Braunschweig und die Hanse - Handelsbeziehungen und Handelswaren


Bachelorarbeit, 2010
55 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung
1. Einführende Gedanken
2. Forschungsstand
3. Problemstellung
4. Vorgehensweise und Quellen

II. Braunschweigs Handel in mittelalterlichen Quellen
1. Braunschweiger Handelsbeziehungen – Ein Überblick
2. Handel mit Nahrungsmitteln – Fisch und Getreide
3. Die Exportschlager – Braunschweiger Tuche und Metallprodukte
4. Familienbeziehungen und Handel – Toversichtsbriefe
5. Worüber die Quellen nicht sprechen

III. Handel im gesamten Hanseraum
1. Übertragung der neueren Hanseforschung auf Braunschweig
2. Ergebnisse der Quellenuntersuchungen
3. Forschungsausblick

Abkürzungsverzeichnis

Quellen-, Literatur- und Abbildungsverzeichnis

Anhang
A. Liste der in den Quellen nachgewiesenen Kaufleute (Auswahl)
B. Liste der in den Quellen nachgewiesenen Handelsplätze (Auswahl)
C. Karte der Handelsplätze und -routen

I. Einleitung

1. Einführende Gedanken

Das weithin bekannteste Symbol der Stadt Braunschweig ist mit Sicherheit der Braunschweiger Löwe. Man kann ihn überall in der Stadt finden: Auf ihrem Wappen, in den Namen von Gaststätten und Apotheken und nicht zuletzt auch auf den Trikots des städtischen Fußballvereins Eintracht Braunschweig, der vor allem in den 1960er und 1970er Jahren deutschlandweit große Erfolge feiern konnte.

Seinen Ursprung hat das Wappentier im Mittelalter: Als Symbol Heinrichs des Löwen, des wohl bekanntesten welfischen Herzogs. Seine Spuren lassen sich auch heute noch im Stadtbild Braunschweigs wiederfinden – vor allem auf dem Dom-platz. Dort befindet sich nicht nur die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte bronzene Löwenplastik, sondern auch der von Heinrich dem Löwen gestiftete Braunschweiger Dom, in dem sich seine letzte Ruhestätte befindet. Komplettiert wird dieses mittelalterliche Ensemble von der Burg Dankwarderode, der Pfalz des welfischen Herzogs, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts rekonstruiert wurde.

Vor dem Hintergrund dieser herzoglichen Spuren im Braunschweiger Stadtbild wird ein anderer Platz gerne übersehen: Der Altstadtmarkt. In seiner Umgebung finden sich Hinweise auf einen vollkommen anderen Aspekt der Geschichte der Stadt im Mittelalter. Das Altstadtrathaus und vor allem das Gewandhaus verweisen auf die Vergangenheit Braunschweigs als bedeutende Handelsstadt, die – wie im weiteren Verlauf gezeigt werden wird – vor allem durch ihre Tuch- und Metallprodukten eine hohe Reputation innerhalb der Hanse besaß.

Im Vergleich zu manchen anderen Hansestädten hatte Braunschweig zwar formal einen Stadtherrn, sein Einfluss war in der Stadt allerdings begrenzt. Von dem großen Selbstbewusstsein der Gilden, Händler und anderen Bürger der Stadt zeugt heute noch dieses Ensemble von Bauwerken, das der aufmerksame Besucher, Passant oder Spaziergänger auf dem Altstadtmarkt bestaunen kann.

Diese Bachelorarbeit widmet sich dem zweiten, dem hansischen Aspekt der mittelalterlichen Geschichte Braunschweigs. Um sich den wechselseitigen Be-ziehungen zwischen Braunschweig und den anderen Hansestädten zu nähern, soll im Folgenden versucht werden, nachzuvollziehen, wie die Handelsbeziehungen der Braunschweiger Händler im Einzelnen aussahen und welche Handelsrouten die größte Bedeutung für den Transport Braunschweiger Waren hatten.

