUNGEN
5.4.2. URSPRUNG UND ANFANG SCHWARZER TOURISMUSATTRAKTIONEN UND DIE RESULTIERENDEN PROBLEME UND MANAGEMENT AUFGABEN
5.4.3. THE HERITAGE FORCE FIELD

6. FAZIT

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS V

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Atomtourist

Abb. 2: Horrortouristen in Amstetten

Abb. 3: A Categorisation of Dark Tourism

Abb.4: Jack the Ripper Tour

Abb.5: Holocaust-Mahnmal Berlin

Abb. 6: A dark tourism spectrum: perceived product features of dark Tourism within a “darkest-lightest” framework of supply A

Abb. 7: Gladiatoren Kampf

Abb. 8: Pyramiden

Abb.9: Abraham Lincoln Memorial

Abb. 10: Flyer the London Dungeon

Abb. 11: Topografie des Terrors

Abb. 12: Checkpoint Charlie

Abb. 13: Körperwelten; Basketballspieler

Abb. 14: Körperwelten; Gehirn

Abb. 15: The Galleries of Justice - Banner

Abb. 16 Robben - Island

Abb. 17: Pere Lachaise 1

Abb. 18: Jim Morrison´s Grab

Abb. 19: Pére Lachaise 2

Abb. 20: Michal Jackson: Dark Shrine

Abb. 21: Ground Zero Giftshop

Abb. 22: Ground Zero Bauzaun

Abb. 23: Schlachfeld Lingekopf

Abb. 24: Nachbildung eines Gladiatoren Kampfes

Abb. 25: Auschwitz

Abb. 26: Choeung Ek, Kambodscha

Abb. 27: Touristen in Auschwitz

Abb. 28: Touristen - Ground Zero

Abb. 29: Touristen, Taj Mahal

Abb. 30: sex & death

Abb. 31: Leben & Tod

Abb. 32: The Murder of Princess Diana

Abb. 33: Verhalten von Touristen 1

Abb. 34: Verhalten von Touristen 2

Abb. 35: Slum-Tourismus

Abb. 36: Touristenverhalten-vertretbar?

Abb. 37: Slum Tours

Abb. 38: Atomtourismus-Tschernobyl

Abb. 39: Cafeteria Museum Auschwitz

Abb. 40: the heritage force field

1. Einleitung

Obwohl der globale Wirtschaft- und Finanzzusammenbruch 2009 eine weltweite Krise auslöste und folglich auch den Tourismus nicht verschonte (Rückgang der Einkünfte aus dem Tourismussektor um 5,7 % in 2009 im Vergleich zum Vorjahr),1 gehörte der Tourismus mit 880 Millionen internationalen Tourismusankünften in 2009,2 mehr als 235 Millionen Beschäftigten (8,2 % aller weltweiten Angestellten),3 611 Milliarden Euros an Einkünften4 und einem Anteil von 9,2 % am Welt-BIP im selben Jahr,5 unbestritten zu den Top globalen Wirtschaftsektoren.

Dass eine Krise auch langfristig dem Tourismus nicht schaden kann, bestätigt die Studie “Tourismus 2020 Version” der Welt Tourismus Organisation (UNWTO): „international arrivals are expected to reach nearly 1.6 billion by the year 2020.“6

