Die Schlacht von Plataiai und ihre Darstellung in der Geschichtsschreibung


Seminararbeit, 2008
21 Seiten, Note: 2,3
Keno Peterson (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung:
1.1. Verwendete antike Quellen
1.2. Verwendete Forschungsliteratur und Forschungsausblick
1.3. Struktur der Arbeit

2. Die Schlacht von Plataiai nach Herodot - Uberlieferung und personliche Intention:
2.1. Phase 1
2.2. Phase 2
2.3. Phase 3

3. Diodor und Plutarch im Vergleich zu Herodots Uberlieferung:
3.1.DiodorusSiculus
3.2.Plutarchs Aristeides

4. Die Rolle Thebens und ihre Uberlieferung in der Schlacht von Plataiai:

5. Schlussbemerkung:

6. Quellenverzeichnis:

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung:

Die Schlacht von Plataiai war eines der bedeutendsten und einschneidendsten Ereignisse des klassischen Griechenlands. Der endgultige militarische Sieg des geeinten Griechenlands uber die auslandischen, die 'barbarischen' Perser veranderte in vielerlei Hinsicht die innergriechischen Verhaltnisse. Der Dualismus Athen-Sparta entwickelte sich zu einer offenen Feindschaft, die im peloponnesischen Krieg gipfelte. Theben verlor durch die Unterstutzung der Perser an Ansehen und Macht und konnte seine dominante Stellung in Boiotien fur einige Jahrzehnte nicht wiedererlangen.

In meiner Arbeit werde ich die Ereignisse der Schlacht von Plataiai naher erlautern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Uberlieferung in Herodots Historien. Bei der Beschaftigung mit der Schlacht von Plataiai stellen sich einige Fragen, deren Beantwortung fur das Verstandnis der Ereignisse unerlasslich sind.

Wie wahrheitsgetreu sind die Berichte Herodots und inwiefern verandern seine personlichen Intentionen den Verlauf seiner Darstellung? Was sind die Gemeinsamkeiten und vor allem die Unterschiede im Vergleich zu den anderen antiken Quellen? Welche Einflusse - zeitliche wie personliche - verandern die Darstellung bei Plutarch und Diodor? Daruber hinaus soll die Rolle Thebens in der Schlacht von Plataiai und ihre Darstellung bei den antiken Autoren naher beleuchtet werden.

1.1. Verwendete antike Quellen:

Die wohl wichtigste Primarquelle sind die Historien des Herodot von Halikarnassos (484430 v. Chr). In ihnen stellt er in neun Buchern die Kulturen und Traditionen der asiatischen, sowie der griechischen Volker dar und gibt einen detaillierten Bericht der Perserkriege. Begrundet durch den Detailreichtum und die Vollstandigkeit seiner Wiedergabe, sowie der relativen zeitlichen Nahe zu den Ereignissen ist Herodot die wichtigste Quelle zur Schlacht von Plataiai. Aber auch die anderen Primarquellen, die sich mit der Thematik beschaftigen sind wichtige Hilfsmittel zum Verstandnis der Vorgange bei Plataiai. Hier sind zu nennen die Bibliotheca Historica des Diodorus Siculus (vermutlich 1. Jhdt. v. Chr.). Darin beschreibt Diodor im XI. Buch die Schlacht von Plataiai, wobei er sich stark an Herodot orientiert. Als weitere Quelle sind die Vitae Parallelae Plutarchs (45-125 n. Chr.) heranzuziehen. In seinem Vergleich des athenischen Heerfuhrers bei der Schlacht von Plataiai, Aristeides mit dem Romer Cato, geht er bei der Vitae des Aristeides umfassend auf die Schlacht von Plataiai ein. Auch bei Plutarch sind deutliche Parallelen zu Herodot und Diodor zu erkennen. Besonders interessant ist jedoch die Auswirkung seiner boiotischen Herkunft auf dessen Darstellung.

