In der Malerei Kahlos konstituieren sich Performanz, Körper, Sex und Gender, Serialität und Identität. Folgende Werke wurden in Betracht gezogen: Autorretrato con collar de espinas / Selbstbildnis mit Dornenhalsband (1940), La columna rota / Die zerbrochene Säule (1944),
Frieda Kahlo y Diego Rivera / Frieda Kahlo und Diego Rivera (1931), serielle Darstellung einiger Selbstbildnisse (1926-1951), Las dos Fridas / Die zwei Fridas (1939), La máscara / Die Maske (1945).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Mariana Schüler)
2. Frida Kahlos Kurzbiographie (Friederike Treccosti)
3. Performanz (Mariana Schüler)
4. Körper (Mariana Schüler)
5. Sex und Gender (Mariana Schüler)
6. Serialität (Friederike Treccosti)
7. Identität (Friederike Treccosti)
8. Fazit (Friederike Treccosti)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das künstlerische Werk von Frida Kahlo losgelöst von einer rein biographischen Betrachtung zu untersuchen und stattdessen durch eine kulturwissenschaftliche Analyse neu zu interpretieren, wobei der Fokus auf der performativen und körperzentrierten Dimension ihrer Arbeiten liegt.
- Performanz und Selbstinszenierung im Werk von Frida Kahlo
- Körperdarstellungen und Fragmentarisierung
- Kritische Analyse von Gender-Konstruktionen
- Die Bedeutung der Serialität in den Selbstbildnissen
- Hybridität und Identitätskonstruktion in der Malerei
Auszug aus dem Buch
3. PERFORMANZ (Mariana Schüler)
Die Begriffe Performanz, Performativität und Performance werden variierend eingesetzt. Wobei Performativität ein stark weit gefasster Begriff ist und teilweise mit den Begriffen Repräsentation, Aufführung und Inszenierung bedeutungsgleich verwandt wird; wobei bei einer solchen Ersetzung ein Gewinn nicht unbedingt sichtbar wird. Performance, Performativität und Performanz sind den Kulturwissenschaften zugehörig, jedoch ist eine Grenze, die sie trennscharf von einander unterscheidet oder ihr Verhältnis zueinander ausdrückt, nicht klar zu bestimmen. So werden sie teilweise synonym verwandt und überhaupt nicht unterschieden; so wie der Begriff Performanz verwendet wird, um ein Auftreten von Performativität zu verdeutlichen. Die deutschsprachigen Diskussionen werden zusätzlich durch Übersetzungsprobleme erschwert. Festzuhalten ist jedoch, dass Performance und Performativität aus zwei grundverschiedenen wissenschaftlichen Kontexten hervorgehen. So ist die Performativität der Sprachtheorie und die Performance dem Ästhetischen zuzuschreiben.
In den späten 1960er Jahren versuchten Performancekünstler/innen in Europa und den USA den Theaterbegriff als Grenze zu sprengen. „Sie hoben den Prozeßcharakter von Aufführungen hervor […] oder machten sich selbst zum Gegenstand ihrer (häufig multimedialen) Inszenierungen“ (Metzler-Lexikon 2002: Performance/Performativer Akt). Durch die Bezeichnung Performance ließ sich beschreiben wie inszenatorisch und rollenfixiert das alltägliche Leben sein kann. Als performative turn wird das Umdenken der Sozial- und Geisteswissenschaften bezeichnet, welche sich neuen Gedankenanstößen über die traditionellen Vorstellungen in den Bereichen Identität, Subjekt oder Kultur angeregt fühlten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung (Mariana Schüler): Dieses Kapitel beleuchtet die aktuelle mediale Präsenz von Frida Kahlo und stellt den Forschungsansatz vor, ihr Werk verstärkt unter kulturwissenschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten.
2. Frida Kahlos Kurzbiographie (Friederike Treccosti): Die biografischen Hintergründe, inklusive des folgenschweren Unfalls und ihrer Ehe mit Diego Rivera, werden skizziert, um den Kontext ihrer künstlerischen Entwicklung aufzuzeigen.
3. Performanz (Mariana Schüler): Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Performanz und Performativität dargelegt und die Selbstinszenierung Kahlos als ästhetischer Prozess analysiert.
4. Körper (Mariana Schüler): Dieses Kapitel analysiert, wie Kahlo den Körper in ihrer Malerei als Fragmentierungsfläche und Medium zur Kritik gesellschaftlicher Identitätskonzepte nutzt.
5. Sex und Gender (Mariana Schüler): Die Untersuchung der Geschlechtsidentität als kulturelle Konstruktion steht hier im Vordergrund, beispielhaft illustriert am Gemälde "Frieda Kahlo und Diego Rivera".
6. Serialität (Friederike Treccosti): Es wird analysiert, wie die serielle Wiederholung in Kahlos Selbstbildnissen zur Entstehung eines hybriden und ungreifbaren Identitätsbildes beiträgt.
7. Identität (Friederike Treccosti): Das Kapitel befasst sich mit der Dekonstruktion eines authentischen Ichs und der Inszenierung hybrider Identitäten, insbesondere anhand des Werks "Die zwei Fridas".
8. Fazit (Friederike Treccosti): Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, welche die Vielschichtigkeit und komplexe Inszenierungsstrategien von Kahlos Werk unterstreichen.
Schlüsselwörter
Frida Kahlo, Performanz, Performativität, Körper, Gender Studies, Serialität, Identität, Selbstinszenierung, Malerei, Hybridität, Fragmentierung, Autobiographie, Kulturwissenschaften, Mexikanische Kunst, Maskerade.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Werk von Frida Kahlo primär unter kulturwissenschaftlichen Aspekten, wobei der Fokus auf ihrer künstlerischen Praxis der Selbstinszenierung liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den zentralen Themen gehören Performanz, Körperdiskurs, Sex und Gender, das Phänomen der Serialität sowie die Konstruktion von Identität.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die künstlerische Leistung von Frida Kahlo von der einseitigen, biographisch geprägten Interpretation zu lösen und ihre Arbeiten als komplexe, performative Inszenierungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Konzepte (u.a. von Judith Butler) auf die Malerei Frida Kahlos anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zentrale Bildmotive und Konzepte wie der "zerbrochene Körper", Rollenverteilungen in der Ehe und die ständige Neuerfindung der eigenen Identität durch Bildserien analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Performanz, Körper, Hybridität, Fragmentierung, Serialität und Gender.
Wie spielt das "Dornenhalsband" im Bild von 1940 eine Rolle?
Das Dornenhalsband dient als Störfaktor und christliches Symbol, welches den Produktionsprozess des Bildes performativ in Szene setzt und die Künstlerin als Schaffende statt als reine Nachahmerin markiert.
Was besagt die Theorie zur Serialität im Kontext von Kahlos Selbstbildnissen?
Die Serialität führt zu einer "Unendlichkeit" der Selbstbildnisse, durch die ein authentisches Ich ungreifbar wird; die Künstlerin befindet sich in einem ständigen Prozess der autopoietischen Selbsterschaffung.
- Arbeit zitieren
- Mariana Schüler (Autor:in), Friederike Treccosti (Autor:in), 2010, Serielle Körperbilder in der Malerei am Beispiel von Frida Kahlo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190270