„Nobody’s perfect“, weiß der Volksmund zu sagen. „Irren ist menschlich“, da ist er sich sicher. Vielleicht gerade deshalb wird wohl kaum ein Dogma der katholischen Kirche stärker diskutiert, kritisiert und umstritten. Wohl kaum ein Thema trennt die Befürworter und Kritiker des Glaubens mehr. Ein jeder hat eine Meinung, einen mehr oder weniger endgültigen und strikten Standpunkt, der ihn möglicherweise sogar vom Glauben und vor Allem von der Kirche ab- bzw. fernhält. „Wie kann ein Mensch unfehlbar sein?“, fragen die einen, „Natürlich macht der Papst als Gottesmann keine Fehler“, konstatieren die anderen. Doch wer hat Recht? Kann ein schlüssiges, theologisch-wissenschaftlich fundiertes Endergebnis gefunden werden, das für alle nachvollziehbar und logisch zu erklären ist, aber dennoch keinem Glaubensgrundsatz widerspricht oder die römisch-katholische Christenheit eines entscheidenden Guts beraubt? Wie hat sich die Thematik im Verlauf der Kirchengeschichte entwickelt, wann und wie ist die Frage aufkommen und wie lautet die tatsächliche Antwort und Entscheidung der Kirche? Die folgende Arbeit soll sich mit der Frage nach der Infallibilität und dem Jurisdiktionsprimat des Papstes beschäftigen, den Bogen zu vor Allem dem Ersten, aber auch dem Zweiten Vatikanischen Konzil schlagen und auch den damaligen Papst Pius IX. in den Kontext mit einbinden.
Dafür sollen zunächst die Biographie Papst Pius IX. und der Verlauf des Ersten Vatikanums skizziert werden, bevor die Begrifflichkeiten der Infallibilität und des Jurisdiktionsprimats des
Papstes näher betrachtet und erläutert werden. Im Anschluss wird der Bogen zum Zweiten Vatikanischen Konzil geschlagen, bevor die Bedeutung des Dogmas in die Entwicklung der Gesamtgeschichte des Papsttums eingebettet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Papst Pius IX.
2.1. Lebenslauf
2.2. Wirken
3. Das Erste Vatikanum
3.1. Vorgeschichte
3.2. Verlauf und Ergebnisse
3.3 Übergang und Ergebnisse des Zweiten Vatikanums
4. Jurisdiktionsprimat
4.1. Definition
5. Infallibilität
5.1. Definition
5.2. Voraussetzungen
5.3. Biblische Betrachtungen
5.4. Systematische Betrachtungen
5.5. Anwendungen
6. Das Dogma der Unfehlbarkeit im Verlauf der Kirchengeschichte
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die dogmatische Entwicklung der päpstlichen Infallibilität und des Jurisdiktionsprimats, eingebettet in den kirchengeschichtlichen Kontext vom Ersten bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil.
- Biografische Einordnung von Papst Pius IX.
- Analyse der Entstehung des Unfehlbarkeitsdogmas beim Ersten Vatikanum
- Kritische Betrachtung der biblischen und systematischen Voraussetzungen
- Ergänzung und Einordnung des Bischofsamtes durch das Zweite Vatikanum
Auszug aus dem Buch
3.2. Verlauf und Ergebnisse
Nachdem das Konzil am 8. Dezember 1869 eröffnet wurde, konnten insgesamt 791 Teilnehmer gezählt werden. Wo schon zuvor während der Vorbereitungen, kam es unverzüglich zu einer Spaltung zwischen einer Mehrheit von Teilnehmern, die sich für die Infallibilität aussprachen und wenigen anderen, die strikt dagegen waren. Während die Verfechter die Unfehlbarkeitsdefinition systematisch propagierten und somit den Großteil der Bevölkerung auf ihre Seite zogen, befürchteten die Gegner neben schwerwiegenden historischen und theologischen Bedenken vor Allem eine „Herauslösung des Papsttums […] aus dem ekklesialen Gesamtkontext“.
Nach unzähligen Debatten, Kritik- und Streitpunkten, einigte man sich schließlich einstimmig auf die Schrift Dei Filius, die als Dogmatische Konstitution verabschiedet wurde. Papst Pius IX. ergänzte schließlich die durch eine infallibilistische Mehrheit verabschiedete Vorlage des Konzils, die nur ein Kapitel über den Primaten enthielt, um ein weiteres Kapitel zur päpstlichen Unfehlbarkeit. Anschließend wurde erreicht, dass die Kapitel über den päpstlichen Primaten aus dem Kirchenschema herausgelöst und vorrangig behandelt wurden, sodass diese Anfang Mai 1870 als Konstitution Pastor aeternus vorgelegt wurden.
