Entstehung und Entwicklung der Atlantischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

26 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhalt

I. Am Vorabend des19.Jahrhunderts . Voraussetzungen für eine Atlantische Wirtschaft
1. Handelskompanien , Handelsstützpunkte , Siedlungskolonien
2. Menschliche Bewegungen
3. Industrielle Revolution

II. Definition und Versuch zur Chronologisierung der Entwicklung der Atlantischen Wirtschaft im 19.Jahrhundert

III. Die drei Phänomene der Atlantischen Wirtschaft im 19.Jahrhundert : internationaler Handel , internationale Kapitalbewegungen , Menschenströme
1. Der internationale Handel
1.1 Entwicklung und Struktur
1.2. Konvergenzprozess
1.3. Gründe für den boomenden Handel
2. Der Kapitalverkehr in der Atlantischen Wirtschaft
2.1. Die internationalen Investitionen
2.2 Gründe für die Entwicklung
3. Das Phänomen der Menschenbewegungen
3.1. Migrationen
3.2. Konvergenzprozess bei den Reallöhnen

IV. Abschließende Worte

Entstehung und Entwicklung der Atlantischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert

I. Am Vorabend des 19. Jahrhunderts. Voraussetzungen für eine Atlantische Wirtschaft

1.Handelskompanien , Handelsstützpunkte , Siedlungskolonien

Im Bezug auf das Thema halte ich für plausibel etwas weiter zurück in die Geschichte zu gehen , um die Zeit direkt vor dem 19. Jahrhundert zu analysieren . Die Frage hier ist – was ist geschehen am Vorabend , welche vorentscheidenden Ereignisse hatten Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung im westlichen Europa und in Nord Amerika in den nächsten hundert Jahren ?

Es ist vielleicht von Vorteil zuerst eine kurze Orientierung in Zeit und Raum zu geben, sowohl was diese Vorperiode betrifft , als auch im Bezug auf die Gesamtheit des Themas. Der Vorabend des 19. Jahrhunderts ist etwa von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis unmittelbar vor Anfang des 19. - also etwa zwischen 1750 bis 1800. Es ist 250 - 300 Jahre nach den geographischen Entdeckungen und der danach folgenden so genannten Expansion Europas in den Atlantischen Raum und dann weiter auf andere Kontinente und Meeren . In meinen Überlegungen werde ich mich fast ausschließlich dem Atlantischen Raum widmen und später , bei den Betrachtungen der drei Phänomene , dem eigentlichen Kern der Atlantischen Wirtschaft - Europa, vor allem das westliche , und Nord Amerika. Aber erstmals in dieser Einführung ist der ganze Atlantik einzubeziehen.

Ein wichtiger Punkt in der Zeit vor dem 19. Jahrhundert für die wirtschaftliche Entwicklung sind die Handelsgesellschaften , die so genannten Handelskompanien . Obwohl die Zeit der Gründungen der ersten weit Anfang des 17. Jahrhundert liegt , sind sie mit besonderer Aufmerksamkeit in Bezug auf die Entstehung und Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen Europa und der Neuen Welt zu beobachten . Am Vorabend des 19. Jahrhunderts findet die so genannte Dritte Gründungswelle der Handelskompanien statt .Sie begann um 1718 und reichte bis etwa 1740 . Nach den langen Kriegen mit Ludwig XIV. von Frankreich setzte in Europa ein wirtschaftlicher Aufschwung ein , der sich auf die Gründung von Handelskompanien auswirkte . Man sollte dabei die englischen und holländischen von den spanischen und portugiesischen unterscheiden - die ersten waren ausschließlich am Profit interessiert im Gegenteil zum „ monarchischen Kapitalismus „ der Spanier und Portugiesen ([1]).

So waren die sozio-geographischen Gegebenheit bei der Expansion Europas in den atlantischen Raum die wichtigsten Voraussetzungen für die verstärkte Rolle der Handelskompanien unmittelbar bis zum 19.Jahrhundert .Und die waren völlig anders als in Asien : in den neu entdeckten Gebieten Amerikas gab es keine Großreiche , die auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe wie die Europäer gestanden wären . Die dünne Besiedelung von großen Gebieten die klimatischen Bedingungen eigneten sich für die Einrichtung von Siedlungskolonien . In Amerika aber auch in Afrika existierte keine hoch entwickelte Wirtschaft wie in vielen asiatischen Regionen , und das Warenangebot war auf relativ wenige Produkte beschränkt . Die Europäer konnten deshalb vor allem in Amerika kaum an Handelsnetze anknüpfen und es mussten solche erst geschaffen werden .

