Ansätze für die Ursachen von Essstörungen bei Mädchen und Frauen


Hausarbeit, 2011
22 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Hauptformen der Essstörung
2.1 Essstörungen – eine Begriffserklärung
2.2 Anorexie/ Anorexia nervosa
2.3 Bulimie/ Bulimia nervosa
2.4 Binge-Eating-Disorder

3. Erklärungsansätze
3.1 Psychoanalytische Ansätze
3.2 Familiendynamische Ansätze
3.3 Feministischer Ansatz
3.4 Identitätstheoretischer Ansatz

4. Prävention

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach der Broschüre „Essstörungen – Was ist das?“, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Jahr 2010 veröffentlicht wurde, zeigen „28,9 % der 11- 17-jährigen Mädchen in Deutschland“[1] Symptome eines „gestörten Essverhaltens“ auf. Aufgrund dessen gewinnt das Thema Essstörung und die damit aufkommenden Forschungen, vor allem im medizinischen und soziologischen Bereich, in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung. Einher gehen vor allem Fragen aus dem gesellschaftlichen Umfeld und nach der individuellen Identität, beziehungsweise nach der Entwicklung des Einzelnen in einer Gesellschaft, deren Attribute vor allem durch die Einflüsse der Medien geprägt sind.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf das Thema „Schlankheitswahn“ im Zusammenhang mit der Krankheit „Essstörung.“ Dabei wird der Frage nachge-gangen, ab welchem Stadium die Medizin von einem pathologisch auffälligen, gestörten Essverhalten spricht. In der Folge wird die Anorexie, Bulimie und Binge-Eating-Disorder bei Mädchen und Frauen dargelegt, wobei die Krankheit Adipositas (Fettleibigkeit) außen vorgelassen wird. Dies auch aus den Erwägungen heraus, dass „dicke Menschen ja eigentlich selbst die Schuld an ihrer Misere [tragen] – so die Meinung nicht nur in der breiteren Bevölkerung, sondern auch innerhalb der medizinischen Zunft. So wird diese Art von Essstörung in Forschung und Fachliteratur stark vernachlässigt.“[2] Im weiteren Verlauf der Untersuchung werden mögliche, unterschiedliche Erklärungsansätze angerissen. Als erstes wird zunächst auf die psychoanalytischen Ansätze eingegangen, um sich anschließend auf die familiendynamischen Ansätze zu konzentrieren. Des Weiteren werden der feministische Ansatz und der identitätstheoretische Ansatz herausgearbeitet. Im Anschluss wird in groben Zügen auf einige Präventionsformen eingegangen, die den Ausbruch der Krankheit möglicherweise verhindern könnten. Zuletzt beendet eine Schlussbetrachtung die vorliegende Arbeit.

2. Hauptformen der Essstörung

2.1 Essstörungen – eine Begriffserklärung

Essstörungen sind Erkrankungen, die sowohl den Körper, als auch die Psyche eines Menschen betreffen. Daher spricht die Medizin in diesem Fall von einer psycho-somatischen Erkrankung. Die Betroffenen haben die Absicht, die Nahrungsaufnahme und somit auch den eigenen Körper zu manipulieren, sodass sie eine Gewichtsab- oder auch –zunahme erreichen. Durch seelische Belastungen, wie zum Beispiel innere Konflikte oder Stressempfinden (Schule, Elternhaus, sonstiges Umfeld), kommt es zu körperlichen Schädigungen wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und in manchen Fällen, gehäuft bei Magersucht-Erkrankten, zum Tod.

2.2 Anorexie/ Anorexia nervosa

„Etymologisch bedeutet der Begriff Anorexie Appetitlosigkeit bzw. fehlendes Verlangen.“[3] Hierbei wird zwischen zwei Personengruppen unterschieden: Zum einen gibt es Patientinnen, die so genannten Abstinenzlerinnen, die durch die minimale Nahrungsaufnahme eine ständige Abnahme des eigenen Gewichts erreichen wollen. Zum anderen besteht die Möglichkeit durch Missbrauch von Abführmitteln oder durch ständiges Erbrechen der aufgenommenen Nahrung eine Gewichtsreduktion zu bewirken. Das ständige Erbrechen deutet allerdings eher auf ein Verhalten hin, das den Verhaltensmustern der Bulimie (s. Kap. 2.3) nahe kommt.

