Der South Tombs Cemetery von Tell el-Amarna


Seminararbeit, 2011

39 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Vorbemerkung

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Amarna und seine Friedhöfe
1.2 South Tombs Cemetery: Lage, Ausdehnung, Umfeld
1.3 Forschungsgeschichte
1.4 Publikationslage

2 Vorstellung der einzelnen Grabungsareale
2.1 Upper Site
2.1.1 Ausführung der Gräber und Behandlung der Toten
2.1.2 Funde
2.1.3 Oberirdische Gestalt des Friedhofes
2.2 Lower Site
2.2.1 Ausführung der Gräber und Behandlung der Toten
2.2.2 Funde
2.2.3 Oberirdische Gestalt des Friedhofes
2.3 Wadi Mouth Site
2.3.1 Ausführung der Gräber und Behandlung der Toten
2.3.2 Funde
2.3.3 Oberirdische Gestaltung des Friedhofes

3 Bioarchäologie

4 Zusammenfassende Darstellung des Friedhofes

Anhang: Artikel über den South Tombs Cemetery in Horizon

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Bibliografie

Vorbemerkung

Vorliegende Hausarbeit behandelt eine noch nicht abgeschlossene archäologische Ausgrabung am Fundort Tell el-Amarna, Ägypten. Bisher liegen nur Vorberichte zu den Forschungen vor. Diese sind zwar im Vergleich dankenswert umfangreich, jedoch begrenzt der momentane Status die Möglichkeit, alle relevanten Aspekte adäquat darzustellen, ohne einen Aufwand zu betreiben, der weit über den bei einer Hausarbeit üblichen hinausgeht. Verf. war dies bei der Abfassung des vorliegenden Textes durchaus bewusst. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die politische Situation in Ägypten bald wieder entspannt, so dass die Archäologen des Amarna Projects die Feldarbeit bald wieder aufnehmen und weitere Beiträge, u. U. sogar eine Abschlusspublikation vorlegen können.

Die Unterscheidung der Geschlechter von Bestatteten ist für die bioarchäologische Unter-suchung und für die Interpretation von Gräberfeldern überhaupt wichtig. In der vorliegendenDarstellung des South Tombs Cemetery von Amarna hat Verf. dennoch auf eine Angabe derGeschlechter von Bestatteten i. d.R. verzichtet, um den gegebenen Rahmen nicht zu sprengen.Ist also von „einem Bestatteten“ oder „einem Toten“ die Rede, gibt dies keinen Hinweis aufdas Geschlecht des Individuums, es sein, dies ist explizit betont. Leider sind die Grabungs-ergebnisse bisher noch nicht so aufbereitet, dass ohne eine umfangreiche, deutlich über denRahmen einer Hausarbeit hinausgehende Untersuchung Aussagen zum Unterschied zwischenMänner- und Frauenbestattungen getroffen werden können. Ebenso verzichtet Verf. auf dieAngabe des Sterbealters der Individuen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Amarna und seine Friedhöfe

Achetaton, „Horizont des Aton“, nannte der ägyptische König Amenophis IV. (Echnaton,1340-1324 oder 1353-13361 ) seine neu gegründete Hauptstadt in Mittelägypten (Taf. 1),welche heute bekannt als (Tell el-)Amarna2 und namengebend für eine ganze Epoche, die sog.Amarnazeit, ist. Echnaton, einer der umstrittenen Herrscher des Pharaonenlandes, löstewährend seiner Regierung einen gewaltigen Umbruch in vielen Bereichen aus. So brach er u. a. nach und nach mit den traditionellen Göttern. Schon bald nach dem Tod des Königswurde damit begonnen, die Veränderungen wieder rückgängig zu machen. So wurde auchAchetaton bald als Hauptstadt wieder aufgegeben. In nur wenigen Jahren war aber zuvor eineglanzvolle Metropole entstanden, die Paläste, Tempel, prächtige Villen, Gärten, Werkstätten,Verwaltungseinrichtungen, Wohnraum für das ‚niedere Volk‘ usw. umfasste (Taf. 2).

