Lösungsorientiertes Arbeiten im psychiatrischen Kontext


Hausarbeit, 2011

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt Seite

1. Einleitung

2. Ziele und Aufgaben der Sozialen Arbeit

3. Lösungsorientierte Arbeit - ein grundlegender Überblick

4. Methoden lösungsorientierter Arbeit
4.1 Der Lebensfluss
4.2 Das Lebenspanorama
4.3 Ressourcenorientierte Genogrammarbeit
4.4 Die Wunder-Frage

5. Anwendung im psychiatrischen Kontext

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

„Anstatt unsere Bemühungen darauf zu richten, Defizite zu erkennen und zu korrigieren, sollten wir uns darauf konzentrieren, Ressourcen und
Stärken der Menschen zu stützen und zu vergrössern. [!]

Menschen kooperieren und ändern sich eher und leichter in einem
Umfeld, das ihre Stärken und Ressourcen unterstützt und ihnen eine Auffassung von sich als fähig anbietet und weniger, wenn man auf ihre
Fehler und Probleme fokussiert.“

(Baeschlin, 2001, S. 53)

1. Einleitung

Probleme in den Hintergrund stellen und sowohl Stärken als auch Ressourcen
fokussieren - das war es vermutlich auch, was sich Steve de Shazer und seine
Frau Insoo Kim Berg dachten, als sie ihr Konzept der lösungsorientierten Arbeit
entwickelten.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird dieses Modell erläutert und näher gebracht
werden.

Um dessen Bedeutung für die Soziale Arbeit besser verstehen zu können, ist es von Nöten die Ziele und Aufgaben Sozialer Arbeit zu kennen. Deshalb sollen diese zu Beginn vorgestellt werden.

Ist man sich dessen bewusst, kann man jedoch noch nicht direkt mit den
Methoden des Ansatzes beginnen. Würde man dies tun, würde einem noch immer
das Verständnis für das Konzept der lösungsorientierten Arbeit fehlen.
Auf Grund dessen wird im Anschluss an die Erläuterung der Ziele und Aufgaben
Sozialer Arbeit ein grundlegender Überblick über die lösungsorientierte Arbeit
folgen. Dieser verdeutlicht, wann und in welchem Zusammenhang dieses Modell
entwickelt wurde.

Anschließend soll diese Hausarbeit einige Methoden thematisieren, damit man sich ein genaueres Bild verschaffen kann.

Natürlich darf nicht vergessen werden, dass es hierbei um die lösungsorientierte Arbeit im psychiatrischen Kontext geht.

Deshalb wird nachfolgend erklärt, wie man das genannte Konzept in diesem, durchaus schwierigen, Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit einbinden kann.
Letztendlich wird ein Fazit das Dargelegte zusammenfassen und eine Stellungnahme beinhalten.

2. Ziele und Aufgaben Sozialer Arbeit

Sicherlich liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht auf den allgemeinen Zielen und Aufgaben der Sozialen Arbeit, dennoch sind diese auch für die lösungsorientierte Arbeit nicht unerlässlich.

Aus diesem Grund soll dieser Abschnitt dazu dienen, einen Blick darauf zu werfen und uns dies zu verdeutlichen.

Was verfolgt also Soziale Arbeit?

Man könnte nun deutlich ausschweifen und sämtliche Aspekte beleuchten oder aber man bedient sich der Aussagen verschiedener Personen, die es treffend formuliert haben.

Hier also einige Auszüge:

Silvia Staub-Bernasconi, eine Schweizer Sozialarbeiterin und Hochschullehrerin versteht die Aufgabe Sozialer Arbeit folgendermaßen:

„Die Hauptaufgabe sozialer Arbeit [!] besteht darin, Menschen zu befähigen, ihre
Bedürfnisse aus eigener Kraft zu befriedigen. Des Weiteren geht es darum,
menschenverachtende soziale Regeln und Werte von sozialen Systemen in
menschengerechte Regeln und Werte umzuwandeln.“ (Staub-Bernasconi, 2002, S.
245-258)

Der seit 2007 in Ruhestand befindliche Professor für Soziale Arbeit an der Fachhochschule in Würzburg, Ernst Engelke, sagt über die Notwendigkeit der Sozialen Arbeit:

„Soziale Arbeit im weiteren Sinne wird dort notwendig, wo das Verhältnis zwischen Geben und Nehmen gestört ist.“ (Engelke, 1998)

Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Ziele und Aufgaben der Sozialen
Arbeit.

Die oben genannten zählen jedoch zu denen mit der höchsten Priorität und dies spiegelt sich auch im Rahmen der lösungsorientierten Arbeit deutlich wider, auf die nun weiter eingegangen wird.

3. Lösungsorientierte Arbeit - ein grundlegender Überblick

Wie bereits erwähnt, soll dieses Kapitel dazu dienen, das Verständnis für lösungsorientierte Arbeit näher zu bringen.

Dazu wird erörtert, wie dieses Konzept entstand und wer es entwickelte.

Die Begründer dieses Modells sind Steve de Shazer, ein amerikanischer Psychotherapeut, und seine Frau Insoo Kim Berg, ebenfalls eine amerikanische Psychotherapeutin.

Sie beobachteten ihre Klienten äußerst gezielt und kamen so zu ihrem neuen Denken.

Ende der Siebziger, um genau zu sein 1978, gründeten sie gemeinsam das ÄBrief Family Therapy Center“ (Kurzzeit-Familien-Therapie-Center), kurz BFTC, in Milwaukee.