2. Forschungsstand

In der „klassischen“ historischen Forschung, die in der Hanse vor allem ein Bündnis von Städten sah, in dem sich – ihrem prominentesten Vertreter Dietrich Schäfer zufolge – wirtschaftliche Macht erst aus politischer Macht ableiten ließ[1], trat die Hansestadt Braunschweig vor allem in zwei Zusammenhängen in Erscheinung, die in fast allen Überblickswerken zur Hansegeschichte wiederholt wurden und zum Teil auch noch wiederholt werden: Dies ist zum einen der auch als Verhansung bezeichnete Ausschluss der Stadt Braunschweig aus der Hanse, der im Zuge innerstädtischer Unruhen zwischen 1374 bis 1380 stattfand[2], zum anderen handelt es sich um die Unterstützung der Hansestädte für Braunschweig während der Belagerung der Stadt durch ihre Territorialherren in den Jahren 1492/93[3] und 1615[4]. Beide Beispiele dienten und dienen dazu, vor allem im Sinne der „klassischen“ Hanseforschung den Einfluss des hansischen Städtebundes auf die Städte und das Zusammenwirken der Städte in einem Bündnis zur Abwehr einer äußeren Bedrohung zu illustrieren.

Die Verhansung Braunschweigs im Jahr 1374 wird schon in der ersten Gesamtdarstellung zur Geschichte der Hanse – die in drei Bänden zwischen 1802 und 1808 erschienene „Geschichte des Hanseatischen Bundes“ von Georg Sartorius – erwähnt.[5] Dieses Werk basierte wie viele seiner unmittelbaren Nachfolger vor allem auf Urkunden, die dem Historiker in den Archiven der Städte Hamburg und Lübeck zugänglich waren.

Ursache für den Ausschluss Braunschweigs aus der Hanse und damit vor allem auch vom hansischen Handel war eine der sogenannten Schichten – ein anderer Begriff für Aufstände –, die sich mehrfach in der mittelalterlichen Stadtgeschichte finden lassen. In diesem Fall ging die sogenannte „Große Schicht“ von den Gilden aus, die im Zuge der innerstädtischen Unruhen die Macht in der Stadt übernahmen und den herrschenden Rat aus der Stadt vertrieben. Dies führte zu einem Exodus der Ratsherren und vieler weiterer Kaufleute aus Braunschweig in andere Hansestädte. Um ein Übergreifen des Aufstands auf andere Städte innerhalb der Hanse zu verhindern, sollte die alte Ordnung in der Stadt wiederhergestellt werden. Um dies zu erreichen, schlossen die Hansestädte Braunschweiger Kaufleute vom hansischen Handel aus. Die Restauration der alten Machtstrukturen gelang schließlich zumindest teilweise. Die Exilanten kehrten nach Braunschweig zurück und daraufhin wurde die Stadt 1380 wieder in die Hanse aufgenommen.[6]

Sartorius sah hierin vor allem einen Erfolg des Städtebundes bei der Wieder-herstellung der alten Ordnung: „Durch diesen Bann wurde [Braunschweigs] Verkehr gelähmt, die Arbeit stand still, und der Hunger, was auch immer Demagogen sagen mochten, blieb doch ein mächtigerer Trieb, als der Hang zur Freyheit.“[7]

Ihren Höhepunkt erlebte diese eher eine konservative herrschaftliche Ordnung legitimierende Geschichtsschreibung unter Dietrich Schäfer, der im Fazit seines 1903 erschienenen Werkes „Die Hanse“[8] zum Verhältnis zwischen der Hanse und dem 1871 gegründeten Kaiserreich schrieb: „Was an wirtschaftlicher Kraft, an sittlicher und kriegerischer Kraft in der städtischen und ländlichen Bevölkerung unserer Küstengebiete steckt, ist jetzt zusammengefaßt in den Rahmen des Reiches und hat dadurch die Möglichkeit gefunden, sich mit Aussicht auf Erfolg auf einem weiteren Felde zu betätigen, als den hansischen Vorfahren vergönnt war. […] Der Name ,Deutsche Hanse‘ darf mit Stolz von jedem Deutschen genannt werden.“[9]

