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Zur Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt im Erwachsenwerden/-sein von Menschen mit geistiger Behinderung

Eine qualitative Untersuchung der Elternperspektive

Title: Zur Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt im Erwachsenwerden/-sein von Menschen mit geistiger Behinderung

Diploma Thesis , 2011 , 109 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marco Ferchland (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht der familiale Ablöseprozess, d.h. die Ablösung vom Elternhaus als Neu-/Umgestaltung der Eltern-Kind-Beziehung, die sich im räumlichen Auszug aus dem elterlichen Haushalt manifestiert. Für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Eltern vollzieht sich der Ablöseprozess unter Bedingungen, die eine gelingende und zufriedenstellend erlebte Neu-/Umgestaltung der Eltern-Kind-Beziehung erschweren können. Davon ausgehend, dass Eltern eine besondere Bedeutung in Hinblick auf den Auszug von Tochter/Sohn mit geistiger Behinderung haben, wurden die Vorstellungen von Eltern bezüglich Erwachsenwerden/-sein und Auszug von Tochter/Sohn mittels einer qualitativ orientierten empirischen Untersuchung exploriert und gedeutet. Im Rahmen von sechs problemzentrierten Interviews wurde mit Eltern, deren Tochter/Sohn bereits ausgezogen ist, und Eltern, deren Tochter/Sohn bislang nicht ausgezogen ist, über ihre Vorstellungen bezüglich Erwachsenwerden/-sein im Allgemeinen und Erwachsenwerden/-sein ihrer Tochter/ihres Sohnes gesprochen. In der Analyse der Interviews wird deutlich, dass die Eltern unterschiedliche Kriterien und Merkmale bezüglich Erwachsenwerden/-sein im Allgemeinen sowie von Tochter/Sohn äußern: Es finden sich einerseits übergreifende objektive und verhaltensnahe Kriterien, andererseits bestehen Diskrepanzen in Bezug auf psychologisch orientierte Kriterien der Individuation. Es wird deutlich, dass die interviewten Eltern das Erwachsenwerden/-sein ihrer Tochter/ ihres Sohnes auf eine bestimmte Einstellung des sozialen Umfelds beziehen – die Präsumtion von Erwachsenwerden/-sein stellt daher ein weiteres Kriterium des Erwachsenwerdens/-seins von Tochter/Sohn dar. Erwachsenwerden/-sein von Menschen mit geistiger Behinderung ist auf ein Umfeld angewiesen, das Prozesse der Weiterentwicklung von Selbständigkeit und Selbstbestimmung ermöglicht und begünstigt – im Zusammenhang mit dem Auszug aus dem elterlichen Haushalt betrifft das v.a. die institutionellen Bedingungen und die professionellen Assistenz- und Unterstützungspersonen. Vor diesem Hintergrund ist es zu befürworten, den Themenkomplex Erwachsenwerden/-sein im Rahmen von Aus-, Fort- und Weiterbildung oder Supervision aufzugreifen, sodass Mitarbeiter/innen entsprechender Einrichtungen und Institutionen eigene subjektive Vorstellungen über Erwachsenwerden/-sein im Allgemeinen und von Menschen mit geistiger Behinderung im Besonderen reflektieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

