Einleitung
Klinische Behandlungspfade sind ein derzeit im deutschen Gesundheitswesen kontrovers diskutiertes Thema. Besonders Ärzte haben die Befürchtung, durch die Einführung von Behandlungspfaden in ihrer Behandlungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Es ist eine Herausforderung für das Management eines Krankenhauses, diese Bedenken zu entkräften und die einzelnen Berufsgruppen an einem Tisch zusammenzuführen, damit sie gemeinsam die effektivste und effizienteste Behandlungsweise für die Patienten erarbeiten. Die Autorinnen halten das Thema „Klinische Behandlungspfade“ für sehr interessant, weil es sowohl unter Management- und Qualitätssicherungsaspekten als auch unter pflegerisch-medizinischen und ethischen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Da zur Zeit der Kostendruck im Gesundheitswesen in aller Munde ist, bedienen sich die Autorinnen in dieser Arbeit der ökonomischen Betrachtungsweise. Im Rahmen der Untersuchung werden jedoch immer wieder Schnittstellen zu den anderen Aspekten aufgezeigt, da das Wesen eines Behandlungspfades nur interdisziplinär erfasst werden kann.
Die Leitfrage der Autorinnen ist, ob Behandlungspfade in einem kontinuierlichen Qualitätsverbesserungsprozess Kosten transparent machen und als Instrument zur Kostenreduktion einsetzbar sind. Als Methode wurden Literatur- und Internetrecherche, Expertengespräche und die Teilnahme an Fachvorträgen auf dem Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ 2002 in Berlin angewandt. Das Ziel der Arbeit ist die Darstellung des betriebswirtschaftlichen Nutzens von Behandlungspfaden in Krankenhäusern. Das Untersuchungsdesign wurde wie folgt gewählt: Aus der Definition und den Zielen von Behandlungspfaden werden Untersuchungsthesen abgeleitet. Diese werden anhand bereits bestehender Modellprojekte und betriebswirtschaftlicher Instrumente überprüft.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Begriff des Behandlungspfades
1.1. Die Begriffe „clinical“ und „critical“ pathway
1.2. Das Begriffsverständnis im Kontext dieser Arbeit
2. Die Ziele des klinischen Behandlungspfades
3. Die Untersuchungsthesen
4. Betrachtung der internationalen und nationalen Situation bei Behandlungspfaden an ausgewählten Beispielen
4.1. Klinische Behandlungspfade im angloamerikanischen Sprachraum
4.1.1. USA
4.1.2. Australien
4.2. Schweiz
4.3. Deutschland
4.3.1. Pilotprojekt Patientenpfade im Krankenhaus München-Schwabing (KMS)
4.4. Zusammenfassung
5. Die Erstellung eines Pfades
5.1. Grundlegende Voraussetzungen
5.2. Entwurf, Datenerfassung und Analyse
5.3. Die Kostenanalyse
5.4. Tauschbörse und Clearingstelle
5.5. Zusammenfassung
6. Behandlungspfade unter betriebswirtschaftlichen Aspekten
6.1. Behandlungspfade und DRG
6.2. Behandlungspfade und Benchmarking
6.3. Behandlungspfade und Controlling
6.4. Zusammenfassung
7. Darstellung des Gesamtergebnisses anhand der Untersuchungsthesen
7.1. Klinische Behandlungspfade schaffen Kostentransparenz und sind in Verbindung mit den DRG ein effektives Managementinstrument
7.2. Durch die Einhaltung von klinischen Behandlungspfaden kann die Verweildauer gesenkt werden
7.3. Klinische Behandlungspfade machen erforderliche Ressourcen transparent
7.4. Klinische Behandlungspfade machen die Falldokumentation übersichtlich und somit die Krankenhäuser untereinander vergleichbar
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den betriebswirtschaftlichen Nutzen klinischer Behandlungspfade in deutschen Krankenhäusern vor dem Hintergrund steigenden Kostendrucks. Ziel ist es zu analysieren, ob diese Pfade als Instrument zur Kostentransparenz und Kostenreduktion innerhalb eines kontinuierlichen Qualitätsverbesserungsprozesses eingesetzt werden können.
- Grundlagen und Definition klinischer Behandlungspfade
- Methodik der Pfaderstellung unter Einbeziehung des PDCA-Zyklus
- Betriebswirtschaftliche Analyse: Zusammenhang mit DRG, Benchmarking und Controlling
- Internationaler Vergleich (USA, Australien, Schweiz)
- Fallbeispiel: Pilotprojekt Krankenhaus München-Schwabing
Auszug aus dem Buch
6.2. Behandlungspfade und Benchmarking
Unter Benchmarking versteht man „(...) in den USA entwickelte Informationstechnik des strateg. (...)Controllings, bei der in einem kontinuierl. Verfahren Wertschöpfungsprozesse, Managementpraktiken, Produkte oder Dienstleistungen mit anderen Unternehmen (Wettbewerbs – B.) oder zw. Geschäftseinheiten des eigenen Unternehmens (internes B.) in systemat. und detaillierter Form verglichen werden. Ziel ist, Leistungslücken aufzudecken und Anregungen für Verbesserungen zu gewinnen (Abk.: Orig.! d.V.).“40 Benchmarking dient der Ermittlung des „(...)“best in class“ (...) Bei der Auswahl des Vergleichsunternehmens ist auf die Vergleichbarkeit (z.B. Branche, Region, Produktionsprogramm, Größe, Alter), die Möglichkeit der Datengewinnung sowie die Methode der Datenauswertung zu achten (...)“41 Im Krankenhaus bedeutet dies für die Autorinnen folgendes: Ziel des internen Pfad Benchmarkings ist, die einzelnen Abteilungen dazu anzuspornen, eigene Pfade zu erstellen und kontinuierlich zu überprüfen. Die Handlungen sollen hinterfragt werden, gute Ansätze der anderen Abteilungen sollen adaptiert oder gegebenenfalls übernommen werden.
