Im 6. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich das Denken der Griechen durch die Spekulationen der Naturphilosophen aus Kleinasien weiter. Es begann die Emanzipation vom Mythos durch den Logos (unzureichend mit Vernunft übersetzt). Trotz dieser Emanzipation verschwand der Mythos nie vollständig aus der Gedankenwelt der Philosophen. Die Spekulationen der sogenannten Vorsokratiker über den „Urstoff“ aus dem die Welt entstanden war, waren nicht gänzlich reine philosophische Gendankenkonstruktionen, sondern nahmen auch Einflüsse aus griechischen und nicht griechischen Mythen auf. Diese Beeinflussungen waren das Ergebnis des Aufeinandertreffens von verschiedenen Kulturen. Ionien bzw. Kleinasien (die Heimat der ersten Vorsokratiker) war in diesem Zusammenhang im 6. Jahrhundert ein idealer Nährboden für den Kulturaustausch durch Handel, Krieg, u.v.m.
In der folgenden Arbeit werden die Kosmogonien bzw. Kosmologien der ersten drei milesischen Naturphilosophen Thales, Anaximander und Anaximenes kurz vorgestellt. Im Anschluss wird Heraklit, seine Kosmologie und die Unterschiede und Ähnlichkeiten zu seinen drei Vorgängern, behandelt. Bei der Beschreibung aller vier Gedankengebäude soll versucht werden, die kulturellen Einflüsse des griechischen Mythos und anderer Mythen auf die Spekulationen der vier Ionier herauszuarbeiten. Abschließend folgt im Schlusswort eine kurze Zusammenfassung dieser Einflüsse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thales von Milet (625-545 v. Chr.)
2.1. Die Kosmogonie des Thales: Wasser als Urstoff
3. Anaximander von Milet (610-545 v. Chr.)
3.1. Die Kosmogonie des Anaximander: Das Apeiron
4. Anaximenes von Milet (585-525 v. Chr.)
4.1. Die Kosmogonie des Anaximenes: Luft als Urstoff
5. Heraklit von Ephesus (540-475 v. Chr.)
5.1. Die Lehre Heraklits: Der „stehende“ Fluss
6. Schlussbetrachtung
7. Quelleneditionen
8. Literaturverzeichnis
9. Internetquellen
Häufig gestellte Fragen zu den Vorsokratikern
Wer waren die ersten drei milesischen Naturphilosophen?
Die ersten drei bedeutenden Denker aus Milet waren Thales, Anaximander und Anaximenes. Sie suchten nach dem "Urstoff" (Arche), aus dem die Welt entstanden ist.
Warum sah Thales von Milet das Wasser als Urstoff an?
Thales beobachtete, dass Feuchtigkeit die Grundlage für alles Leben ist. Seine Theorie war ein erster Schritt weg vom rein Mythischen hin zu einer auf Beobachtung basierenden Naturerklärung.
Was ist das "Apeiron" bei Anaximander?
Das Apeiron bezeichnet das "Unbegrenzte" oder "Unendliche". Für Anaximander konnte der Urstoff kein bekanntes Element wie Wasser sein, sondern musste ein unbestimmter, ewiger Stoff sein, aus dem alles hervorgeht.
Welchen Urstoff schlug Anaximenes vor?
Anaximenes sah die Luft als Urstoff an. Er erklärte die Entstehung der Materie durch die Verdichtung und Verdünnung von Luft, was einen mechanistischen Erklärungsansatz darstellte.
Was bedeutet der Übergang von "Mythos zu Logos"?
Es beschreibt die Emanzipation des Denkens von religiösen Erzählungen (Mythos) hin zu vernunftgeleiteten, rationalen Erklärungen (Logos). Dennoch blieben mythische Einflüsse oft noch in den philosophischen Systemen erhalten.
Welche Rolle spielt Heraklit in der vorsokratischen Philosophie?
Heraklit ist bekannt für seine Lehre vom ständigen Wandel ("Alles fließt"). Er betonte den Logos als Weltvernunft und sah im Feuer ein zentrales Element seiner Kosmologie.
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- Emanuel Beiser (Author), 2011, Die Vorsokratiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189843