Die Mediensysteme Deutschlands und der USA

Ein Vergleich nach Daniel C. Hallin und Paolo Mancini


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Drei Modelle nach Hallin und Mancini
2.1. Polarized Pluralist Model
2.2. Democratic Corporatist Model
2.3. Liberal Model

3. Das deutsche Mediensystem

4. Das amerikanische Mediensystem

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Menschen in den unterschiedlichsten Ländern nutzen Medien um sich zu informieren, zu unterhalten oder um sich auszutauschen. Allerdings nicht in allen Ländern der Welt auf die gleiche Art und Weise. Im Laufe der Zeit und den technischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen, haben sich in jedem Land eigene Mediensysteme gebildet. Diese zeichnen sich durch ökonomische, politische, soziale und kulturelle Eigenschaften einer Gesellschaft aus und bestehen aus verschiedenen Subsystemen, wie Rundfunk, Presse und Online- Medien. Die vielfältigen Unterschiede zwischen den Gesellschaften verschiedener Länder spiegeln sich auch in den Mediensystemen wider. Doch wie unterschiedlich sind diese Systeme von Land zu Land, von Kultur zu Kultur? 1956 stellten Siebert, Peterson und Schramm, bereits die Frage: „Why is the press as it is? Why does it apparently serve different purposes and appear in widely different forms in different countries“ (Siebert et al. 1956: 1). Zeitungen, Rundfunk und seit Neuestem das Internet entwickelten sich keineswegs gleichförmig in allen Ländern. Jedes Land mit der jeweiligen Politik und Kultur hat starken Einfluss auf die Entwicklung seines Mediensystems. So steuert die Politik vor allem die Rahmenbedingungen zur Entfaltung der Medien, während die Kultur großen Einfluss auf das Rezipientenverhalten ausübt.

Doch wie sehen die Mediensysteme nun im Einzelnen aus? Mit Fokus auf den Mediensystemen Deutschlands und den Vereinigten Staaten von Amerika soll diese Hausarbeit aufzeigen, wie sich die Mediensysteme jeweils entwickelt haben und wie sie heute existieren. Beide Länder haben eine ganz unterschiedliche Geschichte und damit auch eine unterschiedliche Entstehung der Medien und Mediensysteme. Wo liegen die Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten? Kann man ein System als das “Bessere” bezeichnen? Wie wird das neue Medium Internet in die Mediensysteme eingebunden, wie verändert und beeinflusst es bereits existierende Systeme? Neue Medien verursachen immer auch eine Veränderung im Mediensystem, seit der Entstehung der Zeitung, über die Entwicklung des Radios bis zur Einführung des Fernsehens.

Nach einer Analyse der Entwicklung der Medienmärkte, dem politischen Parallelismus, der journalistische Professionalität, sowie den Staatsinterventionen können die jeweiligen Mediensysteme der Theorie der drei Modelle von Daniel C. Hallin und Paolo Mancini zugeordnet, und miteinander verglichen werden.

2. Drei Modelle nach Hallin und Mancini

Hallin Und Mancini stellten 2004 drei Modelle auf, um Mediensysteme verschiedener Länder miteinander zu vergleichen. Sie zeigen Parallelen und Unterschiede auf, um die jeweiligen Länder anschließend den Modellen Polarized Pluralist, Democratic Corporatist, und Liberal Model zuordnen zu können.

2.1. Polarized Pluralist Model

Zu dem Polarized Pluralist Model gehören Mediensysteme, die eine auflagenschwache Presse aufweisen, von einem dirigistischen Staat mit zahlreichen staatlichen Interventionen geprägt sind, und in denen ein eher subjektiver und politischer Journalismus beheimatet ist. Die Medien in diesen Systemen vertreten häufig die politischen Standpunkte der jeweiligen Regierungen und sind generell stark mit der Politik verknüpft. Das zeigt sich in einer stark subventionierten Presse, sowie Anteilen der Regierungen an Medienorganisationen in Form von Aktien und Unternehmensanteilen, sowie dem daraus resultierenden Einfluss der Politik auf die einzelne Unternehmenspolitik und -führung, wie zum Beispiel die Ernennung von Vorständen. Zu Erklären ist dies hauptsächlich durch die generell schwache Entwicklung der kommerziellen Presse und einer geringen Auflage und Zirkulation der einzelnen Zeitungen.

