Der Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung

Eine Befragung von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren


Diplomarbeit, 2011
207 Seiten, Note: 1,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Untersuchungsgegenstand und Forschungsfrage
1.2 Konzeption und Struktur der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Social Networks
2.1.1 Begriffsumfeld
2.1.2 Terminologie
2.1.3 Kennzeichen und Merkmale
2.1.4 Handlungskomponenten
2.1.5 Klassifizierung.
2.1.6 Nutzungspotentiale fürjournalisten
2.2 Auslandsberichterstattung
2.2.1 Forschu ngsstand Auslandskorrespondenz, Auslandskorrespondenten undAuslandsredakteure
2.2.1.1 Entwicklung der Auslandsberichterstattung und des Korrespondentenwesens
2.2.1.2 Erforschung von Auslandsberichterstattung und Auslandskorrespondenz
2.2.1.3 ErforschungderArbeitvon Auslandskorrespondenten
2.2.1.4 Erforschung der Arbeit von Auslandsredakteuren
2.2.2 Funktionen derAuslandsberichterstattung
2.2.3 DieAuslandsredaktion
2.2.3.1 Begriffs- undTätigkeitsbeschreibung desAuslandsredakteurs
2.2.3.2 Begriffs- und Tätigkeitsbeschreibung des Auslandskorrespondenten
2.3 Journalistische Quellennutzung
2.4. Das Integrative Mehrebenenmodell im Journalismus nach Esser
2.4.1 Subjekt-Sphäre
2.4.1.1 Subjektive Werte und Einstellungen
2.4.1.2 Berufsmotive und Berufsrollenverständnis
2.4.1.3 Professionalisierung
2.4.1.4 Soziodemografische Position
2.4.2.. Institutions-Sphäre
2.4.2.1 Berufsbilder und Tätigkeitsprofile
2.4.2.2 Organisationsstruktur und Kompetenzverteilung
2.4.2.3 Redaktionelle Abläufe, redaktionelle Kontrolle und und Sozialisationsmechanismen
2.4.2.4 Redaktionstechnologie
2.4.3.. Medienstruktursphäre
2.4.3.1 Ökonomische Rahmenbedingungen des Medienmarktes und Verlegerinteressen
2.4.3.2 Das Presserecht Deutschlands und internationale Presserechtliche Bestimmungen
2.4.3.3 Presseselbstkontrolle und berufsethische Grundsätze
2.4.3.4 System derjournalistenausbildung
2.4.4.. Gesellschafts-Sphäre
2.4.4.1 Pressefreiheit
2.4.4.2 Objektivitätsbegriff
2.4.4.3 Politische Kultur
2.4.4.4 Gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen
2.4.4.4.1 Das (deutsche) Mediensystem und seine Abhängigkeiten
2.4.4.4.2 Klassifizierungvon Mediensystemen
2.4.4.4.3 Das Mediensystem des Berichtslandes
2.4.4.4.4 Informationspolitische, kulturelle und infrastrukturelle Rahmenbedingungen

3 Forschungsintention
3.1 Forschungsfragen
3.1.1 Untersuchungsebene 1
3.1.2 Untersuchungsebene 2
3.2. Hypothesen.
3.2.1 Untersuchungsebene 1
3.2.2 Untersuchungsebene 2
3.3 Weitere Forschungsinteressen

4.. Methode
4.1 Forschungsdesign und Instrumente
4.2 Fragebogendesign
4.3 Pretest
4.4 GrundgesamtheitundTeilnehmerakquise
4.5 Stichprobenkonstruktion
4.6 Datenerhebung
4.7 Rücklauf undKooperationsbereitschaft

5. Ergebnisdarstellung
5.1 Die Befragten
5.2 Ausbildung, Sprachgewandtheit, Berufserfahrung und Berufslaufbahn
5.2.1 Ausbildung
5.2.2 Sprachgewandtheit
5.2.3 Berufserfahrung
5.2.4Berufslaufbahn
5.3JournalistischeTätigkeitsmerkmale
5.4Arbeitssituation
5.4.1 BeitragserstellungfürRessort/Redaktion
5.4.2 Berichtsgebiete, betreute Länderanzahl und Zuständigkeitsdauer
5.4.2.1 Berichtsgebiete
5.4.2.2 Betreute Länderanzahl
5.4.2.3 Zuständigkeitsdauer
5.5 Rahmenbedingungen
5.5.1 Zugangzu Informationsquellen
5.5.2 Behinderung der Arbeit
5.5.3 Zensur
5.5.3.1 Umgehen von Zensur
5.6 Informationsbeschaffung
5.6.1 Recherchezeit
5.6.2 Quellennutzung
5.6.2.1 Themenideen
5.6.2.2 Beitragsproduktion
5.6.3 Reiseaktivitäten
5.7 Social Networks
5.7.1 Nutzung fürjournalistischeTätigkeiten
5.7.2 Recherchezeit in Social Networks
5.7.3Nutzungssituationen
5.7.4BeruflicherNutzen
5.7.5 Nutzungsmotive
5.7.6 Gründe für die Nicht-Nutzung
5.8 Hypothesenüberprüfung
5.8.1 Untersuchungsebene 1
5.8.2 Untersuchungsebene2

6. Fazit
6.1 Zusammenfassung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse
6.2 Ausblick..

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang (inkl. Verzeichnis)

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Einflussfaktoren imjournalismus - Intégratives Mehrebenenmodell

Abbildung 2: Bewertung des Zugangs zu Informationsquellen

Abbildung 3: Angaben zur Behinderung der Arbeit durch aufgeführte Institutionen

Abbildung 4: Behinderung der Arbeit durch offizielle Stellen

Abbildung 5: Zensur

Abbildung 6: Umgehen von Zensur

Abbildung 7: Inputs für Themenideen

Abbildung 8: Informationsquellen Beitragsproduktion

Abbildung 9: Mitgliedschaft Social Networks

Abbildung 10: Anzahl Mitgliedschaften Social Networks

Abbildung 11: Verwendungssituationen von Social Networks

Abbildung 12: Verwendungvon Social Networks für berufliche Tätigkeiten

Abbildung 13: Nutzen von Social Networks für journalistische Tätigkeiten

Abbildung 14: Gründe Nicht-Nutzung Social Networks

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Medientypen

Tabelle 2:Journalistische Ausbildungswege

Tabelle 3: Fremdsprachenkenntnisse

Tabelle 4: Tätigkeitsmerkmale Auslandskorrespondenten

Tabelle 5: Tätigkeitsmerkmale Auslandsredakteure

Tabelle 6: Ansprechpartner der Auslandskorrespondenten

Tabelle 7: Beitragserstellung für Ressort/Redaktion

Tabelle 8: Recherchezeit am Arbeitstag

und prozentualer Anteil der Recherche im Internet

Tabelle 9: Durchschnittliche Reisetätigkeit projahr

Tabelle 10: Verhältnis Anzahl der Mitgliedschaften zu Nutzungsintensität

Tabelle 11: Nutzungvon Social Networks für journalistische Tätigkeiten

Tabelle 12: Verwendung von Social Networks für berufliche Tätigkeiten

Tabelle 13: Nutzen von Social Networks für journalistische Tätigkeiten

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

SYMBOLVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Sources have a tremendous effect on mass media content, because journalist's can't include in their news reports what they don't know.“

(Shoemaker/Reese 1996, S. 178)

