Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane

Vom Wesen des Religiösen


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Biographie und geschichtlicher Rahmen

3) Das Heilige und das Profane
3.1 Das Heilige bei Rudolf Otto
3.2 Das Heilige und das Profane bei Eliade
3.2.1 Der homo religiosus
3.2.2 Das Tor zum Transzendenten
3.2.3 Der profane Mensch

4) Kritik und Rezeption
4.1 Kritik an Eliade als Wissenschaftler
4.2 Eliades Wunsch der Remythisierung der Welt

5) Schlussbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Anhang

1) Einleitung

Um Religionswissenschaft zu betreiben, muss man sich in verschiedene Wissensgebiete einarbeiten und sich ein gewisses Grundwissen aneignen. Jedoch merkt man ziemlich schnell, dass viele Begriffe nicht leicht zu definieren sind. Ein sehr gutes Beispiel ist in diesem Fall das Dichotomiekonstrukt „Heilig/Profan“.

As soon as one attempts to give a clear statement of the nature, the modality of that opposition, one strikes difficulty. No formula, however elementary, will cover thelabyrinth complexity of the facts.[1]

Viele bedeutende Religionswissenschaftler haben auf ihre Art versucht das Heilig-Profan-Phänomen zu erklären und begreiflich zu machen. Rudolf Otto und Gerardus van der Leeuw versuchen mit dem gleichen anthropologischen Ansatz an das Problem heranzugehen, und stellen den Menschen als homo religiosus dar. Während der Theologe Nathan Söderblom sehr historisch geleitet vorgeht, und sich auf philosophisches sowie religionsgeschichtliches Material beruft, sind Ottos und van der Leeuws Vorgehensweisen eher von Ahistorizität und Irrationalität geprägt.

Auch ihre Erkenntnistheorien unterscheiden sich voneinander; Ottos und van der Leeuws Methode sind durch Erleben, Hermeneutik und Subjektivität charakterisiert. Söderbloms Weg ist ebenfalls vom Erleben gekennzeichnet, jedoch legt er zusätzlichgroßen Wert auf Historiologie.

Doch nicht nur Religionswissenschaftler und –historiker beschäftigen sich mit dem Dualismus des Heiligen und des Profanen. So sieht der französische Soziologe Durkheim den Menschen als homo duplex.[2] Ihm zufolge gehört das Heilige dem sozialen Teil des Bewusstseins an, da die Ideen und Empfindungen von einer Kollektivität hervorgebracht werden. Das Profane hingegen ist das Produkt von Gefühlen und Gedanken von einigen Individuen, also vom individuellen Bewusstseinszustand des Menschen.[3]

Anhand der zahlreichen Auslegungen von „Heilig und Profan“, wird klar, dass es schwierig oder gar unmöglich ist eine intersubjektiv „korrekte“ Definition von „Heilig/Profan“ auszumachen. Wie kann man Religionswissenschaft betreiben, ohne überhaupt zu wissen, was diese Schlüsselwörter aussagen und was sie bedeuten?

Mircea Eliade entwickelt eine neue Herangehensweise: er vereint das positivistische und das phänomenologische Konzept seiner Vorgänger und löst eine kreative Hermeneutik der Erscheinung des Heiligen, welche er als eine zweifellose Wahrheit ansieht, aus. Ein Merkmal seiner Definition von Heilig und Profan lautet: “The sacredis not the profane and the profane is not the sacred.“[4]

Aber weshalb ist Eliade heute noch ein bedeutender und einer der meistgelesenen Religionswissenschaftler?

Ich werde in dieser Hausarbeit zuerst auf einige der wichtigsten Ereignisse aus Eliades Leben eingehen, danach kurz Rudolf Ottos Konzept des „Heiligen“ erläutern, da Eliades Das Heilige und das Profane an dieses anknüpft, und verschiedene Aspekte übernimmt. Nachfolgend lege ich Eliades Idee des profanen und religiösen Menschen und dessen Zentrum dar, sowie die dazugehörige Kritik von Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen.