Der Begriff „Anorexia nervosa“ beschreibt eine nähere Form der typischen Magersucht. Bei dieser Form geht es meist um eine Appetitlosigkeit, die durch nervlich bedingte Faktoren zu Stande kommt. Die Patientinnen haben gehäuft eine gestörte Selbstwahrnehmung und empfinden sich, trotz vorhandenen Idealgewichts, als zu „dick“. Es besteht demnach ein fehlender Kontakt zum eigenen Körper und seinen Bedürfnissen. Dennoch haben die Betroffenen das Gefühl, Kontrolle über sich und ihren Körper zu haben, da sie den Gewichtsverlust penibel beobachten und die eingeschränkte Nahrungsaufnahme selbst steuern.

Der Beginn einer Erkrankung an Magersucht liegt bei Frauen in den meisten Fällen vor dem 25. Lebensjahr. Hierbei muss allerdings angemerkt werden, dass von einer „typischen“ Magersucht dann gesprochen werden kann, wenn ein Gewichtsverlust von mindestens 25 % des ursprünglichen Körpergewichts vorliegt.

In der Anfangsphase dieser Erkrankung werden die natürlichen Hungergefühle bewusst unterdrückt. Demnach ist die Begriffsbedeutung „Appetitlosigkeit“ am Beginn der Erkrankung ein falscher Begriff. Diese Appetitlosigkeit entwickelt sich erst nach einiger Zeit, zum Beispiel nachdem sich die Patientinnen voll und ganz eingeredet haben, dass sie das erwünschte Körperbild von übertriebener Dünnheit als neues, persönliches Schönheitsideal ansehen. Demnach geben die Betroffenen auch nicht zu, unter Magersucht zu leiden, sondern verleugnen die Erkrankung gegenüber Familie, Freunden und auch vor sich selbst.

2.3 Bulimie/ Bulimia nervosa

„Der Terminus Bulimie bedeutet „Stierhunger“, […]“[4]. Frauen, die unter dieser Essstörung leiden, verzehren große Mengen an kalorienreichen Nahrungsmitteln. Im Anschluss daran weisen sie hohe Schuldgefühle und Selbstekel auf, sodass sie die aufgenommene Nahrung schnellstmöglich wieder entfernen wollen. Dies realisieren sie entweder durch Abführmittel, durch sehr starke körperliche Betätigung und/ oder durch das selbst induzierte Erbrechen.

Der Begriff „Bulimia nervosa“ beschreibt eine nähere Form der typischen Bulimie. Bei dieser Form entwickeln sich Heißhungerattacken aus emotionalen Spannungs-zuständen, wie zum Beispiel durch Frustrationen oder Aggressionen.

In der Öffentlichkeit ist eine Bulimie-Erkrankte kaum zu erkennen. Sie wirkt wie eine Person, die ihre Nahrung lediglich kontrolliert aufnimmt. Doch diese Fassade scheint nur „perfekt“ zu sein. Denn in der Realität haben die Erkrankten keine regelmäßigen Essenszeiten und kaufen zwingend fettarme Produkte. Doch diese werden meist nicht gegessen sondern nur angeschafft, um den Anschein des „Normalen“ zu erwecken.

Die physischen Folgeschäden einer Bulimie-Erkrankung sind sehr unterschiedlich: Je nachdem wie die, durch einen Essanfall ausgelöste, aufgenommene Nahrung die Person wieder loszuwerden versucht, kann es zu Haarausfall, Konzentrations-störungen, aber auch zu Kreislaufproblemen und Herzrhythmusstörungen kommen. In den meisten Fällen bleibt die monatliche Regelblutung aus. Die Betroffenen leiden zudem häufig an Depressionen und akzeptieren sich selbst nicht als vollwertige Person. So kann es zusätzlich zu einem autoagressiven Verhalten kommen. Weitere psychische Folgen sind ein Hang zur Perfektion und ein Bewahren der aufgebauten, unscheinbaren Fassade der Normalität.

2.4 Binge-Eating-Disorder

Betroffene, die an der so genannten „Binge-Eating-Disorder“ (BED) (engl. „das Essen hinunterschlingen“) erkrankt sind, leiden unter häufigen und unregelmäßigen Heißhungerattacken. Bei diesen Essanfällen wird in relativ kurzer Zeit verhältnismäßig viel Nahrung aufgenommen. Den Erkrankten fehlt demnach eine Regelmäßigkeit bei Zeit und Umfang der Ernährung aufgrund des Fehlens eines Hunger- und Sättigungsempfindens. Häufig ist diese psychisch bedingte Essstörung mit anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel Übergewicht, verbunden. Dies liegt der Tatsache zu Grunde, dass von den Betroffenen keine Vorkehrungen getroffen werden, um das soeben aufgenommene Essen wieder zu beseitigen (s. Kap. 2.3), obwohl sie unter starkem Schuldempfinden nach der Nahrungsaufnahme leiden.

