Verschwörer, Verschwörungen und Verschwörungstheorien: Definitionen im Vergleich


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Verschwörer

2. Verschwörung

3. Definitionen von Verschwörungstheorien im Vergleich

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Verschwörungstheorien existieren schon seitdem es menschliches Zusammenleben gibt. Durch die Verbreitung im Internet haben sie nicht nur an ständiger Aktualität gewonnen, sondern werden auch wesentlich schneller und in viel größerem Ausmaß verbreitet, als dies davor möglich war. Doch gerade durch diese Veränderung in Kombination mit der langen Geschichte von Verschwörern, Verschwörungen und Verschwörungstheorien haben sich Definitionen vermehrt. Die große Variabilität des Themas wirft jedoch die Frage nach einer gelungenen, ̦präzisen Definition auf, die dieser Differenziertheit gerecht wird.

Anhand einer Auswahl der Begriffe ̦Verschwörer̕ und ̦Verschwörung̕ unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Definitionsversuche, werde ich ausgehend von dieser Grundlage den Terminus der Verschwörungstheorien und die im Rahmen der Quellensichtung vorliegenden Definitionen verschiedener Theoretiker und Lexika ausführen und vergleichen.

Im Fazit wird die Frage nach der allgemeingültigsten Definition gestellt und ein eigener Versuch gewagt, eine solche aufzustellen.

1. Verschwörer

Verschwörer oder Konspirateure als Handlungssubjekte einer Verschwörungstheorie arbeiten in Gruppen. Nach der Definition von Marc Lutter handelt es sich dabei um heterogene Verschwörergruppen mit einem „gewissenlosen Drang nach Macht“[1]. Damit wird zugleich unterstellt, dass Verschwörer vorwiegend illegale, schadenstiftende und konkrete Ziele verfolgen und ihnen dabei nahezu jedes Mittel recht ist. Verschwörer arbeiten nach den Behauptungen der meisten Verschwörungstheoretiker nie allein, sondern bestehen teils aus mehreren Menschen bis hin zu ganzen Organisationen. Diese Gruppen und Organisationen handeln in einer „meist geheim geregelte[n] Übereinkunft“[2]. Die Aussage Brian L. Keeleys, bei Verschwörern handele es sich um eine kleine Gruppe von Personen[3], wird durch viele Verschwörungstheoretiker nicht bestätigt, da beispielsweise auch die CIA oder ganze Geheimbünde als Verschwörer bezichtigt werden, Verschwörer zu sein, und da die eingängige Meinung von enormen Netzwerken ausgeht.

Häufig wird den Verschwörern großes Machtpotenzial zugeschrieben. Ihnen wird unterstellt, mit nahezu unerschöpflichen Mitteln ihre selbst gesetzten Ziele zu erreichen, auch „keinerlei logistische[n] Probleme“[4] können sie davon abhalten (vgl. totale Verschwörungstheorie, M. Lutter). Laut Dieter Groth zeigt sich bei den Verschwörern ein „konspirationstheoretisches Paradox“[5], denn Verschwörer sind mächtig und schwach zugleich: einerseits werden sie „perfekt[er], […] potenter, klüger, kompetenter“[6] als andere Menschen beschrieben, weisen eine hohe Gruppensolidarität auf und sind in der Lage geschichtliche Ereignisse enorm zu beeinflussen, andererseits können sie ihre unermessliche Macht nicht zu ihrem eigenen Nutzen verwenden. Die zugeschriebene Perfektion und Fehlerlosigkeit zeigt nur eine Lücke, nämlich die, dass die Verschwörer enttarnen und ihre bis dato geheimen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten. Gleichzeitig kann aber auch dieser Fehltritt Teil des durchdachten Plans der Verschwörer sein, wodurch die Maske der Makellosigkeit wieder hergestellt ist. Brian L. Keeley schreibt zu dieser Ambivalenz: „Conspirators are not omnipotent that they must act in secret, because others would move to obstruct them“[7]. Ein Grund für die Geheimhaltung ist also der, dass sich Verschwörer sonst von ihrem Plan abbringen lassen könnten, wodurch die Solidarität und Gewissenhaftigkeit der Verschwörer angezweifelt wird.

