Il disegno - Studien zu Carlo Marattis Deckenfresko im Palazzo Altieri in Rom


Seminararbeit, 2012
27 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Malerei im barocken Rom

3. Carlo Maratti - Vita
3.1. Accademia di San Luca
3.2. Maratti Schüler - stilistische Beeinflussung

4. Palazzo Altieri
4.1. Clemens X - Auftraggeber zu politisch schwierigen Zeiten
4.2. Giovanni Pietro Bellori - Programmatiker und Kunstliterat

5. Allegorien zur Zeit der Gegenreformation

6. Entwurfsprozesse bei Maratti

7. Clementia. Allegorie auf das Pontifikat Papst Clemens X

8. Skizzen und Entwürfe
8.1. Gesamtentwurf
8.2. Studien zur Abundantia und dem Engel mit Tiara
8.3. Studie zum Schoß der Clementia
8.4. Studien zum Kopf und zum Schoß der Clementia
8.5. Studien zur Fortitudo
8.6. Studien zum Engel mit dem Schlüssel Petri dem Cherub mit der Devise

9. Bellori, Maratti und der Palazzo Altieri nach der Clementia

10. Forschungsstand zu Maratti
10.1. Provenienz der Skizzen
10.2. Düsseldorfer Kupferstichkabinett
10.3. Sammlung Schloss Windsor
10.4. Nationalbibliothek der Accademia di San Fernando - Madrid

11. Resümee

Abbildungsnachweis

Literaturverzeichnis

Zum Autor

1. Einleitung

Carlo Maratti begann 1674 seine Arbeiten zu dem Deckenfresko im Palazzo Altieri (Abb. 1)1. Im Auftrag Clemens X. schuf er ein Gesamtkonzept in Zusammenarbeit mit seinem Freund Giovanni Pietro Bellori, welches nicht zur Gänze ausgeführt werden sollte. Die Malerei im barocken Rom ist verbunden mit verschiedenen Erneuerungen in der Wand- und Deckenausstattung. Begaben sich die einen auf den Weg der Täuschung durch die Illusionsmalerei, so legte Maratti im Gegenzug Wert auf eine strenge Komposition im Sinne eines klassizistischen Verständnisses. Marattis Vita beschreibt ihn als einen der wichtigsten römischen Maler Italiens. Er hatte eine einflussreiche Position innerhalb der Kunstinstitutionen, vor allem durch seine Funktion als principe der Accademia di San Luca.

Marattis zeichnerischer Nachlass, besonders seine vielen Studien zu unterschiedlichen Aufträgen, geben Anlass zu dieser Arbeit. Hermann Voss bemerkte 1924: „Maratti arbeitete verhältnismäßig langsam. […] Er bereitete seine Bilder […] mit erheblich größerer Gewissenhaftigkeit vor als die meisten Zeitgenossen.―2

Es sollen allerdings nicht nur ausgewählte Skizzen und Studien zur Anschauung kommen, sondern auch die politischen und künstlerischen Interessen jener Zeit besprochen werden. Der Bereich der Auftragsgeberschaft durch Clemens X, wie auch die Verwendung allegorischer Thematiken zur Zeit der Gegenreformation möchten ergründet werden. Nicht zuletzt muss der aktuelle Forschungsstand zu Maratti-Studien rekapituliert werden, um eine Umschau und eine Bestandsaufnahme aktualisieren zu können. Dabei wird auf die drei großen Sammlungseinrichtungen in Deutschland, England und Spanien eingegangen, die den größten Schatz an graphischen Studien beherbergen.

2. Malerei im barocken Rom

Rom gilt als Hochburg der Malerei im 17. Jahrhundert. Päpste, Kardinäle und deren Nepoten gehörten dem wohlhabenden Adel Italiens an. Die Familien der Päpste bauten nach jedem neuen Pontifikat ihre Paläste aus und stifteten neue Kirchen. Das Machtzentrum Rom zog viele internationale Künstler an, die unter anderem ihr Leben lang in der ewigen Stadt arbeiteten.3 Zu den prägnantesten Erneuerungen gehörte die Illusionsmalerei. Wände und Decken wurden für außerordentliche Inszenierungen genutzt, wobei einerseits das Ziel der höchstmöglichen Täuschung angestrebt wurde, andererseits technische Umsetzungsmöglichkeiten genutzt werden mussten, um diese Bestrebungen zu ermöglichen. Der Medienwechsel von der Skizze (disegno), dem bozzetto oder dem modello in eine finale Ausführung, geschah mit Hilfe der Quadraturmalerei, wobei „eine Hauptschwierigkeit […] ihre Relation zum figürlichen Bereich [war].―4 Die Illusionsmalerei hielt Einzug in viele großformatige Fresken und allen Arten von Wandflächen. Carlo Maratti setzte sich diesem Trend entgegen, indem er einen klassizistischen Stil bevorzugte. Entgegen dem Kreis von Cortona, Gaulli und Pozzo, die den dekorativen Gesichtspunkt in der Malerei fokussierten, argumentierte er mit einer strengen und klaren Komposition, im Sinne einer klassizistischen Manier.5 „[Er] lehnte illusionistische Versuche auf der Basis perspektivischer Kunstgriffe prinzipiell ab.―6 Dennoch war Carlo Maratti einer der bedeutendsten Künstler jener Zeit, der nicht nur durch seine leitende Funktion in der Accademia di San Luca großes Ansehen besaß, sondern auch durch sein Oeuvre, vor allem durch seinen Nachlass vieler Zeichnungen, und seinen Stil für viele Künstlergeneration einflussgebend war.