1. Einleitung

1.1 Untersuchungsgegenstand und Forschungsfrage

„The work of a foreign correspondent is definitely getting harder, despite the facilitation technolgy provides. Due to globalization, the correspondent does not only have to be informed about the region he or she is covering, but also about how the events in his or her area are conntected to the rest of the world. [...] technological developments have altered the correspondent’s job radically. Now the audience and the editors at home have almost the same acess to information from all over the world. Therefore, the correspondent cannot easily impress them with his or her account of what he or she has seen, heard and expierenced in that foreign country.“ (Lönnendonker/Nitz/Stamm 2006, S. 51) Ökonomischer Druck, steigende Kosten und die Möglichkeit ortsunabhängig Informationen aus aller Welt abzurufen haben in den letzten Jahren immer wieder die Notwendigkeit des Korrespondenten1 vor Ort in Frage gestellt. Neben diesen Veränderungen, die Korrespondenten und Redakteuren potenziell vergleichbare Möglichkeiten der Quellennutzung bieten, zeigte sich in der Vergangenheit, dass auch Social Networks als Mittel zur Informationsbeschaffung eine gewisse Bedeutung erlangt haben. Zuletzt beschränkte sich die Nutzung der Onlinenetzwerke für die Arbeit der Auslandsjournalistenjedoch primär auf einzelne Ereignisse.2 Besonders deutlich wurde dies etwa bei der Berichterstattung über die Massenproteste im Iran im Dezember 2009 als die Mehrheit der Korrespondenten ausgewiesen und die wenigen sich noch im Land aufhaltenden Journalisten, aufgrund einer Ausgangssperre, nicht mehr frei berichten konnten. Korrespondenten und Redakteure waren damit mehr oder weniger auf Social Networks als die einzige noch verbleibende Informationsquelle angewiesen, um berichten zu können. Zu dieser Zeit kamen auch deutsche TV-Sender wie ARD, ZDF oder N24 nicht mehr ohne YouTube, Flickr, Twitter und Co. als Quelle für Informationen und Bilder aus, wenn es um die Berichterstattung über den Iran ging (vgl. Stöcker/Neumann/Dörting 2009; Hassanzadeh 2009; Eimeren/Frees 2009, S. 334). Auch der Letzte sich im Iran aufhaltende deutsche Auslandskorrespondent griff auf Informationen aus Social Networks zurück und lieferte seiner Redaktion eine Einschätzung über Zusammenhang und Aufnahmedatum zu den dort vorhandenen Bildern (vgl. Mezger zit. nach Ruzas 2010, S. 88f.). Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Social Networks vor allem dann für die Auslandsberichterstattung von Bedeutung sind, wenn sie gewissermaßen die einzige verbleibende Informationsquelle darstellen (vgl. Herrmann 2009; Stelter 2009). Ob und inwieweit Social Networks jedoch im journalistischen Alltag für Korrespondenten und Redakteure und damit für die Auslandsberichterstattung von Bedeutung sind, ist bisher nicht bekannt. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen daher die vergleichende Untersuchung der Quellennutzung von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren und die damit verbundene Erforschung der Bedeutung von Social Networks für die Arbeit dieser.3 Ziel der Arbeit ist es, im Rahmen einer quantitativ ausgerichteten Online-Befragung, den Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung zu untersuchen. Hieraus ergibt sich folgende übergeordnete forschungsleitende Frage:

„Welche Bedeutung haben Social Networks für die

Arbeit von Auslandsjournalisten?“

Vor dem Hintergrund dieser Fragestellung besteht das grundlegende Anliegen dieser Untersuchung zunächst darin, die Faktoren zu bestimmen, die die Arbeit von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren beeinflussen. Dabei wird grundlegend davon ausgegangen, dass unterschiedliche strukturelle Bedingungen die Quellennutzung von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren beeinflussen. Denn wie Hafez feststellt, wird die Informationsbeschaffung nicht nur „von den individuellen Präferenzen des Journalisten“ (Hafez 2002, S. 94), sondern auch von organisatorischen Bedingungen geprägt. Dies berücksichtigend weist er daraufhin, dass gerade die Auslandsberichterstattung aufgrund ihrer hohen Kostenintensität in der Regel nur über begrenzte Mittel verfügt und organisationsextern erstellte Quellen, zu der auch Nachrichtenagenturen gehören, an Relevanz gewinnen (vgl. ebd.). Inwieweit hierbei auch Social Networks als Quelle fungieren und welche Faktoren sich auf die Quellennutzung auswirken, liegt im Erkenntnisinteresse dieser Arbeit. Da bislang jedoch ein übergreifendes Theoriemodell zur Erforschung der Auslandsberichterstattung fehlt, dient Essers intégratives Mehrebenenmodell der Einflussfaktoren im Journalismus als Ausgangspunkt der vorliegenden Forschungsarbeit (vgl. Hahn/Lönnendonker/Schröder 2008b, S. 44). Auf Grundlage diesen Modells werden insbesondere die auf die Auslandsberichterstattung und damit die Arbeit von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren einwirkenden Faktoren, tiefergehend behandelt. Entsprechend der vergleichenden Untersuchungsabsicht werden hierfür die für den jeweiligen Akteur bedeutsamen Aspekte seiner Arbeit betrachtet.

1.2 Konzeption und Struktur der Arbeit

In einem ersten, theoretischen Grundlagenteil der Arbeit werden im zweiten Kapitel zunächst die im Fokus der vorliegenden Arbeit stehenden Social Networks beschrieben. Der nachfolgende Abschnitt gibt einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand über Auslandskorrespondenz, Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteure. Zudem wird dort die Rolle der Auslandsredaktion und ihrer Akteure erläutert. Im darauffolgenden Abschnitt wird auf die Quellennutzung vonjournalisten eingegangen. Die grundlegende Basis und Struktur der Studie bildet das Unterkapitel 2.4, welches die Ein flussfaktoren in der Auslandsberichterstattung behandelt. Anhand des Mehrebenenmodell von Esser werden in diesem die auf Korrespondenten und Redakteure wirkenden Einflüsse theoretisch erörtert. Dazu gehören zum einen die besondere Arbeitssituation und die damit verbundenen unterschiedlichen Rahmenbedingungen unter denen die Korrespondenten an den verschiedenen Standorten tätig sind. Zum anderen aber auch die Umstände unter denen die in den Heimatredaktionen tätigen Auslandsredakteure agieren. Diese literaturbasierten Darstellungen bilden den Rahmen und Bezugspunkt für den empirischen Untersuchungsteil. Mit Bezug zur forschungsleitenden Fragestellung werden im dritten Kapitel aus ihnen weitere spezifizierte Forschungsfragen entwickelt und darauf aufbauend Hypothesen abgeleitet, die es im Rahmen der Studie zu überprüfen gilt. Eine Beschreibung der methodischen Grundlagen wird im vierten Kapitel vorgenommen. Im nachfolgenden Kapitel fünf werden die einzelnen Studienergebnisse dargestellt. Am Ende der Arbeit werden diese abschließend zusammengefasst und bezüglich der angewandten Methode bewertet. In einem abschließenden Fazit wird vor dem Hintergrund der erzielten Ergebnisse noch einmal auf die Bedeutung von Social Networks im Rahmen der Auslandsberichterstattung eingegangen und ein kurzer Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben. Darüber hinaus wird an dieser Stelle auch auf, die sich durch die Studie aufgeworfenen, weitergehenden Forschungsmöglichkeiten hingewiesen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 SocialNetworks

Um den Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung als auch die mögliche Nutzung dieser alsjournalistische Quelle durch Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteure untersuchen zu können, werden im Folgenden die im Zusammenhang mit Social Networks stehenden Begriffe diskutiert. Diese Vorgehensweise dient der Einordnung von Social Networks in das Begriffsumfeld und einem besseren Gesamtverständnis.

2.1.1 Begriffsumfeld

„Der Begriff Web 2.0 kennzeichnet Anwendungen und Dienste, die das World Wide Web als technische Plattform nutzen, auf der Programme und benutzergenerierte Inhalte zur Verfügung gestellt werden. Die gemeinsame Nutzung der Inhalte und gegenseitige Bezüge begründen Beziehungen zwischen den Benutzern.“ (Alpar et al., 2007 in Alpar/Blaschke 2008, S. 5) Thematisiert und geprägt wurde der Begriff erstmals im Herbst 2004 auf der gleichnamigen Konferenz. Wenig später wurde er durch die Publikation „What is the Web 2.0“ zum Schlagwort für eine neue Generation des Web (vgl. Richter/Koch 2007, S. 4). Einige jahre zuvor war das World Wide Web insbesondere dafür bekannt, dass dort bereitgestellte Inhalte nur abgerufen werden konnten und nur ein verhältnismäßig geringer Aktivitätsgrad vorhanden war (vgl. Busemann/Gscheidle 2009, S. 356). Kennzeichnend für das Web 2.0 sind die nun vielfältigen Partizipationsmöglichkeiten, die dem Internetnutzer eine gesteigerte Form der Mitgestaltung erlauben (vgl. Richter/Koch 2007, S. 6). Die für die Interaktion erforderliche Social Software bildet dabei einen Teilbereich des Web 2.0, das vielfach auch als Social Web bezeichnet wird. Der Begriff Social Web fungiert dabei wiederum gewissermaßen als eine Sammelbezeichnung für die einzelnen neuen Anwendungen des Web 2.0 (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl 2008, S. 29). Szugat et. al zufolge stellen Social Networks eine Anwendung im Social Web dar, die dem Oberbegriff Social Software zuzuordnen ist (vgl. Szugat/Gewehr/Lochmann 2007, S. 18). Das Social Web besteht nach der Definition von Ebersbach et al. „aus webbasierten Anwendungen, die für Menschen den Informationsaustausch, den Beziehungsaufbau und deren Pflege, die Kommunikation und die kollaborative Zusammenarbeit in einem gesellschaftlichen Kontext unterstützen, sowie den Daten, die dabei entstehen und den Beziehungen zwischen Menschen, die diese Anwendungen nutzen.“ (Ebersbach/Glaser/Heigl 2008, S. 31) In enger und nicht klar abgrenzbarer Verbindung mit dem Begriff Social Software steht wiederum die Notation Social Media, wie die begriffliche Einordnung von Kaplan & Hanelein verdeutlicht. Social Media stellt für sie eine Gruppe Internet­basierter Anwendungen dar, die auf der Web 2.0 Ideologie basieren, welche die Erstellung und den Austausch von nutzergenerierten Inhalten ermöglichen (vgl. Kaplan/Haenlein 2010, S. 61). Eck zufolge ist die Gruppe dieser Dienste, die unter dem Begriff Social Media einzuordnen sind, jedoch unüberschaubar (vgl. Eck 2008, S. 49). So versteht er unter diesem Folgendes: „Mit Social Media sind alle Online-Tools und Plattformen gemeint, die es uns erlauben, unsere Meinungen und Erfahrungen im Web miteinander auszutauschen.“ (ebd.) Als Teilbereich von Social Software wird im Folgenden näher auf den Begriff des Social Network eingegangen, da dieses als Quelle für diejournalistische Recherche im Fokus dieser Arbeit steht.