Nun ist ein besonderes Kennzeichen der altägyptischen Kultur bekanntermaßen derTotenkult. Man glaubte an ein Weiterleben nach dem Tod in einer jenseitigen Welt, wobei dieLebenden die Verstorbenen durch Beigaben und stete Opfer am Grab weiter versorgenmussten. Die Edlen der Stadt, so war es der auf den sog. Grenzstelen attestierte PlanEchnatons, sollten im östlich angrenzenden Wüstenrandgebirge bestattet werden. Heute sinddie prächtig ausgestatteten Felsgräber im Norden (sog. North Tombs) und Süden (sog. SouthTombs) des Geländes wichtige Orientierungspunkte in der Topographie von Amarna undauch beliebtes Ziel von Touristen.

Ein Rätsel blieb aber lange, wo die ‚gewöhnliche‘ Bevölkerung von Amarna bestattetworden war. B. Kemp3 verweist auf eine Stelle im Bericht zur Grabungskampagne 1923 amOrt unter der Leitung von F. Ll. Griffith4. Hier heißt es, dass ein Vorarbeiter die Umgebungder Stadt nach Hinweisen auf einfache Bestattungen untersuchte. Tatsächlich fand er auch „Knochen in Löchern“. Dennoch vermutete Griffith, dass die „weniger bedeutsamen Ein-wohner“ wohl eher im nahen Tuna (el-Gebel), d. h. auf der anderen Seite des Nils, bestattetworden seien.

Das Rätsel ist nun, nach Untersuchungen in jüngerer Zeit, scheinbar gelöst5. Archäo-logen stießen im Rahmen eines ausgedehnten Surveys ab 2001 auf mehrere Gräberfelder. Sieentdeckten zwei beraubte, aufgrund der verstreut gefundenen Keramik in die Amarnazeitdatierbare Friedhöfe nahe Felsgrab Nr. 6 der Nordgräber (Panehsi)6 ; 2003 wurde der hier be-handelte Friedhof, der sog. South Tombs Cemetery (STC), ausgemacht7 ; schließlich stieß man2004 auf zwei weitere vermutlich amarnazeitliche Gräberfelder in dem Wadi, der die NorthTombs in zwei Gruppen teilt8.

Die Untersuchung dieser Gräberfelder ist ein wichtiges Puzzlestück nicht nur für die Archäologie von Amarna, sondern für die ägyptische Archäologie überhaupt, denn abgesehen von den Eliten ist über die Bestattung bei den alten Ägypter nur wenig bekannt9.

1.2 South Tombs Cemetery: Lage, Ausdehnung, Umfeld

Der STC liegt im Südwesten des Stadtareals von Amarna entlang eines Nordwest - Südost verlaufenden Wadis, in den Ausläufern des Wüstenrandgebirges10. In unmittelbarer Nähe liegt das südliche Felsgräberfeld (sog. South Tombs), welches namengebend für den STC ist. Felsgrab Nr. 24A11 und Felsgrab Nr. 2512 flankieren den Eingang des Wadis (Taf. 3). Soweit es sich aufgrund der bisherigen Begehungen sagen lässt, nimmt der Friedhof an der Westflanke des Wadis einen wesentlich kleineren Teil ein, als an dessen Ostflanke. Allerdings ist die genaue Ausdehnung des Friedhofes noch nicht klar.

Das Areal war und ist in den noch unbearbeiteten Bereichen geprägt durch losen Sand,auf dem Kalksteinblöcke, Knochen, Keramik, Fayence, Glas und auch bearbeitete Steinblöcke aufliegen. Die Wadi-Rinne ist breit und flach; hier ist deutlich mehr Sand akkumuliert als an den Flanken.13 Nahe des Friedhofes liegen zwei Steinbrüche (vgl. Taf. 3).

1.3 Forschungsgeschichte

Die Entdeckung und Untersuchung des STC hängt zusammen mit dem Amarna Project14 unter Leitung von B. Kemp. Dieses Projekt hat sich eine umfassende Untersuchung des Ge-bietes von Amarna auf die Fahne geschrieben. Kemp selbst zeichnet gemeinsam mit A. Stevens für die Arbeiten im Bereich STC verantwortlich.

