Wie hat sich die Tötung Osama Bin Ladens auf U.S.-Präsident Barack Obama ausgewirkt?


Seminararbeit, 2011

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Außenpolitik und öffentliche Meinung

3. Barack Obama - der Held der Nation?
3.1.Nach der Tötung - Obamas Fernsehansprache , Justice has been done‘
3.2.Obamas Umfragehoch
3.3.Nach der Tötung - der Krieg in Afghanistan und die Beziehungen zu Pakistan

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vom ersten auf den zweiten Mai 2011 gelang es Amerika, den meistgesuchten Terroristen der Welt, Osama Bin Laden, zu töten. Nach 18 Jahren ist die Suche beendet.1 Der oberste Kopf der Terrorgruppe Al-Quaida ist im pakistanischen Abbottabad von amerikanischen Navy Seals liquidiert worden.2 Osama Bin Laden verfolgte in erster Linie das Ziel, die Ideologie des Islams, auf der ganzen Welt zu verbreiten. Terroranschläge waren dabei sein meistgenutz- tes Mittel. So auch bei einem der weltweit schwersten Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York.3 Al-Quaida hat ihr Gesicht verloren, sie selbst ist aber nicht zerstört worden. Nach der erfolgreichen Mission ist Barack Obama an die Öf- fentlichkeit getreten und verteidigt die Tat mit „Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan“.4 Die Forschungsfrage dieser Arbeit lautet daher: „Wie hat sich die Tötung Osama Bin Ladens auf U.S.-Präsident Barack Obama ausgewirkt?“

Der Terrorismus, als neue Art der Kriegsführung, stellt für Staaten neue Herausforderungen dar: Zum einen verschwindet die inhaltliche Grenze von Innen- und Außenpolitik, zum ande- ren wird die Gewalt privatisiert (sog. ,War-Lords‘ in Afghanistan).5 Den Staaten bleibt es verwehrt, das Kriegsvölkerrecht anzuwenden, da dieses, wie der Name schon impliziert, nur für Staaten gilt, nicht aber für Terroristen. Interessant ist es also zu verfolgen, ob sich das Ter- rornetzwerk Al-Quaida durch diesen herben Rückschlag einschüchtern lässt, oder ob sie ag- gressiver denn je versuchen werden, den Islam überall in der Welt zu implementieren. Barack Obama hat, mit dem Befehl zur Tötung Osama Bin Ladens, Stärke bewiesen. Für ihn als An- walt, stellte die Entscheidung sicherlich ein Dilemma dar. Die Mehrzahl der Amerikaner (und viele Menschen auf der Welt) haben die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. Viele sehen die Mission als gerechten Gegenschlag für die Anschläge vom 11. September 2001. Sicherlich möchte Barack Obama aber auch, in Person des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Nutzen daraus ziehen. So stiegen seine Umfragewerte, unmittelbar nach Bekanntwerden der Geschehnisse in Abbottabad, in die Höhe. Durchaus wird er bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl im November 2012 auf die erfolgreiche Mission zu- rückgreifen. Von großem Interesse scheint bei der Tötung Osama Bin Ladens auch die Rolle Pakistans zu sein: Was genau wusste die pakistanische Regierung über Bin Ladens Aufent- haltsort? Spätestens seit dem amerikanischen Zugriff ist klar, dass die amerikanischpakistanischen Beziehungen auf „abgrundtiefem, gegenseitigem Misstrauen“6 beruhen.

In einem ersten Schritt dieser Arbeit wird auf das wechselseitige Verhältnis von Außenpolitik und öffentlicher Meinung eingegangen. In einem weiteren Schritt steht Obamas Rede ,Justice has been done‘ im Mittelpunkt der Untersuchung. Daran anknüpfend werden aktuelle Umfra- gewerte zu Obama selbst vorgestellt. Zu guter Letzt soll erläutert werden, wie sich der Tod Osama Bin Ladens auch auf die amerikanisch-pakistanischen Beziehungen ausgewirkt hat.

2. Außenpolitik und öffentliche Meinung

Außenpolitik und Innenpolitik hängen immer miteinander zusammen. Daher kann man bei politischen Ereignissen nur schwer trennen, ob diese ausschließlich auf die Innen- bzw. die Außenpolitik zurückzuführen sind. Ein wichtiger Faktor, welcher auf die Außenpolitik eines Landes Einfluss nimmt, ist die öffentliche Meinung der Bevölkerung. Politische Eliten sind auf diese besonders angewiesen, da sie es sich zum Ziel gesetzt haben, bei der nächsten Wahl wiedergewählt zu werden. Ganz allgemein kann man von öffentlicher Meinung (,public opi- nion‘) sprechen, „wenn Öffentlichkeit Transparenz herstellt, Diskursivität über Themen, Meinungen und Überzeugungen ermöglicht und Orientierung in der Meinungsvielfalt bietet.“7