2) Biographie und geschichtlicher Rahmen

Mircea Eliade war Literat, Historiker, „Spezialist der Religionsgeschichte und des Studiums von Mythen“,[5] Religionswissenschaftler und Religionsphänomenologe. Er wurde am 9. März 1907 in Bukarest, als zweites von drei Kindern eines Armeeoffiziers geboren. Schon als Student war er ein sehr aktiver Schriftsteller und schrieb zahlreiche Artikel für verschiedene Zeitschriften. Dank seines Mentors NaeIonescu, wurde er 1926 von der Zeitschrift „Cuvântul“ als bezahlter und festangestellter Redakteur eingestellt. Nach Abschluss seines Philosophiestudiums an der Universität Bukarest, reiste er 1928 nach Indien, um, mit der Unterstützung des Maharadschas Manindra Chandra Nandy von Kassimbazar, an der Universität von Kalkutta Sanskrit und indische Philosophie zu studieren.[6] Als er ein Verhältnis mit der Tochter seines Mentors und Mitschülers Dasgupta anfing, wurde er von diesem aus seinem Haus geworfen, worauf er nach Rishikesh reiste und sechs Monate Yoga erlernte und studierte. Nach Fertigstellung seiner Doktorarbeit, kehrte er nach Rumänien zurück um dort seiner Pflicht im Wehrdienst nachzukommen. Nach seiner Ernennung zum Ph.D. 1933, assistierte er seinen früheren Mentor Ionescu, einen Logik- und Metaphysikprofessor, und den „ideologischen Führer“ der „Legion des Erzengels Michael“, einer christlich-nationalistischen, antibolschewistischen und antisemitischen „Erneuerungsbewegung“,[7] welche unter dem populäreren Namen „Eiserne Garde“ bekannt war. Eliade wurde durch Ionescu in die Gruppe integriert, bestritt jedoch später, Mitglied der „Eisernen Garde“ gewesen zu sein, obwohl er viele Bekannte und Freunde hatte, die dieser Bewegung angehörten.[8] 1933 erhielt er den Tekirghiol-Eforia-Preisfür sein Werk Maitreyi welches zum besten Roman eines jungen Schriftstellers gewählt wurde und in welchem er seine romantischen Erfahrungen in Indien aufarbeitet. Er veröffentlichte während den dreißiger Jahren noch einige Romane, darunter auch Ş arpele, ein Werk, das dazu führte, dass man ihn der Pornographie beschuldigte und der Grund war, warum die Landesbehörde ihn von seinem Lehrstuhl an der Universität entließ.

1937 war ein wichtiges Jahr für Eliades Entwicklung zum Religionswissenschaftler, denn er benutzte zum ersten Mal Begriffe wie „Heilig“, „Profan“ und behandelte Themen wie „Kosmos und Chaos“ und die Symbolik des Zentrums. Da er unter dem Verdacht stand Mitglied der „Eisernen Garde“ zu sein, wurde er 1938 von der Regierung verhaftet und gedrängt ein Dokument zu unterschreiben, welches besagte dass er aus der Bewegung austreten würde. Dies verweigerte er jedoch. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er zum „kulturellen Attaché“ der rumänischen Gesandtschaft in London berufen. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau im November 1944, lud Georges Dumézil ihn nach Paris ein, um an der „Ecole des Hautes Etudes“ zu lehren. Später, anfangs der fünfziger Jahre, reiste er durch Europa und hielt Vorlesungen an einigen Universitäten. Er begann jedoch in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, bis er ein Angebot aus Amerika erhielt, um an der Chicagoer Universität als Gastprofessor zu lehren. Hier wurde er 1957 fest angestellt. Zu dieser Zeit publizierte er wichtige Werke wie Das Heilige und das Profane und Ewige Bilder und Sinnbilder.1962, zwei Jahre nachdem er an chronischer Polyarthritis erkrankte, wurde er zum „Sewell Avery Distinguished Service Professor of the History of Religions” ernannt. Trotz seiner Krankheit lehrte er bis 1983 an der Universität von Chicago und erhielt zahlreiche Ehrentitel von Universitäten aus der ganzen Welt. Er starb am 22. April 1986 an einem Hirnschlag.[9]

3) Das Heilige und das Profane

3.1 Das Heilige bei Rudolf Otto

Der evangelische Theologe und Religionshistoriker Rudolf Otto geht in seinem noch heute oft zitierten Buch Das Heilige genauer auf das Wesen und die Erklärung des „Heiligen“ ein. Er sieht das „Heilige“ als den zentralen Punkt in der Religion und unterscheidet in seiner Religionstheorie den christlichen Gottesbegriff und das „Numinose“. Das Erstgenannte spiegelt eine persönliche Macht wider, welche von einer göttlichen „Person“ ausgeübt wird, während das Numinose eine „nicht-personale“, selbst erfahrbare Kraft darstellt.[10] Nach Otto entsteht Letztere, in dem man der Religion ihre rationalen Momente abstrahiert:

[…] einen besonderen Terminus zu erfinden, der dann bezeichnen soll das Heilige minus seines sittlichen Momentes, und wie wir nun gleich hinzufügen, minus seines rationalen Momentes überhaupt.[11]