Der STC wurde im Rahmen eines großräumigen Amarna-Surveys im Jahre 2003 ent-deckt15. Damals wiesen oberirdisch verstreutes Knochenmaterial und Keramik auf den Be-stattungsplatz hin. 2005 fand im Bereich des Friedhofes ein weiterer Survey statt16, bei demKnochen und Keramik sowie das Fragment eines Glasgefäßes aufgesammelt sowie analysiertwurden. Die Keramik konnte mit wenigen Ausnahmen (spätzeitlich, römisch) in die späte 18. Dynastie datiert werden17. Auch wurden zwei Gräber entdeckt (Taf. 3, „2005 burials“), die aber wahrscheinlich weit nach die Amarnazeit datieren.

Erste Grabungstätigkeiten begannen in 2006; die Arbeiten dauern bis heute an. Eswurden Ausgrabungen in drei verschiedenen Teilen des Friedhofes unternommen (vgl.Taf. 3)18: zunächst konzentrierte man sich auf den Upper Site, ab 2009 wurde am Lower Siteund schließlich 2010 noch am Wadi Mouth Site gearbeitet. 2011 konnte aufgrund derpolitischen Situation in Ägypten nur eine Kampagne zur Untersuchung des Knochenmaterialsstattfinden19.

Leider ist der vorgegebene Rahmen nicht ausreichend, um adäquat auf die methodologischen Aspekte der Grabungen einzugehen. Diesbezüglich sind die genannten Grabungsberichte heranzuziehen.

1.4 Publikationslage

Die bisherigen Ergebnisse zu den Untersuchungen am STC sind lediglich in Form von Vorberichten erschienen. Ausführliches, gut bebildertes Material wurde auf der Homepage des Amarna-Projektes zur Verfügung gestellt20. Gedruckte Berichte wurden im Journal of Egyptian Archaeology publiziert. Im Text werden die jeweiligen Berichte zu den einzelnen Kampagnen und Grabungsarealen an geeigneter Stelle angeführt.

Populär geschrieben, aber auch informativ sind die kurzen Beiträge im Newsletter Horizon des Amarna Projects und der Stiftung Amarna Trust, welcher ebenfalls digital imInternet abgerufen werden kann21. Auf einige besonders relevante Berichte weise ich im Texthin. Ein Anhang zur vorliegenden Arbeit listet die erschienenen Beiträge zum STC auf.

Darüber hinaus wurden nur wenige weitere Veröffentlichungen zum STC vorgelegt, aufdie ich im Folgenden an geeigneter Stelle hinweise. Überwiegend behandeln diese die Bio-archäologie.22

2 Vorstellung der einzelnen Grabungsareale

Ausgrabungen fanden bisher in drei Teilbereichen (sites) des STC statt (vgl. Taf. 3):

- Upper Site (US): Inmitten der Ausdehnung des Friedhofes auf der Ostflanke desWadis.
- Lower Site (LS): Etwa in der Mitte der Friedhofsausdehnung auf der Westflanke desWadis.
- Wadi Mouth Site (WMS): Im Bereich der Mündung des Wadis und an dessen Ostflanke, im nördlichsten Teil der Ausdehnung des Friedhofes.

2.1 Upper Site

Mit den Ausgrabungsarbeiten im Areal US wurde 2006 begonnen. Bisher fanden fünf Kampagnen statt (bis einschließlich 2010)23. Es ist dies der bislang größte zusammenhängend ergrabene Teilbereich des Friedhofes (35 × 20 m).

2.1.1 Ausführung der Gräber und Behandlung der Toten

Am US wurden bis 2010 insgesamt rund 120 Gräber festgestellt (Plan: Taf. 4). Der über-wiegende Teil der Bestattungen am US ist in einer Art ausgeführt, die für den STC insgesamtals typisch gelten kann: einfache Grubengräber24, in denen die Toten25 eingewickelt von Kopf bis Fuß in Textilien und umhüllt von Matten aus pflanzlichem Material26 (Taf. 527 ) bestattetworden sind. Ein typisches Beispiel ist etwa die ungestörte Bestattung von Ind. 15028 (Taf. 6).

Hinweise auf künstliche Mumifizierung gab es keine. Bei einigen Bestattungen wurdeauch auf den Mattensarg verzichtet; andere hingegen waren in zwei Matten eingehüllt29. Meistlagen die Toten ausgestreckt auf dem Rücken. Aber auch hier gab es Variationen. Eine durch-gehende Einheitlichkeit ist also nicht zu erkennen. Ebenso variiert die Ausrichtung derToten30 (vgl. Taf. 4).