Ein der Wirtschaftskrise ähnliches Szenario musste der Tourismus 2001 erleben, als Amerika von den Terroranschlägen des 9/11 erschüttert wurde. Die Auswirkungen waren über drei Jahre mehr als deutlich zu spüren. So gingen, allein verglichen zum Vorjahr, 2001 die internationalen Passagierankünfte um über 11,0 % zurück.7 Anders jedoch als bei der Misere von 2008, sind neben den vielen Hinterbliebenen der Opfer auch Tatorte des Verbrechens wie der Ground Zero oder der Absturzort des Fluges 93 in Shanksville, Pennsylvania, USA zurückgeblieben. Bereits im Folgejahr des Anschlages besuchten mehr als 3,5 Millionen Menschen Ground Zero und verdoppelten somit beinahe die jährliche Besucheranzahl, welche die Aussichtsplattform des World Trade Centers aufsuchte. Mittlerweile knapp zehn Jahre nach 9/11 zählt Ground Zero zu den Hauptattraktionen von New York City und ist fester Bestandteil jeder Sightseeing-Tour (vgl. beispielsweise: www.newyorkpass.com/nyc-downtown-tour.aspx). Auch das kleine Shansville rühmt sich nun in weltweiter Bekanntheit. So kann man bei einem dort ansässigen Farmer eine „Flight 93 Tour“ für 65 US-Dollar buchen, um sich die Unglücksstelle anzusehen und über den Flug mit all seinen Details aufgeklärt zu werden.

Der Autor Philip R. Stone konstatiert an dieser Stelle: „there appears to be an increasing number of people keen to promote or profit from “dark” events as tourist attractions“.8 Mit anderen Worten gibt es offensichtlich Menschen, die wissen wie sich aus Katastrophen bzw. Verbrechen Kapital schlagen lässt und diese als touristische Attraktionen auch bewusst promoten. Auf der anderen Seite gibt es zweifellos jedoch auch eine äußerst große Anzahl an Touristen, die daran interessiert sind diese Orte aufzusuchen und viel mehr noch, dafür Eintritt zu bezahlen. 9/11 ist hierfür nur ein Beispiel. Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an weiteren, an welchen sich dieses Phänomen wiederspiegelt (z.B. das KZ-Lager Auschwitz, Chernobyl, Pearl Harbor oder Hiroshima).

Im Allgemeinen scheint Teil des menschlichen Naturells die makabere Faszination des Todes, von Gewalt und Horror zu sein.9 Betrachtet man beispielsweise den Fakt, dass die Ausstellung Körperwelten, welche sowohl echte präparierte menschliche, als auch tierische Körper genauestens demonstriert, weltweit bereits mehr als 30 Millionen Besucher angelockt hat.10

Das Phänomen, welches hier beschrieben wird, ist das des Schwarzen Tourismus und obwohl ein immer breiteres Interesse seitens Recherche und der Medien besteht, bleibt die Literatur über dieses Thema weiterhin fragmentarisch und somit unvollständig.11 So ist zum Beispiel auch keine suffiziente deutsche Definition zu finden. Die offizielle englische Definition lautet: „Dark tourism is the act of travel, and visitation to sites, attractions and exhibitions which have real or recreated death, suffering or the seemingly macabre as a main theme”.12

Aber warum ist der Schwarze Tourismus so attraktiv, faszinierend und anziehend? Und sind die Erfahrungen wirklich mit der Realität zu vergleichen? Machen sich Schwarze Touristen gar über die gegenwärtigen/vergangenen Probleme lustig? Oder handelt es sich sogar nur um Geldmacherei?

Diese Bachelorarbeit analysiert diese zentralen Fragen in ihrem Verlauf. Sie untersucht die Thematik des Schwarzen Tourismus, indem sie zu Anfang diesen definiert, dessen grundlegende Elemente erläutert und auf seine Historie kurz eingeht. Anschließend betrachtet sie die Angebots- und die Nachfrageseite, wobei die Charakteristik des Schwarzen Touristen und dessen Motive für den Besucher Schwarzer Orte im Vordergrund stehen. Schließlich setzt sie sich kritisch mit den Problemfeldern des Schwarzen Tourismus auseinander. Hierbei steht die Herausforderung des Site-Managements im Vordergrund. Zusätzlich wird jedoch auch auf die Paradoxie mit dem Umgang des Todes in der westlichen Gesellschaft, die ethische und moralische Vertretbarkeit schwarzer Angebote und außerdem die Problematik der Kommodifikation dieser Kulturerbegüter betrachtet.

