Können wir, bezogen auf das Arbeitsmarktelement Leiharbeit, von unserem Nachbarn Niederlande lernen?
Im zweiten Kapitel wird die Hartz-Kommission und deren Bericht kurz vorgestellt. Im dritten Kapitel gilt es zu klären, was Zeitarbeit ist und wie sie grundlegend funktioniert. Im vierten Kapitel werden die positiven Effekte der Zeitarbeit dargestellt. Das fünfte und sechste Kapitel sind der überwiegend deskriptive Teil. Hier wird die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den Niederlanden beschrieben. Wie ist die Zeitarbeit umgesetzt worden? Was sind die allgemeinen Rahmenbedingungen? Welche dieser Bedingungen führten zum Erfolg? Im darauf folgenden sechsten Kapitel wird die Situation auf dem Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik Deutschland beschrieben und gleichzeitig vergleichende Aspekte herausgearbeitet. Wie wird die Zeitarbeit durch die PSA umgesetzt? Die Reformmaßnahmen der niederländischen Arbeitsmarktpolitik im Hinblick auf die Leiharbeit werden danach analysiert, ob sie interessant und nachahmenswert sind. Hier werden die niederländischen Erfolgsbedingungen als Vergleichskriterien angewendet. Ist der Aufbau der PSA ein Schritt in die richtige Richtung oder besteht weiterer Reformbedarf? Nachdem ich einen „Blick über die Grenzen“ gewagt habe, spreche ich im letzen Kapitel die Debatte „Von den Nachbarn lernen“ an. Inwieweit sind die niederländischen Erfolgskonzepte der Leiharbeit auf die Bundesrepublik Deutschland übertragbar?
Die zentrale Hypothese, die dieser Arbeit zugrunde liegt, lautet: Das niederländische Konzept der Arbeitnehmerüberlassung ist nicht eins zu eins auf die Bundesrepublik Deutschland übertragbar.
Das Erkenntnisziel konzentriert sich dabei auf folgende Leitfrage: Welche Reformen sind notwendig, um in Deutschland Zeitarbeit als aktives Arbeitsmarktinstrument zu etablieren und somit erfolgreich die hohe Arbeitslosigkeit, zusammen mit anderen Instrumenten, zu bekämpfen? Sind die Gesetze „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“, speziell der Aufbau von PSA, ein erster Schritt?
Die wissenschaftliche Methode ist der Vergleich der beiden Zeitarbeitsmärkte in Deutschland und den Niederlanden anhand ausgewählter Vergleichskriterien und mit Hilfe empirischen Datenmaterials.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt - die Hartz-Kommission
3. Definition und Funktion von Zeitarbeit
4. Die positiven Effekte der Zeitarbeit
5. Die Situation auf dem Zeitarbeitsmarkt in den Niederlanden seit 1960
5.1. Umsetzung der Zeitarbeit
5.2. Die niederländischen Erfolgsbedingungen von Zeitarbeit
6. Die Situation auf dem Zeitarbeitsmarkt in der Bundesrepublik Deutschland seit 1960
6.1. Umsetzung der Zeitarbeit - Die Personal-Service-Agenturen (PSA)
6.2. Notwendige Reformen für eine erfolgreiche Umsetzung von Zeitarbeit
7. Die Niederlande: Beschäftigungspolitisches Vorbild?
8. Zusammenfassung
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, inwieweit das niederländische Modell der Arbeitnehmerüberlassung als Vorbild für den deutschen Arbeitsmarkt dienen kann, um die hohe Arbeitslosigkeit durch flexiblere Instrumente zu bekämpfen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Personal-Service-Agenturen (PSA) im Vergleich zu den niederländischen Erfahrungen.
- Vergleich der Zeitarbeitsmärkte in Deutschland und den Niederlanden
- Analyse der Reformen der Hartz-Kommission
- Untersuchung der strukturellen Erfolgsfaktoren des "holländischen Wunders"
- Evaluation des PSA-Konzepts als arbeitsmarktpolitisches Instrument
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die deutsche Arbeitsmarktpolitik
Auszug aus dem Buch
Die positiven Effekte der Zeitarbeit
Eine Reihe von ökonomischer Gesichtspunkte sprechen für die Zeitarbeit. Diese werden im Folgenden dargestellt:
− Senkung von Personalkosten
Zeitarbeit trägt dazu bei, dass die Personalkosten des Entleihers gesenkt werden. Dies geschieht durch die Senkung von Lohnnebenkosten aufgrund des Wegfalls von Arbeitgeberanteilen zur Sozialversicherung, das Entfallen von Weihnachtsgeld sowie der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall usw. Die Kosten für die Personalbeschaffung, Personaleinstellungen, Personaleinarbeitungen und Entlassungen verringern sich, da die Zeitarbeitsfirmen als Mittel der Personalrekrutierung dienen. Die Gesamtkosten sind leicht zu überschauen und zu kalkulieren.
Zeitarbeit hat im Vergleich zu anderen kurzfristigen Personalanpassungen (z.B. Überstunden) vor allem dann einen Rentabilitätsvorteil, wenn die Einsatzdauer maximal drei bis sechs Monate beträgt.