2.1.2 Terminologie

Für Boyd und Ellison sind Social Networks „web-based services that allow individuals to (1) construct a public or semi-public profile within a bounded system, (2) articulate a list of other users with whom they share a connection, and (3) view and traverse their list of connections and those made by others within the system.“ (Boyd/Ellison 2007) Richter & Koch hingegen sehen Social Networks als Anwendungssysteme „die ihren Nutzern Funktionalitäten zum Identitätsmanagement (d.h. zur Darstellung der eigenen Person i.d.R. in Form eines Profils) zur Verfügung stellen und darüber hinaus die Vernetzung mit anderen Nutzern (und so die Verwaltung eigener Kontakte) ermöglichen.“ (Richter/Koch 2007, S. 1240) Hippner wiederum betrachtet Social Networks recht nüchtern als Online-Plattformen, die dem Internetuser den Aufbau und die Verwaltung von sozialen Kontakten bzw. einem sozialen Netzwerk ermöglichen (vgl. Hippner 2006, S. 13).

2.1.3 Kennzeichen und Merkmale

Zu den Kennzeichen von Social Networks gehören nach Ebersbach et al. eine notwendige Anmeldung, Profilseiten, die Auskunft über Interessen und Tätigkeiten geben, die Darstellung der Verbindungen zu anderen Personen derjeweiligen Plattform, eine nachvollziehbare Abbildung von Bekanntschaften über ,fünf Ecken’ und ein hoher Bezug zu realen sozialen Bindungen (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl 2008, S. 79). Das zentrale Kennzeichen eines Social Network stellt hierbei das jeweilige Profil dar, das von einem Mitglied beispielsweise durch Angaben zu Lebenslauf, Alter, Interessen, besondere Fähigkeiten, Kontaktdaten, Fotos, Videos, etc. gestaltet werden kann und über das es anderen Nutzern Zugang zu angegebenen Informationen ermöglichen kann (vgl. Richter/Koch 2007, S. 27). In Abhängigkeit vom jeweiligen Social Network variieren zumeist die Konfigurationsoptionen hinsichtlich Privatsphäre und der damit verbundenen Anzeige der im Nutzerprofil angegebenen Informationen. Dem Nutzer bleibt es dabei selbst überlassen, wie er sich präsentiert, welche Daten er angibt und ob diese auch der Wahrheit entsprechen (vgl. Ebersbach/Glaser/Heigl 2008, S. 85). Vickery & Wunsch-Vincent fassen die Möglichkeiten, die Social Networks dem Nutzer bieten, folgendermaßen zusammen: „Social networking sites enable users to connect to friends and colleagues, to send mails and instant messages, to blog, to meet new people and to post personal information profiles.“ (Vickery/Wunsch-Vincent 2007, S. 38) Ihrer Auffassung nach gehören hierbei auch Fotos, Videos, Bilder, Ton und Blogs zu einem Profil (vgl. ebd.). Neben der Erstellung von Inhalten durch das Aktualisieren von Onlineprofilen, können Social Networks den Aufbau, die Pflege und die Intensivierung sozialer Beziehungen ermöglichen, wobei eine explizite Abgrenzung der sozialen Beziehungen zwischen Online-/und Offline-Netzwerken meist nicht existiert, da diese sich oft auch überschneiden. Die kostengünstige und zeitsparende Form der Pflege von Kontakten über diese Plattformen können dabei zur Erweiterung und Stabilisierung des persönlichen Netzwerks beitragen (vgl. Beck 2006, S. 184).

2.1.4 Handlungskomponenten

Schmidt bestimmt hinsichtlich der Nutzung von Social Networks drei unterschiedliche Handlungskomponenten, durch die Soziale Praktiken im Internet geprägt werden.

Dabei handelt es sich um das Identitätsmanagement, im Sinne der Selbstdarstellung, das Beziehungsmanagement, das den Aufbau bzw. die Pflege von Netzwerken umfasst und das Informationsmanagement, wozu die Selektion und Rezeption von Informationen gehört. Alle Handlungsweisen zeichnen sich hierbei durch entsprechende Strategien, Routinen und Erwartungen aus, die auf die jeweilige Komponente einwirken (vgl. Schmidt 2006, S. 41). Eine ähnliche, jedoch stärker spezifizierte Einteilung, nehmen auch Richter & Koch vor. Aus einer funktionell geprägten Perspektive bestimmen sie sechs Funktionen von Social Networks, zu der ebenfalls das Identitätsmanagement (Verwaltung personenbezogener Informationen), der direkte und indirekte Informationsaustausch, das Kontaktmanagement, das Kontext-Bewusstsein (Visualisierung von Gemeinsamkeiten), das Netzwerk-Bewusstsein (Förderung indirekter Kommunikation durch spezielle Features) und die gezielte (Experten-)Suche gehören (vgl. Richter/Koch 2008, S. 1242).

2.1.5 Klassifizierung

Aufgrund der Existenz einer Vielzahl unterschiedlicher Formen von Social Networks für die verschiedensten Interessen- und Nutzungsbereiche, die Boyd & Ellison auf mehrere hundert beziffern, ist die Klassifizierung von Social Networks im Allgemeinen mit Schwierigkeiten verbunden. Während die Kernfunktionen der meisten Social Networks nahezu übereinstimmen, sind die verschiedenen Nutzungsaspekte, die sich herauskristallisiert haben, äußerst unterschiedlich. Die Mehrheit dieser unterstützt dabei einerseits die Erhaltung bereits bestehender sozialer Beziehungen, andere hingegen sind eher auf die Vernetzung von Menschen mit gleichen Interessengebieten, politischen Ansichten oder Aktivitäten ausgerichtet. Der Umfang, in dem Social Networks Informations- und Kommunikationswerkzeuge wie Vernetzungspotential, Posting­Funktion und Foto- bzw. Video-Sharing integrieren, kann dabei plattformabhängig variieren (vgl. Boyd/Ellison 2007). Eine erste einfache Abgrenzung stellt hierbei die grundlegende Unterscheidung von primär auf Geschäfts- und Berufsbeziehungen (Business Networks) und vordergründig auf private Beziehungen ausgerichtete Social Networks (Private Networks) dar (vgl. Hippner 2006, S. 13). Eine andere Möglichkeit besteht darin, Social Networks nach ihrerjeweiligen Zielsetzung zu klassifizieren. Diese von Distinguin et al. angewandte Vorgehensweise, konzentriert sichjedoch exklusiv auf jene Social Networks, die sich primär auf die Beziehungspflege fokussieren. Hierzu gehören Private Networks, Business Networks, auf Partnervermittlung ausgerichtete Plattformen (Matchmaking) und Alumni-Networks (vgl. Distinguin/Platini/deBuchet 2007, S. 17).4 Eine dritte nicht auf typenspezifizierte Möglichkeit der Kategorisierung von Social Networks kann anhand der Art der Selbstdarstellung (reale Identität vs. erfundene Identität sowie öffentliche Exposition vs. qualitätsreiche Kontakte), die die Mitglieder in den Netzwerken aufweisen, erfolgen (vgl. Distinguin/Platini/deBuchet 2007, S. 14; Kaplan/Haenlein 2010, S. 63f.).5