2. Der Begriff Schwarzer Tourismus

2.1. Definition und Abgrenzung des Schwarzen Tourismus

Wie bereits in der Einleitung erläutert, lautet die offizielle englische Definition : „Dark tourism is the act of travel, and visitation to sites, attractions and exhibitions which have real or recreated death, suffering or the seemingly macabre as a main theme”.13 Zu Englisch wird oftmals von Dark Tourism - also Dunklem Tourismus anstelle von Schwarzem Tourismus gesprochen (siehe Definition). Oftmals wird auch der Begriff „Thanatourismus“ verwendet.14

Thanatourismus ist folglich eine Form des Tourismus, welche das Schicksal von Menschen aus der Vergangenheit in der Gegenwart repräsentiert.15

Laut Ansicht des Schwarzen Tourismus Spezialisten und Gründer des weltweit einzigen effizienten Forums, welches diese Thematik behandelt (www.dark- tourism.org.uk), Philip R. Stone,16 ist der Schwarze Tourismus zudem: “…multi- faceted, multi-tiered and exists in a variety of social, cultural, geographical and political context”.17

Oft wird dieser auch als “the dirty little secret of the tourism industry” bezeichnet.18

Dem gegenüber stehen Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und Ausstellungen welch auf Geschehnisse basieren, die weder jemals so stattgefunden haben, wie sie Überlebende/Zeugen bekunden können, noch ein Angstempfinden vor der Moderne auslösen. Diese sind nicht der Schwarzen Tourismus Kategorie zuzuordnen.19

Der Spezialist für Tourism Behaviour und Gründer des International Tourism Research Zentrums in Bedfordshire (England), Tony Seaton20 ist sogar davon überzeugt, dass es notwendig ist, für die Orte, welche uns weder geistlich noch weltlich erscheinen, die jedoch eine starke negative Aura durch die Assoziation mit Bedrohung und Sünde ausstrahlen, eine neues Wort zu schaffen.21

2.2. Grundlegende Elemente

2.2.1. Hauptkategorien

Wie Abbildung 3 darstellt, kann der Schwarzer Tourismus grundsätzlich in fünf Formen des Auftretens unterteilt werden. Die erste Kategorie sind gefährliche Orte aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Unter diesem Punkt fallen Städte des Grauens und gefährliche Destinationen wie Tschernobyl, welches mittlerweile seine Tore für sogenannte Atomtouristen geöffnet hat.22

Die zweite Erscheinungsform sind Häuser des Grauens,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Atomtourist23 sprich Gebäude,

welche entweder aktuell oder repräsen- -tativ im Bezug zum Tod und zu Gräueltaten stehen, z.B. Todeszellen oder Häuser des Schreckens. Wie der Nachrichtenender N24 2008 berichtete lockte das Inzuchtdrama um Josef Fritzl

Abb. 2: Horrortouristen in Amstetten24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

beispielsweise nach Bekanntgabe der Tat, scharenweise Horrortouristen zu dessen Haus in Amstetten. Laut Bericht kamen nicht wenige davon aus Deutschland. 25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: A Categorisation of Dark Tourism26

An dritter Stelle stehen Katastrophengebiete, welche entweder ein Gebiet oder aber auch ein ganzes Land einnehmen können. Berühmtestes Beispiel ist der Holocaust.

Die vierte Kategorie sind die sogenannten Foltertouren. Diese sind Touren oder Besuche zu/von Attraktionen, welche mit dem Tod, Ermordung oder schwerer Körperverletzung in Verbindung stehen. Oft sind diese auch von Legenden geprägt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Jack the Ripper Tour27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Holocaust-Mahnmal Berlin28

wie die Jack the Ripper Tour in London.

Die letzte Erscheinungsart sind schließlich thematisierte Thanatos - sprich Sammlungen/Museen, welche sich mit Tod und Leid beschäftigen, aber auch Mahnmale wie das Denkmal für ermordete Juden (Holocaust- Mahnmal) in Berlin.29

Nichtsdestoweniger ist Abbildung 3 in keiner Weise bestandskräfig, vielmehr geht es um eine grobe Kategorisierung mit dem Ziel eine Verständnisintensivierung zu erreichen.

