Mimesis bei Adorno - Inbegriff einer zentralen Dialektik


Bachelorarbeit, 2010
29 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursprüngliche Mimesis

3. Ratio

4. Die Mimesis ans Tote

5. Mimesis und Erkenntnistheorie

6. Dialektik der Mimesis

7. Die Lösung

8. Missverständlichkeiten

9. Adornos Mimesis und Ricœurs mimsis
9.1 Ricœurs mimsis
9.2 Vergleich des Aufbaus beider Konzepte
9.3 Vergleich der Ausrichtung beider Konzepte

10. Schluss

1. Einleitung

Der Mimesisbegriff ist seit Anbeginn der Philosophiegeschichte kontrovers diskutiert worden. Stets wurde er neu interpretiert, verstanden und übersetzt. Das hat ihn einerseits zu einem bedeutungsreichen, schillernden Begriff gemacht, andererseits auch zu einem, dessen Gehalt und Verwendung immer unüberschaubarer geworden ist. Mit Adorno könnte diese Entwicklung einen zwischenzeitlichen Höhepunkt erreicht haben, da er dem Mimesisbegriff eine derart umfassende Bedeutung gibt, dass divergierenste Vermutungen darüber existieren, wie seine Konzeption zu verstehen ist. Das motiviert dazu, Adornos Texte auf eine zusammenhängende, schlüssige Mimesistheorie zu untersuchen und diese durch einen Vergleich mit einer weiteren Mimesistheorie relativ einzuordnen.

Hierbei verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, die Verwendung des Mimesisbegriffs bei Adorno nicht partiell zu beleuchten, sondern strukturell aufzudecken. Mimesis wird nicht als Zentralbegriff verstanden, dessen Konstellation dargestellt werden soll1, sondern als Inbegriff einer zentralen Dialektik. Die Arbeit beginnt mit kurzen grundlegenden Passagen, um den Eingang in komplexere Sphären adornoschen Denkens mit zunehmendem Textumfang möglichst klar zu gestalten. In den ersten drei Abschnitten werden die Pole einer Dialektik identifiziert, die in der restlichen Arbeit nachgezeichnet wird. Die Untersuchung hält stets Fühlung mit Adornos Texten und endet daher auch bei den letzten Ausführungen der ›Ästhetischen Theorie‹. Nachdem einige Einwände gegen das Dargestellte behandelt wurden, die Adornos Werk selbst entspringen, soll seine Position durch einen Vergleich mit Paul Ricœurs Mimesiskonzeption weiterhin an Kontur gewinnen. Eine Zusammenfassung mit knappem Ausblick wird die Arbeit abschließen.

Vorab erweist sich eine adäquate Behandlung Adornos als problematisches Unterfangen. Durch die Abgrenzung, welche die kritische Theorie gegenüber dem „traditionellen Wissenschaftsbetrieb“ vornimmt, entziehen sich auch ihre Werke den klassischen Kategorien wissenschaftlichen Arbeitens. Man kann Adorno nicht anhand der Kriterien untersuchen, die er selbst kritisiert. Dies kann jedoch zu einer Stellungnahme verleiten, die sich in ihrer ganzen Vorsicht gar nicht traut, überhaupt irgendetwas Verbindliches zu sagen. Die vorliegende Darstellung von Adornos Position fährt zweigleisig. Einerseits wäre sie Adorno wohl etwas zu sehr an einer strikten, formalen Schlussfolgerung ausgerichtet, andererseits wird versucht, Adornos Position durch einige Assoziationen zu animieren, um nicht auf das logische Skelett zu regredieren.