In einigen Gräbern lagen mehrere (zwei bis drei) Individuen. Als Beispiel kann dieBestattung der Ind. 90, 91 und 93 angeführt werden31 (Taf. 7. 8, siehe auch Taf. 5b). Der Be-fund ist hier sehr komplex und schwer verständlich. Scheinbar wurden zunächst Ind. 91 (einKind) und 93 begraben, und später wurde in einer Erweiterung des Grabes Ind. 90 nach-bestattet. Die Zahl der Mehrfachbestattungen am US lag vermutlich ursprünglich viel höher,als heute noch festgestellt werden kann. Es wurden Knochen von weitaus mehr Individuengefunden, als es Grabgruben gibt.

In einigen Fällen wurden die Toten in Särgen bestattet. Zum einen waren dies einfache Holzsärge unterschiedlicher Größe. Kleinkind Ind. 16132 wurde in einer kleinen Holzbox niedergelegt (Taf. 9). Außergewöhnlich groß hingegen scheint der nur noch in Spuren greifbare Sarg für die Bestattungen Ind. 188A/B33 gewesen zu sein (Taf. 10). Die Größe kann damit begründet werden, dass der Sarg zwei Personen (ein Kleinkind und einen Erwachsenen) fassen musste. Es gibt weitere Beispiele für einfache Särge34.

Weitaus elaborierter als die bisher genannten Beispiele ist der Fund35 eines dekorierten anthropoiden Sarges36, in dem wohl Ind. 69A bestattet war. Im Allgemeinen war der Sarg sehr schlecht erhalten. Noch in gutem Zustand war der geschnitzte und bemalte, plastisch gestaltete Kopfbereich37 (Taf. 11). Anhand der spärlichen weiteren Reste wurde ein Rekonstruktionsversuch unternommen (Taf. 12). Demnach hatte der Sarg wahrscheinlich vier umlaufende Textbänder. Auf den Seiten waren Klagende dargestellt. Einige Fragmente stammen vermutlich von einer auf den Sarg gemalten Perrücke. Die Dekorationen und Texte wurden über einer Gipsschicht und auf einer schwarzen Grundierung angebracht und ausgeführt überwiegend in weißer Farbe. Spuren von blauer und roter Farbe sind ferner erhalten. Für die Klagenden wurde Gelb sowie Rot für die Details verwendet.

In den Texten wird eine Frau namens Maiay (Maiai) erwähnt, die wahrscheinlich indem Sarg bestattet war. Darüber hinaus hätten die Texte zwei Themen, heißt es in der Be-schreibung des Objektes: die Titel der Verstorbenen (in Verbindung mit dem Namen, „Damedes Hauses“) und Gebete. Maiay bäte direkt um Wasser, Wein und den Hauch des Nord-windes, wobei der König oder Aton nicht als Vermittler angesprochen werden, Re aber er-wähnt wird.

Holzspuren oder -fragmente zeigen, dass es ursprünglich wohl noch mehr Särge am US gegeben haben muss, ohne dass eine konkrete Zahl genannt werden kann.

Zwei exzeptionelle Entdeckungen wurden gleich in der ersten Kampagne 2006 ge-macht. Erstens handelt es sich um eine große Grube mit den Überresten mehrerer Toter,welche die Ausgräber aber auf Raubgräber zurückführen38. Zweitens handelt es sich um einaus Nilschlammziegeln gemauertes und überwölbtes Grab, die sog. brick vaulted tomb oderauch nur brick tomb (Taf. 13)39. Am STC bleibt dieser Befund ohne Vergleich. Offenbarbereits im Altertum wurde dieses Grab teilweise zerstört und der Inhalt durchwühlt. Diebeiden Langseiten maßen 2,3 m bei einer Höhe von 80 cm; die nördliche Schmalseite war bis1,1 m Höhe erhalten, die südliche bis 80 cm. Lehmverstrich wurde im Innenraum auf demMauerwerk festgestellt, jedoch nicht an der Außenseite. Reste eines Holzsarges und von Blattgold zeigen, dass es sich um die Bestattung einer durchaus vermögenden Person gehandelt haben muss.