Außerdem sind die Zeitungen in dem polarisiert pluralistischem Modell laut Hallin und Mancini nicht nur politisch, sondern auch religiös orientiert und sprechen immer bestimmte Zielgruppen der Gesellschaft an. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 22ff)

Vorzufinden ist das Polarized Pluralist Model hauptsächlich in den südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Frankreich. Teilweise hatten die in den jeweiligen Ländern herrschenden Diktaturen Einfluss auf die Entwicklung von Zensuren und Beschlagnahmungen verschiedener Publikationen, inzwischen liberalisierten sich die Systeme jedoch größtenteils. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 119f) Journalistische Professionalität definiert sich hier nicht allein über recherchierte Fakten. Erst die Kommentare und Meinungen machen diese zu einer lesenswerten Meldung. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 131) Aufgabe der Medien ist es, politische Ideologien und Meinungen zu verbreiten und Aufmerksamkeit zu lenken. Zum Beispiel orientiert sich in Spanien das Radio-Netzwerk COPE an religiösen und politischen Idealen und auch in Italien wird mit diesem Umstand ganz offen umgegangen und die Medien machen keinen Hehl aus ihren politischen und religiösen Orientierungen und der mit ihnen sympathisierenden Seite. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 101ff)

2.2. Democratic Corporatist Model

Das Democratic Corporatist Model, auch The North/Central European Modell genannt, findet man in Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Belgien, Österreich und der Schweiz. Es basiert auf der Idee der Machtteilung und Erweiterung des Wohlfahrtstaates. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 143f) Kennzeichnend ist ein lediglich moderater, politischer Pluralismus, sowie eine gut verankerte Selbstkontrolle der Medien. Im Gegensatz zu den Ländern des Polarized Pluralist Model haben die Länder im Democratic Corporatist Model eine auflagenstarke Presse. Norwegen, Finnland und Schweden gehören zu den auflagenstärksten Ländern der Welt (vgl. Hallin/Mancini 2004: 23). In diesen Ländern bildete sich schon vor dem 18. Jahrhundert eine hohe Alphabetisierung (vgl. Hallin/Mancini 2004: 148) und Industrialisierung und wirtschaftlicher Wachstum führten zur Kommerzialisierung der Zeitung, was einen starken Anstieg der Auflagenzahl und Periodizität zur Folge hatte. Ende des 20. Jahrhunderts erreichte die kommerzielle Presse ihren Höhepunkt. Im Gegensatz zur politischen Presse wurden die kommerziellen Medien objektiver und unabhängiger von den jeweiligen Regierungen.

Dennoch greift der Staat in den meisten Democratic Corporatist Ländern im Sinne des Wohlfahrtstaates in die Rundfunklandschaft ein. Vor allem zum Zwecke der Sicherung der sogenannten Grundversorgung, die einen gewissen Bildungs- un Informationsstandart im Fernsehen garantieren soll, aber auch im Bereich des Jugendschutzes oder zur Regulierung krimineller und pornographischer Inhalte existieren Medienregulationen im Bereich des öffentlichen Rundfunks. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 160ff) Die Selbstkontrolle der Medien besteht aus journalistischen Moralkodizes und Ethiken, wie dem Pressecodex. Nach diesen Leitfäden für Journalismus handeln Journalisten im Democratic Corporatist Model trotz hoher politischer Parallelen relativ autonom und professionell. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 173f)

2.3. Liberal Model

Das dritte Modell ist das Liberal Model, zu dem Kanada, Großbritannien und Irland gehören. Es zeichnet sich durch eine stark professionalisierte Presse, große Distanz zur Politik sowie eine mittlere Auflagenzahl aus. Der Staat greift hier nur gering in die Medienlandschaft ein und so konnte sich früh eine freie, kommerzielle Presse, die „Mass-circulation press“ (Hallin/Mancini 2004: 199), entwickeln. Ähnlich wie in den Democratic Corporatist Ländern führten eine hohe Alphabetisierungsrate, sowie wirtschaftlicher Aufschwung zu diesem Ergebnis. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 23) Im Vordergrund steht die Objektivität, Neutralität und Unabhängigkeit des Mediensystems vom Staat. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 203) Auch wenn bestimmte Medien einer politischen Richtung zugeordnet werden können ist tatsächliche Parteilichkeit nur vereinzelt vorzufinden. Wie beim Democratic Corporatist Model werden auch hier bestimmte Ethiken und Moralkodizes eingehalten und sichern dem Journalismus einen hohen Standard an Professionalität. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 223f)

Die Unterschiede zu den beiden anderen Modellen liegen in der Privatisierung im Mediensektor und dass es keinen Wohlfahrtsstaat in dem Sinne gibt. Der Markt regelt sich selbst und Angebot bestimmt die Nachfrage, das führt zu „market- friendly news“ (Hallin/Mancini 2004: 227). Pressefreiheit steht hier an erster Stelle, sodass hier es keine konkreten Gesetze, wie zum Beispiel das Recht auf Gegendarstellung, gibt. Grundlegende Gesetze wie Jugendschutz und Kontrolle der Gewalt und Pornographie in den Massenmedien sind in den Gesetzen dennoch verankert.