Verglichen zu anderen Tourismus Erscheinungsformen, gestaltet sich das Konzept des Schwarzen Tourismus, auf Grundlage einer großen Zahl sich kontrahierender Variablen, zudem als äußerst komplex:

- So treffen Unmittelbarkeit und Spontanität des Sensationstourismus auf vorab geplante Besuche zu organisierten Orten/Veranstaltungen, welche mit zeitnahen oder aber auch entfernteren historischen und dunklen Geschehnissen in Verbindung stehen.
- Koordination von beabsichtigt kreierten Attraktionen/Erfahrungen, welche Todesgeschehnisse oder dunkle Aktionen interpretieren/nachstellen (z.B. London Dungeon) und zufällig entstandenen Attraktionen (z.B. Kirchen, Gräber oder Gedenkstätten,...).
- Das Ausmaß an welchem das direkte Interesse am Tode im Vordergrund steht ist stets äußerst variabel (e.g. den Tod anderer mit zu erleben, mit dem Tode an lebensbedrohlichen Orten zu spielen, über den Tod berühmter Persönlichkeiten zu lernen etc.).
- Gründe warum und wie Schwarze Tourismus Attraktionen/Erfahrungen produziert und angeboten werden sind dynamisch (z.B. aus politischen Gründen, um die Allgemeinbildung zu fördern, zur Unterhaltung bzw. dem Vergnügen oder um sich aus wirtschaftlichen Gründen daran zu bereichern,…).30

2.2.2. Erscheinungsformen

Generell gibt es eine äußerst große Anzahl an Möglichkeiten, wie Schwarzer Tourismus in Erscheinung treten kann; folgend eine kurze Auflistung der wichtigsten Arten (eine genaue Erläuterung jeder einzelnen, ist auf Grund des Umfanges dieses Bachelorarbeit nicht möglich, jedoch werden einzelne Formen im Laufe der Arbeit näher erläutert):

- Schindler-Tourism oder Holocaust Tourism

- Battlefield Tourism (Vermutlich die größte, weltweite Einzelkategorie des Tourismus)

- Slavery-Heritage Tourism Prison Tourism

- Cementery Tourism Ghost Tourism

- Grief tourism

- Disaster tourism War Tourism Atom Tourism

- Poverty Tourism31

2.2.3. Facettendes Schwarzen Tourismus - Product Features within a “darkest- lightest” Framework of Supply

Stone unterteilt all diese Kategorien und Erscheinungsformen noch einmal, mit Hilfe des von ihm entwickelten „darkest-lightest“ Modell, in sechs weitere Klassen unter. Die Einteilung erfolgt abhängig davon wie dunkel eine Tourismusattraktion ist. (Vgl. Abb.6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: A dark tourism spectrum: perceived product features of Dark Tourism within a “darkest- lightest” framework of supply32

Äußerst wichtig in diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung zwischen Orten, welche mit dem Tode verknüpft sind und Orten, welche durch dem Tod oder dem Leiden bestimmt sind. Zur Verständnisintensivierung hierzu ein Beispiel: Das US Holocaust Memorial Museum in Washington ist lediglich verbunden mit der Thematik des Todes, währenddessen Ausschwitz ein Todesschauplatz und Tatort des Grauens ist und daher mit dem Tode verknüpft ist. Aus diesem Grund ist Ausschwitz dunkler, als das US Holocaust Memorial Museum.

Umso dunkler eine Attraktion folglich ist, desto höher ist ihr Einfluss auf die Politik und die Ideologie. Während hellere Produkte eher auf den Unterhaltungsfaktor abzielen, das Erbe im Mittelpunkt steht und eine gezielte Vermarktung stattfindet - beispielsweise das London Dungeon - steht bei den dunkleren der Lerneffekt und die Bewahrung der Geschichte im Vordergrund. Die Produktinterpretation ist zudem authentischer, da der Schauplatz der Attraktion der reale Ort des Geschehenen ist und nicht wie bei helleren Angeboten nur eine Verbindung mit diesem aufweist. Überdies liegt das Geschehene näher an der Gegenwart, das Angebot entsteht zufällig und unbeabsichtigt und weist daher - zumindest anfänglich - keine gute Tourismusstruktur auf (z.B. 9/11).