Die physischen Folgeschäden einer BED sind neben Gelenkleiden und Wirbelsäulenschäden aufgrund des starken Übergewichts auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die Schlaganfälle und Herzinfarkte hervorrufen können. Neben den körperlichen Auswirkungen birgt diese Essstörung auch psychische Folgen in sich: Betroffene leiden häufig unter Depressionen und Antriebslosigkeit. Sie ziehen sich in ihre eigene gedankliche Welt zurück und besitzen in vielen Lebensbereichen eine Unzulänglichkeit bezüglich ihrer persönlichen Grenzen.

Eine Untergruppe der Binge-Eating-Disorder ist das „Night-Eating-Syndrome“. Betroffene dieser Erkrankung sind so genannte „Nachtesser“, deren Heißhungerattacken mitten in der Nacht aufkommen und den Schlaf unterbrechen.

3. Erklärungsansätze

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden nun einzelne Erklärungsansätze beispielhaft aufgezeigt, wobei „[k]einer dieser Ansätze […] allein zur Begründung von Essstörungen herangezogen werden“[5] kann. Dieses sei darauf zurückzuführen, dass das Krankheitsbild der Essstörung vielschichtig ist und damit mehrere Ursachen eine Rolle spielen.

Insofern beschäftigen sich die nachfolgenden Ausführungen auf folgende beispielhafte Ansätze: Psychoanalytische Ansätze (Kap. 3.1), Familiendynamische Ansätze (Kap. 3.2), Feministischer Ansatz (Kap. 3.3), Identitätstheoretischer Ansatz (Kap. 3.4). Die nicht dargelegten Ansätze würden den Umfang der Arbeit sprengen: Biologisch-genetische Ansätze, Gesellschaftliche Ansätze, Kulturtheoretischer Ansatz.

3.1 Psychoanalytische Ansätze

Die Psychoanalyse ist eine „[…] von S. Freud begründete Theorie und Methode der Diagnose und Therapie seelischer Störungen“[6], „[…] die ihren Ursprung zumeist in der frühen Kindheit [hat] und ins Unbewusste verdrängt worden [ist].“[7]

Für die Psychoanalyse (PSA) ist die Phase der frühen Kindheit ein wesentlicher Bestandteil für die spätere Entwicklung des Einzelnen im Jugend- und Erwachsenenalter. So geht die PSA davon aus, dass die erfahrenen Gefühle und Bedürfnisse, die das Individuum in der frühen Persönlichkeitsentwicklung aufnimmt, im Gedächtnis und im Unterbewusstsein abgelegt werden. Diese würden das spätere Verhalten und Aufnehmen von Umwelteinflüssen bestimmen.

Bei der Frage, wie analog dieser Theorie Essstörungen entstehen können, werden acht Ursachen thematisiert, die ausnahmslos die These verfolgen, dass „[eine] Störung der Mutter-Kind-Beziehung in der oralen Phase“[8] vorhanden sei. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf die Darstellung von vier Ursachen, da diese in der heutigen Mediengesellschaft als besonders relevant erscheinen: Der Duktus sämtlicher Werbung zielt auf die Beeinflussung einer dieser vier Ursachen ab und prägen insofern Gesellschaft bzw. Verhalten in der Gesellschaft.

[...]


[1] Hrsg.: BZgA, Essstörungen – Was ist das? , S. 8

[2] Hrsg: Stahr, Barb-Priebe, Schulz, Essstörungen und die Suche nach Identität, S. 53

[3] Hrsg.: Ecarius, Eulenbach, Fuchs, Walgenbach, Jugend und Sozialisation, S. 247

[4] Hrsg.: Ecarius, Eulenbach, Fuchs, Walgenbach, Jugend und Sozialisation, S. 250

[5] Hrsg: Stahr, Barb-Priebe, Schulz, Essstörungen und die Suche nach Identität S. 53

[6] Hrsg.: Tenorth/ Tippelt, Lexikon Pädagogik, S. 584

[7] Hrsg.: Tenorth/ Tippelt, Lexikon Pädagogik, S.586

[8] Hrsg.: Stahr, Barb-Priebe, Schulz, Essstörungen und die Suche nach Identität, S. 58

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ansätze für die Ursachen von Essstörungen bei Mädchen und Frauen
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V190019
ISBN (eBook)
9783656148388
ISBN (Buch)
9783656148401
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Essstörungen
Arbeit zitieren
Kira Herzog (Autor), 2011, Ansätze für die Ursachen von Essstörungen bei Mädchen und Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190019

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