2.1.6 Nutzungspotentiale furjournalisten

Wie oben beschrieben wird die Nutzung von Social Networks durch die drei Handlungskomponenten Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement geprägt (vgl. Schmidt 2006, S. 5), die den Journalisten neue Quellen eröffnen können (vgl. Welker 2010, S. 115). Hervorzuheben ist hierbei Welker zufolge das Identitätsmanagement, das durch die öffentliche Präsentation persönlicher Merkmale der eigenen Person im World Wide Web, den Journalisten eine Reihe zusätzlicher Quellen offenbart. Aber auch die beiden letztgenannten Elemente ermöglichen das Auffinden entsprechender Informationen. Personenbezogene Aspekte wie Pflege und die Generierung von Kontakten als auch die Verlautbarung politischer Ansichten sowie die Offenlegung von freundschaftlichen bzw. beruflichen Beziehungen sind dabei dem Beziehungs- und Informationsmanagement zuzuordnen (vgl. Welker 2010, S. 115f.). Mrazek zufolge eigenen sich Social Networks insbesondere um Experten oder betroffene Ansprechpartner aufzuspüren (vgl. Mrazek 2009, S. 84). Darüber hinaus können diese auch zur Generierung von Themenideen und dem Auffinden zusätzlicher Quellen beitragen (vgl. Eberwein 2009, S. 25f.). Weitere Ausführungen in dieser Studie, die im Zusammenhang mit Social Networks stehen, beziehen sich auf die oben genannte Definition von Boyd & Ellison (2007) die Private Networks (z.B. Facebook), Business Networks (z.B. Xing), Video-Sharing (z.B. Youtube) und Foto-Sharing-Plattformen (z.B. Flickr), aber auch so genannte Mikro-Blogging-Dienste (z.B. Twitter)6 einschließt (vgl. Boyd & Ellison 2007, Abbildung l).7

2.2 Auslandsberichterstattung

„Auch bei der Bestimmung dessen, was überhaupt als Auslandsberichterstattung angesehen werden kann, herrscht Uneinigkeit.“ (Nitz 2005, S. 6) Hafez definiert diese als „Inhalte und Prozesse der Medienberichterstattung über Sachverhalte jenseits des Heimatstaates. Sie ist vermittelnde, journalistische Kommunikation und unterscheidet sich von anderen Formen grenzüberschreitender Kommunikation, die auch ohne Vermittlung von Journalisten stattfinden können.“ (Hafez 2005, S. 22)8 Dreßler beschreibt Auslandsberichterstattung als „[...] jene Tätigkeit, über die wirjournalistisch aufbereitet von Ereignissen im Ausland erfahren [...].“ Dreßler (2008, S. 23) Eine breitere Definition von Auslandsberichterstattung und Auslandskorrespondenten fordern hingegen die Kommunikationswissenschaftler Hamilton und Jenner (vgl. Hamilton/Jenner 2003a, S. 132). Dies begründen sie damit, dass infolge der Globalisierung und der mit dieser verbundenen wachsenden globalen Abhängigkeit werde die Abgrenzung zwischen lokalen und ausländischen Nachrichten zunehmend schwieriger werde (vgl. Hamilton/Jenner 2004b). Zudem würden durch das Internet nicht-traditionelle Nachrichtenquellen vermehrt Einfluss auf die Berichterstattung nehmen. Aufgrund dessen müsse die ursprüngliche Bedeutung der Begriffe Auslandsberichterstattung erweitert werden (vgl. Hamilton/Jenner 2003a, S. 132). Aufgegriffen wurde immer wieder die Diskussion, wann es sich bei Berichten aus dem Ausland um 'echte' Auslandsberichterstattung handelt. Hafez schreibt dazu: „[...] Auslandsberichterstattung [kann] im Fall inländischer Beteiligung auch Elemente der Inlandsberichterstattung aufweisen [...].“ (Hafez 2002, S. 138)9 So deutet er die Untersuchung von Wilke über die historische Entwicklung des Nachrichtenwertes in der deutschen Presse dahingehend, dass Auslandsberichterstattung bei der Beteiligung von deutschen Personen oder Institutionen auch 'deutsches Geschehen' sein kann (vgl. ebd.; Wilke 1984, S. 260). Die enorme Bedeutung von Auslandsberichterstattung und ihrer Wirkung betont indes Jurkiewicz: „Auslandsberichterstattung in den Massenmedien ist durch die Vermittlung zwischen unterschiedlichen kulturellen Kontexten charakterisiert und so als 'Übersetzen zwischen den Kulturen' zu verstehen. Dabei kann die Form der 'Vermittlung' allerdings erheblich variieren und einerseits Konflikte verschärfen als andererseits auch im positiven Sinne vermittelnd wirken.“ (Jurkiewicz 2009, S. 101) Im Rahmen dieser Arbeit wird unter Auslandsberichterstattung die Nachrichtenproduktion über Ereignisse verstanden, die sich außerhalb der nationalstaatlichen Grenzen des Territoriums stattfinden, in dem die jeweilige Redaktion hauptsächlich agiert (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 16).

2.3.1 Erforschung von Auslandskorrespondenz, Ausländskorrespondenten und Auslandsredakteuren

2.3.1.1 Entwicklung der Auslandsberichterstattung und des Korrespondentenwesens

Der Ursprung des Korrespondentenwesen und der damit verbundene Beginn der Auslandberichterstattung lässt sich nicht eindeutig feststellen. „In einem gewissem Sinne ist das Korrespondentenwesen älter als die Massenmedien selbst, in deren Dienst es heute steht.“ (Wilke 1994, S. 1) Die ersten Korrespondenten gab es demnach schon vor der Verbreitung von Zeitungen. Ihre Aufgabe, vergleichbar mit der von Auslandsberichterstattern im heutigen Sinne, war die Berichterstattung über die politische und wirtschaftliche Lage in anderen Ländern (ebd.). Dabei hat sich die Berichterstattung von Korrespondenten über die vergangenen drei Jahrhunderte von einer vielmehr zufälligen Überbringung von Neuigkeiten durch Gesandte und Kaufleute zu einer professionellen Nachrichtenübermittlung gewandelt. Technische Innovationen und die Entstehung des Berufes derjournalisten trugen dabei wesentlich zur Entstehung des Korrespondentenwesens bei (vgl. ebd.,S. 2). Somit arbeitet der heutige Korrespondent unter ganz anderen Voraussetzungen als er es vor dreißig oder vierzig Jahren tat (vgl. Nitz 2005, S. 5). Insbesondere mit dem Internet, das in vielfacher Hinsicht zur Arbeitserleichterung der Korrespondenten im Ausland beigetragen und sowohl die Recherche als auch die Übermittlung von Beiträgen um ein vielfaches beschleunigt hat, haben sich die Arbeitsbedingungen in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren erheblich verändert (vgl. Mikich 2003, S. 122). Wissenschaftliche Untersuchungen zur Auslandsberichterstattung unterlagen dabei, wie die Auslandsberichterstattung selbst, offenbar immer wieder Schwankungen (vgl. Mikich 2003, S. 120; Schneider 1984, S. 303). So wird bei Sichtung der Literatur deutlich, dass sich Wissenschaftler insbesondere in (politischen) Krisenzeiten verstärkt mit der Arbeit von Auslandskorrespondenten und deren Erzeugnissen auseinandersetzen. Schneider zufolge haben weltpolitische Modifikationen und neue außenpolitische Intentionen eine erhöhte Forschungsintensität zur Folge (vgl. Schneider 1984, S. 303).10