Beide führten im BFTC etliche Therapiegespräche, die mittels Videokamera aufgenommen wurden, damit diese exakt analysiert werden konnten. Ziemlich schnell konnten sie dabei feststellen, Ädass die Wahrnehmung des Lebens und das Verhalten ihrer Klienten den Theorien, die sie an der Universität gelernt hatten, nicht entsprachen.“ (Winiger, 2011)

Sie bemerkten, dass jeder Klient seine eigene Wirklichkeit entwickelt und nach den Schlüssen lebt, die daraus für ihn resultieren.

Dies führte dazu, dass sie ihre Expertenmeinungen eher hinten anstellten und sprachen der Expertenmeinung ihrer Klienten, über ihr Weltbild und dem daraus abgeleiteten Verhalten, mehr Bedeutung zu.

Das entstandene lösungsorientierte Kurzzeittherapiemodell soll uns also beibringen, wie Lösungen von den Klienten selbst und nicht von Beratern und Therapeuten entwickelt werden. (Vgl. Winiger, 2011)

Weitere Grundlagen für dieses spezielle Modell in der Systemischen Therapie sind unter anderem die Arbeiten von Milton Erickson.

Milton Erickson lebte in der Zeit von 1901 bis 1980 und war ein amerikanischer Psychiater. Er war ein Verfechter der modernen Hypnotherapie und wurde in Deutschland vor allem in den letzten 25 Jahren immer bekannter. (Vgl. Milton Erickson Gesellschaft, 2011)

Das Besondere an ihm war, dass er die für den Klienten spezifischen Persönlichkeitseigenschaften, die Fähigkeiten und Lebenserfahrungen und die Erinnerungen als therapeutische Ressource in den Kurzzeittherapien so zu aktivieren wusste, dass sie seinen Klienten wirkungsvoll verhelfen sollten ihre Ziele zu erreichen.

Erickson würdigte den Menschen als Individuum und nutzte alles, was ihm seine Klienten während den Sitzungen anboten. (Vgl. Milton Erickson Gesellschaft, 2011).

Erickson selbst äußerte im Jahre 1979 folgendes:

„Jeder Mensch ist ein Individuum. Die Psychotherapie sollte deshalb so definiert werden, dass sie der Einzigartigkeit der Bedürfnisse eines Individuums gerecht wird, statt den Menschen so zurechtzustutzen, dass er in das Prokustesbett1 einer hypothetischen Theorie vom menschlichen Verhalten passt.“

Anhand dieses Zitates wird Milton Ericksons Einstellung nochmals verdeutlicht.

Steve de Shazer und seine Frau Insoo Kim Berg verbreiteten ihre Erkenntnisse weltweit, indem sie diverse Workshops anboten, bei denen sie ihr Modell der Lösungsorientierten Arbeit demonstrierten und lehrten.

Sie wollten, dass immer mehr Berater und Therapeuten lösungsorientiertes Denken und Handeln in ihren Therapiesitzungen anwenden.

Außerdem war es ihnen ein großes Anliegen, diese Denk- und Handlungsweise auch in den Bereichen Erziehung, Medizin und Wirtschaft näher zu bringen.

Nach de Shazers Tod, am 11. September 2005, hielt seine Frau bis zu ihrem Tode, am 10. Januar 2007, an der Verbreitung des lösungsorientierten Ansatzes fest. Nachdem nun auch Insoo Kim Berg verstorben war, schloss das BFTC seine Türen am 15. Dezember 2007 für immer.

Dies sollte jedoch nicht das Ende für die Verbreitung des lösungsorientierten Arbeitens sein.

Insoo Kim Bergs Schwester, CJ Kim, und deren Tochter Sarah überreichten sämtliche Schulungsmaterialien, sowie die Rechte Schulungen durchzuführen, an die Solution Focused Brief Therapy Association. (Vgl. SFBTA)

Dass die lösungsorientierte Arbeit immer mehr verbreitet ist, erkennt man daran, dass einige Methoden auch in anderen Lösungsansätzen eine Rolle spielen. Ein Beispiel hierfür ist die bereits in den 80er Jahren entwickelte Motivierende Gesprächsführung von Miller und Rollnick.

Motivational Interviewing ist Ä[…] eine klientenzentrierte, direktive Methode zur Verbesserung der intrinsischen Motivation für eine Veränderung mittels Erforschung und Auflösung von Ambivalenz.“ (Miller & Rollnick, 2005) Ziel hierbei ist es also die Selbstmotivation zu verbessern.

Dies gelingt, indem man die Ambivalenzen aufdeckt und der Klient zum Teil selbst gefragt ist, sein Problem zu lösen.

Dabei kann man ihn unterstützen - zum Beispiel mit Steve de Shazers Wunderfrage [siehe 4.4].

Damit soll der grobe Überblick abgeschlossen werden.

Ziel ist es nun im folgenden Kapitel einige Methoden der lösungsorientierten Arbeit vorzustellen.

[...]


1 unangenehme Lage, in die jmd. hineingezwungen, oder Schema, in das etwas hineingepresst werden soll (Enzyklo MMXI, 2011)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lösungsorientiertes Arbeiten im psychiatrischen Kontext
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V189799
ISBN (eBook)
9783656140962
ISBN (Buch)
9783656141068
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lösungsorientierte Arbeit, Steve de Shazer, Insoo Kim Berg
Arbeit zitieren
Annika Lesch (Autor), 2011, Lösungsorientiertes Arbeiten im psychiatrischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189799

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lösungsorientiertes Arbeiten im psychiatrischen Kontext



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden