Gender!
Welches sind die ersten Assoziationen, die Hörer/innen damit verbinden? Soziologische, philosophische, psychologische oder medizinische Abhandlungen?
Ich möchte mich in dieser Hausarbeit der Thematik „Geschlecht“ (gender) auf literarischer Ebene nähern. Hierfür werde ich die Werke As You Like It von William Shakespeare und Orlando von Virginia Woolf nach der Darstellung des Geschlechts analysieren und fragen:
Kann gender sichtbar gemacht oder gar in irgendeiner Weise codiert werden? Gibt es Äußerlichkeiten, an denen das soziale Geschlecht manifestiert werden kann? Was geschieht mit dem Subjekt bei einem Geschlechtswechsel? Verändern sich dann die Sprache des jeweiligen Individuums oder sein/ ihr Umgang mit anderen menschlichen Wesen?
Als Ausgangspunkt dient mir das Betrachten des sozialen Geschlechts (gender) als kulturell bedingte Konstruktion, welches ich insbesondere anhand der Figuren Rosalind aus As You Like It (1600) und Orlando aus dem gleichnamigen Roman Orlando (1928) von Virginia Woolf veranschaulichen will.
Dafür habe ich meine Arbeit thematisch gegliedert. Dabei untersuche ich die Figuren von „außen nach innen“. Das heißt, ich werde zuerst den Körper als Objekt beleuchten und mich mit der Wirkung von Kleidung als Verkleidung auseinandersetzen. Daneben beschreibt dieses Kapitel, wie sich die Körpersprache mit der Maskerade und einem Geschlechtswechsel verändern kann. Das darauf folgende Kapitel schildert die „inneren“, sprachlichen Veränderungen, die eine Transformation des Geschlechts bedingen kann. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Figuren zu Anderen vor und nach dem Wechsel des Geschlechts, um Gemeinsamkeiten oder etwaige Unterschiede feststellen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Körper-Inszenierung/ Geschlecht(s)-Inszenierung
2.1 Verkleidung als „äußerlicher“ Wechsel des Geschlechts
2.2 Körpersprache – die Codierung des Geschlechts?
3. Der Wandel der Sprache mit dem Geschlechtswechsel
4. Die Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen mit der Transformation des Geschlechts
5. Schlussbetrachtung
6. Primärtexte und Literaturverzeichnisse
6.1 Primärtexte
6.2 Literaturverzeichnis zu William Shakespeare
6.3 Literaturverzeichnis zu Virginia Woolf
6.4 Literaturverzeichnis zum Forschungsgegenstand „gender“
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Geschlecht (gender) in William Shakespeares "As You Like It" und Virginia Woolfs "Orlando". Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Geschlecht durch Kleidung, Körpersprache und Sprache codiert und transformiert wird, um die Stabilität der binären Geschlechterordnung kritisch zu hinterfragen.
- Körper-Inszenierung als Mittel der Geschlechtsdarstellung
- Einfluss von Verkleidung und Maskerade auf die Identität
- Sprachliche Veränderungen bei einem Geschlechtswechsel
- Wandel zwischenmenschlicher Beziehungen durch die Transformation des Geschlechts
- Dekonstruktion binärer Geschlechternormen
Auszug aus dem Buch
2.1 Verkleidungen als „äußerlicher“ Wechsel des Geschlechts
In As You Like It und Orlando wird die Geschlecht(s)-Inszenierung vermittels äußerer Attribute markiert. Bei diesen Beifügungen avanciert vor allem die Kleidung zum wesentlichen Unterscheidungskriterium für den „Wechsel des Geschlechts“.
Die Kleidung wird zu einer Verkleidung, die das anatomische Geschlecht verhüllt. Diese Maskerade erlaubt es den Figuren neue Identitäten anzunehmen.
Ein Beispiel par excellence stellt Rosalind dar, die von ihrem Onkel und Usurpator Duke Frederick aufgefordert wird, den Hof und das Schloss in der Zeit von zehn Tagen zu verlassen, oder Gefahr läuft, getötet zu werden. Aus diesem Grund flieht sie in den Forest of Arden und „verwandelt“ sich dort zu Ganymede.