2.3.1.2 Erforschung von Auslandsberichterstattung und Auslandskorrespondenz

Auch wenn der Beginn der Auslandsberichterstattung durch Korrespondenten sich nicht eindeutig feststellen lässt (vgl. Siemes 2000, S. 18), kann an dieser Stelle festgehalten werden, dass die ersten Untersuchungen zur Auslandskorrespondenz bei amerikanischen Forschern bereits um 1920 auf Interesse stießen (vgl. Wilke 1986, S. 54). Die Untersuchungsaspekte konzentrierten sich zu diesem Zeitpunkt in erster Linie auf die Beschaffenheit, Folgen und Wirkungen der Auslandsberichterstattung (vgl. Nitz 2005, S. 9f.). So untersuchten Lippmann & Merz 1920 die Berichterstattung der New York Times über die Russische Revolution und kommen zu dem Resultat, dass das Blatt falsche Erwartungen über die Entwicklung der Revolution generiert habe und damit die Leser getäuscht habe (vgl. Wilke 1986, S. 54). Bis nach Beendigung des zweiten Weltkrieges blieb es bei ähnlichen Einzelstudien, die im Laufe der sich verstärkenden Differenzen zwischen Ost und West von ersten systematischen, umfassenderen Untersuchungen ergänzt wurden. Beispielhaft seien hier die Studie des International Press Institute (IPI) und die UNESCO-Studie genannt, beide entstanden 1953 und eruierten einen geringen Umfang der Auslandsberichterstattung sowie eine auf westliche Industrienationen ausgerichtete Berichterstattung (vgl. ebd., S. 55f.). Im Verlauf der Forschung zeigt sich eine Dominanz der westlichen Nachrichtenagenturen sowie ein ausgeprägter Negativismus11 in der Auslandsberichterstattung (vgl. Voglreiter 2009, S. 16), den Mikich als die 4 K’s (Kriege, Krisen, Katastrophen, Krankheiten) der Berichterstattung bezeichnet (vgl. Mikich 2003, S. 118). Mit der Forderung der Entwicklungsländer nach einer neuen Weltinformationsordnung, welche den bestimmenden Einfluss der Nachrichtenagenturen verringern sollte (vgl. Lange 2002, S. 24), kam der Auslandsberichterstattung in der deutschsprachigen Forschung eine prominente Stellung zu (vgl. Nitz 2005, S. 9). So wurde eine Vielzahl von Studien über die Lage der Auslandsberichterstattung und den internationalen Nachrichtenfluss verfasst, welche die Behauptung einer strukturellen Vernachlässigung und eine negativ geprägte Darstellung der Dritten Welt untersuchen sollten (vgl. Voglreiter 2009, S. 16). Die von der International Association of Mass Communication Research (IAMCR) bis 1980 durchgeführte „Foreign News“-Studie gilt bis heute als die größte wissenschaftliche Studie im Bereich der Auslandsberichterstattung. Im Auftrag der UNESCO wurden Presse und Rundfunk von 29 Ländern durch Forscherteams aus 13 Nationen ausgewertet (vgl. Hafez 2002, S. 56f.). In Bezug auf den Umfang der in den Massenmedien Deutschlands verbreiteten Auslandsberichterstattung kam die Studie zu dem Ergebnis, dass dieser im Vergleich zu den USA oder den Niederlanden relativ hoch ist (vgl. ebd., S. 58). Zudem wurde in nahezu allen untersuchten Mediensystemen ein Regionalismus festgestellt (vgl. ebd.; Wilke 1986, S. 56).12 In einer Neuauflage der Studie Anfang der 90er Jahre erwies sich der Machtstatus eines Landes als entscheidender Nachrichtenfaktor (vgl. Kunczik/Zipfel 2001, S. 429). Mit der Erschöpfung der Diskussion um eine neue Weltinformationsordnung Mitte der 1980er Jahre (vgl. Schmidt/Wilke 1998, S. 167) und der Beendigung des Kalten Krieges nahm der Stellenwert der Auslandsberichterstattung erkennbar ab (vgl. Nitz 2005, S. 10). Schlussfolgernd stellt Nitz fest, dass sich die Auslandsberichterstattung zu dieser Zeit als Untersuchungsfeld der internationalen Kommunikation gefestigt hatte. Eine weitreichende Theorie zur Auslandsberichterstattung, welche die verschiedenen theoretischen Herangehensweise kombiniert, existiere bisher jedoch nur in Ansätzen (vgl. ebd.).

2.3.1.3 Erforschung der Arbeit von Ausländskorrespondenten

Die Urheber der Auslandsberichterstattung, also die Berichterstatter selbst, sind vergleichsweise selten Gegenstand der Forschung geworden (vgl. Lange 2002, S. 4). Deshalb gab ihnen von Gyzicki den Beinamen das „unbekannte Wesen“ (1997, S. 135). Diese fast mystisch behaftete Formulierung wurde in wissenschaftlichen Arbeiten immer wieder aufgegriffen.13 Doch nicht nur die mangelnde Erforschung der Arbeit von Auslandskorrespondenten wurde trotz der einerseits regen Nutzung dieser als Informationsquelle auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen oft bemängelt (vgl. Bruyne 1984, S. 10). Auch die Art und Weise der Forschung selbst ist in der Vergangenheit vielfältiger Kritik ausgesetzt worden. Die Defizite in der Erforschung von Auslandskorrespondenten begründen Junghanns & Hanitzsch damit, dass Auslandskorrespondenten angesichts ihrer berufsbedingten Dauermobilität ein nicht leicht zu fassender Forschungsgegenstand sind, was ihrer Meinung nach in bedeutenden Maße dazu geführt habe, dass diese eher selten Gegenstand der deutschsprachigen Journalismusforschung wurden (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 2f.). Kritisiert wird oft auch, dass die existierenden Kommunikatorstudien, bei denen es sich meist um Abschlussarbeiten handelt, auf verschiedenen theoretischen Ansätzen beruhen, was einen Vergleich dieser erschwere (vgl. Siemes 2000, S. 25).14 Auch sind Auslandskorrespondenten in der Wissenschaft bislang ein recht einseitig bearbeitetes Thema. So fokussiert sich nach Rothenberger die Masse der Untersuchungen auf US- amerikanische Korrespondenten im Ausland oder ausländischen Berichterstattern in den USA.15 Eine nur geringe Anzahl richte hingegen die Aufmerksamkeit auf westeuropäische Korrespondenten im Ausland und noch viel weniger auf die Erforschung von Berichterstattern aus Entwicklungsländern (vgl. Rothenberger 2009, S. 11). Bengelstorff befasste sich (2001) mit der Untersuchung des Rollenverständnis' und der Arbeitsrealität von aus Afrika für deutsche Medien berichtende Auslandskorrespondenten. Ergebnis ihrer Untersuchung war, neben der im Vergleich zu anderen Regionen der Welt geringeren Bedeutung von Korrespondentenberichten aus Afrika, die thematische Beeinflussung der Berichte durch Nachrichtenagenturen (vgl. Bengelstorff 2001, S. 114). Zuletzt untersuchte Mükke (2009) die Akteure, Strukturen und Potenziale der deutschen Afrikaberichterstattung. Vielfach thematisiert wurde auch die Notwendigkeit (systematischer) Forschung, insbesondere im deutschsprachigem Raum (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 2) sowie das Fehlen eines ausführlichen Theoriemodells16 zur Auslandsberichterstattung (vgl. Hahn/Lönnendonker/Schröder 2008b, S. 44). Erwähnung finden an dieser Stelle aufgrund von Platzmangel lediglich die ersten deutschsprachigen Studien sowie die in den letzten Jahren durchgeführten Untersuchungen, welche für die vorliegende Arbeit von Interesse sind und als Vergleichsgrundlage herangezogen werden können. Als erste Untersuchungen im deutschsprachigen Bereich sind die Dissertation von Lugert (1974) über Auslandskorrespondenten in Österreich und die Fallstudie von Georg Jürgens (1974) über Amerikakorrespondenten, die für die ersten beiden Programme des öffentlich­rechtlichen Fernsehens aus den USA berichten, zu nennen (vgl. Lugert 1974, Jürgens 1973, S. 350). Eine weitere Studie, durchgeführt im Jahr 2001, die sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Arbeitsweise der Korrespondenten befasste, stammt von Wu & Hamilton (2004). Dem Einfluss technischer Veränderungen auf den Beruf des Auslandskorrespondenten und der detaillierten Entwicklung von sieben neuen Typen des Korrespondenten widmeten sich hingegen Hamilton und Jenner (vgl. Hamilton/Jenner 2004, S. 301 ff.).7 Junghanns (2004) erforschte in einer länderübergreifenden Untersuchung das Arbeitsfeld von deutschen Auslandskorrespondenten. Die Ergebnisse der Studie sind in einer Kurzfassung in Zusammenarbeit mit Hanitzsch veröffentlicht worden (Junghanns/Hanitzsch 2006). Der schwedische Anthropologe Hannerz (2004) führte eine ethnografische Redaktionsstudie durch, in der er anhand von Tiefeninterviews insgesamt 70 Korrespondenten in Jerusalem, Johannesburg, Kapstadt und Tokio analysierte. Eine, wie von Junghanns & Hanitzsch vermehrt gewünschte Untersuchungsart, ebenfalls ethnografische Studie (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 25) veröffentliche Dreßler (2008), in der sie die Arbeitsweisen und Arbeitsbedingungen von Korrespondenten aus kulturtheoretischer Sicht betrachtet. Dabei werden auch die durch das Internet und E-Mail aufgetretenen Veränderungen für die Arbeit von Auslandsjournalisten erwähnt (vgl. Dreßler 2008, S. 53; 153f.). Hahn, Lönnendonker & Schröder (2008) geben in ihrem Handbuch

„Deutsche Ausländskorrespondenten“ erstmals einen umfassenden Einblick in die Arbeit von deutschen Journalisten an verschiedenen Korrespondentenplätzen weltweit, indem sie die Arbeitsweisen und das Selbstverständnis der Berichterstatter anhand von Leitfadeninterviews vor Ort untersuchen. Von besonderem Interesse für die vorliegende Arbeit ist dabei die Beschreibung der Veränderungen und Einflüsse vernetzter Kommunikation. Die Autoren thematisieren die veränderte Funktion der Auslandsberichterstattung als auch den Einfluss neuer Medien auf die Arbeit der Korrespondenten (vgl. Schröder/Hahn 2008, S. 477ff). Eine, insbesondere hinsichtlich der Informationsbeschaffung und der Quellennutzung als auch des Einflusses der Zensur auf die Informationsbeschaffung, interessante Arbeit ist die Studie von Voglreiter (2009), die Arbeitsbedingungen von deutschen Auslandskorrespondenten in China untersucht. Deufel (2009) befasste sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Selbstverständnis von deutschen Auslandskorrespondenten in den USA im Zeitalter von Internet und Globalisierung.