2. Ursprüngliche Mimesis

Die Bezeichnung „ursprüngliche Mimesis“ kommt bei Adorno nicht vor. Da der Begriff „Mimesis“ von Adorno jedoch sehr vielseitig belegt wird, sollte es dem Verständnis des Themenkomplexes zuträglich sein, wenn Adornos grundlegendstes Mimesisverständnis einen eigenen Namen bekommt. Ursprüngliche Mimesis beschreibt zunächst das Verhalten eines Lebewesens zu seiner Umwelt. Sie ist leibliche „Angleichung an Natur“, das „eigentlich mimetische“ Verhalten eine organische „Anschmiegung ans andere“ (GS III 205)2. Sie ist für Adorno „die Angleichung ans Ding im blinden Vollzug des Lebens“ (GS III 205) eine „Identifizierung mit anderem“, bei der sich der Identifizierende „verlieren kann“ (GS III 26), da Mimesis ein Prozess des Sich-Aufgehen-lassens „im Auf und Nieder der umgebenden Natur“ ist. Aber auch alles „Abgelenktwerden, ja, alle Hingabe hat einen Zug von Mimikry“ (GS III 205). Mimetisches Verhalten sei „das sich selbst einem Anderen Gleichmachen“ (GS VII 487). Ursprüngliche Mimesis ist für Adorno demnach ein Verhalten zwischen einem Selbst und seiner Umgebung, bei dem sich das Selbst - wohl vornehmlich unbewusst - seiner Umgebung ähnlich macht, angleicht und dabei Gefahr läuft, sich selbst irgendwie zu verlieren.

3. Ratio

Was die ursprüngliche Mimesis verdrängt hat, ist Horkheimer und Adorno zufolge die Ratio (GS III 76). Der Übergang der Mimesis zur Ratio ist bei ihnen durch Angst und Schrecken des Menschen angetrieben. Alles Unbekannte, Fremde, alles Unbeherrschte erzeugt Schrecken. Das in den frühesten bekannten Stadien der Menschheit verehrte Mana sei „der Ruf des Schreckens, mit dem das Ungewohnte erfahren wird“ (GS III 31). Mana sei keine Projektion der menschlichen Seele auf die Natur, sondern „das Echo der realen Übermacht der Natur in den schwachen Seelen der Wilden“ (GS III 31). Wenn frühe Menschen die dem Baum innewohnende Mana verehrt haben, so war dies Artikulation von Ehrfurcht gegenüber der übermächtigen, unbeherrschten Naturgewalt, es war Artikulation von heiligem Schauder, Artikulation von Schrecken. Vor dem lebendigem Schreckgeist im Unbekannten, sei dieser das Mana oder der blitzwerfende Zeus, herrscht mythische Angst. Diese Angst vor dem Schrecken, welcher aus unbeherrschter Natur kommt, wird Anlass für die Beherrschung der Natur im Zeichen der Aufklärung. Unter dem Bann dieser Angst will Aufklärung in Form des rationalen Denkens jedoch über den Schreckgeist, über das Mana hinaus, jeglichen Geist und alles Unbekannte aus der Welt streichen: ein „universales Tabu“. Ratio ist eine Schutzreaktion. Aus Angst tötet sie alles ab, was nicht in ihren Kategorien aufgeht. Denn was nicht in ihr aufgeht ist irrational, unverstanden und damit auch unbeherrscht und Schrecken einjagend. „Es darf überhaupt nichts mehr draußen sein, weil die bloße Vorstellung des Draußen die eigentliche Quelle der Angst ist.“ (GS III 32) Die Verbannung der Angst im rationalen Denken wird durch Versachlichung geleistet. Als bloße Ansammlung von Dingen, die festen Gesetzmäßigkeiten unterliegen, erscheint die umgebene Natur kaum mehr schreckhaft. Nach ihrer Versachlichung ist die Außenwelt berechen- und beherrschbar geworden. Die Ursache des Schreckens, die Übermacht der Natur über den Menschen, wurde durch Naturbeherrschung übervorteilt.

Die spezifische Differenz zwischen ursprünglicher Mimesis und Ratio wird offenbar, sobald Horkheimer und Adorno beklagen, dass „die Menschen die Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem bezahlen, worüber sie die Macht ausüben“ (GS III 25). Wurde Mimesis als „organische Anschmiegung ans andere“ gedacht, so ist eine im rationalen Denken verankerte Entfremdung von den Dingen dem völlig entgegen. Ratio vollzieht einen Bruch von Subjekt und Objekt. Beide ähneln sich nicht mehr „und das heißt nichts anderes, als daß sie einander entfremdet sind“ (GS V 148). Eine „Verselbstständigung der Gedanken gegenüber den Objekten“ (GS III 27) findet statt. Nicht mehr die Identifizierung mit Anderem, sondern die „Identität des Selbst“ (GS III 26) wird zum Ergebnis des Prozesses, bei dem das Selbst sich nicht verlieren kann.

