Quelleninterpretation der "Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933-1945". Inhaltsangabe und historische Einbettung


Quellenexegese, 2001

7 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Inhaltsangabe

3. Historische Einbettung

4.1. Zusammensetzung des Hitlerkabinetts
4.2. Absichten der Konservativen
4.3. Generalstreik, Neuwahlen oder Verbot der KPD ?

5. Fazit

1. Einleitung

30. Januar 1933: Der Tag an dem das neue Kabinett unter der Führung Adolf Hitlers als Reichskanzler vom Reichspräidenten Hindenburg vereidigt wurde. Mit diesem Datum wurde die Geschichte der Weimarer Verfassung endgültig besiegelt, auch wenn Hitlers Vorgänger Franz von Papen schon deutliche Vorarbeit geleistet hatte. Die antidemokratische Grundhaltung der nationalsozialistischen Führung, welche auch von den traditionell Rechten im Kabinett vertreten wurde, wird von Millionen von Deutschen bejubelt. Der zukünftige Minister für Volksaufklärung und Propaganda und guter Freund Hitlers, Joseph Goebbels, beschrieb das Ereignis wie folgt: Es ist so weit. Wir sitzen in der Wilhelmsstraße. Hitler ist Reichskanzler. Wie im Märchen!.“[1] Die Ministerbesprechung vom 30. Januar 1933[2] soll in dieser Quelleninterpretation genauer betrachtet werden. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf der Zusammensetzung des Kabinetts liegen. Das Ziel der Interpretation soll sein, wie die Gewichtung rechter und nationalsozialistischer Minister im Kabinett war und inwiefern sich diese Gewichtung auf Hitlers Entscheidungsgewalt ausgewirkt hat.

2. Inhaltsangabe

In der Ministerbesprechung vom 30. Januar 1933 berät sich erstmals das neu formierte Kabinett mit Adolf Hitler als Reichskanzler über die politische Lage in Deutschland. Es steht zur Debatte, ob die neue Regierung eher durch ein KPD - Verbot mit eventuell folgendem Generalstreik oder durch Neuwahlen des Reichstags innenpolitischen Störungen entgegentreten könnte. Des Weiteren soll verhandelt werden, inwiefern das Zentrum zukünftig im Reichstag vertreten sein sollte. Adolf Hitler eröffnet die Sitzung, indem er das allgemeine Wohlbefinden der deutschen Bevölkerung über die jetzige Regierung feststellt und um das Vertrauen der Minister in seine Politik bittet. Hitler spricht sich gegen ein KPD - Verbot aus, da er schwere innenpolitische Kämpfe[3] befürchtet, die unter Umständen in einem Generalstreik der KPD zusammen mit der SPD und den Gewerkschaften enden könnten. Hermann Göring entwarnt den Reichskanzler, indem er mitteilt, dass die SPD seiner Meinung nach einen Generalstreik nicht mitmachen würde. Auch Göring befürwortet die Auflösung des Reichstages und die darauf folgenden Neuwahlen. Reichsarbeitsminister Franz Seldte erwähnt darauf die Schlichtung des Konflikts zwischen Stahlhelm und SA und die damit zusammenhängende Zustimmung des Stahlhelm über die neue Regierung. Ein Verbot der KPD wäre nach seiner Auffassung überstürzt. Auch der Reichsminister des Auswärtigen Amtes Konstantin von Neurath und der Reichsminister der Finanzen Lutz Graf Schwerin von Krosigk sprechen sich gegen ein KPD - Verbot und für Neuwahlen des Reichstages aus. Reichskommissar Dr. Gereke erwähnt, dass das Zentrum die neue Reichsregierung nicht tolerieren werde. Auch Gereke plädiert für Neuwahlen.

Wiederstand erfährt Hitler lediglich von Reichswirtschaftsminister und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Alfred Hugenberg. Seiner Meinung nach sei eine Mehrheit im Reichstag nur mit Ausschluss der KPD zu erreichen. Einen Generalstreik befürchte er nicht.

Hugenberg ist der Auffassung, dass jede Brüskierung[4] des Zentrum zu vermeiden sei. Eine Regierungsbeteiligung sei nichtsdestoweniger ausgeschlossen. Hitler erwähnt jedoch, dass eine Vertagung des Reichtages ohne das Zentrum nicht möglich sei.