Der Zeitfaktor anderseits war auch im Vorteil im atlantischen Raum im Vergleich zum Beispiel mit Asien . Eine Fahrt von Europa nach Asien nahm mindestens ein halbes Jahr in Anspruch , dagegen konnte man von Europa aus die afrikanischen oder die amerikanischen Atlantikküsten bereits in vier bis acht Wochen erreichen . Eine Folge davon war eine vermehrte Konkurrenz zwischen den europäischen Staaten . Und es waren eine Vielzahl davon aktive Spieler - neben Spanien und Portugal konkurrierten England , die Niederlande, Frankreich , Dänemark und Schweden miteinander . Später kam auch die Brandenburgische Kompanie dazu .

Die Handelskompanien waren stets bemüht ein möglichst großes Handelsnetz zu ihrem Nutzen zu errichten .Es boten sich drei Möglichkeiten , um sich in Übersee festzusetzen , und

zwar durch die Errichtung von Handelsstützpunkten , die Anlage von Siedlungskolonien und schließlich die von Plantagekolonien . In Nordamerika existierten neben Handelsstützpunkten auch Siedlungskolonien .In der Karibik und in Brasilien dominierte die Plantagenwirtschaft . An der afrikanischen Küste errichteten die einzelnen europäischen Handelsgesellschaften eine Kette von befestigten Stützpunkten für den Handel .

So waren die europäischen Handelskompanien wesentliche Voraussetzung und wichtiges Sprungbrett für die Entstehung eines atlantischen Handelssystems , das Europa mit der Neuen Welt verband . Für Europa und die europäischen Konsumenten öffneten die Handelskompanien eine „ größere Welt „ , eine gewaltige Ausdehnung des Handelsvolumens. Es bildete sich ein geschlossener Kreislauf - bei den Waren , die aus Amerika in Europa nachgefragt wurden , handelte sich um Massengüter aus den Plantagenkolonien . Zu diesen speziell für den europäischen Markt produzierten Waren zählten Zucker , Tabak und Farbhölzer , später auch Baumwolle , Kaffee und Kakao . Und aus dem nördlichen Nordamerika wurden hauptsächlich Pelze ausgeführt . Dagegen bot der expandierende atlantische Wirtschaftsraum aufgrund der Abhängigkeit des Plantagenkomplexes vom Import von Produktionsmitteln , Nahrungsmittel und Gebrauchsgütern Absatzmöglichkeiten für europäische Werkzeuge , Gewerbeprodukte und Industriegüter . Die Rohstoffe aus der Neuen Welt waren Basis für den Aufbau von neuen und das Wachstum von bestehenden Produktionszweigen , sowie Basis für Reexporte in diejenigen europäischen Länder , die keine Kolonien besaßen .

2. Menschliche Bewegungen

Die neu geschaffenen Absatzmöglichkeiten wurden durch die Auswanderungen aus Europa begünstigt . Für die neuen demographischen Verhältnissen in Amerika haben die Handelskompanien große und bedeutende Rolle gespielt . Wenn noch in bescheidener Maße im Vergleich zu den Massenauswanderungen im 19.Jahrhundert , die Einsiedler in der Neuen Welt bedeuteten Vergrößerung der Absatzmöglichkeiten . Nach den Schätzungen bis 1760 ( abzüglich der nach Europa Zurückkehrenden ) wanderten rund 869 000 Engländer , 678 000 Spanier , 523 000 Portugiesen , 100 000 Franzosen und nur 20 000 Niederländer

nach den beiden Amerikas [2]) . Anderseits haben diese Auswanderungen die Bevölkerungsentwicklung in den Mutterländern kaum beeinträchtigt – das Bevölkerungswachstum ist typisch für dieses Zeitalter und selbst begünstigt die Absatzsituation in Europa , durch sich kontinuirlich vergrößernde Märkte .

Aber wie schon oben erwähnt - sind diese Prozesse des Bevölkerungswachstums und gleichzeitig ununterbrochene Auswanderungen aus den europäischen Staaten nur ein kleines Vorspiel im Vergleich zu den gewaltigen demografischen Veränderungen im folgenden 19. Jahrhundert .

3. Industrielle Revolution

Eine weitere Voraussetzung am Vorabend des 19. Jahrhunderts , die kardinale Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und die des Handels hatte , ist die revolutionäre industrielle Veränderung , die so genannte Industrielle Revolution . Dieser Prozess ist so vielschichtig gewesen , mit seinen Ausprägungen in soziologischer , wirtschaftlichen Hinsicht , dass hier nicht die Notwendigkeit besteht , eine grundlegende Erklärung zu geben. Wichtig für das Thema ist , dass seit der Hälfte des 18. Jahrhunderts in England eine neue Produktionsweise Fuß fasste , die auf technischen Innovationen basierte , und deren Kernstück das Fabrikwesen war . Menschliche Arbeit wurde zunehmend durch Maschinen ersetzt und lebende Energiequellen durch unbelebte.