Sollte ursprüngliche Mimesis für Adorno tatsächlich ein Verhalten zwischen einem Selbst und seiner Umgebung darstellen, bei dem sich das Selbst - wohl vornehmlich unbewusst - seiner Umgebung ähnlich macht, angleicht und dabei Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren, so gebärdet sich Ratio als deren direkte Antithese. Denn Ratio scheint ein Verhalten zwischen einem Selbst und seiner Umgebung darzustellen, bei dem sich das Selbst seiner Umgebung entfremdet, ihr unähnlich wird und sich dabei selbst bis hin zu einer Starre festigt. Die Starre des gefestigten, konstituierten Ichs ist für Adorno eine erneute Mimesis: eine Mimesis an die Natur, nachdem sie vom rationalen Subjekt versachlicht wurde, eine „Mimesis ans Tote“.

4. Die Mimesis ans Tote

Die Mimesis ans Tote ist ein Konzept Adornos, das die Verhärtung und Erstarrung des Subjekts im rationalen Denken darstellen soll. Es lässt sich in all seinen Werken wieder finden. Am deutlichsten tritt es jedoch in einem Aphorismus hervor, der wohl nicht ohne Grund die ›Dialektik der Aufklärung‹ abschließt. Er ist mit dem Titel „Zur Genese der Dummheit“ versehen und wurde erst kürzlich in Alexander Kluges Film „Nachrichten aus der ideologischen Antike“ rezitiert. „Das Wahrzeichen der Intelligenz“ (GS III 295) heißt es hier „ist das Fühlhorn der Schnecke“, das Adorno als ein Sinnbild für jegliches geistiges Leben ansieht. Es wird vor einem Hindernis „sogleich in die schützende Hut des Körpers zurückgezogen“ und „wagt als Selbstständiges erst zaghaft wieder sich hervor. Wenn die Gefahr noch da ist, verschwindet es aufs neue, und der Abstand bis zur Wiederholung des Versuchs vergrößert sich.“ Solange das Hindernis bleibt, erlahmt die Bewegung des Fühlhorns oder es wird verletzt. Jedenfalls bleibt auf dem Fühlhorn der Schnecke wie auf dem geistigen Leben eine „unmerkliche Verhärtung“, eine Abstumpfung gegen das Äußere übrig, eine Narbe, an deren Stelle nichts mehr gespürt wird. Das geistige Leben „wird in der Richtung, aus der es endgültig verscheucht ist, scheu und dumm.“

Der Panzer des Nashorns (GS VI 181) ist für Adorno ein erneutes Gleichnis solcher Verhärtung. Er schützt zwar das Inwendige, doch sei er zugleich zum angewachsenen Gefängnis geworden, von dem sich das Tier vergeblich zu trennen versucht. Der Panzer, die Verhärtung, die Narbe, „das Feste, Beharrende, Undurchdringliche des Ichs“ sei „Mimesis an die vom primitiven Bewußtsein wahrgenommene Undurchdringlichkeit der Außenwelt“ (GS VI 180). Die Verhärtung ums Ich entsteht durch die Erfahrung äußerer Härte. Sie ist Angleichung, Mimesis an die Umgebung.

