Gegenstand dieser Hausarbeit sind zwei nachfrageorientierte ökonomische
Ansätze zu Erklärung der regionalen Entwicklung. Sie untersuchen die
Auswirkungen von Nachfrageveränderung nach Gütern und Dienstleistungen
auf die wirtschaftliche Stellung einer Region.
Selbstverständlich hängt die wirtschaftliche Entwicklung einer Region nicht ausschließlich
von nachfragebezogenen Determinanten ab, sondern steht im Zusammenhang
mit einer Vielzahl interner und externer Einflüsse, die sich aus dem Gefüge der
Produktion von Gütern und Dienstleistungen, dem Angebot an Arbeit und Kapital sowie
den interregionalen Austauschbeziehungen und Faktorwanderungen ableiten (vgl.
Schätzl (1998), S. 98, Maier/Tödtling (2002), S.26). Keine regionale Wachstums- und
Entwicklungstheorie ist in der Lage sämtliche Einflüsse in ein geschlossenes, operationales
Konzept einzubinden. Während die neoklassischen Theorien an der Produktion
ansetzen, also angebots- und ausgleichsorientiert argumentieren, stellen die polarisationstheoretischen
Ansätze zur Regionalentwicklung den Kontrapunkt zur Neoklassik
dar und betonen eine angebotsorientierte aber differierende Entwicklung.1 Endogene
Wachstumstheorien wiederum versuchen diese konträren Standpunkte in das neoklassische
Modell zu integrieren, während die Innovationsansätze die Einführung von
Neuerungen und deren Inventions- und Adoptionsdeterminanten auf regionaler Ebene
zum Ausgangspunkt des Entwicklungsprozesses erklären. Insofern wird in diesem
Aufsatz lediglich ein Aspekt - der einer regionalen Wachstumssteigerung durch Nachfrageexpansion2
- aus diesem komplexen und weitausgreifenden ökonomischen Zusammenhang
herausgegriffen und näher beleuchtet.
Die Exportbasistheorie und die Input-Output-Analyse werden im Folgenden in ihrer
Struktur dargestellt, an Beispielen durchgerechnet und analytisch betrachtet. Anschließend
werden sie im Hinblick auf ihren Erklärungsgehalt kritisch untersucht,
verglichen und auf ihre empirische Anwendbarkeit Bezug genommen.
1 Maier/Tödtling (2002), S.11
2 Schätzl (1998), S. 142
Inhaltsverzeichnis
1. Die Exportbasistheorie
1.1 Einführung
1.2 Das Prinzip des Exportbasismultiplikators
1.3 Zahlenbeispiel
2. Die regionale Input-Output-Analyse
2.1 Die Struktur des Input-Output-Modells
2.2 Die Input-Output-Analyse
2.3 Regionale Anwendungen des Input-Output-Modells
3. Einschätzung und Vergleich der Modelle
3.1 Empirische Anwendbarkeit der Modelle
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Exportbasistheorie mit der Input-Output-Analyse als nachfrageorientierte ökonomische Ansätze zur Erklärung regionaler Entwicklungen und untersucht deren Anwendbarkeit sowie Erklärungsgehalt in der regionalökonomischen Praxis.
- Strukturelle Darstellung und mathematische Herleitung beider Theorieansätze
- Anwendung der Modelle anhand konkreter Zahlenbeispiele und Daten
- Kritische Analyse der theoretischen Schwachstellen und Annahmen (z. B. Konstanz der Koeffizienten)
- Diskussion der empirischen Anwendbarkeit auf regionaler Ebene
- Vergleich der Leistungsfähigkeit bei der Erfassung regionaler Wirtschaftsimpulse
Auszug aus dem Buch
1.1 Einführung
Die Exportbasistheorie gehört zu den nachfrageorientierten Erklärungsansätzen regionaler Entwicklungen und beschreibt das allgemein bekannte ökonomische Phänomen einer nachfragegesteuerten Regionalentwicklung. Geht der Bedarf eines produzierten Gutes national oder international zurück, geraten dieser Sektor und die auf die Produktion dieses Gutes spezialisierten Regionen in eine Krise.