Voraussetzung für eine Sehenswürdigkeit, welche als dunkel/schwarz betitelt werden soll, ist infolgedessen, dass sie einen gewissen Identifikationsgrad zwischen Besucher und dem (vergangenen) Opfer oder Produkt herstellt. Ausschlaggebend hierfür ist wie das Produkt wahrgenommen, produziert und letztendlich konsumiert wird.

Der Schattengrad (am dunkelsten ↔ am hellsten) hängt ebenfalls vom Interesse des einzelnen Individuums ab, da die Erlebnisse, welche ein Menschen sucht, der vom Tode fasziniert ist, folglich auch intensiver und damit dunkler sind.33

Zwar sind nicht alle schwarzen Produkte diesen sieben Kategorien direkt zuordenbar, jedoch bietet das Schema ein längst benötigtes Parameter und schafft mehr Klarheit.34

2.3. Geschichtlicher Hintergrund

Das Interesse daran, Orte oder Plätze zu besuchen, welche mit dem Tode verbunden sind, ist keine neue Erscheinungsform des Tourismus, sondern wird seit jeher praktiziert. Das Paradebeispiel hierfür sind die Gladiatoren Kämpfe im alten Rom, welche bereits über 200 Jahren vor Christus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Gladiatoren Kampf35

durgeführt wurden und zu welchen tausende von Zuschauern strömten, um den oft tödlich endenden Kämpfen beiwohnen zu können.36

Ein weiterer Vorreiter der heutigen Thanatourismus Erscheinungsform sind die öffentlichen Hinrichtungen im Mittelalter. So wies angeblich bereits die erste organsierte Tourismustour Englands eine dunkle Seite auf. Laut dem US- amerikanischen Historiker und Schriftsteller Daniel J. Boorstin (1987) wurde 1838 speziell eine Tour von Wadebridge zur Stadt Bodmin mit einem Spezialzug organisiert, um die Erhängung von zwei Mördern live miterleben zu können.37

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Pyramiden38

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.9: Abraham Lincoln Memorial39

Zudem sind in vielen Gesellschaften Gräber absichtlich so entworfen, dass es stets möglich ist, den Verstorbenen zu gedenken und diese zu besuchen. Die Anfänge dieser kulturellen Tradition liegen rund 5000 Jahre zurück, als die Ägypter die ersten Pyramiden errichteten.40 Ein moderneres Beispiel ist das Abraham Lincoln Memorial in Washington D.C., welches 1922 zu Gedenken an den sechzehnten Präsidenten der Vereinigten Staaten erbaut wurde.

Seit dem zwanzigstes Jahrhundert wird immer offensichtlicher, dass sich die Thematik des Todes bestens verkauft und der Tod verstärkt industralisiert wird. Besonders Tragödien wie die von Prinzessin Diana oder die der Kennedys sind ein gewinnbringendes Geschäft. Der Tod steht immer mehr im Zentrum des Interesses der Medien und wird als Art Massenware geradezu pornografisiert und vermarktet (siehe 5.1.).

Der Begriff Dark Tourism kam schließlich 1996 zum ersten Mal auf.41

Der Ursprung und der Anfang von Schwarzen Attraktionen wird im Punkt 5.4.2. näher erläutert.

3. Die Angebotsseite - dunkle Anbieter

Die folgende Gliederung der Anbieter basiert auf dem „darkest - lightest“ Modell von Stone (siehe 2.2.3.) und beginnt mit dem hellsten Anbieter und endet mit dem dunkelsten.