In Vorzeiten scheint für Horkheimer und Adorno solche Nachahmung eine Nachahmung der Härte der physischen Natur gewesen zu sein. In der fortwährenden Entwicklung von Aufklärung und Rationalität kulminiert ihnen jedoch der Prozess. Denn wo frühe Mimesis noch Mimesis an Lebendiges war, ist sie in rationaler Phase Angleichung an die Dinge, die vom Denken versachlicht wurden. War in animistischer und präanimistischer Phase Mimesis Angleichung an beseelte Sachen, so ist sie in rationaler Phase eine an versachlichte Seelen. Versachlichtes, Seelenloses ist freilich tot. Die Anpassung an dieses ist Inbegriff von Adornos „Mimesis ans Tote“. „Der subjektive Geist, der die Beseelung der Natur auflöst, bewältigt die entseelte nur, indem er ihre Starrheit imitiert“ (GS III 75). Die Mimesis ans Tote ist die Angleichung des Bewusstseins an die Dinge, die es rational versachlicht hat. Doch nicht nur im Hinblick auf das versachlichende Moment koinzidieren Ratio und Mimesis ans Tote. Erst durch diese Angleichung wird eine Härte entwickelt, welche rationale Praxis, also Naturbeherrschung, erst ermöglicht. Selbsterhaltung ist die grundlegendste Form der Naturbeherrschung. Die rohe Naturgewalt wird so gehandhabt, wie sie sich dem eigenen Überleben als dienlich erweist. Die Verhärtungen und Narben, jene „Erstarrungsreaktionen am Menschen sind archaische Schemata der Selbsterhaltung: das Leben zahlt den Zoll für seinen Fortbestand durch Angleichung ans Tote.“ (GS III 204) Naturbeherrschung und Rationalität erfordern Mimesis ans Tote. Erst das ausgehärtete Subjekt ist einer rationalen Handhabung der wilden Natur mächtig. Das Sinnbild für dieses Subjekt ist Odysseus. „Er eben kann nie das Ganze haben, er muß immer warten können, Geduld haben, verzichten, er darf nicht vom Lotos essen und nicht von den Rindern des heiligen Hyperion, und wenn er durch die Meerenge steuert, muß er den Verlust der Gefährten einkalkulieren“ (GS III 76). Odysseus ist hart. Nicht nur weil er hart mit seiner Umgebung umgeht, sondern auch, weil er als Bedingung für diese Herrschaft sich selbst verhärten musste. „Der Listige überlebt nur um den Preis seines eigenen Traums, den er abdingt, indem er wie die Gewalten draußen sich selbst entzaubert.“ (GS III 76) Derart gewappnet kann Odysseus auch dem Rechtsanspruch der Naturgewalt Polyphem entgehen(GS III 80). Er wird nicht getötet. Diese grundlegendste Form der Naturbeherrschung, die Selbsterhaltung, wird ihm nach Adorno jedoch nur durch „Mimikry ans Amorphe“ möglich.

Die Mimesis ans Tote bedarf der Ratio, weil jene sich dem ähnlich macht, was diese versachlicht hat. Die Ratio bedarf jedoch auch der Mimesis ans Tote, weil erst Subjekte, die diese vollzogen haben, Versachlichung oder Ratio überhaupt leisten können. Das Subjekt mag sich in einer frühen Phase an übermächtiger Naturgewalt vernarbt haben. Daraufhin könnte sich eine Kettenreaktion entsponnen haben, bei der die durch den Menschen vollzogene Angleichung der Dinge ans Tote mit der Angleichung der Menschen an dieses Tote wechselwirkten. Ratio und Mimesis ans Tote können nicht eng genug aneinander verstanden werden: für Adorno sind beide identisch. „Die Ratio, welche die Mimesis verdrängt, ist nicht bloß deren Gegenteil. Sie ist selber Mimesis: die ans Tote.“ (GS III 76)

Die Verdrängung der Mimesis durch die Ratio erinnert an einen dialektischen Prozess. Ratio, die Mimesis ans Tote, könnte für Adorno eine dialektische Antithese zur ursprünglichen Mimesis sein. Sie ist ihr Widerpart und bewahrt sie doch in sich auf. Im Übergang zur Ratio bleibt jedoch von „der Angleichung an die Natur“ „allein die Verhärtung gegen diese übrig“ (GS III 206). Ein Ausgang aus dieser von Adorno als negativ empfundenen Situation wäre demnach wohl Synthese zu nennen.