Otto unterstreicht in seinem 1917 erschienenen Werk, dass es sich bei seiner Erläuterung von „Heilig“ prinzipiell nicht um Begriffe wie „Gott“ oder „Religion“ handelt, sondern vielmehr um die religiöse Erfahrung und Macht, welche der religiöse Mensch erlebt. Er kann diese Macht auf zwei Weisen empfinden; es kann sein, dass er bei dem Erlebnis des Numinosen ein Gefühl der Bedeutungslosigkeit, der tiefen Betroffenheit verspürt und sich bewusst wird, dass er ein Wesen ist, welches im „eigenen Nichts versinkt und vergeht gegenüber dem, was über aller Kreatur ist“.[12] Der religiöse Mensch bemerkt bei dieser Erfahrung eine „furchtbare Macht die sich im göttlichen ‚Zorn‘ manifestiert“.[13] Otto nennt dieses Gefühl auch noch das „Kreaturgefühl“[14] oder „ mysteriumtremendum“, welches das Gegenstück zum„ mysteriumfascinosum“, der religiösen Ehrfurcht, bildet.[15]

[...]


[1] Caillois, Roger: Man andtheSacred, Glencoe, Illinois: Free Press ofGlencoe, 1959, S.13.

[2] Durkheim sagt dass der Mensch zwei Bewusstseinszustände besitzt; den Sozialen und den Individuellen.

[3] Farace, Dominic J.: The Sacred-Profane Dichotomy: A Comparative Analysis ofitsUse in the Work of Emile Durkheim and Mircea Eliade, asFarasPublished in English, ohne Ort: ohne Verlag, 1982, S. 19 (im Folgenden: Farace, Dominic J.: The Sacred-Profane Dichotomy).

[4] Farace, Dominic J.: The Sacred-Profane Dichotomy, S. 16.

[5] Vgl. „Eliade, Mircea”, in:LibrairieLarousse (Hrsg.): Petit Larousse illustré 1984,Paris: Librairie Larousse,1984, S.1299 [Übersetzung des Verfassers].

[6] Dubuisson, Daniel: Impostures et pseudo-science: L’oeuvre de Mircea Eliade, Villeneuve d’Ascq: Presses Universitaires du Septentrion, 2005, S. 24 (im Folgenden: DUBUISSON, Impostures et pseudo-science).

[7] „Eiserne Garde“, in: Lexikon-Institut Bertelsmann (Hrsg.): Bertelsmann Universal Lexikon, Gütersloh: Bertelsmann Lexikon, 1991, S.220 (im Folgenden: Bertelsmann, Universal Lexikon).

[8] Die Legion des Erzengels Michael, bekannter unter dem Namen „Eiserne Garde“ wurde 1927 von Codreau gegründet. Der regierungsfeindlichen Gruppe wurde Terrorismus und Unterstützung des Nationalsozialismus vorgeworfen, so dass sie schließlich 1941 verboten und aufgelöst wurde. [Vgl. „Eiserne Garde“, in: Fackel Buchklub (Hrsg.): Das Fackel Lexikon, Wiesbaden,Brockhaus, 1955 und„Eiserne Garde“, in: Bertelsmann, Universal Lexikon, S.220.].

[9] Vgl. Olson, Carl: The TheologyandPhilosophyof Eliade: A Search fortheCentre, (Library ofPhilosophyand Religion), Basingstoke u.a.: Macmillan, 1992, S. 1-7 (im Folgenden: Olson, The TheologyandPhilosophyof Eliade).

[10] Vgl. Auffahrt, Christoph: „Heilige, das“, in: Christoph Auffarth u.a. (Hrsg.): Wörterbuch der Religionen, Stuttgart: Alfred Kröner, 2006, S. 206.

[11] Otto, Rudolf: Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen, Breslau: 1917, S. 6 (im Folgenden: Otto, Das Heilige).

[12] Vgl. Otto, Das Heilige, S. 10.

[13] Vgl. Eliade, Mircea: Das Heilige und das Profane: Vom Wesen des Religiösen, Frankfurt am Main/Leipzig: Insel Verlag, 1998, S. 13 (im Folgenden: Eliade, Das Heilige und das Profane).

[14] Vgl. Otto, Das Heilige, S. 10.

[15] Vgl. Reschika, Richard: Mircea Eliade zur Einführung, (Zur Einführung; 160), Hamburg: Junius, 1977, S. 62 (im Folgenden: Reschika, Mircea Eliade zu Einführung).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane
Untertitel
Vom Wesen des Religiösen
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Religionswissenschaft)
Veranstaltung
Geschichte der Religionswissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V190131
ISBN (eBook)
9783656145615
ISBN (Buch)
9783656146001
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mircea, eliade, heilige, profane, wesen, religiösen
Arbeit zitieren
Loic Schweicher (Autor), 2011, Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190131

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