2.1.2 Funde

Fundobjekte, abgesehen von Keramik, waren am US relativ selten40. Nur sehr wenige Fundekonnten aus intakten Grabkontexten geborgen werden, weshalb nicht immer klar ist, ob sieursprünglich zu einem Bestattungsinventar gehörten, oder ob sie spätere Opfer am Grabrepräsentieren (was z. B. für einen Gutteil der Keramik zu vermuten ist). Die wenigen un-gestörten Gräber zeigen, dass Beigaben den meisten Bestatteten nur in geringen Mengen odergar nicht mitgegeben worden sind, etwa bei der Kleinkind-Bestattung Ind. 16141, welche ohneBeigaben war.

Soweit man sagen kann, lassen sich die Grabbeigaben grob, einer Kategorisierung von A. Stevens für den LS folgend42, in die folgenden, sich teilweise auch überschneidendenGruppen einteilen: Trank- und Speiseopfer, persönliche, sowie rituelle oder symbolischeGegenstände.

Trank- und Speiseopfer sind beinahe ausschließlich nur noch durch die Keramik greif-bar. In der Regel waren, wenn überhaupt, nur sehr wenige Gefäße in den Gräbern mitgegeben.Komplett erhaltene Gefäße sind im Fundgut selten. Eine außergewöhnlich hohe Anzahl vonGefäßen stammt aus der Grabgrube <12999>43 (Taf. 14a). Zum Inventar gehörten sieben nochintakte Gefäße (drei Näpfe [ bowls ], vier Krüge [ jars ]), welche in einer unterschnittenen Er-weiterung im Südostteil des Grabes deponiert waren. Die Inhalte der Gefäße wurden durch-siebt. Bei vier konnte noch Getreide festgestellt werden. Außerdem enthielt das Grab einweiteres vollständiges Gefäß mit Früchten. Weitere Analysen von Material aus den Grabungen 2006/2007 ergaben Hinweise auf Feigen, Schwarzkümmel, Weintrauben und Früchte des Persea-Baumes44.

Schmuck bildet neben der Keramik eine zweite größere Gruppe innerhalb des Fund-gutes. Viele der Stücke haben einen eher dekorativen Charakter und sind somit nach derKategorisierung oben als persönliche Gegenstände anzusehen. Einige besondere Stücke sindfolgend aufgeführt.

Perlen und Anhänger von Ketten: verschiedene verstreut gefundene Fayence-Anhänger, die die Bearbeiter als möglicherweise zu einer Kette gehörig ansehen, u. a.ein Kornblumenmotiv (Taf. 14b)45 ; Gruppe von 86 kleinen Ringen und Perlen ausroter, gelber, blauer und weißer Fayence, vermutlich von einer Halskette46 ; eine roteSteinperle. Daneben weitere Perlen in Pflanzen- (Lilien-), Scheiben- und Zylinder-form, wobei verschiedene Gruppen hiervon als Bestandteile einzelner Ketten an-gesehen werden können.

Fingerringe: Fragmente eines blauen Fayenceringes mit der Darstellung eines Udjat-Auges (Taf. 14c)47. Ein weiterer Ring mit Udjat-Auge wurde bei dem Survey 2005 ge-funden48. An einem ebd. gefundenen Fingerknochen gab es eine grüne Verfärbung, dieHinweis auf einen Kupferring ist, mit dem einer der Toten ursprünglich bestattetworden ist49.

Die Funktion als Amulett ist besonders deutlich bei den folgenden Stücken: Steatit-Skarabäusmit der Erwähnung Thutmoses’ III. (Mencheperre) (Taf. 15a)50 ; Skarabäus mit der Dar-stellung eines Skarabäus, einer Sonnenscheibe und Bögen auf der Unterseite (Taf. 15b)51.

[...]


1 Nach Helck bzw. Krauss, hier angegeben nach Schneider 2002, 318. Zur Person siehe etwa (mit Hinweisen auf weitere Literatur): Schlögl 2000; Schneider 2002, 66-71 s. v. „Amenhotep IV.“.

2 Zu Amarna im Allgemeinen siehe etwa (mit Hinweisen auf weitere Literatur): Arnold 2000, 16-19 s. v. „Amarna (Tell el-Amarna)“.