3.1. Dark Fun Factories

Bei Dark Fun Factories handelt es sich um Attraktionen und Touren, welche Unterhaltungszwecken dienen und von einer wirtschaftlichen Ethik geprägt sind. Sie können sowohl reale, als auch fiktionale dunkle Geschehnisse darstellen. Das Angebot wird absichtlich erschaffen, wobei der Spaß der Kunden im Vordergrund steht. Folglich besitzen Dark Fun Factories eine hohe Tourismusinfrastruktur. Sie gehören der Kategorie „am hellsten“ an und bieten Produkte an, deren Darstellung von negativen Assoziationen befreit wurde, weshalb sie möglicherweise von manch Einem als weniger authentisch angesehen werden.42

[...]


1 Vgl. UNWTO (Hrsg.): World Tourism Barometer, S. 3.

2 Vgl. Ebd., S. 16.

3 Vgl. Eckervogt, A.: forcasts subdued growth for 2010 (URL:http://www.wttc.org/eng/Tourism_News/Press_Releases/Press _Releases_2010/_For_2010/, Stand: 12.12.2010, 10:48 Uhr.).

4 Vgl. UNWTO (Hrsg.): World Tourism Barometer, S. 5.

5 Vgl. Eckervogt, A.: forcasts subdued growth for 2010

6 UNWTO (Hrsg.): Tourism 2020 Version (URL: http://www.unwto.org/facts/eng/vision.htm, Stand: 16.12.2010, 11:45 Uhr).

7 Vgl. UNWTO (Hrsg.): World Tourism Barometer, S. 7.

8 Vgl. Sharpley, R.: Shedding Light on Dark Tourism: An Introduction. In: Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): The darker Side of Travel, The Theory and Practice of Dark Tourism. Bristol, Buffalo, Toronto: Channel View Publications 2009. S. 5.

9 Vgl. Moran, T.: Contemporary Issues in Tourism - Dark Tourism, Folie 1 (URL: http://www.dark-tourism.org.uk/, Stand: 16.12.2010, 21:01 Uhr.).

10 Vgl. Körperwelten (Hrsg.): Fragen & Antworten (URL: http://www.koerperwelten.com/de/austellung/fragen_antworten.html, Stand: 27.10.2010, 11:03 Uhr.).

11 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum - Towards a typology of death and macabre related tourist sites, attractions and exhibitions. In: Tourism An Interdisciplinary International Journal, Vol 52(2), S. 145 f. (URL: www.dark-tourism.org. uk/, Stand: 12.12.2010, 21:11 Uhr.).

12 Vgl. Sharpley, R.: Shedding Light on Dark Tourism: An Introduction, S.10.

13 Vgl. Sharpley, R.: Shedding Light on Dark Tourism: An Introduction , S.10.

14 Vgl. Seaton, T.: Purposeful Otherness: Approaches to the Management of Thanatourism. In: Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): The darker Side of Travel, The Theory and Practice of Dark Tourism. Bristol, Buffalo, Toronto: Channel View Publications 2009. S.83.

15 Vgl. Ebd. S. 99.

16 Vgl. Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): Contributors . In: Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): The darker Side of Travel, The Theory and Practice of Dark Tourism. Bristol, Buffalo, Toronto: Channel View Publications 2009. Viii.

17 Vgl. Stone, P.R.: Making Absent Death Present: Consuming Dark Tourism in Contemporary Society. In: Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): The darker Side of Travel, The Theory and Practice of Dark Tourism. Bristol, Buffalo, Toronto: Channel iew Publications 2009. S. 37.

18 Vgl. Stone, P.R.: Dark Tourism: Morality and New Moral Spaces. In: Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): The darker Side of Travel, The Theory and Practice of Dark Tourism. Bristol, Buffalo, Toronto: Channel View Publications 2009. S. 58.

19 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum. S. 5.