Auch können sich die einzelnen Abteilungen mit ihren Erfahrungen gegenseitig beraten und gemeinsame Pfadbestandteile (z.B. Diagnostik) untereinander austauschen. Somit werden neben dem in jedem Fall qualitätsverbessernd wirkenden Anspruch, die effizienteste und effektivste Abteilung im Unternehmen sein zu wollen, auch personelle Ressourcen eingespart, da nicht jede Abteilung alle Bestandteile ihrer Pfade originär erarbeiten muss. Hierfür ist allerdings eine gut funktionierende Projekt und Steuerungsgruppe notwendig.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Behandlungspfaden im Kontext des Kostendrucks und definiert das Ziel, den betriebswirtschaftlichen Nutzen dieses Instruments zu untersuchen.
1. Der Begriff des Behandlungspfades: Dieses Kapitel klärt die Herkunft und die begriffliche Abgrenzung von "clinical" und "critical" pathways sowie deren Verständnis innerhalb der Arbeit.
2. Die Ziele des klinischen Behandlungspfades: Hier werden die primären Ziele wie Patientenversorgung, Qualitätssicherung und betriebswirtschaftliche Optimierung dargelegt.
3. Die Untersuchungsthesen: Basierend auf den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen werden zentrale Thesen zur Wirksamkeit von Behandlungspfaden formuliert.
4. Betrachtung der internationalen und nationalen Situation bei Behandlungspfaden an ausgewählten Beispielen: Dieses Kapitel vergleicht internationale Ansätze mit der Entwicklung in Deutschland und stellt ein Praxisbeispiel vor.
5. Die Erstellung eines Pfades: Der Prozess der Pfaderstellung wird anhand des PDCA-Zyklus, einschließlich Ist-Analyse und Implementierung, detailliert beschrieben.
6. Behandlungspfade unter betriebswirtschaftlichen Aspekten: Es wird analysiert, wie Behandlungspfade als Instrumente für DRG, Benchmarking und Controlling zur Kosteneffizienz beitragen.
7. Darstellung des Gesamtergebnisses anhand der Untersuchungsthesen: Die zuvor aufgestellten Thesen werden anhand der Erkenntnisse kritisch evaluiert und der Nutzen zusammenfassend bewertet.
Schlüsselwörter
Behandlungspfade, Clinical Pathways, Krankenhausmanagement, Controlling, DRG, Benchmarking, Kostentransparenz, Prozesskostenrechnung, Fallpauschalen, Qualitätssicherung, Krankenhausfinanzierung, Patientensicherheit, Ressourcenmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von klinischen Behandlungspfaden als betriebswirtschaftliches Steuerungsinstrument für Krankenhäuser in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Management von Versorgungsprozessen, die Integration von DRG-Systemen, Kostenanalyse, Benchmarking und die Verbesserung der Behandlungsqualität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung des betriebswirtschaftlichen Nutzens von Behandlungspfaden zur Kostensenkung, Ressourcenkontrolle und zur Steigerung der Transparenz in Krankenhäusern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine Kombination aus Literatur- und Internetrecherche, Experteninterviews sowie der Auswertung von Fachvorträgen angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Erstellung von Pfaden nach dem PDCA-Zyklus, der internationalen Marktsituation und der betriebswirtschaftlichen Anwendung von Pfaden in Controlling, Benchmarking und DRG-Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Behandlungspfade, Kostentransparenz, DRG, Prozesskostenrechnung, Controlling und Qualitätsmanagement.
Welche Rolle spielt das Pilotprojekt in München-Schwabing?
Es dient als praxisnahes Beispiel für die erfolgreiche Implementierung einer systematischen Patientenpfad-Struktur in einem Krankenhaus der Maximalversorgung.
Warum ist die Tauschbörse für Krankenhäuser relevant?
Sie ermöglicht kleineren Kliniken den Zugang zu standardisierten Pfadmodellen, um die hohen Entwicklungskosten und Risiken bei der DRG-Einführung zu minimieren.
- Quote paper
- Christina Mark (Author), Stefanie Hasselbach (Author), 2002, Die betriebswirtschaftliche Bedeutung von Behandlungspfaden für Krankenhäuser in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19018