Der Verleiher zahlt den Lohn an den Leiharbeitnehmer. Also werden auch diese Personalkosten gesenkt, da nur die tatsächlich erbrachte Leistung bezahlt wird.
− Steigerung der Flexibilität
Für Entleiher ist das Ausleihen von Zeitarbeitnehmern ein angenehmer Weg, in Stoßzeiten relativ schnell an zusätzliche Arbeitskräfte zu kommen, welche in schlechteren Zeiten genauso schnell wieder an die Zeitarbeitsfirma zurückgegeben werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der hohen Arbeitslosenquote in Deutschland im Vergleich zum niederländischen Aufschwung und Einleitung der Forschungsfrage zur Übertragbarkeit des PSA-Konzepts.
2. Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt - die Hartz-Kommission: Vorstellung des Entstehungshintergrunds der Hartz-Kommission und der Leitidee "Fördern und Fordern".
3. Definition und Funktion von Zeitarbeit: Klärung des Begriffs Zeitarbeit auf Basis des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) und Erläuterung der beteiligten Akteure.
4. Die positiven Effekte der Zeitarbeit: Analyse ökonomischer Vorteile wie Kostensenkung, Flexibilisierung und Transparenz auf dem Arbeitsmarkt.
5. Die Situation auf dem Zeitarbeitsmarkt in den Niederlanden seit 1960: Historische Entwicklung der niederländischen Zeitarbeitsbranche von Schreibbüros hin zu einem integrierten Modell.
5.1. Umsetzung der Zeitarbeit: Beschreibung der praktischen Ausgestaltung und rechtlichen Rahmenbedingungen der Zeitarbeit in den Niederlanden.
5.2. Die niederländischen Erfolgsbedingungen von Zeitarbeit: Analyse von Lohnzurückhaltung, Konsensmodellen und arbeitsmarktpolitischen Interventionen als Erfolgsfaktoren.
6. Die Situation auf dem Zeitarbeitsmarkt in der Bundesrepublik Deutschland seit 1960: Übersicht über die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in der BRD und den rechtlichen Rahmen der Leiharbeit.
6.1. Umsetzung der Zeitarbeit - Die Personal-Service-Agenturen (PSA): Detaillierte Untersuchung des PSA-Konzepts als Kernstück des Hartz-Berichts zur schnellen Arbeitsmarktintegration.
6.2. Notwendige Reformen für eine erfolgreiche Umsetzung von Zeitarbeit: Differenzierung zwischen bereits umgesetzten Änderungen am AÜG und weiterem Reformbedarf für den Standort Deutschland.
7. Die Niederlande: Beschäftigungspolitisches Vorbild?: Synthese der Erkenntnisse und Einordnung des niederländischen Modells im Kontext der deutschen Wachstumskrise.
8. Zusammenfassung: Gegenüberstellung der gesetzlichen Regelungen und Zusammenfassung der Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch das PSA-Modell.
9. Schlussbetrachtung: Fazit zur Hypothese und Empfehlungen für eine notwendige Mentalitätsänderung in der deutschen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Zeitarbeit, Personal-Service-Agentur, Hartz-Kommission, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarktpolitik, Leiharbeit, Niederlande, Flexibilität, Lohngleichheitsgrundsatz, Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Beschäftigungseffekt, Integration, AÜG, PSA, Strukturwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Zeitarbeitsmärkte in Deutschland und den Niederlanden, um zu prüfen, ob die niederländische Erfolgsstrategie bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit als Vorbild für die deutschen Personal-Service-Agenturen dienen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Leiharbeit, das PSA-Konzept der Hartz-Reformen sowie die wirtschaftshistorische Entwicklung in beiden Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit das niederländische Konzept der Arbeitnehmerüberlassung auf Deutschland übertragbar ist und welche Reformen nötig sind, um Zeitarbeit erfolgreich als aktives Instrument gegen die Massenarbeitslosigkeit einzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt den vergleichenden Wohlfahrtsstaatsvergleich anhand ausgewählter Kriterien, unterstützt durch empirisches Datenmaterial und die Analyse offizieller Berichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine deskriptive Darstellung der Zeitarbeitsmärkte, eine detaillierte Analyse der PSA-Strukturen in Deutschland sowie eine vergleichende Betrachtung der niederländischen Erfolgsbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Zeitarbeit, Personal-Service-Agentur (PSA), Hartz-Reformen, Arbeitsmarktpolitik und das niederländische Beschäftigungsmodell.
Wie unterscheidet sich der niederländische Kündigungsschutz vom deutschen?
Der niederländische Kündigungsschutz ist strenger, da eine Entlassung regulär Beschäftigter oft einer expliziten Zustimmung des Regionaldirektors des Public Employment Service bedarf, während in Deutschland das AÜG den Fokus stärker auf die Regulierung der Überlassungsdauer legt.
Warum ist das PSA-Modell laut Autorin bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben?
Die Autorin führt an, dass viele Zeitarbeitsfirmen zu hohe Zuschüsse gefordert haben und die Integration von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt schwieriger verlief als geplant, was zu einer geringeren Anzahl an aktiven PSA führte.
- Citar trabajo
- Tina Dutschmann (Autor), 2003, Die Personal-Service-Agenturen in Deutschland - Zeitarbeit in den Niederlanden und Deutschland im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19003