20 Vgl. Sharpley R./Stone, P.R. (Hrsg.): Contributors. Viii.

21 Vgl. Seaton, T.: Purposeful Otherness. S.85.

22 Vgl. Ärzte Zeitung online: Atom-Tourismus: Ukraine öffnet Tschernobyl für Besucher, 21.12.2010 (URL:http://www.aerztezei Tung.de/panorama/article/634852/atom-tourismus-ukraine-oeffnet-tschernobyl-besucher.html, Stand: 17.02.2010, 14:11 Uhr.).

23 URL: http://www.sueddeutsche.de/reise/katastrophentourismus-in-tschernobyl-ausflug-in-die-todeszone-1.612260-2.jpg, Stand: 17.02.2011, 15:08 Uhr.).

24 URL: http://static.guim.co.uk/sys-images/Guardian/Pix/pictures 2008/04/27/pail102460x276.jpg.jpg, Stand: 17.02.2011, 15:11 Uhr.).

25 Vgl. N24 (Hrsg.): Amstetten lockt “Horrortouristen, Ausflug ins Grauen, 05.05.2008 (URL:http://www.n24.de/news/nwsitem_ 829589.html, Stand: 17.02.2011, 13:28 Uhr.).

26 Vgl. Sharpley, R.: Shedding Light on Dark Tourism: An Introduction , S. 11.

27 URL: http://www.jack-the-ripper-tours.com/images/poster.jpg.jpg, Stand: 17.02.2011, 15:16 Uhr.).

28 URL: http://www.berlin.citysam.de/fotos-berlin/berlin/regierungsviertel/holocaust-mahnmal-6.jpg, Stand: 17.02.2011, 14:59 Uhr.).

29 Vgl. Förderkreis Denkmal für ermordete Juden e.V. (Hrsg.): Holocaust Denkmal Berlin. (URL: http://www.holocaust-denkmal- berlin.de/, Stand: 17.02.2011, 11:40 Uhr.).

30 Vgl. Sharpley, R.: Shedding Light on Dark Tourism: An Introduction, S.13 f.

31 Vgl. Stone, P. R.: Dark Tourism, The Future & Beyond (URL: http://www.dark-tourism.org.uk/, Stand: 16.12.2010, 14.01 Uhr.).

32 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum. S. 7.

33 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum. S. 7 f.

34 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum. S. 12.

35 URL: http www.murphsplace.com/gladiator/images/Police_Verso.jpg.jpg, Stand: 17.02.2011, 16:14 Uhr.).

36 Vgl. Woman on the Road (Hrsg.): Dark Tourism: Where Tragedy Becomes a Tourist Draw (URL: http://www.women-on-the- road.com/dark-tourism.html, Stand: 16.12.2010, 14:56 Uhr.).

37 Vgl. Stone, P. R.: Dark Tourism, The Future & Beyond (URL: http://www.dark-tourism.org.uk/, Stand: 16.12.2010, 14.01 Uhr.).

38 URL: http://www.nilkreuzfahrt-buchen.de/pyramide.jpg.jpg, Stand: 18.02.2011, 9:49 Uhr.

39 URL: http://www.visitingdc.com/memorial/lincoln-memorial-photo.htm.jpg, Stand: 18.02.2011, 9:54 Uhr.).

40 Vgl. Geo (Hrsg.): Ägyptologie: Der Vorfahr der Pyramiden (URL: http://www.geo.de/GEO/kultur/geschichte/52812.html, Stand: 18.02.2011, 9:29 Uhr.).

41 Vgl. Stone, P. R.: A dark tourism spectrum. S. 4.

42 Vgl. Ebd. S. 8 f.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Der Schwarze Tourismus - eine kritische Betrachtung
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
51
Katalognummer
V189620
ISBN (eBook)
9783656139843
ISBN (Buch)
9783656139638
Dateigröße
1878 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwarzer Tourismus, Dark Tourism, Thanatourismus, Touristen, Touristenverhalten, Tourismusmanagement, Holocaust Tourismus, Kriegtourismus, Disastert Tourism, Körperwelten
Arbeit zitieren
Miriam Dick (Autor), 2011, Der Schwarze Tourismus - eine kritische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189620

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