Weitere Informationen über die „Große Schicht“, sowie weitere Unruhen im mittel-alterlichen Braunschweig lassen sich durch das Schichtbuch von Hermann Bote[10] gewinnen, das auch in dem 1984 veröffentlichten Werk über die Geschichte und Kultur der Hanse von Johannes Schildhauer[11] Erwähnung findet. Bote lebte von etwa 1450[12] bis circa 1520[13] und diente seiner Heimatstadt Braunschweig unter anderem als Zollschreiber. Er widmete sich auch neben seiner beruflichen Tätigkeit dem Schreiben. So verfasste er außer dem bereits erwähnten Schichtbuch mit relativer Sicherheit auch die Braunschweiger Weltchronik[14] – ob er allerdings der Autor des Till Eulenspiegel ist, ist seit nunmehr über 40 Jahren in der Forschung umstritten.[15] In mehreren Überblickswerken über die Hansegeschichte wird er als herausragendes Beispiel für hansestädtische Literatur und Chronistik aufgeführt. Von Wolfgang Lindow wird Hermann Bote in Anbetracht seines schriftstellerischen und chronistischen Wirkens als „produktivste[r] und bedeutendste[r] norddeutscher[r] Schriftsteller und Autor der mittelniederdeutschen Epoche“[16] bezeichnet.

Die zweite Rolle, die die Stadt Braunschweig in vielen Werken über die Hanse einnimmt und die schon Georg Sartorius erwähnt, ist die Unterstützung Braunschweigs während der Belagerung der Stadt durch ihre welfischen Territorialherren in den Jahren 1492/93 sowie 1615. Diese Hilfeleistungen dienen der Illustration der gegenseitigen Unterstützung der Hansestädte im Angesicht einer äußeren Bedrohung. Während der Belagerung am Ende des 15. Jahrhunderts wurde zum Beispiel Hildesheim verpflichtet, Braunschweig durch Hilfslieferungen zu unterstützen.[17]

Neben diesen beiden Episoden aus der Braunschweiger Geschichte zieht sich auch die Bezeichnung der Löwenstadt als „Zeughaus der Hanse“[18] durch viele Darstellungen der Hansegeschichte. Dieser Titel verweist auf eines der beiden Exportgewerbe der Stadt: Die Metallverarbeitung. In der Stadt ansässig waren unter anderem Schlosser, Plattner, sowie Waffen- und Büchsenschmiede, die allesamt innerhalb ihres Handwerkzweiges im gesamten mittelalterlichen Deutschland als führend galten[19], aber auch Beckenschläger[20]. Das unbearbeitete Metall bezogen die Braunschweiger Handwerker Elke Bujok zufolge zunächst aus Goslar, später auch aus Schweden, Ungarn, Mansfeld und Eisleben.[21] Als Umschlagplätze für den Export innerhalb des Hanseraums nennt sie in ihrem Aufsatz Hamburg und Lübeck als Beispiele.[22]

Die Organisation des Imports von Rohstoffen und des Exports von Fertigwaren übernahmen Verlage. Zu diesem Schluss kommt Rudolf Holbach in seinem Werk über die Frühformen des Verlagswesens.[23] Die Verlage übernahmen beispielsweise den Einkauf der von den Beckenschlägern benötigten Metalle nach Braunschweig und den Weiterverkauf der fertigen Produkte in den gesamten Hanseraum über die Häfen von Lübeck, Hamburg und Bremen.[24]

Ebenso von Bedeutung wie die Metallprodukte der Löwenstadt scheinen im Mittelalter die Tuchproduktion und Gewandschneiderei gewesen zu sein – von der Stellung des letztgenannten Handwerks innerhalb der städtischen Ordnung zeugt noch heute das bereits erwähnte Gewandhaus am Altstadtmarkt Braunschweigs.