3 Kemp s. d.

4 Griffith 1924, 303f.

5 Kemp s. d.

6 Vgl. Kemp 2002, im Text S. 13 allerdings nicht erwähnt. Karte auf S. 14.

7 Kemp 2003, 11 und ein digitales Geländemodell S. 10 Abb. 1.

8 Kemp 2004, 20. Die Angaben hier weichen von denen bei Kemp s. d. ab, insofern in JEA die Rede von „drei separaten Arealen mit gestörten Gräbern“ an dieser Stelle ist, sowie von insgesamt sechs amarnazeitlichen Friedhöfen (der nicht elitären Bevölkerung).

9 Siehe etwa Shepperson 2009, 5.

10 Im lokalen Raster (grid) der Ausgräber trägt der Bereich die Nummer 14. Vgl. Anonym s. d.

11 Ein unfertiges Grab. Verzeichnet z. B. auf dem Plan Davies 1906, Taf. XIII.

12 Grab des späteren Königs Aja (Eje). Siehe Davies 1908, bes. 16-24.

13 So wird das Areal in den Vorberichten einheitlich beschrieben.

14 Siehe < http://www.amarnaproject.com/ >.

15 Wie Anm. 7.

16 Kemp 2005, 22-24; Kemp et al. 2005 mit zahlreichen Abb. zur Keramik.

17 Es konnten u. a. Scherben mit der für die Amarnazeit typischen blauen Bemalung aufgelesen werden (Kempet al. 2005, Abb. 19. 20). Nennenswert sind noch die Fragmente eines Gefäßes aus der Westwüste („ofWestern Oasis origin“) sowie die Scherben einer kanaanitischen Amphore (Kemp 2005, 24).

18 Siehe hierzu etwas ausführlicher den Beginn des folgenden Kapitels.

19 In einem Blogbeitrag „Bioarchaeology Study Season Underway“ vom 21.05.2011, online unter < http://amarna-project.blogspot.com/2011/05/bioarchaeology-study-season-underway.html > (Zugriff: 25.05.2011),wurde mitgeteilt, dass die geplanten Ausgrabungen im Frühling 2011 ausfallen müssen aufgrund derpolitischen Entwicklungen. Allerdings solle es einen kurzen Forschungsaufenthalt zur bioarchäologischenUntersuchung des Knochenmaterials vom STC geben. Ein nur knapper Bericht hierzu wurde kurz vor Ein-reichung der Hausarbeit veröffentlicht: Anonym 2011.

20 Unter < http://www.amarnaproject.com/ >. Informativ ist auch das Blog des Projektes unter < http://amarna-project.blogspot.com/ >. Hier werden regelmäßig aktuelle Hinweise veröffentlicht, z. B. solche auf neu er-schienene Literatur sowie Ankündigungen von Arbeitskampagnen in Amarna. - Nur ein Teil der Materialienauf der Homepage sind als paginierte pdf -Dateien verfügbar, manche lediglich als Webseiten. Nicht allePublikationen sind datiert. Das macht eine wissenschaftliche Zitierung schwierig. Verf. ist daher wie folgtvorgegangen: 1. Paginierte Berichte wurden gegenüber den unpaginierten Webseiten bevorzugt behandelt. 2.War das Veröffentlichungsdatum eines Berichtes nicht zweifelsfrei zu ermitteln, hat Verf. hier das Jahr derKampagne gesetzt, da die Berichte i. d. R. recht bald nach den Arbeiten veröffentlicht worden sind.

21 Unter < http://www.amarnatrust.com/newsletter.shtml >. Bis zur Einreichung dieser Hausarbeit sind neunNummern erschienen.

22 Für mich leider nicht verfügbar war der folgende Beitrag: Kemp 2006a.

23 2006: L. Ambridge und M. Shepperson, „South Tombs Cemetery, 2006“. In: Kemp 2006b, 27-45 (mit zwei Anhängen); Ambridge et al. 2006; Index der Funde auf der Homepage des Amarna Projects unter < http:// www.amarnaproject.com/images/recent_projects/excavation/south_tombs_cemetery/2006/South%20Tombs %20Cemetery%20(Grid%2014)%20Objects%202005,%202006,%202007.xls > (Zugriff: 14.06.2011), er-stellt von A. Stevens (folgend auch als „Spreadsheet“ bezeichnet).