Zwecks dessen verändert sie ihren Namen und ihre Bekleidung. Trugen sie und ihre Cousine Celia im Schloss noch Kleider mit “petticoats” (Act 1, Scene 3, line 15), so beschließt Rosalind als „Mann“:
“A gallant curtle-axe upon my thigh,
A boar-spear in my hand […]”
zu tragen. Obwohl sie diese Entscheidung auf ihre Körpergröße zurückführt, hätte Rosalind auch “poor and mean attire” (Act 1, Scene 3, line 109) – wie ihre Cousine – anziehen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Geschlechterkonstruktion und Vorstellung der Forschungsfragen sowie des methodischen Vorgehens anhand der Werke von Shakespeare und Woolf.
2. Körper-Inszenierung/ Geschlecht(s)-Inszenierung: Untersuchung der Körperinszenierung als Mittel der Geschlechtszuschreibung unter Einbezug von Verkleidung und Körpersprache.
2.1 Verkleidung als „äußerlicher“ Wechsel des Geschlechts: Analyse der Kleidung als zentrales Instrument zur Maskerade und zur Annahme neuer Geschlechtsidentitäten bei Rosalind und Orlando.
2.2 Körpersprache – die Codierung des Geschlechts?: Betrachtung der mimischen und gestischen Codierung von Geschlecht und wie diese die Wahrnehmung der Figuren beeinflusst.
3. Der Wandel der Sprache mit dem Geschlechtswechsel: Untersuchung der Frage, ob und wie sich der Sprechakt und die Rhetorik der Figuren nach einem Geschlechtswechsel verändern.
4. Die Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen mit der Transformation des Geschlechts: Analyse, wie sich die Kommunikation und zwischenmenschliche Dynamik bei den Figuren durch die Geschlechtstransformation verändert.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Reflexion über die Performativität von Geschlecht und das Hinterfragen binärer gesellschaftlicher Konstruktionen.
6. Primärtexte und Literaturverzeichnisse: Dokumentation der verwendeten Primärliteratur sowie des Sekundärschrifttums zu Shakespeare, Woolf und den Gender Studies.
Schlüsselwörter
Geschlechterkonstruktion, Gender, Sex, As You Like It, Orlando, Inszenierung, Maskerade, Körperhaltung, Identität, Zweigeschlechtlichkeit, Performativität, Transformation, Cross-dressing, Androgynie, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Geschlecht als soziale Konstruktion in den literarischen Werken "As You Like It" und "Orlando" dargestellt und durch die Figuren Rosalind und Orlando aktiv inszeniert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der physischen Inszenierung des Körpers durch Kleidung, der Bedeutung von Körpersprache, der sprachlichen Veränderung bei einem Geschlechtswechsel sowie der Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll geklärt werden, ob Geschlecht sichtbar oder codierbar ist, was mit der Identität bei einem Geschlechtswechsel geschieht und wie diese Werke die binäre Geschlechterordnung dekonstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin wählt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz und untersucht die Figuren von „außen nach innen“, wobei sie die Transformationen der Charaktere hinsichtlich Körper, Sprache und Sozialverhalten gegenüberstellt.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Körperinszenierung (Kleidung und Körpersprache), die sprachlichen Veränderungen der Figuren durch den Geschlechtswechsel sowie die Auswirkungen auf ihre sozialen Interaktionen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind die Begriffe Gender, Konstruktion, Maskerade, Performativität und die kritische Beleuchtung der binären gesellschaftlichen Geschlechtervorstellungen.
Wie unterscheidet sich die Geschlechtstransformation bei Rosalind von der bei Orlando?
Rosalind vollzieht den Wechsel hauptsächlich durch Kleidung (Cross-dressing) in einer Theatersituation, während bei Orlando im Roman eine anatomische Veränderung (Sex) hinzukommt, was die Komplexität der Identitätsfindung weiter intensiviert.
Welche Rolle spielt die Sprache bei der Geschlechtsdarstellung in den untersuchten Werken?
Die Sprache fungiert als Indikator: Während Rosalinds Sprache durch die Theatersituation stark auf ihre Rolle als Mann ausgerichtet ist, zeigt sich bei Orlando eine beständige Identität, die nicht gender-institutionalisiert ist und somit keine strikte Trennung aufweist.
- Citation du texte
- Riccarda J. Schneider (Auteur), 2007, Die Darstellung von Geschlechterkonstruktionen in William Shakespeares "As You Like It" und Virginia Woolfs "Orlando", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190127