Den Ursprung dieses Gewerbezweiges sieht Bernhard Vollmer in der Gründung des Hagens[25] durch Heinrich den Löwen um 1150, in dem sich flandrische Wollweber ansiedelten.[26] Vollmer untersucht des Weiteren anhand von Privilegien den Export Braunschweiger Textilprodukte im Nord- und Ostseeraum. Er datiert die Blütezeit dieses Produktionszweiges auf das 15. Jahrhundert, der Niedergang des Gewerbes begann seiner Meinung nach um 1600 durch die Konkurrenz fremder Tuche.[27]

Die Handelswege sächsischer – und damit auch Braunschweiger – Produkte nach London vollzieht Stuart Jenks in einem 1996 erschienenen Aufsatz[28] anhand von Tuchen nach. Bei seiner Untersuchung stützt er sich auf Londoner Zollakten und kommt zu dem Schluss, dass nur in den seltensten Fällen sächsische Händler Tuche aus ihrer Region direkt nach London exportierten. Im Regelfall gelangten diese zumeist über Kölner Händler und Londoner Mercer auf die Insel.[29]

Die Erforschung der mittelalterlichen Beziehungen der sächsischen Städte unter-einander und zur Hanse ist vor allem mit einem Namen verbunden: Matthias Puhle. Auf seine Dissertation[30] über den Sächsischen Städtebund – der auch schon in älteren Werken Erwähnung fand – aus dem Jahr 1985 folgten bis heute eine Reihe weiterer Veröffentlichungen[31] zu diesem Thema aus seiner Feder.

Die Gründung dieses Städtebundes, der die Sicherung des Handels zwischen seinen Mitgliedern und den gemeinsamen Schutz vor inneren und äußeren Bedrohungen zum Ziel hatte, datiert Puhle auf den Beginn der 1380er Jahre. Dem Bündnis gingen dabei mehrere kleinere Bündnisse zwischen einzelnen Städten voraus.[32] Wie die Hanse auch verfügte es über ein regelmäßig tagendes Verfassungsorgan – den Städtetag – der einmal jährlich zusammentrat.[33] Über das Verhältnis des Sächsischen Städtebundes zur Hanse schreibt Puhle, dass jener zwar auch ein Teil der Hanse gewesen sei, letztendlich sei seine Rolle als regionales Städtebündnis aber als deutlich gewichtiger einzuschätzen.[34] Innerhalb dieses Bündnisses nahm Braunschweig neben Magdeburg die Führungsrolle ein, der Anschluss des regionalen Bündnisses an die Hanse erfolgte ebenfalls über diese beiden Hansestädte.[35]

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Betrachtung der Hansegeschichte Braunschweigs bisher vor allem aus einem stark bündnispolitisch geprägten Blickwinkel erfolgte. Dabei spielte neben den beiden in vielen Werken beschriebenen Beispielen – Braunschweigs Verhansung und die Unterstützung der Hansestädte während der Belagerungen Braunschweigs durch die welfischen Herzöge – vor allem auch die Erforschung des Sächsischen Städtebundes eine große Rolle.

3. Problemstellung

In der neueren Hanseforschung rückt immer mehr der einzelne Hansekaufmann und sein Handeln in den Mittelpunkt des historischen Interesses. So stellt beispielsweise Stephan Selzer in seinem 2010 erschienenen Werk über die Hanse fest, dass diese vor allem „eine wirtschaftliche Zweckgemeinschaft niederdeutscher Fernhändler zum Erwerb und Erhalt von Handelsprivilegien an auswärtigen Handelsplätzen [war]. Dieser Personenverband schuf dabei hansische Institutionen nicht als Selbstzweck, sondern um konkrete Ziele zu erreichen.“[36]

Ihren schriftlichen Niederschlag findet die Fokussierung der historischen Forschung auf den einzelnen Händler zum Beispiel in den Werken zu den Lübecker Flandernfahrern[37] oder einem prosopographischen Katalog[38], der auf den Brügger Steuerlisten der Jahre 1360 bis 1390 basiert.

Für die Geschichte der Hansestadt Braunschweig erfolgte dieser Perspektivwechsel bisher noch nicht. Vielmehr stand und steht bisher eine bündnispolitische Betrachtung der Geschichte im Vordergrund, die durch die Werke Matthias Puhles über den Sächsischen Städtebund eher intensiviert als revolutioniert wurde. Daher sollten in der künftigen Forschung der Braunschweiger Kaufmann und seine Rolle innerhalb der Hanse im Vordergrund stehen.