Die öffentliche Meinung kann man weiterhin als das additive Kommunikationsprodukt be- trachten, welches sich zwischen den Sprechern als ,herrschende‘ Meinung darstellt.8 So buh- len die Politiker meist schon Wochen vor der Wahl um die Gunst der Wählerschaft. Im Wahl- kampf gilt es, den Wähler für die eigene Seite zu gewinnen. Da Politiker (im Gegensatz zu politischen Beratern) in der Öffentlichkeit präsent sind, werden diese bei jeder (politischen) Entscheidung, sei es auf Seiten der Innen- oder Außenpolitik, beobachtet und bewertet. Gera- de die Bereiche ,Außenpolitik‘ und ,öffentliche Meinung‘ beeinflussen sich gegenseitig. So beispielsweise 2009 in der Bundesrepublik Deutschland: Nachdem es in Afghanistan zu ei- nem gezielten Luftschlag der deutschen Streitkräfte gegen zwei entführte Tanklaster kam und dabei viele zivile Opfer zu beklagen waren, wurde die Debatte um einen Abzug der deutschen Truppen erneut entfacht: Es folgte eine große Kontroverse innerhalb der deutschen Parteien- landschaft, ob und in welchem Maße ein Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan sinnvoll erscheint.9 Auch Gerhard Schröder verknüpfte 2001 den Afghanistan-Einsatz mit der Ver- trauensfrage. Vermutlich war dieses außenpolitische Thema letztendlich auch wahlentschei- dend. Geformt wird die öffentliche Meinung stark durch die Medien. Dies ist allerdings kein deutsches Phänomen: Gerade die amerikanischen ,nation-building‘-Missionen werden über- wiegend von den U.S.- Medien in ein schlechtes Bild gerückt. Diese negative Berichterstat- tung wirkt sich dann wiederum auf die öffentliche Meinung aus und in einem weiteren Schritt auf die Mission selbst: So wurde die ,nation-building‘-Mission in Somalia 1992 anfangs hochgelobt; später verkauften die Medien das Vorgehen der USA als ,low-coast‘-Mission.10 Immerhin werden wir fast ausschließlich durch die Medien über Geschehnisse der Außenpoli- tik informiert. Auch im Irakkrieg bekam man in den Medien oftmals ,schwarz-weiß‘- Geschichten präsentiert, die strikt unterschieden haben zwischen den guten und den bösen Kräften.11 Den Medien schenkt man dabei meist eine hohe Glaubwürdigkeit. In der Regel ist es so, dass die öffentliche Meinung die Außenpolitik prägt: Im Vietnamkrieg wuchs der Druck auf Präsident Lyndon B. Johnson im Inneren so stark, dass er keine weiteren Truppen zur Verstärkung nach Vietnam schickte. Grund waren die hohen Todeszahlen, über die in den amerikanischen Medien berichtet wurde.12 „With Vietnam came a new set of lessons, wrapped in a paradigm of noninterventionen“.13 Das “Nichteinmischen” ist in den Vorder- grund gerückt. Außenpolitische Ereignisse wirken sich direkt auf den Präsidenten aus, da die- ser für viele Amerikaner die ,direkte Bezugsperson‘ ist. Er ist ständig in den Medien präsent und trägt die Regierungsverantwortung. Daher sollten die Entscheidungen (auf außen- und innenpolitischer Ebene) stets durchdacht sein. „Often the public is apathetic when it should be concerned, and panicky when it should be calm“.14 Zwar ist der Einfluss der öffentlichen Meinung in Dingen der Außenpolitik begrenzt, da die Bevölkerung keine Entscheidungen zu treffen hat, allerdings ist sie ein wichtiger Faktor, der sich entweder positiv oder negativ auf die Regierungsarbeit auswirken kann.15 Allerdings ist „diese Übereinstimmung von Außenpo- litik und öffentlicher Meinung für demokratische Regierungen gerade im Hinblick auf militä- rische Operationen eine wichtige Voraussetzung, weil damit nicht nur innenpolitisch Macht und Popularität, sondern auch die außenpolitische Handlungsfähigkeit gesichert werden kann“.16 Versucht man, die kollektive Einstellung der Bevölkerung mit dem „Rational Public“-Ansatz zu erfassen, so ergibt sich folgender Zusammenhang:

„World (and national) events > Interpretations of experts, commentators and officials > Mass media reports > Changes in collective (foreign) policy preferences“.17

Wie die unterschiedlichsten Geschehnisse von Eliten interpretiert werden, bestimmt in die- sem Modell die massenmediale Berichterstattung und letztendlich auch die Einstellung der Bevölkerung.18 Die Politikwissenschaftler Gabriel Almond und Walter Lippman haben sich intensiv mit dem Einfluss von öffentlicher Meinung auf die Außenpolitik beschäftigt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung fassen sie in drei wesentlichen Punkten zusammen:

„Public opinion is highly volatile and thus it provides dubious foundations for a sound foreign policy. Public attitudes on foreign affairs are so lacking in structure and cohe- rence that the might best be describend as “non-attitudes”. At the end of the day, how- ever, public opinion has a very limited impact on the conduct of foreign policy.”19