Die Exportbasistheorie beruht in erster Linie auf den Arbeiten von Andrews (1953), Duesenberry (1950) und North (1955), welche den Versuch unternahmen, die dabei auftretenden wirtschaftlichen Mechanismen auf regionaler Ebene zu modellieren.
Duesenberry untersuchte am Beispiel der Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts die Effekte des Güterexports auf das wirtschaftliche Wachstum im Rahmen eines Zwei-Regionen Modells. North machte eine Subsistenzwirtschaft zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen.
Beide sehen im Export von Gütern und Dienstleistungen die entscheidende Determinante des regionalen Wirtschaftswachstums, beruhend auf einer Kettenreaktion, durch die alle Branchen einer Region erfasst werden. Dieser Reflex muss nicht ausschließlich wachstumsfördernd wirken, sondern kann genauso gut eine wirtschaftliche Krise einleiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Exportbasistheorie: Dieses Kapitel erläutert den nachfrageorientierten Ansatz, bei dem der Export von Gütern und Dienstleistungen als zentraler Motor für das regionale Wirtschaftswachstum identifiziert wird.
2. Die regionale Input-Output-Analyse: Hier wird das Modell der Input-Output-Analyse vorgestellt, das durch die Erfassung intersektoraler Verflechtungen eine detailliertere Untersuchung der Wirtschaftsstruktur ermöglicht.
3. Einschätzung und Vergleich der Modelle: Dieses Kapitel liefert eine kritische Gegenüberstellung beider Ansätze hinsichtlich ihrer theoretischen Annahmen, ihrer Dynamik sowie ihrer empirischen Anwendbarkeit in der Regionalforschung.
Schlüsselwörter
Exportbasistheorie, Input-Output-Analyse, Regionalentwicklung, Multiplikatoreffekt, regionale Wirtschaftsstruktur, Nachfrageorientierung, interregionale Verflechtungen, basic sector, non-basic sector, Leontieff-Inverse, regionale Wachstumsfaktoren, empirische Prognose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht zwei wesentliche ökonomische Ansätze, die Exportbasistheorie und die Input-Output-Analyse, um deren Tauglichkeit zur Erklärung regionaler wirtschaftlicher Entwicklungsprozesse zu evaluieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen der Nachfragesteuerung, die mathematische Modellierung von Wirtschaftsverflechtungen und die kritische Würdigung der Modellannahmen in der regionalökonomischen Anwendung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Stärken und Schwächen beider Modelle aufzuzeigen, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer begrenzten dynamischen Erklärungsfähigkeit für regionale Wachstumsprozesse.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt neben der Literaturanalyse insbesondere die mathematische Herleitung von Multiplikatoren und Koeffizienten sowie die Anwendung dieser auf statistische Daten des Bundesamtes.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Herleitung der Exportbasismultiplikatoren und der Struktur von Input-Output-Matrizen bildet die kritische Auseinandersetzung mit Modellannahmen wie fixen Koeffizienten und fehlenden Dynamiken den Kern der Untersuchung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Exportbasistheorie, Input-Output-Analyse, Multiplikatoreffekt, regionale Wirtschaftsstruktur und interregionale Verflechtungen.
Wie wird die empirische Anwendbarkeit der Exportbasistheorie bewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass die Theorie aufgrund methodischer Probleme bei der Abgrenzung von Sektoren und der Fixierung auf den Export primär für kleine Regionen und kurzfristige Prognosen geeignet ist.
Welchen Stellenwert nimmt die Leontieff-Inverse in der Untersuchung ein?
Sie wird als ein zentrales, mathematisch präzises Instrument der Input-Output-Analyse dargestellt, um intersektorale Gesamteffekte bei Nachfrageveränderungen effizienter zu berechnen als durch die fortlaufende Addition einzelner Runden.
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- Martin Runkel (Author), 2003, Exportbasistheorie und Input-Output-Analyse - Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18969