Diese Bachelorarbeit soll den erwähnten Perspektivwechsel vollziehen. Sie befasst sich mit der Frage, ob sich die Erkenntnisse der neueren Hanseforschung auch auf die Geschichte Braunschweigs übertragen lassen können. Kann man also mit Hilfe des einzelnen Braunschweiger Händlers und der in Braunschweig hergestellten Waren die Handelsbeziehungen Braunschweigs innerhalb der Hanse nachvoll-ziehen? Und wenn ja, inwieweit lassen sich dadurch Aussagen über Braunschweigs Handel und die Rolle der Stadt innerhalb der Hanse treffen? Diese Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden.

4. Vorgehensweise und Quellen

Um diese Frage zu beantworten wird zunächst anhand des vorliegenden Quellenmaterials ein skizzenhafter Überblick über die Handelsbeziehungen Braunschweiger Händler im Hanseraum gegeben, bevor danach im Einzelnen auf besonders herausragende Aspekte eingegangen wird. Diese sind der Import von Fisch, der Handel mit den beiden wichtigsten Exportgütern Braunschweigs – Tuchen und Metallwaren –, die in der Löwenstadt erstellten Toversichtsbriefe, sowie Umstände, die in den Quellen genannt werden und was sich aus der Nichterwähnung ableiten lässt.

Abschließend sollen die eingangs gestellten Fragen beantwortet und ein kurzer Ausblick darauf gegeben werden, in welche Richtung sich weitere Forschungs-ansätze zur Hansegeschichte Braunschweigs auf Grundlage der Ergebnisse dieser Bachelorarbeit entwickeln könnten.

Das Quellenmaterial dieser Arbeit setzt sich aus bereits edierten und damit leicht verfügbaren und zugänglichen Quellen zusammen. Diese sind im Einzelnen:

- Das Urkundenbuch der Stadt Braunschweig[39], das aktuell in acht Bänden vorliegt und die Jahre 1031 bis 1400 umfasst,
- das Hansische Urkundenbuch[40], das aktuell in elf Bänden vorliegt und die Jahre 975 bis 1550 umfasst,
- das von Hans Nirrnheim bearbeitete Hamburgische Pfundzollbuch des Jahres 1369[41],
- die von Hans-Jürgen Vogtherr bearbeiteten Lübecker Pfundzollbücher der Jahre 1492 bis 1496[42],
- die von Dietrich Mack in fünf Bänden veröffentlichten Testamente der Stadt Braunschweig[43],
- das bereits erwähnte Georg Asmussens Werk[44] über die Lübecker Flandernfahrer in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, das von Werner Paravicini heraus-gegeben wurde, und
- der ebenfalls bereits erwähnte prosopographische Katalog[45] zu den Brügger Steuerlisten, der ebenfalls von Werner Paravicini herausgegeben wurde.

Sicherlich stellt auch diese Quellenauswahl nur einen Teil der verfügbaren und für diese Arbeit nutzbaren edierten Quellen dar. Allerdings sollte diese Auswahl sowohl in ihrer Masse, als auch in ihrer Diversität ausreichend sein, um die formulierten Fragestellungen aussagekräftig beantworten zu können. Der Betrachtungs-schwerpunkt liegt dabei auf dem 14. und 15. Jahrhundert.

II. Braunschweigs Handel in mittelalterlichen Quellen

Im folgenden Teil dieser Bachelorarbeit soll auf die Ergebnisse der Auswertung des oben genannten Quellenmaterials eingegangen werden. Da dieses relativ umfangreich und damit auch die Anzahl der nachgewiesenen Kaufleute und Handelsplätze recht groß ist, kann im begrenzten Rahmen dieser Arbeit nicht auf jeden Namen eingegangen werden. Daher sei an dieser Stelle auf die Anhänge A und B verwiesen, in denen alle Händler und Orte samt Nachweis aufgeführt sind.