Die öffentliche Meinung stellt einen wichtigen Legitimationsfaktor dar. Daher ist es auch ge- rade für Amerika (als ein Land, welches die demokratischen Prinzipien sehr hoch hält) wich- tig, Befürworter ihrer Politik in der Bevölkerung zu gewinnen. Ein Präsident kann nur dann erfolgreiche Außenpolitik betreiben, wenn er die Mehrzahl der Exekutive, des Kongresses, und der Wählerschaft auf seiner Seite hat.20 Somit wirkt sich die Außenpolitik auch immer auf die Innenpolitik aus. Die Fragen, die man sich allerdings auch stellen sollte: ,In wieweit sind solche Meinungsumfragen repräsentativ?‘ und ,Was wissen die Amerikaner über ihre eigene Außenpolitik?‘. Nur wenn ich mich in einem Themengebiet auskenne, kann ich eine fundierte Meinung zum Thema formulieren. Daher sollte man mit Umfragen, die gerade die Außenpolitik betreffen, sehr vorsichtig umgehen. Niemand gibt bei einer Umfrage gerne zu, dass ihm - zu einer korrekten Beantwortung der Frage - die Informationen fehlen. Natürlich möchte man kompetent auftreten (und sei es nur bei einer Befragung in der Fußgängerzo- ne).In einer repräsentativen Umfrage im Jahr 2002 wurden Amerikaner im Alter von 18 bis 24 Jahren gefragt, ob sie die Vereinigten Staaten und den Irak auf der Landkarte lokalisieren können.

[...]


1 Darnstädt, Thomas et. al. 2011: Ende eines Massenmörders. In: Der Spiegel Nr. 19 (2011), S. 77.

2 Ebd., S. 79.

3 Die Terroranschläge vom 11. September 2001 zählen zu den bisher größten Anschlägen von Al Quaida. Mehr als 3000 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. (Vgl. Hermann, Rainer/Ehrhardt, Christoph 2011: Ein Netz selbständiger Terrorzellen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 102 (2011), S. 5.

4 Vgl. „Justice has been done“ als Originaltitel Barack Obamas Rede an die Nation vom 2. Mai 2011.

5 Kaldor, Mary 2000: Neue Kriege. Organisierte Gewalt im Zeitalter der Globalisierung. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 19.

6 Koelbl, Susanne 2011: Lügen, Lügen, Lügen. In: Der Spiegel Nr. 19 (2011), S. 94.

7 Neidhardt, Friedhelm (Hrsg.) 1994: Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen. Sonderheft 34 der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Opladen.

8 Neidhardt, a.a.O.

9 SPIEGEL-online 2009: Kampf gegen Taliban. Bundeswehr ließ entführte Tanklaster bombardieren. . In: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,646926,00.html (17.09.11).

10 Thierney, Dominic 2007: America’s Quagmire Mentality. In: Survival, Vol. 49 (2007), S. 59.

11 Bennett, W. Lance/Paletz, David L. 1994: Taken by storm. The media, public opinion, and U.S. firegin policy in the gulf war. Chicago: Univ. of Chicago PressPress , S. 5.

12 Thierney, a.a.O., S. 58.

13 Ikenberry, John G. 2002: American Foreign Policy. Theoretical Essays. New York: Longman, S. 297.

14 Holsti, Ole R. 2002: Public Opinion and Foreign Policy: Challenges to the Almond-Lippmann Consensus. In: Ikenbery, John G., a.a.O., S. 347.

15 Ebd., S. 350.

16 Weller, Christoph 2005: Massenmediale Konstruktionen im aussenpolitischen Entscheidungsprozess. In: Ulbert, Cornelia/Weller, Christoph (Hrsg.) 2005: Konstruktivistische Analysen der internationalen Politik. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 313.

17 Weller, Christoph 2000: Die öffentliche Meinung in der Aussenpolitik. Eine konstruktivistische Perspektive. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 122.

18 Ebd., S. 122.

19 Rosati, Jerel A./Scott, James M. 2007: The Politics of United States Foreign Policy, Fourth Edition, Belmont, CA: Thomson Learning, S. 351.

20 Melanson, Richard A. 1996: American Foreign Policy since the Vietnam War. The Search for Consensus from Nixon to Clinton. Armonk/N.Y.: Sharpe, S. 33.

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Details

Titel
Wie hat sich die Tötung Osama Bin Ladens auf U.S.-Präsident Barack Obama ausgewirkt?
Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V189955
ISBN (eBook)
9783656143482
ISBN (Buch)
9783656143635
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Obama, Osama Bin Laden, Bin Laden, USA, Terrorismus, Al-Quaida
Arbeit zitieren
Stephan Daub (Autor), 2011, Wie hat sich die Tötung Osama Bin Ladens auf U.S.-Präsident Barack Obama ausgewirkt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189955

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