Diese bestand aus vier Kapiteln: der Einsetzung des Primats durch Christus in Petrus, der Fortdauer im Jurisdiktionsprimat und der Lehrinfallibilität. Zwar wurden im weiteren Verlauf des Konzils auch die Minderheiten noch zu Wort kommen gelassen und angehört, allerdings wurden keine weiteren Veränderungen mehr vorgenommen, die Standpunkte der beiden gegnerischen Parteien näherten sich so gut wie nicht mehr an. Innerhalb dieser Diskussionen forderte die Minorität eine stärkere Bindung der päpstlichen Unfehlbarkeit an die Gesamtkirche, die Majorität aber sah darin die Gefahr, im Ernstfall nicht die volle Verbindlichkeit päpstlicher Lehrentscheidungen erreichen zu können. Im Laufe weitere Uneinigkeiten und einer weiteren Verhärtung der Fronten reisten die Gegner der Konstitution ab, selbige wurde am 18. Juli in Abwesenheit feierlich verabschiedet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kontroversen rund um das Unfehlbarkeitsdogma und legt den Fokus auf die Untersuchung der päpstlichen Infallibilität sowie des Jurisdiktionsprimats.
2. Papst Pius IX.: Dieses Kapitel beschreibt den Lebenslauf und das Wirken von Pius IX., insbesondere seine Rolle bei der kirchlichen Zentralisierung.
3. Das Erste Vatikanum: Das Kapitel skizziert die Vorgeschichte, den Verlauf und die Ergebnisse des Konzils, das in der Konstitution Pastor aeternus gipfelte.
4. Jurisdiktionsprimat: Hier wird die Definition der vollen und höchsten Gewalt des Papstes sowie deren Erweiterung durch das Zweite Vatikanum erläutert.
5. Infallibilität: Das Kapitel behandelt die Definition, die Voraussetzungen sowie biblische und systematische Betrachtungen des Unfehlbarkeitsdogmas.
6. Das Dogma der Unfehlbarkeit im Verlauf der Kirchengeschichte: Diese Sektion setzt sich kritisch mit der historischen Entwicklung des Primatsanspruchs von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert auseinander.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zur historischen Entwicklung und zur dogmatischen Bedeutung der päpstlichen Autorität zusammen.
Schlüsselwörter
Infallibilität, Unfehlbarkeit, Papst Pius IX., Erstes Vatikanum, Zweites Vatikanum, Jurisdiktionsprimat, Pastor aeternus, Dogma, Kirchengeschichte, Petrusamt, Bischofskollegium, Ex cathedra, Dei Filius, Tradition, Katholische Kirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Bedeutung des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas und des Jurisdiktionsprimats im Verlauf der Kirchengeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle von Papst Pius IX., die Konzilsgeschichte (Vaticanum I & II) sowie die biblische und systematische Begründung kirchlicher Lehrautorität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der päpstlichen Machtansprüche historisch nachzuzeichnen und die Bedingungen für unfehlbare Lehrentscheidungen zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Analyse angewandt, die sich auf kirchengeschichtliche Quellen und dogmatische Konstitutionen stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Biografie von Pius IX., dem Ablauf des Ersten Vatikanums, der Definition des Primats und der Infallibilität sowie einer kirchengeschichtlichen Rückschau.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Infallibilität, Jurisdiktionsprimat, Papsttum, Vatikanische Konzilien und Dogmatik.
Warum spielt die Person von Papst Pius IX. eine so wichtige Rolle für das Dogma?
Pius IX. war maßgeblich an der Vorantreibung der kirchlichen Zentralisierung in Rom beteiligt und wollte das Dogma der Unfehlbarkeit zur Stärkung der geistlichen Macht des Papsttums festschreiben.
Was unterscheidet das Erste vom Zweiten Vatikanischen Konzil in Bezug auf die Unfehlbarkeit?
Während das Erste Vatikanum die Unfehlbarkeit des Papstes ex cathedra definierte, betonte das Zweite Vatikanum stärker die bischöfliche Kollegialität und die Einbindung in die Gesamtkirche.
Was bedeutet der Begriff „ex cathedra“ in diesem Zusammenhang?
Er beschreibt die höchste Lehrautorität des Papstes, unter der er in Glaubens- und Sittenfragen eine für die gesamte Kirche verpflichtende und definitive Entscheidung trifft.
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- Jennifer Peters (Author), 2011, Ein dogmengeschichtlicher Überblick der Entwicklung der päpstlichen Unfehlbarkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190051