Im Hinblick auf die Rolle der Thebaner in der Schlacht von Plataiai sollte auch Thukydides (460-396 v. Chr.) Geschichte des peloponnesischen Krieges berucksichtigt werden. Im dritten Buch seines Werkes lasst er die Thebaner eine Verteidigungsrede gegen die Plataier halten, in deren Verlauf die Schlacht von Plataiai Erwahnung findet.

1.2. Verwendete Forschungsliteratur und Forschungsausblick:

Als Sekundarquellen habe ich den Aufsatz Die Schlacht von Plataa und deren Uberlieferung von Felix Rudolph aus dem Jahre 18951, sowie die Dissertation Ludwig Winters mit dem Titel Die Schlacht von Plataa aus dem Jahre 19092 verwendet. Beide Schriften geben eine detaillierte Wiedergabe der Schlacht von Plataiai, mit Schwerpunkt auf Herodot und seiner Uberlieferung. Zur Rolle der Thebaner in der Schlacht von Plataiai empfiehlt sich Nancy H. Demands Werk Thebes in the fifth century.3

Als weitere Anregung habe ich das Kolloquium Herodot und die Epoche der Perserkriege, herausgegeben von Bruno Bleckmann4, sowie Fritz Schachermeyers Die Sieger der Perserkriege5 herangezogen. Beide Texte liefern jedoch nur sehr durftige Informationen zur Schlacht von Plataiai. Bei der Durchsicht der Sekundarliteratur wird deutlich, dass wissenschaftliche Texte zur Schlacht von Plataiai kaum vorhanden oder aber uber 100 Jahre alt sind. Zur Rolle der Thebaner in der Schlacht von Plataiai gibt es lediglich kurze Erwahnungen in der oben genannten Literatur.

1.3. Struktur der Arbeit:

Im weiteren Verlauf werde ich die Schlacht von Plataiai im Hinblick auf die wichtigsten und strittigsten Passagen analysieren und dabei auf die personlichen Intentionen Herodots und ihre Auswirkungen auf den Wahrheitsgehalt der Darstellung eingehen. Im Anschluss folgt ein Vergleich mit den Werken und personlichen Absichten der anderen antiken Quellen, sowie eine genauere Analyse der Rolle Thebens in der Schlacht von Plataiai und deren Darstellung in der antiken Geschichtsschreibung. Die Arbeit schliefit mit einer kurzen Zusammenfassung der bereits vorhandenen und neu gewonnenen Erkenntnisse.

2. Die Schlacht von Plataiai nach Herodot - Uberlieferung und personliche Intention:

Die Schlacht von Plataiai beginnt bei Herodot im 9. Buch seiner Historien mit der Ankunft des persischen Heeres unter Mardonios in Boiotien und endet mit dem 88. Abschnitt des 9. Buches mit der Belagerung Thebens und der darauf folgenden Auslieferung der fuhrenden Thebaner und deren Hinrichtung durch Pausanias in Korinth.

Die zeitliche Abfolge der Schlacht lasst sich in drei Phasen teilen: Die neuerliche Verwustung Athens durch Mardonios bis zum ersten militarischen Zusammentreffen der persischen Reiterei unter Masistios wird als erste Phase bezeichnet.6 Die zweite Phase erstreckt sich uber die zwanzig Tage dauernde Neuformierung beider Heere, begleitet von kleineren Auseinandersetzungen.7 Die dritte und letzte Phase beginnt mit dem Ausbruch der Kampfhandlungen, der Niederlage und Flucht des persischen Heeres, sowie dem Tod des Mardonios. Nach der Eroberung des persischen Heerlagers endet die Schilderung mit der Belagerung Thebens und der Auslieferung der fuhrenden Thebaner.8

Im Folgenden werde ich mich nur auf die wichtigsten Passagen der Schlachtschilderung beziehen, an denen die personlichen Absichten Herodots und die damit verbundenen Schwierigkeiten in der Uberlieferung am deutlichsten zu erkennen sind.