2007: W. Dolling, „South Tombs Cemetery“. In: Kemp 2007, 11-35 und ebd. weitere knappe Beiträge auf den S. 53-59. 61f. 63; Dolling 2007; das bei 2006 genannte Spreadsheed mit einem Index der Funde.

2008: W. Dolling, „South Tombs Cemetery“. In: Kemp 2008, 13-44 (mit einem Anhang) und ebd. weitereknappe Beiträge auf den S. 56f. 58. 61-67; Dolling 2008 (mit Beiträgen weiterer Verf.), dazu Anhang 1,„Register of Individuals Excavated During 2008“ unter < http://www.amarnaproject.com/documents/pdf/SouthTombs2008Appendix1.pdf > und Anhang 2, „List of Units According to Grid Square“ unter < http://www.amarnaproject.com/documents/pdf/SouthTombs2008Appendix2.pdf > (beide Zugriff: 14.06.2011).

2009: M. Shepperson, „The Upper Site“. In: Kemp 2009, 21-27; Shepperson 2009. Funde z. T. in Stevens und Kemp 2009.

2010: M. Shepperson, „The Upper Site“. In: Kemp 2010b, 7-10; Shepperson 2010. Funde z. T. in Kemp und Stevens 2010.

24 Zusammenfassend zur Ausführung der Gräber am US zuletzt Shepperson 2010, 7f. und Kemp 2010b, 10f.

25 Zusammenfassend zur Behandlung der Toten am US: Kemp 2006b, 36f.; Dolling 2008, Abschn. 3.3; Kemp2008, 30; Kemp 2009, 26; Shepperson 2009, 58 und zuletzt Kemp 2010b, 9; Shepperson 2010, 6f.

26 Diese werden von den Ausgräbern als plant-stem mat coffins u. ä. bezeichnet. Verf. lehnt hieran an und ver-wendet den Begriff „Mattensärge“.

27 Das Foto Taf. 5b zeigt den Mattensarg von Ind. 90 aus der Dreifachbestattung Ind. 90, 91, 93. Siehe hierzuweiter unten in diesem Abschnitt und vgl. Taf. 7. 8.

28 Shepperson 2010, 21-23. Das Grab war bis zu 60 cm tief.

29 Siehe z. B. Ind. 70 (Kemp 2008, 24; Dolling 2008, in Abschn. 2.2.5).

30 Siehe hierzu insbesondere die Ausführungen in den Berichten der Kampagne 2009: Kemp 2009, 26 mit Abb.12; Shepperson 2009, 57 mit Abb. 60.

31 Kemp 2009, 23-25; Shepperson 2009, 17-22.

32 Shepperson 2010, 11f.

33 Shepperson 2010, 18f. Entsprechend der Größe des Sarges war auch die Grabgrube sehr breit und tief.

34 Ind. 13 (Kemp 2006b, 33f.; siehe bes. im Abschn. „Detailed Description of the Excavated Contexts“ beiAmbridge et al. 2006, Abb. 15). Ind. 51 (Kemp 2008, 20f.; Dolling 2008, in Abschn. 2.2.3). Ind. 54a, einKleinkind in einer einfachen Box mit Gipsüberzug (Kemp 2008, 22; Dolling 2008, in Abschn. 2.2.4). DieBestattung in der brick vaulted tomb (siehe unten in diesem Abschnitt) war in einem Sarg abgelegt; es könntesich aber durchaus um ein besser ausgearbeitetes Exemplar gehandelt haben, was aber aufgrund derschlechten Erhaltung nicht genauer festgestellt werden kann.

35 Es ist dies aber nicht der einzige Hinweis auf einen besser ausgestalteten Sarg am US. Im Grab von Ind. 29

z. B. (Kemp 2007, 21f.; Dolling 2007, in Abschn. 2.3.3) fanden sich u. a. Holzreste, darunter zwei Ohren eines anthropoiden Sarges (Obj. 37854, 37987).