1.1 Problemaufriss

1.2 Fragestellung, Bezugsrahmen, Vorgehensweise, Anliegen

2 Thematische Annäherungen

2.1 Erwachsenwerden/-sein

2.1.1 Erwachsenwerden/-sein als individueller Entwicklungsprozess

2.1.2 Zur Bedeutung von Altersnormen im Erwachsenwerden/-sein

2.2 Erwachsenwerden/-sein und Auszug von Menschen mit geistiger Behinderung – Zum aktuellen empirischen Forschungsstand

2.3 Fazit

3 Empirische Untersuchung

3.1 Leitfragen, Zielsetzung

3.2 Untersuchungsplanung

3.3 Kennzeichnung und Begründung des qualitativen Forschungsansatzes

3.4 Datenerhebung: Darstellung und Begründung

3.4.1 Überblick

3.4.2 Problemzentriertes Interview nach Witzel

3.4.3 Interviewleitfaden

3.4.4 Auswahl der Interviewpartner/innen, Kontaktaufnahme

3.5 Datenauswertung: Darstellung und Begründung

3.5.1 Überblick

3.5.2 Datenaufbereitung: Computergestützte Transkription

3.5.3 Kategorienbildung, Kodieren und Analyse mit MAXQDA

3.6 Ergebnisse

3.6.1 Durchführung und Ablauf der Interviews

3.6.2 Auswertung der Interviews

3.6.2.1 Auswertungskategorie: Vorstellungen über Erwachsenwerden/-sein

3.6.2.2 Auswertungskategorie: Tochter/Sohn

3.6.2.3 Auswertungskategorie: Rekonstruktion Auszugsprozess

3.6.2.4 Auswertungskategorie: Antizipation Auszugsprozess

3.6.2.5 Auswertungskategorie: Erfahrungen mit Professionellen

3.6.3 Interpretation und Deutung

3.7 Reflexion Forschungsprozess

4 Schlussbetrachtungen

4.1 Zusammenfassendes Fazit und Diskussion

4.2 Ausblick, Perspektiven, Handlungsansätze für professionelle Praxis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt für den Prozess des Erwachsenwerdens von Menschen mit geistiger Behinderung, wobei die subjektive Perspektive der Eltern im Zentrum steht. Es wird analysiert, wie Eltern diesen Übergang wahrnehmen, welche Vorstellungen sie mit dem Erwachsenwerden verknüpfen und welche Rolle institutionelle sowie persönliche Faktoren in diesem Prozess spielen.

  • Bedeutung des familialen Ablöseprozesses für Menschen mit geistiger Behinderung.
  • Einfluss von Altersnormen auf die Wahrnehmung des Erwachsenwerdens.
  • Erfassung elterlicher Vorstellungen durch problemzentrierte Interviews.
  • Kategorisierung und Auswertung von Erfahrungen bezüglich des Auszugsprozesses.

Auszug aus dem Buch

1.1 Problemaufriss

Umschreibungen wie reif, fertig, ausgewachsen, autonom und verantwortlich sein verweisen auf alltagsweltliche Vorstellungen von Erwachsensein (vgl. Walter 2005, 161); das Bild von einem reifen Erwachsenen als fertige Persönlichkeit entfaltet in idealisierender Weise normative Wirkung in Hinblick auf Selbstverantwortung, Eigenständigkeit, Berufsfähigkeit, finanzielle Unabhängigkeit, Partnerschaft, Familie, Elternschaft eines erwachsenen Menschen. Erwachsensein ist einerseits positiv konnotiert, beispielsweise entfallen mit dem Erreichen eines bestimmten Alters Restriktionen und es erhöhen sich Freiheitsgrade: Mit der juristischen Volljährigkeit, d.h. mit der Vollendung des achtzehnten Lebensjahres, werden das Recht auf Autofahren, das uneingeschränkte Wahlrecht sowie die volle Geschäftsfähigkeit erlangt, das Verbot des Rauchens in der Öffentlichkeit entfällt, das Abgabeverbot von branntweinhaltigen Getränken endet, die höchste Altersgrenze bei Medien (FSK und USK) wird überschritten.

Andererseits geht mit der juristischen Volljährigkeit auch eine erhöhte Verantwortlichkeit für das eigene Handeln einher, so wird von einer Deliktsfähigkeit Volljähriger ausgegangen, zudem kann das allgemeine Strafrecht zur Anwendung kommen. Erwachsensein ist assoziiert mit einer durch Normen, Erwartungen und Sanktionen verankerten Erwachsenenrolle (z.B. das Siezen von Erwachsenen), Erwachsenen wird ein Bewusstsein über ihre Interessen und Fähigkeiten sowie die Abgeschlossenheit von Identitätsbildung und Berufsfindung unterstellt.

In diesem Alltagsverständnis wird Menschen mit geistiger Behinderung das Erwachsenwerden und -sein abgesprochen: Indem kognitive Defizite, Abhängigkeit von anderen Menschen und herabgesetzte Verhaltensstabilität betont werden, wird die prinzipielle Unerreichbarkeit des Erwachsenenstatus unterstellt; Menschen mit geistiger Behinderung werden infantilisiert mit der Folge einer »Attribuierung der unselbständigen Kinderrolle im defizitären Status lebenslanger unmündiger Abhängigkeit mit eingeschränktem Lebensraum« (Walter 1987 zit. n. Bloemers 2005).