Anschließend wäre noch auf eine Veranschaulichung der Mimesis ans Tote in der Lebenswelt einzugehen. In der ›Minima Moralia‹ schreibt Adorno über die Krankheit der Gesunden, dass man „die, welche im Beweis ihrer quicken Lebendigkeit und strotzenden Kraft aufgehen, für präparierte Leichen halten“ (GS IV 66) könnte. Sie „sehen aus, als wäre ihre Haut mit einem regelmäßig gemusterten Ausschlag bedruckt, als trieben sie Mimikry mit dem Anorganischen“. Die Ursache für die Krankheit der Quicklebendigen ist ihre Mimesis ans Tote, ihre Rationalität. Daher diagnostiziert Adorno die Krankheit der Gesunden auch „am Mißverhältnis ihrer rationalen Lebensführung zur möglichen vernünftigen Bestimmung ihres Lebens“. Bisweilen gibt Adornos Kulturindustrie die Schemata für solche irrationale Rationalität vor. So schreibt er, dass die Industrie die Seele versachliche, indem sie tote Dinge schaffe, an die sich der Konsument später angleiche (GS III 44). Er mache sich, Adorno zu Folge, den Kulturgütern ähnlich, die er aufnimmt. „Das ist der Triumph der Reklame in der Kulturindustrie, die zwanghafte Mimesis der Konsumenten an die zugleich durchschauten Kulturwaren.“ (GS III 190) Mit einem Beispiel für diese Nachahmung schließt Adorno das Kulturindustriekapitel ab. Er beschreibt ein Mädchen, das bei einem Date das Verhalten einer Schauspielerin in einer entsprechenden Filmszene nachahmt3. Weil sie „dem von der Kulturindustrie präsentierten Modell entspricht“, besteht die Idee des ihr „Eigentümlichen nur in äußerster Abstraktheit noch“ fort. Um „sich selbst zum erfolgsadäquaten Apparat zu machen“, werden die „intimsten Reaktionen … verdinglicht“. Indem das Mädchen, zielorientiert oder unbewusst, das ihr Eigene aufgibt, um sachlich einem Modell zu entsprechen, opfert sie in Adornos Augen ihre eigene Lebendigkeit und vollzieht Mimesis ans Tote4.

Dieses Beispiel Adornos für die Mimesis ans Tote in der Lebenswelt hat erhebliche Übereinstimmungen mit Luhmanns Untersuchungen zur „Liebeskommunikation“. Als Vertreter einer Theorie, die die Gesellschaft als operativ geschlossenes, autopoietisches System ansieht, welches nur aus Kommunikationen besteht, ist er der Ansicht, dass Liebe nur beweisbar ist, wo sich ihre „Rekursion“ auf frühere Muster der Liebeskommunikation erweist5 Diese Muster können nach Luhmann auch aus den „generalisierten Kommunikationsmedien“ stammen. Tatsächlich vollzieht das Mädchen in Adornos Beispiel Rekursion auf frühere Muster der Liebeskommunikation in den generalisierten Kommunikationsmedien. Luhmanns Theorie könnte als Präzision von Adorno These aufgefasst werden. Allerdings muss beachtet werden, dass Adorno diesen Vorgang der Mimesis ans Tote als Regression ansieht, wobei Luhmann meint, dass die Gesellschaft ein System sei, das gar nicht anders funktionieren kann. Die Übereinstimmung der Philosophen spricht für die Korrektheit der Beobachtung. Doch wo Luhmann meint, eine Wahrheit gefunden zu haben, glaubt Adorno, auf etwas Falsches gestoßen zu sein.

[...]


1 siehe: Früchtl, Josef. Mimesis, Konstellation eines Zentralbegriffs bei Adorno.

2 Adorno wird nach den „Gesammelten Schriften“ mit Bandnummer und Seitenzahl wie angegeben zitiert.

3 „Die Art, in der ein junges Mädchen das obligatorische date annimmt und absolviert, der Tonfall am Telephon und in der vertrautesten Situation, die Wahl der Worte im Gespräch …“ Adorno. (GS III 190)

4 Dem verhält sich Kafka völlig entgegen, wenn er bei einem zufälligen Treffen auf der Straße die rein formelle Frage „Wie geht’s denn?“ mit „Ach, ich könnte meinen Kopf auf Ihre Schultern legen und weinen“ beantwortet.

5 Luhmann, Soziale Systeme. S. 614

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Mimesis bei Adorno - Inbegriff einer zentralen Dialektik
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
29
Katalognummer
V190311
ISBN (eBook)
9783656149781
ISBN (Buch)
9783656150640
Dateigröße
611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adorno, Mimesis, Philosophie, Dialektik, Kritische Theorie, Frankfurter Schule
Arbeit zitieren
Matthias Grohmann (Autor), 2010, Mimesis bei Adorno - Inbegriff einer zentralen Dialektik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190311

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