36 Obj. 38819. Kemp 2008, 35-41; Dolling 2008, in Abschn. 3.5; Anonym 2008b.

37 L 31,8 cm; B am oberen Ende 20 cm.

38 Kemp 2006b, 31; mit Bildern in Ambridge et al. 2006.

39 Kemp 2006b, 35 und bei Ambridge et al. 2006 im Abschn. „Detailed Description of the ExcavatedContexts“.

40 Zusammenfassend zu den Beigaben am US: 2006: B. Kemp, Anhang 1, „Artefacts“. In: Kemp 2006b, 37-41,hier: 37; bes. A. Stevens, „Index of Small Finds“. In: Ambridge et al. 2006 und die Anm. 23 unter 2006 ge-nannte *.xls-Datei. 2007: Kemp 2007, 34f.; P. Rose, „Eigteenth Dynasty Pottery“. In: ebd., 16f.; Dolling2007, Abschn. 3.4 („Artefacts“). 2008: Kemp 2008, 30f.; B. Kemp und A. Stevens, Anhang „Artefacts“. In:ebd., 31-41; P. Rose, „Pottery“. In: ebd., 58f.; Dolling 2008, Abschn. 3.4 („Burial/Funerary Goods“) sowie

B. Kemp und A. Stevens, Abschn. 3.5 („Artefacts“). 2009: Kemp 2009, 26f.; Shepperson 2009, 58; Fundeteilw. in Stevens und Kemp 2009. 2010: Kemp 2010b, 9f.; Shepperson 2010, 7; Funde teilw. in Kemp undStevens 2010.

41 Vgl. den vorhergehenden Abschnitt.

42 Kemp 2010b, 14; Stevens 2010, 14. Vgl. unten, zu den Funden im Bereich LS.

43 Shepperson 2010, 36f. <12999> enthielt Ind. 156. Die Größe (2,50 m × 1,10 m, T nicht ermittelbar) und derFundreichtum dieses Grabes sprechen aber für eine Mehrfachbestattung. In diesem Grab wurde auch Weih-rauch gefunden, siehe weiter unten in diesem Abschnitt.

44 A. Clapham, „Plant Remains“. In: Kemp 2007, 62f., hier: 63.

45 Obj. 37564, 37521, 37552, 37554, 37647, 37536, 37507, 37516, 37578, 37535, 37495i, 37495ii, 27557.

A. Stevens, „Index of Small Finds“. In: Ambridge et al. 2006 und das zugehörige Spreadsheet. Vielleicht gehörte zu der Kette noch ein nfr -Anhänger. Bzgl. der Rekonstruktion wird verwiesen auf ein Stück abgebildet in Frankfort und Pendlebury 1933, Taf. 36.

46 Obj. 39960. Aus der Dreifachbestattung von Ind. 145, 146, 147 (Shepperson 2010, 42f. und 41 Abb. 27).Nicht aufgenommen in Kemp und Stevens 2010. Ohne Abb.

47 Obj. 39918. Kemp und Stevens 2010, 17f. Ohne Maßangaben. Das Weiß des Auges ist mit weißem Schmelzeingelassen.

48 A. Stevens, „Index of Small Finds“. In: Ambridge et al. 2006.

49 J. Rose, „2005: Survey: Bioarchaeology“. In: Kemp et al. 2005, Abb. 10.

50 Obj. 37630. A. Stevens, „Index of Small Finds“. In: Ambridge et al. 2006 und das zugehörige Spreadsheet. L1,53 cm; B 1,2 cm; D 0,67 cm. Der Text auf der Unterseite: „Der Gute Gott, Herr der Beiden Länder,Mencheperre, erscheinend in Theben.“

51 Obj. 37637. Lit. wie Anm. 50. L 1,9 cm; B 1,35 cm; D 0,83 cm.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Der South Tombs Cemetery von Tell el-Amarna
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
39
Katalognummer
V189829
ISBN (eBook)
9783656141983
ISBN (Buch)
9783656142348
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ohne Abbildung, aber mit einem Verzeichnis zahlreicher, zumeist frei zugänglicher Abbildungen. Umfangreiche Bibliografie.
Schlagworte
Ägyptologie, Archäologie, Tell el-Amarna, Amarnazeit, Echnaton, Bestattungen, Grabbeigaben
Arbeit zitieren
Daniel Haas (Autor), 2011, Der South Tombs Cemetery von Tell el-Amarna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189829

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Titel: Der South Tombs Cemetery von Tell el-Amarna



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