3. Carlo Maratti - Vita

Carlo Maratti (Mai 1625, Ancona - Dezember 1713, Rom; auch bekannt als Carlo Maratta7 ) war ein italienischer Maler der römischen Schule8. Sein Talent wurde schon in jungen Jahren entdeckt, sodass er 1637 in die Schule seines Bruders Bernabeo kam. 1637 wechselte er zu Andrea Sacchi. Seine ersten Studien zu Raffael und Sacchi fanden Bewunderung und sogar Käufer. 1650 wurde sein erstes Altarbild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Bild des hl. Augustus für Santa Maria dei Sette Dolori brachte ihm die Aufmerksamkeit von Papst Alexander VII., wodurch er weitere Aufträge erhielt. „Dann beauftrage [Papst Alexander VII.] ihn mit einem der großen Gemälde in Santa Maria della Pace, der Heimsuchung, und mit einem der beiden Hauptbilder der Galleria im Quirinalpalast, der Anbetung der Hirten (1657). Hieran schlossen sich noch zwei Seitenbilder in der 1658 von Bernini erbauten Capella Chigi im Sieneser Dom.―9 1704 wurde er von Papst Clemens XI. zum Ritter geschlagen. Im gleichen Jahr wurde er Hofmaler von Ludwig XIV. von Frankreich. Neben Altarbildern malte Maratti auch Porträts, stellte Fresken her und schuf Skulpturen. Besonders als Porträtmaler seiner Zeit nimmt er bis heute eine bedeutende Stellung ein. 1700 wurde er zum principe der Accademia di San Luca berufen. Er starb 1713 in Rom.

3.1. Accademia di San Luca

Die Accademia stellt eine Vereinigung von Künstlern dar, die ursprünglich von Papst Gregor XIII. initiiert und im Jahr 1593 gegründet wurde. Sie wurde anfangs von Federico Zuccari, gemeinsam mit Kardinal Federico Borromeo, geführt.10 Der bis dahin traditionelle Kunstunterricht sollte reformiert werden. Als Schutzpatron der Accademia gilt der Evangelist Lucas.11 Mit der Schrift Zuccaris L‘Idea de’pittori scultori et architetti von 1607, wurde die kunsttheoretische Basis des Unterrichts in der Akademie gelegt. Der Fokus verlagerte sich auf die Betonung von Lehre und öffentlichen Ausstellungen. Jenes Modell wurde zum Vorbild vieler weiterer moderner Akademien. 1635 hatte sich die Accademia di San Luca mit Unterstützung des Papstes Urban VIII. endgültig etabliert. Zu ihren Mitgliedern gehörten die meisten bedeutenden italienischen sowie viele ausländische Künstler. Weitere Ziele der Akademie waren eine Vergrößerung des Einflusses und des Ansehens der Mitglieder. Die Accademia di San Luca wurde im Jahr 1872 zur „Königlichen Akademie― und firmiert seit 1948 als Accademia Nazionale di San Luca. Ihr heutiges Domizil befindet sich an der Piazza dell ‘Accademia di San Luca im Palazzo Carpegna (16. Jh.). Die Galerie besitzt eine Sammlung von Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen.

3.2. Maratti Schüler - stilistische Beeinflussung

Maratti hatte durch seine Funktion als principe der Accademia eine Vielzahl an Schülern. Einige davon lassen sich durch ihren Stil einer Maratti Nachfolge zuordnen, d. h., der Einfluss ihrer Meisters ist in ihrer Kunst deutlich spürbar. Giacinto Calandrucci (1646 - 1707), aus Palermo, war einer der ältesten Schüler Marattis. Neben Giuseppe Passeri soll Calandrucci Maratti besonders am Herzen gelegen haben. Aufgrund seiner Studien in Kreide lässt sich das Vorbild Marattis besonders gut nachzeichnen. Der Stil ist flüssig und von leichter Hand. Giuseppe Chiari (1654 - 1727) übernahm nach dem Tod Marattis, die Position als Leiter der Accademia in den Jahren zwischen 1723 und 1725. Er soll auch an den angelsächsischen Aufträgen seines Meisters Maratti mitgewirkt haben. Giuseppe Passeri ist durch seine prägnante, zeichnerische Handschrift, die eine äußerst dichte graphische Textur aufweist, kunsthistorisch leichter zu fassen als beispielsweise Chiari. Herausragende Schüler Marattis der jüngeren Generation sind u. a. Pietro de Pietri (1663 - 1713) und Benedetto Luti (1666 - 1724). Die Jüngsten, die sich stilistisch dem 18. Jahrhundert verpflichteten, sind Agostino Masucci (1691 - 1758), wie auch Francesco Trevisani (1656 - 1746), welcher sehr beliebt bei deutschen Auftraggebern war.12