3. Das deutsche Mediensystem

Professionalität, politische Unabhängigkeit, Neutralität und Objektivität sind die wichtigsten Merkmale des Journalismus in Deutschland.

„Die Nachricht muß wahr sein, den Tatsachen entsprechen, sie muß möglichst frei von persönlichen Auffassungen und Gefühlen des Berichtenden, von Werturteil und Zwecksetzungen sein, sie muß sich auf tatsächliche Vorgänge beschränken.“ (Groth 1928: 484)

Erreicht wird dieser Standard durch freiwillige Selbstkontrolle der Journalisten, sowie den Pressecodex mit seinen Normen, Moralethiken und Kodizes. Die wichtigsten Inhalte des Pressecodex sind:

- Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
- Nachrichten und Informationen sind auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.
- Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich richtig zu stellen.
- Bei der Recherche dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden. Die vereinbarte Vertraulichkeit und das Berufsgeheimnis sind zu wahren.
- Redaktionelle Veröffentlichungen dürfen nicht durch private oder geschäftliche Interessen der Journalisten, Verleger oder Dritter beeinflusst werden. Eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Werbung ist ebenso notwendig wie die Verweigerung der Annahme von Vorteilen.
- Die Presse achtet das Privatleben, die Intimsphäre sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Menschen.
- Unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, Ehrverletzung, Veröffentlichungen, die das sittliche oder religiöse Empfinden verletzen, und eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität sind nicht zulässig.
- Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden. (Vgl. Presserat 2008)

Kontrolliert und aufgestellt wird der Pressecodex vom deutschen Presserat, der sowohl den Schutz der Pressefreiheit, als auch die Selbstkontrolle der journalistischen Berufsethik kontrolliert. (Vgl. Wiedemann 1992: 180ff) Diese aufgestellten Normen sind allerdings lediglich Richtlinien und können bei Verstoß allenfalls gerügt werden.

Abgesehen von der freiwilligen Selbstkontrolle der Medien existieren vom Staat erlassene Gesetze wie das Strafgesetz und die Landespressegesetze um die Inhalte der Medien staatlich zu kontrollieren. Das Landespressegesetz enthält verbindliche Grundsätze wie die Freiheit der Presse, das Informationsrecht der Presse, die Zulassungsfreiheit, aber auch die Sorgfaltspflicht, den Gegendarstellungsanspruch und den Datenschutz. Für den Rundfunk gelten die Rundfunkstaatsverträge. (Vgl. GVBl. 2003 S340ff) Weiterhin stehen den Journalisten und Bürgern eigene Rechte und Pflichten zu. Hier gelten neben Anderen das Erwiderungsrecht, Schutz der Privatsphäre und vor Volksverhetzung, Regulationen für Wettkampf, Eigentum und Rundfunk Lizenzen. Außerdem schränkt die Bundesregierung in Deutschland den Zugang zu politischen Informationen ein. So wird zum Beispiel die Presse von Informationen aus den Parlamentsausschüssen abgeschirmt. (Vgl. Kleinsteuber 2003: 82)

Die Entwicklung der Medien in Deutschland begann schon früh im 17. Jahrhundert mit den ersten regelmäßig erscheinende Zeitungen. (Vgl. Hallin/Mancini 2004: 148) Während diese zu Beginn des 17. Jahrhunderts nur einmal wöchentlich erschienen, verkürzte sich die Periodizität in wenigen Jahren und schon 1650 erschien die „Einkommende Zeitungen“ fünfmal die Woche. (Vgl. Stöber 2000: 69) Im Laufe der letzten Jahrhunderte hat sich die Auflagenzahl und Anzahl der Zeitung stetig erhöht und heutzutage bietet sich in Deutschland eine der größten und vielfältigsten Zeitungslandschaften der Welt. Die tägliche Gesamtauflagenzahl lag im Jahr 200 bei rund 28 Millionen, die Bild Zeitung druckt davon allein über 3 Millionen Auflagen täglich und gehört damit zu einer der auflagenstärksten und meistverkauften Zeitungen weltweit. (Vgl. IVW 2005)

Auch das Wesen und die Art der Berichterstattung der Zeitung in Deutschland veränderte sich in den letzten Jahrzehnten.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Mediensysteme Deutschlands und der USA
Untertitel
Ein Vergleich nach Daniel C. Hallin und Paolo Mancini
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Medienstrukturen und –organisationsformen
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V190192
ISBN (eBook)
9783656146469
ISBN (Buch)
9783656146810
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hallin, Mancini, Polarized Pluralist Model, Democratic Corporatist Model, Liberal Model
Arbeit zitieren
Maximilian Schrader (Autor), 2011, Die Mediensysteme Deutschlands und der USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190192

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