Als Urvater der Verschwörer wird oft der Teufel genannt, der Verschwörungen dazu nutzte, das Schlechte im menschlichen Charakter zu offenbaren und zu seinem eigenen Nutzen zu verwenden. Der Verschwörungstheoretiker und Historiker Wolfgang Wippermann fand nach Untersuchungen heraus, dass der christliche Teufelsglaube und damit der dem Neuen Testament zugrunde liegende Dualismus zwischen Gott und dem Teufel, also zwischen Gut und Böse, der Ursprung jeder Verschwörungsideologie seien. Da der Teufel jedoch nicht alleine arbeiten könne, bediene er sich diverser Helfer, den sogenannten „Agenten des Bösen“, nach welchen auch Wippermanns Buch benannt ist und welche im Verlauf der Geschichte stark variierten: Juden, Hexen, Geheimdienste oder Geheimbünde, wie die Freimaurer.[8] Bis heute glauben an dieses Urbild des Verschwörers besonders religiöse Gruppen, beispielsweise die Zeugen Jehovas, nach deren Weltbild das menschliche Verhalten von Gott und dem Teufel oder von Engeln und Dämonen gesteuert wird. So heißt es in ihren Schriften (z.B. dem Wachturm), dass der Teufel und die Dämonen die Macht haben „Menschen zu beeinflussen, ihnen zu schaden und mit ihnen zu kommunizieren“[9]. Zusätzliche Parts sind Prüfungen, die Gott den Menschen auferlegt, um deren Glauben zu testen, und die allgemein als böse angesehene Welt. „Satan hat die Politik, die Geschäftswelt, die Religion und die Unterhaltungsindustrie der Welt für seine Zwecke eingespannt[…] Er macht sich überall bemerkbar.“[10] Da dieses ebenfalls die Bereiche sind, in welchen Verschwörer agieren, steht für die Zeugen Jehovas fest, dass der Teufel bis heute Verschwörer beeinflusst bzw. diese in seinem Auftrag handeln.

Sowohl Groth, als auch Daniel Pipes in seinem Beitrag im Wörterbuch der Soziologie, verweisen bei der Definition von Verschwörern und Verschwörungstheorien auf die Sündenbocktheorie. Die Sündenbocktheorie geht auf die Frustrations-Aggressions- Hypothese zurück. Demnach tritt aggressives Verhalten als Reaktion auf Frustration auf, wenn jemand sein gewünschtes Ziel nicht erreichen (Frust) und er seine daraufhin auftretende Aggression, aus welchem Grund auch immer, nicht am Verursacher kann, so richtet er diese gegen weniger mächtige, gut erreichbare Opfer, meist Minderheiten, die dann als Sündenböcke dienen.[11] Minderheiten werden demnach für ein gesellschaftlich empfundenes Übel verantwortlich gemacht, somit ein bereits bestehendes Vorurteil ausgenutzt, um Minoritäten mit weiteren Schuldzuweisungen zu belasten. Handelt es sich bei den Minderheiten zudem um Ausländer mit befremdlich wirkendem kulturellem Hintergrund, so werden oft die Sprache, der Glauben, Aussehen und Gewohnheiten als legitimierende Rechtfertigung für diesen Angriff gesehen. Beispiele hierzu finden sich ausreichend im Dritten Reich. Zu dieser Zeit wurden vor allem Juden, Zigeuner und Homosexuelle als Sündenböcke benutzt. Dieses Feindbild kann auch bewusst entwickelt werden, „mit dem Ziel, bestimmte soziale, rassistische oder politische Minderheiten im eigenen Land oder auch äußere Feinde zum Sündenbock für aktuelle Krisenerscheinungen zu machen oder von der eigenen mangelnden oder schwindenden Legitimation abzulenken.“[12] Hier zeigen sich die am größten vermuteten Einflussbereiche der Verschwörer: die Politik und die Geschichte. Laut Keeley bringen Verschwörer historische Ereignisse ins Rollen[13], andere Verschwörungstheoretiker gehen davon aus, dass sie bewusst den Verlauf historischer Ereignisse verändern oder vertuschen.

[...]


[1] Lutter, M. (2001): Sie kontrollieren alles!, S.12.

[2] Pfahl-Traughber, A. (2002): ,Bausteine´zu einer Theorie über ,Verschwörungstheorien´, S.31.

[3] Keeley, B. L. (2006): Of conspiracy theories: „the group of conspirators must be small, although the upper bounds are necessarily vague“, S.51.

[4] Groh, D. (Juni 1996): Verschwörung und kein Ende, S.14.

[5] ebd., S.13.

[6] ebd., S.13.

[7] Keeley, B. L. (2006): Of conspiracy theories, S.51.

[8] vgl. http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-236 (Stand: 20.3.2010).

[9] http://www.sektenausstieg.net/zeugen-jehovas/meinungen/1841-verschwoerungstheorie.html (Stand: 25.3.2010).

[10] ebd.

[11] (Lin, 2002), S.7.

[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Sündenbock (Stand 19.3.2010).

[13] Keeley, B. L. (2006): Of conspiracy theories, S.51.

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Details

Titel
Verschwörer, Verschwörungen und Verschwörungstheorien: Definitionen im Vergleich
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V189892
ISBN (eBook)
9783656141785
ISBN (Buch)
9783656142249
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verschwörer, verschwörungen, verschwörungstheorien, definitionen, vergleich
Arbeit zitieren
Hannah Weyhe (Autor), 2010, Verschwörer, Verschwörungen und Verschwörungstheorien: Definitionen im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189892

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