Demgegenüber ist jedoch davon auszugehen, dass Vorstellungen von Erwachsensein gesellschaftlich-historischen Veränderungen und einem sozio-kulturellen Wandel unterliegen. Zudem betonen humanwissenschaftliche Befunde dynamische und prozesshafte Anteile von Erwachsensein im Sinn von Erwachsenwerden: Ausgehend von der Annahme einer lebenslangen Identitätsbildung angesichts einer lebenslangen anthropologischen Entwicklungsbedürftigkeit und -fähigkeit sowie der prinzipiellen Plastizität und Lernfähigkeit des Menschen erscheint die Vorstellung von Erwachsensein als statischem Endzustand unzutreffend.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Hinführung zum Thema, Darlegung des Problemaufrisses und Definition des Bezugsrahmens sowie der Forschungsfrage der Arbeit.

2 Thematische Annäherungen: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff Erwachsenwerden/-sein und dem aktuellen Forschungsstand zur Ablösung bei Menschen mit geistiger Behinderung.

3 Empirische Untersuchung: Detaillierte Darstellung der Untersuchungsplanung, der Datenerhebung mittels problemzentrierter Interviews sowie der methodischen Auswertung der Ergebnisse.

4 Schlussbetrachtungen: Zusammenfassung der Ergebnisse, Diskussion der wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie Ausblick und Empfehlungen für die professionelle Praxis.

Schlüsselwörter

Erwachsenwerden, Erwachsensein, geistige Behinderung, Ablösungsprozess, Auszug, Elternperspektive, qualitative Forschung, problemzentriertes Interview, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Normalisierung, Selbstbestimmung, Lebenslauf, Altersnormen, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt im Prozess des Erwachsenwerdens von Menschen mit geistiger Behinderung, wobei die Perspektive der Eltern als zentrale Bezugspersonen im Mittelpunkt steht.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind der familiale Ablöseprozess, subjektive Vorstellungen vom Erwachsensein, der Einfluss von Altersnormen und die Bedingungen, unter denen ein Auszug aus dem Elternhaus gelingen kann.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die subjektiven Kriterien und Vorstellungen von Eltern bezüglich des Erwachsenwerdens ihrer Kinder mit geistiger Behinderung zu explorieren und zu analysieren, wie sich diese auf den Auszugsprozess auswirken.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, konkret das problemzentrierte Interview (PZI) nach Witzel, um die individuellen Deutungsmuster der Eltern zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit diskutiert?

Neben theoretischen Fundierungen zur Entwicklungspsychologie und zur Soziologie des Erwachsenwerdens präsentiert der Hauptteil die empirische Untersuchung, inklusive der Kategorisierung und Interpretation der geführten Interviews.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Studie?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erwachsenwerden, Ablösungsprozess, Elternperspektive, qualitative Forschung und Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung kennzeichnen.

Wie gehen die befragten Eltern mit dem Thema Auszug um?

Die Arbeit zeigt, dass Eltern den Auszug ambivalent erleben; einerseits wird er als notwendiger Entwicklungsschritt für die Autonomie des Kindes gesehen, andererseits ist er mit Ängsten, Sorgen und dem Bedürfnis nach Sicherheit für das Kind verbunden.

Was schließt die Arbeit aus den Ergebnissen für die pädagogische Praxis?

Die Arbeit regt an, den Ablöseprozess in der professionellen Begleitung verstärkt zu thematisieren und subjektive Vorstellungen von Eltern sowie die individuelle Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt der Beratung zu stellen, anstatt nur an starren Normen festzuhalten.

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Details

Title
Zur Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt im Erwachsenwerden/-sein von Menschen mit geistiger Behinderung
Subtitle
Eine qualitative Untersuchung der Elternperspektive
College
University of Marburg  (Fachbereich Erziehungswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Marco Ferchland (Author)
Publication Year
2011
Pages
109
Catalog Number
V190183
ISBN (eBook)
9783656201564
ISBN (Book)
9783656201618
Language
German
Tags
Menschen mit geistiger Behinderung geistige Behinderung Erwachsenwerden erwachsen Auszug Adoleszenz qualitative Forschung Erwachsensein Ablösung Ablöseprozess geistig behinderte Menschen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marco Ferchland (Author), 2011, Zur Bedeutung des Auszugs aus dem elterlichen Haushalt im Erwachsenwerden/-sein von Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190183
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