3. Historische Einbettung

Am Mittag des 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt und sein Kabinett vereidigt. Schon vier Wochen vorher, am 4. Januar 1933, trafen sich führende Industrielle, Militärs und Adlige mit Papen und Hitler im Hause des Bankiers Schröder. Alle waren sich einig, dass Schleicher abgesetzt werden müsste und jemand anderes das Ruder der Politik übernehmen sollte. Bei diesem geheimen Treffen wurde Hitler das Amt des Kanzlers zugesprochen. Die Ministerbesprechung am 30. Januar 1933 war die erste Sitzung des neuen Reichskabinetts unter Hitlers Führung.

4.1. Zusammensetzung des Hitlerkabinetts

In der Koalitionsregierung des Nationalen Zusammenschlusses aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm ist das Vorhaben des ehemaligen Reichskanzlers von Papen und Reichspräsidenten Hindenburgs deutlich zu erkennen. Mit nur drei von elf Ämtern sollten die Nationalsozialisten und vor allem Adolf Hitler in ihrer Entscheidungsgewalt reduziert werden. Neben Hitler als Reichskanzler, Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und Wilhelm Frick als Innenminister wurden die Ämter des Vizekanzler (Franz von Papen), des Ministers für Auswärtiges (Konstantin von Neurath), des Finanzministers (Lutz Graf Schwerin von Krosigk),des Ministers der Reichswehr (General von Blomberg) und des Ministers für Post und Verkehr (Paul Freiherr Eltz von Rübenach) von parteilosen, aus dem ehemaligen Kabinett stammenden Ministern, besetzt. Hinzu kamen der Reichswirtschaftsminister und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Alferd Hugenberg von der DNVP und der Reichsarbeitsminister Franz Seldte, der Stahlhelm - Führer. Bernd Jürgen Wendt spricht auch davon, dass Hitler, Göring und Frick eingerahmt [seien] von bewährten nationalen Männern.“[5]

4.2. Absichten der Konservativen

Bei dieser Zusammensetzung des Kabinetts wird deutlich, dass die traditionell Konservativen die Entscheidungsträger sein sollen. Dem ist so, weil die Reichsregierung, bestehend aus Reichskanzler und Ministern, bei Meinungsverschiedenheiten gemäß Artikel 52 - 58 der Weimarer Verfassung abzustimmen hat. Selbst bei einer Koalition von NSDAP, DNVP und Stahlhelm wären die traditionell Konservativen in der Mehrheit und würden die Entscheidungen treffen. Goebbels äußerte sich zu der Zusammensetzung des Kabinetts wie folgt: „ Hugenberg..., Papen Vizekanzler. Seldte Arbeitsminister. Das sind Schönheitsfehler. Müssen ausradiert werden.“[6]

Das gemeinsame Ziel dieses neu formierten Kabinetts war der Kampf gegen jegliche parlamentarische Regierungsformen wie in der Weimarer Republik. Der entscheidende Unterschied war jedoch gravierend: die Konservativen, wie z.B. Papen, suchten eine Art Rückkehr zur Monarchie; Hitler hingegen: „ wollte die ganze Macht für sich.“[7]

Papens geheimer Plan, Hitler nach einiger Zeit wieder abzusetzen, äußert sich in folgendem Zitat: Was wollen Sie denn? Ich habe das Vertrauen Hindenburgs. In zwei Monaten haben wir Hitler in die Ecke gedrückt, daß er quietscht.“[8]

[...]


[1] Reuth, Ralf Georg (Hg.): Joseph Goebbels. Tagebücher 1924 - 1945, Band 2: 1930 - 1934, München 1999, S. 757.

[2] Repgen, Konrad/ Booms, Hans (Hg.): Akten der Reichskanzlei. Die Regierung Hitler, Teil 1: 1933/34. Bd. 1: 30. Januar bis 31. August 1933, bearb. V. Karl - Heinz Minuth, Boppard 1983.

[3] Ebenda.

[4] Ebenda.

[5] Wendt, Bernd Jürgen: Das nationalsozialistische Deutschland. Berlin 1999, S. 28.

[6] Reuth, S. 757.

[7] Haffner, Sebastian: Von Bismarck zu Hitler. Ein Rückblick, München 1987, S. 225.

[8] Wendt, S. 28.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Quelleninterpretation der "Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933-1945". Inhaltsangabe und historische Einbettung
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V189746
ISBN (eBook)
9783668178304
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
quelleninterpretation, akten, reichskanzlei, regierung, hitler, inhaltsangabe, einbettung
Arbeit zitieren
Benjamin Türksoy (Autor), 2001, Quelleninterpretation der "Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933-1945". Inhaltsangabe und historische Einbettung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189746

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