1. Braunschweiger Handelsbeziehungen – Ein Überblick

„Eyn genant Frederik Leddinghusen, uth unser stad bordich, heft siik myt Martene Stene, schipheren to Bremen, vordragen in dusser wise: so dat he om myt andern gude, dat anderen luden behorde, schepen scholde van der Weser went in Islant 13 last gudes ome unde itliken anderen unsen borgeren tobehorende, unde scholde ome jo van der last geven 10 Rinsche gulden [. …] Ersamen leven heren, alze nu de genante schiphere mit dem schepe unde gude gevaren is van Bremen na Islande unde gekomen is wente in Hitland, so is dar schep darsulves gebleven unde in de grunt gegan unde des gudes is endeyls geberget. Unde wuwol nu de schiphere dat gut in Islant nicht gebracht unde ok de weddervart mit der anderen ware nicht gedan en heft, so meynet he doch, van dem genannten Frederik Leddinghusen van dem gebergeden gude, des denne endeyls itliken unsen borgeren mede tobehort, syn vulle vrachtgelt to hebbende [. …] Ersamen guden frundes. Wente gii denne van sodannen stucken mer vorfaringe wan wy hebben, eutigen meynen, so bidden wy juwe leve deger gutliken, dat gii uns in dussen saken anrichtinge unde scriftlike beleringe don willen under juwen secreto darup, wer de genante Frederick Leddinghusen van dem gebergeden gude ok mer plichtich sy to gevende den schipheren to vrachtgeld wanne so vele, alze ome na antale des weges geboren moge, edder wat darumme mit juw eyn recht sy.“[46]

[...]


[1] Selzer, Stephan: Die mittelalterliche Hanse, Darmstadt 2010, S. 8.

[2] So zum Beispiel bei Sartorius, Georg: Geschichte des Hanseatischen Bundes. Zweyter Theil, Göttingen 1803, S. 217–219; Dürre, Hermann: Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, Nachdruck der Ausgabe Braunschweig 1861, Hannover 1974 (Beiträge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde von Niedersachsen und Bremen, Serie A: Nachdrucke (Reprints), Band 8), S. 161–167; Spieß, Werner: Braunschweig als Hansestadt, Bremen 1927 (Hansische Volkshefte 15), S. 36; Dollinger, Philippe: Die Hanse, 5., erweiterte Auflage, Stuttgart 1998, S. 121; Engel, Evamaria: Die deutsche Stadt im Mittelalter, Düsseldorf 2005, S. 134–135; Schmieder, Felicitas: Die mittelalterliche Stadt, Darmstadt 2005,S. 108–110.

[3] So zum Beispiel bei Sartorius: Geschichte II, S. 205; Spieß: Braunschweig, S. 42.

[4] So zum Beispiel bei Schäfer, Dietrich: Die Hanse, Bielefeld u. a. 1903 (Monografien zur Weltgeschichte, Band 19), S. 115–116; Spieß: Braunschweig, S. 43–45.

[5] Sartorius: Geschichte II, S. 217–219.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S. 218.

[8] Schäfer: Hanse.

[9] Ebd., S. 135–136.

[10] In Teilen der Literatur wird Hermann Bote auch Hermen Bote genannt.

[11] Schildhauer, Johannes: Die Hanse. Geschichte und Kultur, Stuttgart u. a. 1984.

[12] Blume, Herbert: Hermann Bote. Braunschweiger Stadtschreiber und Literat. Studien zu seinem Leben und Werk, Bielefeld 2009, S. 19.

[13] Ebd., S. 23–24.

[14] Ebd., S. 29.

[15] Ebd., S. 31–37.

[16] Lindow, Wolfgang: Hermann Bote – Leben und Werk. Eine Einführung, in : Blume, Herbert & Wunderlich, Werner (Hrsg.): Hermen Bote. Bilanz und Perspektiven der Forschung. Beiträge zum Hermen-Bote-Kolloquium vom 3. Oktober 1981 in Braunschweig. Mit einer Bibliographie, Göppingen 1982 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr. 357, S. 9.

[17] Sartorius: Geschichte II, S. 205.

[18] Beddies, Thomas: Das sächsische Quartier der Hanse. Gewerbe und Handel im hansischen Binnenland am Beispiel der Metallverarbeitung, in: Puhle, Matthias: Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, Magdeburg 1996 (Magdeburger Museumsschriften Nr. 4, Band 1: Aufsätze), S. 418.

[19] Schulze, Albert: Die Kleinschmiedegilde zu Braunschweig. Ein Beitrag zur Geschichte des Metallgewerbes in Niedersachsen, Dissertation, Braunschweig 1936, S. 16–17.

