Eine der elementaren Grundlagen betriebswirtschaftlichen Arbeitens stellt seit jeher die Frage dar: Lohnt sich eine Investition oder lohnt sie sich nicht – also eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Somit ist es wohl im Rahmen eines Gesundheits-systemvergleichs unerlässlich, zu untersuchen, in wie fern Staaten als Unterneh-men im weitesten Sinne die Ausgaben für das Gesundheitswesen einer solchen Untersuchung unterziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.3 Abgrenzung
1.4 Aufbau
2 Das System in Deutschland
2.1 Grundstrukturen des deutschen Gesundheitssystems
2.2 Der Pharmamarkt vor Einführung des IQWiG
2.3 Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
2.3.1 Gesetzliche Grundlage und Organisation
2.3.2 Methoden der Kosten-Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
3 Das System in Schweden
3.1 Zusammenfassung der Gesundheitsversorgung in Schweden
3.2 Status Quo vor Einführung der TLV
3.3 Die Dental and Pharmaceutical Benefits Agency
3.3.1 Aufgaben und Organisation
3.3.2 Methoden der Kosten-Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
4 Europäische Akteure
5 Resümee
5.1 Wer kann von wem lernen?
5.2 Entwicklung europäischer Kompetenzen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht die nationalen Systeme zur Preisgestaltung und Kosteneffektivitätsbewertung von erstattungsfähigen Pharmazeutika in Deutschland und Schweden. Ziel ist es, Unterschiede in der methodischen Vorgehensweise aufzuzeigen, Optimierungspotenziale durch einen Systemvergleich zu identifizieren und die Rolle europäischer Institutionen in diesem Kontext zu bewerten.
- Struktureller Vergleich der Gesundheitssysteme von Deutschland und Schweden
- Analyse der Mechanismen zur Kosten-Nutzen-Bewertung (IQWiG vs. TLV)
- Untersuchung der nationalen Preisbildungsprozesse für Arzneimittel
- Evaluierung der europäischen Einflüsse und der Rolle der EMA
- Ableitung von "Lessons learned" für die Gesundheitspolitik
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Gesetzliche Grundlage und Organisation
Gegründet wurde das IQWiG 2004 im Rahmen der Umsetzung des GKV-Modernisierungsgesetzes. Anfangs noch generalistisch verantwortlich für die Bewertung und das Voranbringen des medizinischen Wissensstandes und der Konsolidierung und Veröffentlichung allgemeinverständlicher Informationen für die Bürger der Bundesrepublik, sind Aufgaben und Kompetenzen stetig gewachsen. 2007 setzte die Bundesregierung das Wettbewerbsstärkungsgesetz der gesetzlichen Krankenversicherungen um. Dessen Einfluss auf das IQWiG manifestierte sich darin, dass diesem erstmals die Aufgabe der Kosten-Nutzen-Bewertung neuartiger Arznei- und Hilfsmittel zugetragen wurde. Potentiell eingebunden in den Zulassungs- bzw. Preisbildungsprozess wird es seit Einführung des Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG), das zum 1. Januar 2012 in Kraft trat.
Um die tatsächlichen Kompetenzen deutlich zu machen, gilt es zunächst den Prozess der Preisbildung zu betrachten: Pharmaunternehmen können wie vor Einführung des Gesetzes nach medizinischer Zulassung des Präparates den Preis für das Medikament festlegen und es an Händler bzw. Apotheken ausliefern. Nun taucht die erste Neuerung auf: Zur Markteinführung ist das jeweilige Unternehmen dazu verpflichtet, binnen drei Monaten in einem Dossier dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Gremium der Selbstverwaltung der Akteure des Gesundheitswesens in Deutschland, den Zusatznutzen des neuen Präparats nachzuweisen. Geprüft wird dies vom G-BA selbst oder kraft Ermächtigung durch das SGB V an das IQWiG weitergeleitet, das eine Nutzenbewertung erstellt und diese wiederum als Handlungsempfehlung an den Ausschuss zurückleitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert das Forschungsziel der Arbeit, nämlich den Vergleich der Systeme zur Preisgestaltung von Pharmazeutika in Deutschland und Schweden, und grenzt den Untersuchungsgegenstand ein.
2 Das System in Deutschland: Erläutert die Grundstrukturen des deutschen Gesundheitswesens und die Rolle des IQWiG bei der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel seit Einführung des AMNOG.
3 Das System in Schweden: Beschreibt die Organisation der schwedischen Gesundheitsversorgung und analysiert die Arbeitsweise der Dental and Pharmaceutical Benefits Agency (TLV) als Pendant zum IQWiG.
4 Europäische Akteure: Untersucht die Rolle der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) und die Ambitionen zur Harmonisierung von Arzneimittelpreisen innerhalb der EU.
5 Resümee: Vergleicht die Ergebnisse, diskutiert methodische Unterschiede und gibt Empfehlungen zur Stärkung der interinstitutionellen Kommunikation.
Schlüsselwörter
Arzneimittel, Preisgestaltung, IQWiG, TLV, Kosten-Nutzen-Bewertung, AMNOG, Gesundheitssystem, Schweden, Deutschland, EMA, Kosteneffektivität, Erstattungsfähigkeit, Arzneimittelmarkt, Sozialversicherung, Nutzenbewertung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Systeme zur Preisgestaltung und Erstattung von Medikamenten in Deutschland und Schweden sowie deren methodische Ansätze zur Kosten-Nutzen-Bewertung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die nationalen Rahmenbedingungen, die Arbeitsweisen des IQWiG (Deutschland) und der TLV (Schweden) sowie die Rolle der europäischen Integration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich beider Länder, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten und zu prüfen, ob Erkenntnisse auf das jeweils andere System übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse unter Verwendung von Daten internationaler Organisationen wie OECD, European Observatory on Health Care Systems und offiziellen Informationen der nationalen Akteure.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es werden die Strukturen des deutschen und schwedischen Gesundheitssystems sowie die spezifischen Prozesse und Methoden der jeweiligen Bewertungsinstanzen für Medikamente detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Preisgestaltung, Kosten-Nutzen-Bewertung, AMNOG, IQWiG, TLV, Erstattungsfähigkeit und Gesundheitsökonomie.
Was unterscheidet das schwedische vom deutschen Bewertungssystem?
Während das IQWiG in einen komplexen Verhandlungsprozess eingebunden ist und keine direkte Preisfestsetzung vornimmt, besitzt die schwedische TLV weitergehende Kompetenzen bei der Entscheidung über Erstattungsfähigkeit und Preise.
Warum spielt die EMA bisher eine untergeordnete Rolle bei der Preisfestsetzung?
Die EMA konzentriert sich primär auf die medizinische Zulassung von Arzneimitteln; gesundheitsökonomische Kompetenzen, die für eine Preisregulierung nötig wären, wurden ihr bislang nicht übertragen.
- Quote paper
- Christoph Reimer (Author), 2012, Preisbildung erstattungsfähiger Pharmazeutika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190328