Die beträchtliche Bedeutung für positive die Entwicklung in der Produktion und Handel ist mit Ausführungen zusammenzufassen : es wurde dramatische Steigerung der Outputmengen erreicht [3]) ; eine sich vergrößernde Vielzahl von Industriewaren ; die Produktionskosten wurden nach und nach reduziert ; später in Folge der weiteren technischen Entwicklung wurden die Transportkosten auch extrem nach unten gedrückt.

Eine weitere Reihe von technischen Erfindungen hatte auch sehr positiven Einfluss auf eine Beschleunigung in der Entwicklung der Wirtschaft und Handel überhaupt , und in unserem Fall der Atlantischen Wirtschaft - auf dem Gebiet der Kommunikationen gab es grundlegende Innovationen , nämlich das Telefon und das Telegraph , die die Logistik des Welthandels entscheidend veränderten und auch Kostensenkungen brachten .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Erfolg der industriellen Revolution ist aber nicht einzeln der privaten Initiative

und Investitionen von einzelnen Unternehmern zu verdanken ; die Regierung ( die

englische ) hat auch einen entscheidenden Beitrag geleistet wobei sie die notwendigen

Voraussetzungen und das passende Umfeld einer liberalen Wirtschaft entschlossen und gezielt schuf .Ihre Aktivitäten hatten ihren Höhepunkt Ende des 19. Jahrhunderts und die Vollkommenheit war erst dann zu beobachten , aber für Geschwindigkeit der industriellen Revolution , und dadurch indirekt der Entstehung und Entwicklung eines Teils der Atlantischer Wirtschaft waren dadurch noch Ende des 18.Jahrhunderts spürbar .

An erster Stelle schuf die Regierung eine entsprechende gesetzliche Basis , wobei sie neues „ privat law „ verabschiedete , das besondere Aufmerksamkeit der Organisierung der ökonomischen Aktivitäten schenkte . An zweiter Stelle richtete sich die Regierung auf die Modernisierung der „ institutionellen „ Infrastruktur , wobei sie zahlreiche neue Institutionen gründete , die das flexible Operieren der freien Marktwirtschaft sowohl im Inland als auch in den Beziehungen mit dem Ausland förderte .Der Meilenstein dieser Modernisierung war die Aufstellung einer Zentralbank mit der Aufgabe , die Stabilität der nationalen Währung zu sichern , die Gold-Konvertibilität von Papiergeld zu garantieren und ein sicheres System der Kreditierung der Wirtschaft zu organisieren . Auf dieser Art schuf die Notenbank die Voraussetzungen für eine disziplinierte Haushaltspolitik . Der Fokus auf monetärer Stabilität diente außerdem dazu , die Mobilität von Kapital und Liberalisierung des Außenhandels zu fördern .

An dritter Stelle kümmerte sich die englische Regierung um die Modernisierung der „materiellen„ Infrastruktur , und besonders der Kommunikationen , des Transportsystems und der Versorgung mit Energie . In manchen Fällen wie Straßen- , Kanal- und Eisenbahnbau und Stromerzeugung und –versorgung überließ sie es ganz oder teilweise privaten Unternehmen . Dagegen im Bereich der postalischen , telegraphischen und telephonischen Dienstleistungen war ausschließlich sie aktiv . [4])

So sah der Vorabend des 19. Jahrhunderts aus - eine relativ günstige Situation zum Aufbruch in neue noch intensivere wirtschaftliche Beziehungen im Atlantischen Raum , sich miteinander verbindende Ökonomien vor allem in West Europa und im nördlichen Amerika .

[...]


1) Valentinitsch( 2001),S.57

2) Landsteiner (2001), S.113

3) Landsteiner (2001), S.128

4) van der Wee(2000), S.19

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Entstehung und Entwicklung der Atlantischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Nordamerika-Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar
Note
3,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V19010
ISBN (eBook)
9783638232418
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist auch für Amerikanistik und Wirtschaftsgeschichte geeignet.
Schlagworte
Entstehung, Entwicklung, Atlantischen, Wirtschaft, Jahrhundert, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Nikolay Loulov (Autor), 2003, Entstehung und Entwicklung der Atlantischen Wirtschaft im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19010

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