[20] Bujok, Elke: Das Beckenschlägerhandwerk in Braunschweig und Magdeburg, in: Braunschweigisches Jahrbuch für Landesgeschichte 86 (2005), S. 65.

[21] Ebd., S. 67–68.

[22] Ebd., S. 74–75.

[23] Holbach, Rudolf: Frühformen von Verlag und Großbetrieb in der gewerblichen Produktion (13. – 16. Jahrhundert), Stuttgart 1994 (Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte, Nr. 110); Er definiert das Verlagswesen als „die dezentrale Fertigung von bestimmten Produkten durch in der Regel ohne direkte Beziehung zum Konsumenten arbeitende, rechtlich mehr oder weniger selbstständige Produzenten für einen oder mehrere zumindest Teile der Finanzierung oder Ausstattung übernehmende Abnehmer und Weiterverkäufer.“ (Ebd., S. 33).

[24] Holbach: Frühformen, S. 365.

[25] Der Hagen war eines der fünf Weichbilde des mittelalterlichen Braunschweigs. Die anderen waren die Altstadt, die Neustadt, die Altewiek und der Sack.

[26] Vollmer, Bernhard: Die Wollweberei und der Gewandschnitt in der Stadt Braunschweig bis zum Jahre 1671, Wolfenbüttel 1913 (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte, Band V), S. XVIII.

[27] Ebd., S. 162–163.

[28] Hammel-Kiesow, Rolf / North, Michael / Jenks, Stuart: Außenbeziehungen der sächsischen Städte. Lübeck – Hamburg – Übersee, in: Puhle, Matthias: Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, Magdeburg 1996 (Magdeburger Museumsschriften Nr. 4, Band 1: Aufsätze), S. 350–374.

[29] Ebd., S. 365.

[30] Puhle, Matthias: Die Politik der Stadt Braunschweig innerhalb des Sächsischen Städtebundes und der Hanse im späten Mittelalter, Dissertation, Braunschweig 1985 (Braunschweiger Werkstücke, Reihe A. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek, Band 20 / der ganzen Reihe Band 63).

[31] Puhle, Matthias: Der Sächsische Städtebund und die Hanse im späten Mittelalter, in: Hansische Geschichtsblätter 104 (1986), S. 21–34; Puhle: Matthias: Die Braunschweiger „Schichten“ des späten Mittelalters und ihre verfassungsrechtlichen Folgen, in: Boldt, Annette (Hrsg.): Rat und Verfassung im mittelalterlichen Braunschweig. Festschrift zum 600jährigen Bestehen der Ratsverfassung 1386–1986, Braunschweig 1986 (Braunschweiger Werkstücke, Reihe A. Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv und der Stadtbibliothek, Band 21 / der ganzen Reihe Band 64), S. 235–251; Puhle, Matthias: Der Sächsische Städtebund im späten Mittelalter. Regionale „confoederatio“ oder Teil der Hanse?, in: Hansische Geschichtsblätter 112 (1994), S. 125–138; Puhle, Matthias: Der Sächsische Städtebund. Entstehung und Wirkung, in: Puhle, Matthias (Hrsg.): Hanse – Städte – Bünde. Die sächsischen Städte zwischen Elbe und Weser um 1500, Magdeburg 1996 (Magdeburger Museumsschriften Nr. 4, Band 1: Aufsätze), S. 15–28; Puhle, Matthias: Braunschweig, in: Bracker, Jürgen / Henn, Volker / Postel, Rainer (Hrsg.): Die Hanse. Lebenswirklichkeit und Mythos, 2., verbesserte Auflage des Textbandes zur Hamburger Hanseausstellung 1989, Lübeck 1998, S. 322–326.

[32] Puhle: Confoederatio, S. 195.

[33] Ebd., S. 198.

[34] Ebd., S. 137.

[35] Hänselmann, Ludwig: Braunschweig in seinen Beziehungen zu den Harz- und Seegebieten, Leipzig 1874 (Hansische Geschichtsblätter III), S. 24–34.

[36] Selzer: Hanse, S. 6.