2.1. Phase 1:

Nach der neuerlichen Zerstorung Athens durch Mardonios formierte sich das griechische Bundesgenossenheer auf Drangen der Athener unter Fuhrung des Lakedaimoniers Pausanias bei Eleusis. Mardonios zog sich daraufhin in thebanisches Gebiet zuruck, da er hier bessere Bedingungen zur Entfaltung seines Heeres, sowie die befreundetepolis Theben als Kornkammer und Ruckzugspunkt hatte.

Hier spielte sich nun eines der ersten entscheidenden Ereignisse ab, das Gastmahl des Attaginos. Bei diesem lud Attaginos, einer der angesehensten Thebaner,je 50 Perser und 50 Thebaner zu einem Gastmahl in sein Haus. Bei dieser Gelegenheit sprach einer der Perser zu seinem benachbart liegenden Griechen, Thersandros aus Orchomenos, von der Niederlage des persischen Heeres und dem Tod vieler persischer Krieger aufgrund gottlicher Bestimmung.9 Interessant ist, dass Herodot ausdrucklich auf den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte hinweist.

,,[He] stresses the reliability of Thersander's story by naming his informant twice, and adding the information that Thersander had told the story to others before the battle of Plataea." 1011

Anhand dieser Aussage wird deutlich, dass Herodot durch diese wissenschaftlich nicht belegbare Anekdote den Untergang des persischen Heeres durch eine gottliche Vor-bestimmung voraussagt um so jeglichen Zweifel uber die Grofie und Rechtmafiigkeit des griechischen Sieges zu beseitigen.

Im weiteren Verlauf der Schilderung wird die Absicht Herodots, die Leistungen der Athener auf Kosten der anderen griechischenpoleis zu steigern, immer deutlicher. So beim ersten Aufeinandertreffen der persischen Reiterei unter der Fuhrung des Masisitios mit der Spitze des gerade in die Ebene herabsteigenden griechischen Heeres, den Megarern. Nach anfanglicher Uberlegenheit der persischen Reiter, in ihrem Hochmut beschimpften sie die Megarer gar als Weiber,10 und schweren Verlusten auf Seiten der Megarer, schickten sie zu Pausanias um Hilfe. Dieser wollte die Griechen testen und fragte, ob sich jemand freiwillig bereit erklare den bedrangten Megarern zu Hilfe zu eilen. Als sich daraufhin niemand meldete erklarte sich eine athenische Einheit unter Olympiodoros, des Sohnes des Lampon, bereit den Megarern zu helfen.11 Sie bezwangen die persische Reiterei und toteten Masistios. Ferner behaupteten sie den Leichnam des Masistios gegenuber dem heransturmenden persischen Fussvolk. Herodot ist in dieser Passage sehr bestrebt die herausragende Rolle der Athener in diesem Gefecht zu belegen und zu erhohen. Doch scheint es nach Winter sehr wahrscheinlich, dass die Athener nicht wegen ihrer Tapferkeit den Megarern zu Hilfe eilten, sondern aufgrund ihrer Position in der Heeresordnung, ,,[denn] nur die zunachst hinter den Megarern marschierenden Truppen sind imstande, sofort in das Gefecht einzugreifen. Das werden eben die Athener gewesen sein, und die an ihrer Spitze befindliche Abteilung des Olympiodorus []."12 Im Verlauf der Darstellung des Gefechts sind weitere Hinweise auf die Wichtigkeit des athenischen Angriffs zu finden. So wird die Tapferkeit der Athener gleichzeitig mit Masistios erhoht. Je grofier die Starke des Gegners, desto grofier ist der Aufwand ihn zu besiegen. Der vollkommen gepanzerte Masistios war nur durch ein Stich ins Auge zu toten (Vgl.: Siegfriedsmal?).13 Besondere Erwahnung erfahrt die psychologische Bedeutung dieses militarisch nicht entscheidenden Sieges: Die Perser sturzten sich in tiefe Trauer, ob des Todes des Masistios.14 Den Griechen aber wuchs der Mut gewaltig, ausgelost durch die glanzvolle Einzelleistung der Athener unter Olympiodoros.15 Auch dessen mehrmalige Erwahnung soll nach Diels kein Zufall sein: ,,Lampon den Sohn des Olympiodoros wird Herodot in Thurii, an dessen Grundung dieser teilnahm ,kennen [sic] gelernt haben."16 In diesem Abschnitt wird deutlich, dass Herodot den groben Kampfverlauf vermutlich wahrheitsgetreu wiedergibt, dabei aber jede Gelegenheit nutzt Athen oder personliche Freunde hervorzuheben.