2.3.1.4 Erforschung der Arbeit von Auslandsredakteuren

Trotz der bedeutenden Rolle des Auslandsredakteurs, auf die McNelly bereits in seinem 1959 veröffentlichten Modell der internationalen Kommunikation hingewiesen hatte (McNelly 1959, S. 24 zit. nach Marten 1989, S. 236), beschäftigten sich weder Forscher in den USA noch im deutschsprachigen Raum intensiver mit diesen für die Kommunikatorforschung wichtigen Akteur (vgl. Marten 1989, S. 236). Hagemann der sich in seinem Buch die „Zeitung als Organismus“ (1950) auch Fragen der Auslandskorrespondenz widmet, beschreibt darin am Rande die Tätigkeiten des Auslandskorrespondenten und des Auslandsredakteurs (vgl. Hagemann 1950, S. 91-95, 114-116).17 Marten (1989) befragte in seiner Studie über die Deutschlandimages neben 35 amerikanischen Deutschlandkorrespondenten auch 72 amerikanische Auslandsredakteure (Foreign Editors), um die veröffentlichten Images als auch die Einstellungen derjournalisten gegenüber Deutschland zu untersuchen. Beide Gruppen unterschieden sich in ihren persönlichen Merkmalen, deutschlandspezifischen Werthaltungen sowie ihrer professionellen Ausrichtung (vgl. Marten 1989, S. 248, 254 & 257). Hafez berücksichtigt in seiner theoretisch ausgerichteten Arbeit „Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung“ (2002) den Auslandsredakteur als Auslandsjournalisten zwar, geht aber in seinen Ausführungen nur am Rande auf diesen ein. Auch Böhme-Dürr (2000) bezieht in ihrer inhaltsanalytischen Untersuchung über den Wandel des Deutschlandbildes in der amerikanischen Presse in ihren theoretischen Ausführungen neben den für US-Medien in Deutschland tätigen Auslandskorrespondenten auch die in den USA arbeitenden Auslandsredakteure ein, was sie mit der Verantwortlichkeit und Zuständigkeit dieser für die Berichterstattung begründet (vgl. Böhme-Dürr 2000, S. 87). Bei der bereits erwähnten Arbeit von Hannerz (2004) handelt es sich um eine Redaktionsstudie, die die Produktionsseite von Auslandsnachrichten und die journalistische Praxis von Auslandskorrespondenten untersuchte und dabei auch die Redakteure der Auslandsberichterstattung berücksichtigte. Jedoch standen auch hier die Korrespondenten eindeutig im Fokus seiner Untersuchung. Auch wenn die Studie keine eindeutigen Schlussfolgerungen liefert, ermöglicht sie einen Einblick in die tägliche Arbeit der Korrespondenten und gibt Aufschluss über das Verhältnis von Auslandskorrespondent zu Auslandsredakteur.18 Bröning führte im Rahmen seiner inhaltsanalytischen Untersuchung zum Deutschlandbild in der israelischen Presse eine Befragung von Auslandsredakteuren durch, diese dientejedoch der Überprüfung der erzielten Resultate (vgl. Bröning 2004, S. 336). Nitz befragte ergänzend zu den Interviews mit den amerikanischen Auslandskorrespondenten auch fünf Foreign bzw. International Editors, was ihr eine Beurteilung dahingehend ermöglichte, in welchem Maße die Kriterien der Nachrichtenauswahl und das Publikumsbild der Korrespondenten und der Auslandsredakteure übereinstimmen (vgl. Nitz 2005, S. 3). Ähnlich wie Hannerz bezog auch Dreßler in ihrer Ethnografie bei ihren Recherchen Gespräche mit Redakteuren der Nachrichten- und Auslandsredaktionen ein (vgl. Dreßler 2009, S. 35). Mükke, der in seiner Untersuchung über die Afrikaberichterstattung ergänzend zur Befragung von Afrikakorrespondenten eine Redaktionsbefragung durchführte kam zu dem Ergebnis, dass aufgrund technischer Neuerungen der Informationsdruck für Auslandsredakteure so stark gestiegen ist, dass diese zur Bewältigung der Nachrichtenflut neue Nachrichtenauswahlkompetenzen benötigen (vgl. Mükke 2009, S. 496).19 Auch das von Hahn et al. herausgegebene Handbuch „Deutsche Ausländskorrespondenten“ (2008) fokussiert die Untersuchung der Arbeitsweise dieser. So wurden die Korrespondenten zwar auch hinsichtlich der Einbindung ihrerseits in den Redaktionsalltag ihres Heimatmediums sowie der Zusammenarbeit mit diesem befragt, eine explizite Befragung von Auslandsredakteuren erfolgte jedoch nicht. In Bezug auf die wissenschaftliche Untersuchung der Arbeit von Auslandsredakteuren, die wie Piel feststellt, „eine wichtige Gatekeeperfunktion haben“ (Piel 1999, S. 177) ist zu konstatieren, das diese bisher nur sehr selten Gegenstand der Erforschung waren.

Forschungsdefizite

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Erforschung der Auslandskorrespondenz, welche insbesondere im deutschsprachigen Raum lange Zeit ein Randthema in wissenschaftlichen Untersuchungen war (vgl. Nitz 2005, S. 9), in den letzten Jahren gewissermaßen einen Aufschwung verzeichnet hat, wie die zuvor aufgeführten Arbeiten deutlich machen. Dennoch lassen sich bei näherer Betrachtung des Forschungsstandes einige Defizite feststellen. So wurde insbesondere der Einfluss des Internets recht wenig untersucht (vgl. Hahn/Lönnendonker/Scherschun 2008, S. 36). Dieser Forschungslücke kommen Hahn und Schröder in dem weiter oben erwähnten Teil des Handbuches „Deutsche Auslandskorrespondenten“ zwar nach, die Auswirkungen von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung und die Arbeit der Korrespondenten werdenjedoch nicht thematisiert. Die Nutzung von Social Networks durchjournalisten im Bereich der Auslandsberichterstattung wurde bisher nicht untersucht. Die existierenden Studien beschränken sich auf die Befragung von Journalisten im Allgemeinen. Ein Bezug zur Auslandsberichterstattung fehlt bisher. Verschiedene Beispiele belegen jedoch, dass Social Networks neben Weblogs, die in der Vergangenheit als Quelle dienten, zunehmend als Informationsquelle dienen (vgl. Eberwein 2008, S. 24).