[37] Paravicini, Werner (Hrsg.): Hansekaufleute in Brügge, Teil 2: Georg Asmussen: Die Lübecker Flandernfahrer in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (1358–1408), Frankfurt am Main 1999 (Kieler Werkstücke, Reihe D: Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters, Band 9).

[38] Paravicini, Werner & Wernicke, Horst (Hrsg.): Hansekaufleute in Brügge, Teil 3: Prosopographischer Katalog zu den Brügger Steuerlisten (1360–1390), bearbeitet von Ingo Dierck, Sonja Dünnebeil und Renée Rößner, Frankfurt am Main 1999 (Kieler Werkstücke, Reihe D: Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters, Band 11).

[39] Hänselmann, Ludwig u. a. (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Braunschweig, Braunschweig u. a. 1873 ff.

[40] Verein für Hansische Geschichte (Hrsg.): Hansisches Urkundenbuch, bearbeitet von Konstantin Höhlbaum u. a., Halle u. a. 1876 ff.

[41] Nirrnheim, Hans: Das Hamburgische Pfundzollbuch von 1369, Hamburg 1910 (Veröffentlichungen aus dem Staatsarchiv der Freien und Hansestadt Hamburg, Band I).

[42] Vogtherr, Hans-Jürgen: Die Lübecker Pfundzollbücher 1492–1496, Köln u. a. 1996 (Quellen und Darstellungen zur hansischen Geschichte, neue Folge / Band XLI, Teile 1–4).

[43] Mack, Dietrich: Testamente der Stadt Braunschweig, Teil I: Altstadt 1314–1411. Adenstede bis Holtnicker, Göttingen 1988 (Beiträger zu Genealogien Braunschweiger Familien, Forschungsberichte zur Personen- und Sozialgeschichte der Stadt Braunschweig, Band 3); Mack, Dietrich: Testamente der Stadt Braunschweig, Teil II: Altstadt 1314–1411. Dungel-beck bis Rike, Göttingen 1989 (Beiträger zu Genealogien Braunschweiger Familien, Forschungsberichte zur Personen- und Sozialgeschichte der Stadt Braunschweig, Band 3, Teil II); Mack, Dietrich: Testamente der Stadt Braunschweig, Teil III: Altstadt 1314–1411. von dem Damme bis Witte, Göttingen 1990 (Beiträger zu Genealogien Braunschweiger Familien, Forschungsberichte zur Personen- und Sozialgeschichte der Stadt Braunschweig, Band 3, Teil III); Mack, Dietrich: Testamente der Stadt Braunschweig: Altstadt 1412–1420. Adenstede bis Holtnicker, Göttingen 1993 (Beiträger zu Genealogien Braunschweiger Familien, Forschungsberichte zur Personen- und Sozialgeschichte der Stadt Braunschweig, Band 4); Mack, Dietrich: Testamente der Stadt Braunschweig: Altstadt 1421–1432. Adenstede bis Holtnicker, Göttingen 1995 (Beiträger zu Genealogien Braunschweiger Familien, Forschungsberichte zur Personen- und Sozialgeschichte der Stadt Braunschweig, Band 5).

[44] Paravicini: Flandernfahrer.

[45] Paravicini: Katalog.

[46] HUB 9, Nr. 686.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Braunschweig und die Hanse - Handelsbeziehungen und Handelswaren
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
55
Katalognummer
V189997
ISBN (eBook)
9783656143987
ISBN (Buch)
9783656143888
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Braunschweig, Hanse, Verhansung, Sächsischer Städtebund, Hamburg, Lübeck, Magdeburg, Flandern, Island, England, Kontor, Brügge, Köln, Tuche, Metallverarbeitung, Kaufleute, Handel, Handelsroute, Waren, Pfundzoll, Toversichtsbrief, Testamente, Tuchplomben, Münzen, Handelswaren, Getreide, Fisch, Hering, Fass, Import, Export, Bremen, Becken, Kupfer, Zinn, Amsterdam, Niederlande, Schonen, Schweden, Estland
Arbeit zitieren
Sven-Friedrich Pape (Autor), 2010, Braunschweig und die Hanse - Handelsbeziehungen und Handelswaren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189997

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