"Arme Kinder" - Problemfall unserer Gesellschaft oder Opfer der Problemgesellschaft?


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung – (Kinder-) Armut
2.1 Absolute Armut
2.2 Relative Armut
2.3 Wer sind die „relativ armen“ Kinder?

3. Aktuelle Fakten zur Situation der Kinder in der deutschen Gesellschaft
3.1 Ihre Sterblichkeitsrate
3.2 Ihre Gesundheit
3.3 Ihre Bildung
3.4 Ihre Ökonomischen Indikatoren
3.4.1 Finanzielle Maßnahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (folgend nur "bmfsfj" genannt)
3.4.2 Finanzielle Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit
(folgend nur Arbeitsagentur genannt) für arbeitslose bzw. arbeitsuchende Eltern
3.5 Ihr Schutz
3.6 Ihr Stand und ihre Rolle in der demografischen Entwicklung der deutschen Bevölkerung

4. Bewertung und Resümee

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 10.09.2007 schrieb das Handelsblatt in ihrer Onlineausgabe, dass Suchterkrankungen "nach Einschätzung von Medizinern eines der größten und teuersten Probleme moderner Gesellschaften" sind. In einem am 06.08.2011 veröffentlichten Artikel über übergewichtige Kinder wird in der Onlineversion der Zeitung "Hamburger Abendblatt" das "Dicksein der Kinder" als ein Gesellschafts- und Familienproblem bezeichnet.

Kann man arme Kinder nun als einen weiteren Problemfall unserer Gesellschaft bezeichnen? Einen Problemfall den man unversehens bekam, ohne dass man es wollte, wie die übergewichtigen Kinder oder das unerwünschte Suchtproblem? Wäre es nicht möglich, dass doch ein direkter oder indirekter gesellschaftlicher Wille dahintersteckt oder gar ein gesellschaftliche Abneigung Kindern gegenüber? Wie sieht die gesamtgesellschaftliche Situation aus, in die ein Kind in Deutschland hineingeboren wird? Welches Fazit würde ein Kind, welches die Zusammenhänge der deutschen Gesellschaft und den internationalen Vergleich kennt, zum gesellschaftlichen "Standing" der Kinder in Deutschland abgeben - sind Kinder in Deutschland erwünscht oder nicht?

In dieser Arbeit gehe ich davon aus, dass zur (Problem-) Gesellschaft alle deutschen Staatsbürger, seien es Politiker, Wirtschaftsangehörige oder Sozialhilfeempfänger gehören. Somit sind auch alle Firmen und Organisationen Deutschlands in dieses gedankliche Gesellschaftskonstrukt integriert. Diese Gesellschaft hat vielerlei unterschiedliche Gesellschaftsprobleme.

Anhand von Daten zu einigen gesellschaftlichen Bereichen bzw. Maßnahmen von staatlicher Familienpolitik, die einen Einfluss auf die Gesamtsituation der Kinder haben, möchte ich einen Einblick auf mögliche Antworten dieser Fragen aufzeigen. Den größten Teil der Arbeit möchte ich dabei jenen ökonomischen Maßnahmen widmen, die maßgeblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation der Familien und damit auf die relative Armut der Kinder in Deutschland haben, da ich diese als Spiegel der Gesellschaft, der die Erwünschtheit der Kinder zeigt, ansehe. Zunächst jedoch soll der Begriff „Armut“ geklärt und abgegrenzt werden.

2.Begriffsbestimmung – (Kinder-) Armut

Mit einer eindeutigen Begriffsbestimmung der Armut hat man sich schon in den letzten Jahrzehnten schwer getan. Im Jahr 1986 schrieb Stiefel in ihrem Buch „Gibt es Armut in der Bundesrepublik?“: „Es gibt keine allgemeingültigen, objektiven, wissenschaftlich begründeten Kriterien, die festlegen, nach welchen Merkmalen Armut von Nicht-Armut zu unterscheiden ist (…) Letztlich ist die Entscheidung willkürlich, welche Lebensverhältnisse wir als ,arm` charakterisieren. Und so sind auch alle Aussagen über Existenz und Ausmaß von Armut in unserem Land im Prinzip beliebig“ (S. 251). Somit fasst Stiefel die Meinung vieler zusammen, dass eine objektive Armutsdefinition wohl immer ein Wunschdenken bleiben wird. Laut dem Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre von 2009 (Piekenbrock, S. 33), ist Armut beispielsweise eine wirtschaftliche Notsituation, die "nicht mehr zeitlich begrenzt, sondern für die Lebenslage insgesamt bestimmend" ist. Es wird des Weiteren zwischen absoluter und relativer Armut unterschieden:

2.1 Absolute Armut

"Absolute Armut liegt bei Unterschreiten eines physiologischen Existenzminimums vor. Die absolute Armutsgrenze oder -schwelle wird für Entwicklungsländer z.B. von der Internationalen Entwicklungsorganisation (IDA) durch einen täglichen Mindestkalorienbedarf konkretisiert oder von der Weltbank (IBRD) auf die Kaufkraftparität von 1 US-Dollar pro Tag festgelegt" (Piekenbrock, 2009, S. 33).

2.2 Relative Armut

Die Definition des Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre (Piekenbrock, 2009, S. 33) für relative Armut bestätigt Stiefel (1986) in der Annahme der Beliebigkeit von Definitionen zur Armut. Dort heißt es: Bei "Schwellenländern und entwickelten Ländern, insbesondere Sozialstaaten, orientiert man sich an der Wohlstandssituation einer bestimmten Gesellschaft“. Ein soziokulturelles Existenzminimum wird als relative Armutsgrenze gebraucht, welches „letztlich nur durch den politischen Willensbildungsprozess oder auf Grund von Wissenschaftlern zugrunde gelegten Normen in Bezug auf die Lebenslagen bestimmt werden kann". Im Bezug auf die Armut ist das Ergebnis eines politischen Willensbildungsprozesses die Festlegung der Europäischen Union nach der jeder als arm gilt, der „weniger als 60 Prozent des jeweiligen nationalen Mittelwerts verdient“ (Bundeszentrale für politische Bildung, 2006).