[...]


1 Rudolph, Felix: Die Schlacht von Plataa und deren Uberlieferung, in: Bernhard, Julius Adolf (Hrsg.): XXXIV. Programm des Vitzthumschen Gymnasiums, Dresden 1895.

2 Winter, Ludwig: Die Schlacht von Plataa, Diss. Berlin 1909.

3 Demand, Nancy H.: Thebes in the fifth century, in: Willets, R.F. (Hrsg.): States and Cities of Ancient Greece, London 1982.

4 Bleckmann, Bruno (Hrsg.): Herodot und die Epoche der Perserkriege. Realitaten und Fiktionen, Koln 2007.

5 Schachermeyer, Fritz: Die Sieger der Perserkriege. Grofie Personlichkeiten zwischen Beifall und Missgunst. Zur Problematik des geschichtlichen Erfolgs, Koln 1974.

6 Hdt. 9, 1-25.

7 Hdt. 9,26-58.

8 Hdt. 9, 59-88.

9 Hdt. 9,16,2-4: „opg<; xooxoo; xou; Saivopsvoo; nspoa; Kai xov oxpaxov xov feMriopsv srii xra rioxapra oxpaxoTCsSsoOpsvov; xouxrav ^avxrav oysai OMyoo xivo; XpOvoo Sis^Bovxo; o^iyou; xiva; xou; rispiysvopsvooc;. [] Ssivs, o xi Ssi ysvsoBai sk xou Bsoo, aplxavov arioxpsyai avBprarira."

10 Hdt. 9,20: „[] Kai yovaiKa; o^sa; ariEKa^sov."

11 Hdt. 9,21,3: „ot> |3oolop£vrav 8s xrav allrav ABpvaloi bmbe^avxo Kai ABpvairav o'i xpi^Kooioi loya8£c;, xrav £lox^y££ 0lupn:io8rapoc o Aapnravoc;."

12 Winter, Plataa, S.33.

13 Hdt. 9,22,2: „£vxo^ BrapvKa £ix£ xpwosov l£TCi8raxov, Kaxu^spBs 8s xou BrappKo; KiBrava ^oiviKsov £v£8£8Uk££. xUrtxovxs; 8s £; xov BrappKa s^oisuv ou8£v, rtpiv ys 8p paBrav xi; rtoisupsvov rtaisi piv £; xov o^Balpov."

14 Hdt. 9,24: „artiKop£vp^ 8s xp; Itctcoo £; xo oxpax^s8ov rt£vBo; £^oipoavxo Maoioxiou ^aoa xs ^ oxpaxip Kai MapSovio; p£yioxov,[]."

15 Hdt. 9,25: „oi 8s Ellpvs; xpv 'mnov £8£^avxo TCpooPalloooav Kai 8£apsvoi raoavxo, £Bapopoav TCollra pailov."

16 Winter, Plataa, S.29.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht von Plataiai und ihre Darstellung in der Geschichtsschreibung
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V189846
ISBN (eBook)
9783656141884
ISBN (Buch)
9783656142386
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Plataiai, Platää, Herodot, Persischer Krieg, Krieg, Barabren, barbarisch, Perser, persisch, Plutarch, Diodor, Athen, Sparta, Boötien, Boiotien
Arbeit zitieren
Keno Peterson (Autor), 2008, Die Schlacht von Plataiai und ihre Darstellung in der Geschichtsschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189846

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