4. Palazzo Altieri

Der Barockkomplex besteht aus 2 verbundenen Baukörpern. Er gehört zu den Großbauten Roms, die ein ganzes Straßengeviert einnehmen. Der Palast nimmt das gesamte Quartier zwischen der Via del Plebiscito, der Via del Gesù, der Via Santo Stefano del Cacco und der Via degli Astalli ein. „Der ältere, gegen die Via del Gesù gerichtete Teil geht ins 16. Jh. zurück, der jüngere wurde im Auftrag von G. B. Altieri, dem Bruder Clemens X., zwischen 1670 und 1676 durch Giovanni Antonio de‘ Rossi ausgeführt. Die bedeutende Barockfassade erstreckt sich an der Piazza del Gesù als 3-stöckige Schauseite mit 2 Säulenportalen und einer Loggia. Von den beiden Innenhöfen wird der eine an drei Seiten von einem Portikus umschlossen.―13 Die Familie Altieri besaß an diesem Ort schon seit längerer Zeit mehrere Häuser. Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Lorenzo Altieri diese einzelnen Gebäude zusammenfassen. Bis 1655 vollendete der Architekt Giovanni Antonio de Rossi den Palast im Auftrag von Kardinal Gianbattista Altieri. Mit der Wahl von Emilio Altieri zum Papst Clemens X., 1670, bekam de Rossi abermals den Auftrag den Palast zu erweitern. Nach dem Tod von de Rossi 1695, lösten sich in kurzer Folge die Architekten Alessandro Speroni, Clemente Orlandi und Giuseppe Barbieri in der Bauleitung ab. Durch ein Säulenportal betritt man ein Atrium, durch das man den ersten Hof mit ionischen Pilastern erreicht. Ein Portikus trennt den ersten vom größeren zweiten Hof. Im Inneren ist das Treppenhaus beachtenswert, das zu den aufwändigsten seiner Zeit zählte. Im Palast sind heute eine Bibliothek und das Familienarchiv der Altieri untergebracht. Darin befindet sich eine Büste von Clemens X. von Gian Lorenzo Bernini.

[...]


1 Aus rechtlichen Gründen wurde in der Publikation auf Abbildungen verzichtet. Informationen zur Bildrecherche können über das Profil des Autors auf der Verlagshomepage eingeholt werden. Zur Vereinfachung der Bildrecherche wurden die Abbildungshinweise beibehalten.

2 Voss 1924, S. 593.

3 Vgl. Burbaum 2003, S. 40 f.

4 Roettgen 2007, S. 9.

5 Vgl. Voss 1924, S. 593 f.

6 Ebd. S. 594.

7 Die unterschiedliche Verwendung des Namens Maratti oder Maratta zieht sich durch die ganze Forschungsliteratur. Tendenziell wird in der jüngeren Forschung häufiger der Name Maratti verwendet. Durch die subjektive Auswahl der Forschungsliteratur zu dieser Arbeit besteht (selbstverständlich) die Möglichkeit, dass dieser Eindruck ein genauso subjektiver sein könnte. So verwendet Hermann Voss in Die Malerei des Barocks von 1924 den Namen Maratti, wohingegen die Publikation des Kunstmuseums Düsseldorf, von Kalnein von Wend, Handzeichnungen von Andrea Sacchi und Carlo Maratta von 1967, die gegensätzliche Verwendung bereits im Titel trägt.

8 Eine erste Monographie zu Carlo Maratti wird von S. Rudolph erarbeitet. Vgl. Birke 1991, S. 156.

9 Voss 1924, S. 593.

10 Eine Auflistung aller Leiter der Accademia: http://www.accademiasanluca.it/sites/default/files/images/image/PDF/elenco_principi_san_luca.pdf , am 03.01.2012.

11 Lukas wird als Schutzpatron der Maler gehandelt, da auf ihn die sog. Lukas-Ikonen zurückgehen. Maria soll Lukas zu Lebzeiten Modell gesessen haben. Vgl. Poeschel 2011, S. 118.

12 Stilistisch einem klassisch-römischen Rokoko zuzuordnen. Vgl. Birke 1991, S. 156 - 159. 6

13 Henze, Bering und Wiedmann 1994, S. 284.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Il disegno - Studien zu Carlo Marattis Deckenfresko im Palazzo Altieri in Rom
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Kunstgeschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V189693
ISBN (eBook)
9783656140047
ISBN (Buch)
9783656140467
Dateigröße
1179 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Carlo Maratti, Maratta, Palazzo Altieri, Rom, Barock, Fresko, Allegorie, Gegenreformation, Düsseldorfer Kupferstichkabinett, Clemens X, Bellori, Accademia di San Luca
Arbeit zitieren
Daniel Skina (Autor), 2012, Il disegno - Studien zu Carlo Marattis Deckenfresko im Palazzo Altieri in Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189693

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