2.3.2 Funktionen derAuslandsberichterstattung

„Die Massenmedien wirken maßgeblich an der öffendichen Meinungsbildung mit.“ (Voglreiter 2009, S. 14) Dies gilt auch, wenn nicht sogar um so mehr für die Auslandsberichterstattung. Denn: „Anders als bei Geschehnissen im Nahbereich fehlt den Konsumenten im Fernbereich des Auslandsgeschehens zumeist das kritische Korrektiv eigener Erfahrung oder alternativer Informationsquellen, was das Einflußpotenzial der Medien auf das gesellschaftliche Auslandsbild vergrößert.“ (Hafez 2002, S. 12) Die Medienrezeption als Sekundärerfahrung bietet oftmals die einzige Quelle für Informationen über das Ausland für das Publikum (vgl. Wu 1998, S. 493). Die Notwendigkeit der Auslandsberichterstattung in den Massenmedien hat für Hafez auch in Zeiten global verfügbarer Medien nach wie vor bestand. So schreibt er: „Die Auslandsberichterstattung nationaler Medien ist allenfalls für kleine Informationseliten durch Informationsangebote im Internet ersetzbar.“ (Hafez 2005, S. 21)20 Daraus schlussfolgernd haben die drei grundlegenden Funktionen, die Schwanebeck der Auslandsberichterstattung zuweist, heute noch Gültigkeit. Dabei handelt es sich um die Informationsfunktion, die Interpretationsfunktion und die Politische Funktion (vgl. Schwanebeck 2003, S. 14). Bei der Informationsfunktion handelt es sich um eine diffizile Aufgabe des Korrespondenten dessen Erfüllung, durch den Umfang der Berichtsgebiete und eingeschränkte Möglichkeiten der Informationsbeschaffung in Ländern wie China erschwert wird (vgl. ebd., S. 15, 18f.). Die Informationsfunktion ist in Zeiten der Globalisierung, wo der stetige Informationsaustausch ein elementarer Bestandteil der Gesellschaft geworden ist, von besonderer Bedeutung (vgl. ebd, S. 15). „Als ein Teil der allgemeinen medialen Berichterstattung ist es Aufgabe von Auslandskorrespondenten, ihr Publikum kontinuierlich über Entwicklungen und Ereignisse im Ausland zu informieren.“ (Hahn/Lönnendonker/Scherschun 2008, S. 32)Jedoch sind diejeweils durch die Korrespondenten zu betreuenden Länder sind in ihrer geographischen Ausdehnung als auch politischen wie kulturellen Strukturiertheit viel zu groß und heterogen, um von einem einzigen Redaktionsteam angemessen 'bearbeitet' und dargestellt werden zu können (vgl. Schwanebeck 2003, S. 16f.).

Die Interpretationsfunktion dient dem Rezipienten bei der Einordnung von Ereignissen in der Welt (vgl. ebd., S. 14). „Unterschiedlichste Nachrichten und Bilder, Meinungen, Daten und Fakten aus dem Gastland bzw. der Gastregion zu selektieren, zu interpretieren und schließlich zu kommentieren, gehört zum täglichen Arbeitsalltag des Auslandskorrespondenten.“ (ebd., S. 21) In Bezug auf die optimale Erfüllung der Interpretationsfunktion existieren ebenfalls Defizite (vgl. ebd.), deren Ursachen in der ungewissen Verfügbarkeit von Quellen, im Zeitmangel und in unzureichenden Kenntnisse über Gastländer liegen (vgl. ebd. S. 25f.). Der hohe Stellenwert der Überprüfung von verfügbaren Informationen und der Interpretation dieser wird speziell bei der Auslandsberichterstattung über Krisen und Kriege deutlich (vgl. ebd., S. 23). Auch Meckel weist im Zuge der Diskussion über den geringen Anteil der Auslandsberichterstattung in den Fernsehnachrichten und einer globalisierten Welt auf eine wachsende Bedeutung der Interpretations- und Orientierungsfunktion hin (vgl. Meckel 1998, S. 274).

Die politische Funktion der Auslandsberichterstattung sieht den Korrespondenten als Vertreter seines Landes und soll der verbesserten Kommunikation der Länder untereinander dienen (vgl. Schwanebeck 2003, S. 26). Bruyne konkretisiert dies wie folgt: „Die Auslandsnachrichten sind nicht einfach Rohmaterial im politischen Entscheidungsprozess, sondern oft auch ein Instrument der Aussenpolitik.“ (Bruyne 1984, S. 4). Damit weist er auf die hohe diplomatische Entscheidungsgewalt von Korrespondenten hin (vgl. Bruyne 1984, S. 4), die auch durch die Bezeichnung des Korrespondenten als „Halbbruder des Diplomaten“ deutlich wird (Dovifat/Wilke 1976, S. 24).

2.3.3 Die Auslandsredaktion

Das Verständnis dessen, was im deutschsprachigen Journalismus als Redaktion bezeichnet wird, ist nicht eindeutig. Daher werden im Folgenden auch die englischsprachigen Begriffe aus dem Redaktionsumfeld herangezogen, um die in dieser Diplomarbeit verwendeten Bezeichnungen besser abgrenzen zu können. Als Redaktion wird meist die Abteilung eines Medienbetriebes bezeichnet, die journalistische Leistungen erstellt (editorial department). Zuweilen wird aber auch die Gemeinschaft aller journalistischen Mitarbeiter als Redaktion bezeichnet (editorial staff). Als Redaktion verstanden werden können aber auch die Räume bzw. die organisatorischen Strukturen, in den denen die Redakteure tätig sind (newsroom). Zudem kann auch die Tätigkeit der Redaktion selbst, also die Bearbeitung eines publizistischen Werkes durch die Mitarbeiter der Redaktion verstanden werden (editing) (vgl. Meier 2005, S. 394). Im Rahmen dieser Arbeit wird unter einer Auslandsredaktion die Abteilung einer Medienorganisation verstanden, die für die Auslandsberichterstattung zuständig ist. Die einzelnen Mitglieder, meist als Redakteure bezeichnet, bilden dabei zusammen die Auslandsredaktion (vgl. Hagemann 1950, S. 76). Reine Auslandsredaktionen wie die des „Weltspiegel“ sind jedoch vergleichsweise selten. Zumeist verfügen nur größere Medienbetriebe wie beispielsweise die ARD über derartige Einrichtungen (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 6f.). Die Auslandsredaktion, welche im Regelfall gleichzeitig auch die Heimatredaktion der deutschen Auslandskorrespondenten darstellt, ist dabei oftmals auf das politische Geschehen im Ausland fixiert. Sie richtet ihre Berichterstattung zudem an den spezifischen und gewünschten Wirkungen ihrer internationalen Berichterstattung aus. Dabei erstrebt sie einen Selbstzweck, der ihrer Arbeit einen eigenen Charakter überträgt, der über die Weiterleitung von Meldungen von Agenturen und anderem Material hinausgeht (vgl. Hafez 2002, S. 101f.). Die Auslandsredaktionen und die dort agierenden Redakteure stellen in der Regel den ersten Ansprechpartner der Auslandskorrespondenten dar. Hier erfolgt zudem die Koordination und Redigierung der aus dem Ausland eintreffenden Beiträge und Berichte (vgl. Nitz 2008, S. 524).21 Vernachlässigt wird hierbeijunghanns & Hanitzsch zufolge meist die Tatsache, dass auch andere Ressorts mit Nachrichten aus dem Ausland versorgt werden (vgl.Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 7).22 So berichtet beispielsweise die Mehrheit der im Berichtsgebiet Südasien bzw. Südostasien tätigen Korrespondenten für Politik und Auslandsseiten als auch für das Wirtschaftsressort oder die Rubrik Vermischtes (vgl. Stube 2008, S. 365). In Abhängigkeit der Größe und den finanziellen Möglichkeiten eines Medienbetriebs verfügt dieser über ein eigenständiges

Auslandsressort oder eine eigene Abteilung für den Bereich „Ausland“. Im Allgemeinen ist es die Aufgabe der Redaktion eines Massenmediums Entscheidungsprogramme umzusetzen und die informationellen Rahmenbedingungen zu sichern. Die Hauptaufgabe der Redaktion besteht im Gegensatz zur vielfach verbreiteten Meinung jedoch nicht im Schreiben, sondern im „Redigieren“, d.h. in der Bearbeitung des publizistischen Rohstoffes oder Halbfabrikats, das der Redaktion etwa durch die Auslandskorrespondenten zugeht (vgl. Hagemann 1950, S. 78). Zudem gewichtet sie den Einsatz von Nachrichtenagenturen und anderen Quellen und muss ein Gleichgewicht zwischen den inhaltlichen Darstellungspräferenzen der Akteure in der Auslandsberichterstattung schaffen (vgl. Hafez 2002, S. 104). Hannerz fasst diese Problematik wie folgt zusammen: „There could be times when the correspondent checks in with the foreign desk at home, suggesting a story, and is told not bother, Too much is going on in other parts of the world that day, and since the time or space devoted to foreign news usually remains more or less constant, there is not room for everything.“ (Hannerz 2004, S. 212). Innerhalb der Hierarchie eines Medienbetriebes übernimmt die Auslandsredaktion zumeist eine Bindegliedfunktion zwischen der obersten Leitungsebene einer Medienorganisation und den Auslandskorrespondenten des betreffenden Mediums (vgl. Pokorny 2009, S. 107; Hafez 2002, S. 104). Die in der Auslandsredaktion tätigen Redakteure und diejeweiligen Ressortleiter sind daher meist an die Weisung des Chefredakteurs gebunden. Redakteure als auch Ressortleiter sind letztlich zudem der redaktionellen Linie des Hauses sowie finanziellen Vorgaben verpflichtet (vgl. Nitz 2008, S. 514).23 Die Akteure der Auslandsredaktion sind die Auslandsjournalisten, zu denen sowohl der Auslandsredakteur, der zumeist in der Heimatredaktion agiert, als auch der Auslandskorrespondent gehören, welche zwar als externe Redaktionsmitglieder außerhalb ihres Heimatlandes agieren, aber dennoch mit ihrer Redaktion verbunden und damit auch ein Teil dieser sind (vgl. Hafez 2002, S. 81f. & 105).