Für Deutschland werden im UNICEF-Report 2010 keine Angaben zur absoluten Kinderarmut gemacht (vgl. 3.4). Daraus kann man schließen, dass es in unserem Land vorwiegend um relative Armut geht.

2.3 Wer sind die „relativ armen“ Kinder?

Kinder in relativer Armut sind manchmal nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Deshalb möchte ich mögliche Erkennungsmerkmale aufzeigen. Bezogen auf das Bildungswesen geht es nach Gerhard Beisenherz (2002, zitiert nach Bliemetsrieder, 2007) um relativ arme Kinder, wenn sie…

- ständig wegen ihrer nicht zeitgemäßen Kleidung und anderer älterer Gebrauchsgegenstände gehänselt werden
- bei Schulausflügen fehlen
- kein Frühstück und kein Geld zum Kaufen eines Frühstücks in der Schule dabeihaben
Laut Hering und Lehmann (2001, zitiert nach Bliemetsrieder, 2007) zeigt sich die relative Armut bei Kindern durch…
- unregelmäßige Ernährung
- durch fehlende Privat- bzw. Rückzugsräume (in denen man sich besser konzentrieren kann)
- einen gewaltgeprägten Alltag
- Probleme, die eigentlich erst im Erwachsenenalter auftreten, wie Überschuldung
- Verschiedene Notlagen seelischer, sozialer und körperlicher Art, die zu wenig Beachtung finden durch eine geringe Anzahl geeigneter Bezugspersonen.

3. Aktuelle Fakten zur Situation der Kinder in der deutschen Gesellschaft

3.1 Ihre Sterblichkeitsrate

Als entscheidenden Indikator bezüglich des Wohlergehens der Kinder nennt der UNICEF[1] -Report 2010 die "Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren" (folgend nur SRUJ5 bezeichnet). Deutschland belegt in der Rangliste, die bei den Ländern mit der höchst geschätzten SRUJ5 beginnt, mit dem Wert 4[2] den 172. Rang[3], den es jedoch mit weiteren europäischen Ländern und erstaunlicherweise auch Andorra teilt. Im europäischen Vergleich ist Deutschland damit im Mittelfeld anzusiedeln, wobei diese Zahlen global gesehen ein sehr hohes europäisches Niveau widerspiegeln, verglichen mit Ländern wie Afghanistan mit dem SRUJ5 Wert 275 oder sogar den Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Wert 8.

3.2 Ihre Gesundheit

Laut der Tabelle "Gesundheit" im UNICEF-Report 2010, hatten im Jahr 2008 hundert Prozent der deutschen Bevölkerung flächendeckend Zugang zu sauberem Trinkwasser sowie zu Sanitären Einrichtungen. Mindestens 90% der Einjährigen waren in Deutschland laut UNICEF-Report 2010 im Jahr 2009 gegen TBC (Tuberkulose), DPT (Diphterie-Keuchhusten-Tetanus), Polio, Masern, Hepatitis B und HiB (Haemophilus influenzae Typ b) geimpft. Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland ist laut dem UNICEF-Report 2010 von 1970 bis 2009 um neun Jahre auf durchschnittlich 80 Jahre gestiegen.

3.3 Ihre Bildung

Dem UNICEF-Report 2010 nach gibt es in Deutschland pro 100 Einwohner im Jahr 2008 128 Telefone und 75 Internetzugänge. Die bereinigte Einschulungsrate von 2005 bis 2009 beträgt laut dem UNICEF-Report 2010 bei den Jungen und Mädchen jeweils den Wert 98. Des Weiteren wurde von 2005 bis 2009 die erwartete Anzahl der Schüler in Prozent ermittelt, welche die letzte Grundschulklasse erreichen werden. Laut der offiziellen Angaben im UNICEF-Report 2010 liegt die Erwartung in Deutschland bei 96 Prozent. Die Einschulungsrate für weiterführende Schulen in den Jahren 2005 bis 2009 beträgt unbereinigt bei den Jungs den Wert 103 und den Mädchen den Wert 100.

[...]


[1] Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (engl. United Nations International Children`s Emergency Fund)

[2] "Diese Daten stellen die jeweils aktuellen Schätzungen dar, die zu dem Zeitpunkt zur Verfügung stehen, und basieren auf Informationen der >>Inter-agency Group for Child Mortality Estimation<<, zu der UNICEF, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen und die Weltbank gehören" (UNICEF-Report, 2010).

[3] vorvorletzter vergebener Rang insgesamt

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
"Arme Kinder" - Problemfall unserer Gesellschaft oder Opfer der Problemgesellschaft?
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Pädagogik)
Veranstaltung
Soziokulturelle Deprivation
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V189956
ISBN (eBook)
9783656143475
ISBN (Buch)
9783656143215
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Wenn Sie einen Überblick über das gesellschaftliche Standing der Kinder in Deutschland, ihre aktuelle Situation und die deutsche Familienpolitik haben möchten, kann Ihnen diese Arbeit dabei von Nutzen sein.
Schlagworte
Kinderarmut, Gesellschaft, Deprivation, Familie, Familienpolitik, Armut, Staatliche Familienhilfe, Familienministerium
Arbeit zitieren
Alexander Epp (Autor), 2012, "Arme Kinder" - Problemfall unserer Gesellschaft oder Opfer der Problemgesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189956

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