[...]


1 In dieser Arbeit wird für die Berufsbezeichungen u.ä. aus Gründen der Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet, gemeint sind jedoch sowohl die weiblichen als auch die männlichen Vertreter der jeweiligen Berufsgruppen.

2 Beispiele dafür sind der Aufstand der Mönche in Burma (vgl. Dreuw 2009), die Anschläge von Mumbai (vgl. Sonnabend 2009) als auch die Verbreitung der ersten Informationen der Notlandung eines Airbus auf dem Hudson-River imjanuar 2009 (vgl. Patalong 2009).

3 Unter der Bezeichnung Auslandsjournalist werden in dieser Arbeit Auslandskorrespondent als auch Auslandsredakteur gefasst.

4 Zudem können Online Social Networks auch anhand ihrer jeweiligen Ausrichtung unterschieden werden. Im Gegensatz zu allgemeinen Networks richten sich Special Interest Networks an spezielle Zielgruppen mit einem bestimmten Interesse. Dabei handelt es sich Online Social Networks für spezielle Berufs- und Altersgruppen oder Themenfelder (etwa Hobbys und Tiere, Wohnen und Essen, Lesen und Reisen etc.) (vgl. Heidemann 2010, S. 262-271).

5 Vgl. hierzu auch Abbildung 1 bei Kaplan/Haenlein 2010, S. 62.

6 Der Kurzblog-Dienst Twitter zielt dabei weniger auf die Kontaktpflege ab, sondern ist auf die Verbreitung und die Diskussion von Neuigkeiten ausgerichtet. Dennoch dient auch dieserjournalisten als Quelle (vgl. Welker 2010, S. 117).

7 Eine ähnliche Übersicht findet sich auch bei Heidemann (vgl. Heidemann, S. 2010, S. 266; Abb. 4).

8 Ein Beispiel für grenzüberschreitende Kommunikation ist das Internet (vgl. Mast 2008, S. 22).

9 Dass auch die Perspektive des Rezipienten (als auch die Thematik der Berichterstattung) für die Wahrnehmung dahingehend von Bedeutung sein kann, wann es sich bei Auslandsberichterstattung um diese handelt, zeigt auch das von Junghanns & Hanitzsch gewählte Beispiel hinsichtlich der Wahrnehmung der Berichterstattung über das Rauchverbot auf Mallorca durch den Spiegel für die dort lebenden Deutschen (vgl.Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 6).

10 Schneider führt beispielhaft die Anfangszeit des Kalten Krieges und die Debatte um eine Neue Weltinformationsordnung in den 1970erjahren an (vgl. Schneider 1984, S. 303).

11 Einen Überblick über Untersuchungen zum Negativismus bietet Hafez (vgl. Hafez 2002, S. 61). Das Interesse der Heimatredaktionen an negativ geprägten Themen ist auch Ergebnis der Studie von Bengelstorff (vgl. Bengelstorff 2001, S. 114).

12 Schenk weist daraufhin, dass 'Regionalismus' unabhängig vom Faktor 'Nähe' zu betrachten ist (vgl. Schenk 1987, S. 40).

13 Vgl. Hahn/Lönnendonner/Scherschun 2008, S. 21; Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 3; Lange 2002, S. 4; Siemes 2000, S. 25 & Marten 1987, S. 23.

14 Vgl. auch Voglreiter 2009, S. 20; Nitz 2005, S. 10.

15 Vgl. auchJunghanns/Hanitzsch 2006, S. 2.

16 Vgl. dazu auch Siemes 2000, S. 25; Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 6. 7 Für einen Überblick über die einzelnen Typen vgl. Hamilton/Jenner 2004, S. 313-314.

17 Die von Mükke befragten Redaktionsmitarbeitern waren nicht speziell als Auslandsredakteure tätig. „Die Auswahl der Redaktionsmitarbeiter zielte darauf ab, den in der Sache möglichst kompetentesten und/oder verantwortlichen Mitarbeiter zum Thema zu befragen.“ (Mükke 2009, S. 32)Jedoch sind die Befragten langjährige Mitarbeiter der Chef- bzw. Auslandredaktionen, einige von ihnen haben vielfältige Erfahrung als Korrespondenten und/oder Reporter gesammelt (vgl. ebd.).

18 Hannerz schreibt hierzu: „Alltogether, I talked to some 70 correspondents, and a few foreign news editors offering the perspective from headquarters.“ (Hannerz 2003, S. 204)

19 Die von Mükke befragten Redaktionsmitarbeitern waren nicht speziell als Auslandsredakteure tätig. „Die Auswahl der Redaktionsmitarbeiter zielte darauf ab, den in der Sache möglichst kompetentesten und/oder verantwortlichen Mitarbeiter zum Thema zu befragen.“ (Mükke 2009, S. 32)Jedoch sind die Befragten langjährige Mitarbeiter der Chef- bzw. Auslandredaktionen, einige von ihnen haben vielfältige Erfahrung als Korrespondenten und/oder Reporter gesammelt (vgl. ebd.).

20 Eine Untersuchung von Hamilton & Jenner kommt in diesem Zusammenhang zu folgendem Ergebnis: „[...] [T]he small contigent of people who are very interested in foreign news will use the Internet more for news than those who are not as interested.“ (Hamilton/Jenner 2003b, S. 24)

21 Ergänzend wird an dieser Stelle kurz der Arbeitsablauf in der Auslandsredaktion einer Nachrichtenagentur beschrieben. Dort „werden fremdsprachige Nachrichtentexte ausgewählt und übersetzt. Bei diesem Vorgang handelt es sich allerdings nicht um eine Übersetzung im herkömmlichen Sinne, sondern eher um eine journalistische Auswertung der übermittelten Fakteninformationen, auf deren Grundlage ein eigenständiger neuer Text entsteht“ (Zschunke 2005, S. 15).

22 Dies belegt auch Hagemann, wonach nicht alle durch Auslandskorrespondenten übermittelten Meldungen dem außenpolitischen Ressort zu zuordnen sind. „Manche Aus[l]andskorrespondenten [RS-Fehler im Original] senden nebenher oder sogar hauptamtlich Wirtschaftsberichte und -nachrichten, andere wiederum berichten regelmäßig über die Kulturereignisse des fremden Landes oder mindestens der Hauptstadt.“ (Hagemann 1950, S. 115)

23 Die Weisungskompetenzen in Presseunternehmen dienen nach Prott dazu, den Arbeitsfluss koordinieren und leiten zu können. „Der Ressortleiter hat mehr zu sagen als der Redakteur, aber weniger Entscheidungsbefugnisse als der Chefredakteur.“ (Prott 1994, S. 490) In Bezug auf die Erkennbarkeit der hierarchischen Ordnungsstrukturen schreibt er: „Im Arbeitsalltag mag es den Anschein haben, als seien solche hierarchischen Abstufungen eigentlich gar nicht vorhanden, weil da selten jemand ein 'Machtwort' spricht, und diese große Produktionsmaschine gleichsam lautlos funktioniert. Die Autoritätsstruktur ist den Akteuren in Fleisch und Blut übergegangen, damitjedoch keineswegs außer Kraft gesetzt.“ (Prott 1994, S. 490)

Ende der Leseprobe aus 207 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung
Untertitel
Eine Befragung von Auslandskorrespondenten und Auslandsredakteuren
Hochschule
Technische Universität Ilmenau  (Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Diplomarbeit
Note
1,9
Autor
Jahr
2011
Seiten
207
Katalognummer
V189974
ISBN (eBook)
9783656482147
ISBN (Buch)
9783656482208
Dateigröße
3130 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auslandskorrespondent, Auslandsredakteur, Social Media, Social Networks, Auslandsberichterstattung, Neue Medien, Twitter, Krisenberichterstattung, Zensur, Auslandsjournalismus
Arbeit zitieren
Mario Ziemkendorf (Autor), 2011, Der Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189974

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Einfluss von Social Networks auf die Auslandsberichterstattung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden