Solon von Athen - Die Anfänge der Polis bzw. der Demokratie in Athen


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Solonischen Reformen vor dem Hintergrund der Krise Athens
a. Die Krise der Polis Athen
b. Die Reformen des Solon
c. Die Vermögensklassen
d. Die Identität

3. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Name Solon ist heute auf vielfältige Art und Weise mit dem Begriff der Demokratie verbunden. Die Reformen Solons gelten häufig – je nach Bewertung des jeweiligen Autors – als Beginn, Etappenschritt, Vorform oder ähnliches der Demokratie und der griechischen Polis. Um diesen Zusammenhang grundlegend bewerten zu können, muss untersucht werden, welches Ziel und welche Folgen Solon und sein Reformwerk hatten. Daher wird sich diese Arbeit zunächst mit der Frage beschäftigen, in welcher Situation sich die Polis Athen zu Lebzeiten Solons[1] befand. Damit soll geklärt werden, von welchem Ausgangspunkt Solon arbeitet. Die These dieser Arbeit ist, dass Solon eine Lösung für eine strukturelle Krise Athens suchte. Es ging Solon nicht um die Etablierung einer Volksherrschaft oder eines Gemeinwesens, das er ethisch-moralisch für überlegen hält, sondern um eine konkrete Antwort auf ein konkretes Problem. Solons Ziel ist die „ beste Ordnung[2] bzw. „ Harmonie[3], also ein Gemeinwesen, das das Zusammenleben der Menschen zu ihrem Besten organisiert. Solons Reformen wären demnach, vor allem was die Vermögensklassen betrifft, eine Institutionalisierung. Das Wort „Demokratie“ ist in Bezug auf Solon zu vermeiden.

In dieser Hausarbeit kann nicht behandelt werden, in wie fern Solons Reformen von Bestand waren und sich durchgesetzt haben. Verwiesen sei auf Uwe Walter, der Solons Werk durch die Tyrannis noch verstärkt und gefestigt sieht und sich dabei auf weitere Autoren beruft.[4]

Mit den Schriften von Aristoteles und Plutarch steht eine verhältnismäßig gute[5] Quellenlage zur Verfügung. Dennoch muss berücksichtigt werden, dass beide Autoren keine Augenzeugen des Wirkens Solons gewesen sind, sondern selbst nur Historiker, die ihre Quellen interpretierten und Schlussfolgerungen ziehen mussten.

2. Die Solonischen Reformen vor dem Hintergrund der Krise Athens

a. Die Krise der Polis Athen

Die solonischen Reformen werden allgemein auf 594/593 v. Chr. datiert, wobei auch das umstritten ist.[6] Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die Polis Athen in einer tiefen Krise. Sowohl Aristoteles als auch Plutarch beschreiben eine wachsende soziale Ungerechtigkeit, befördert vor allem durch eine verbreitete Schuldknechtschaft, in die die Bauern bei den Grundbesitzern gerieten.[7] Für Solon ist das eine Gefahr für die Einheit der Polis Athen[8]. Aristoteles beschreibt diese gefährdete Einheit als einen Zustand des (oder am Rande eines) Bürgerkrieges.[9]

In dieser Situation tritt Solon auf den Plan. Er soll, mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet[10], den Niedergang verhindern.

b. Die Reformen des Solon

Solon versuchte die Krise zu überwinden,

indem er die für die Kleinbauern unentbehrliche Allmende wiederherstellte,

die Schulden annullierte, das Borgen auf den Leib verbot, die ins Ausland

verkauften Schuldsklaven und die Davongelaufenen zurückholte[11]

Zentrale Maßnahme Solons war also eine

Schuldentilgung (Seisachtheia, „Lastenabschüttelung“) in Verbindung

mit einem Verbot des Zugriffs des Gläubigers auf die Person eines

zahlungsunfähigen Schuldners.“[12]

Aristoteles liefert in „Der Staat der Athener“[13] Hinweise auf seine Gründe. Vor allem über Worte wie „ litten Schmach und Knechtschaft[14] oder „ Niedersinkt[15] wird der aus Solons Sicht bedauernswerte Zustand der Polis Athen geschildert. An dieser Stelle begründet Solon sein Handeln ethisch-moralisch bzw. emotional. Insbesondere im Abschnitt

„Ich erkenne und – tief im Herzen verspüre ich Trauer –

Sehen muss ich, wie jetzt Ioniens ältestes Land

Niedersinkt“[16]

spricht er die Polis Athen an und versucht, über die gemeinsame Geschichte („ Ioniens ältestes Land “), eine gemeinsame Identität und Verantwortung der Bürger gegenüber der Polis zu schaffen. Dieser Aspekt wird für andere Textstellen auch bei Uwe Walter nachgewiesen[17] und wird im Folgenden noch behandelt werden.

Wolf-Dieter Gudopp-von Behm will darüber hinaus noch militärische und ökonomische Zusammenhänge erkennen. So benötige Athen viele freie, und damit rekrutierbare, Bürger für seine Kriegsflotte, um den Zugang zum Mittelmeer offen zu halten.[18] Außerdem sei von Bauern, die ihr Land auf eigene Rechnung bewirtschaften, eine höhere Produktivität zu erwarten als von Sklaven.[19] Das wäre eine Begründung für die Aufhebung der Schuldknechtschaft durch Solon, eine seiner zentralen Reformprojekte.

Gleichzeitig kommt es nicht zu einer groß angelegt Bodenreform, bei der die Grundbesitzer enteignet und das Land neu verteilt wird, wie es auch von manchen gefordert wurde.[20]

c. Die Vermögensklassen

Solon teilte die Bürger der Polis Athen in vier Vermögensklassen ein. Jeder Bürger, der mindestens 500 Einheiten eines bestimmten Gutes (Öl, Wein oder Getreide) produzierte, zählte zur obersten Klasse, die der pentakosiomedimnoi. Die zweite Klasse waren die hippeis, die zwischen 300 und 500 Einheiten produzierten. Wer zwischen 200 und 300 Einheiten erwirtschaftete, zählte zu den zeugati; und wer weniger als 200 Einheiten produzierte, gehörte zu den thetes.[21]

Was den Sinn und Zweck dieser neuen Einteilung der antiken Gesellschaft angeht, gibt es unter Historikern durchaus sehr unterschiedliche Sichtweisen, auf die nun eingegangen werden soll. Gudopp-von Behm schlägt vor, die veränderte Struktur als Grundlage einer erneuerten Heeresverfassung zu begreifen. Dabei seien die neuen Vermögensklassen im Wesentlichen gleichzusetzen mit unterschiedlichen Kampfesweisen (z. B. hippeis = Reiter, zeugati = Fußsoldat).[22] Hansen ist anderer Meinung, da wir keine Hinweise auf eine Heeresreform Solons hätten, außer Wortzusammenhänge bei zwei Vermögensklassen, die sich in diese Richtung deuten ließen.[23] Wenn Gudopp-von Behm mit seiner Interpretation Recht behalten sollte[24], würde das die These dieser Arbeit stützen, dass die Solonischen Reformen, vor allem das Ziel hatten, konkrete Veränderungen zu bewirken, die nur vor ihrem historischen Hintergrund erklärbar sind.

Unabhängig davon[25], kann die Einteilung in die Vermögensklassen auch anders interpretiert werden. So können grundsätzlich zwei Funktionen der Vermögenseinteilung ausgemacht werden:

1. Einteilung der Macht aufgrund des über die Klassen definierten Zugangs zu Ämtern.[26]
2. Einbindung aller Bürger in die neuen Institutionen der Polis

Der erste Punkt muss vor dem Hintergrund des Bürgerkriegszustands gesehen werden. Hier wird sich Solon wahrscheinlich eine Beruhigung erhofft haben, indem er eine klare Machtverteilung installiert. Voraussetzung ist, dass diese dann auch als gerecht angesehen und akzeptiert wird. Es besteht jetzt aber zumindest die Möglichkeit, dass Konkurrenzen zwischen Bürgern oder Gruppen der Polis nicht militärisch, sondern durch Wahlen oder durch Los entschieden werden. Nicht zuletzt muss auch berücksichtigt werden, dass ökonomisch Aufgestiegene sich jetzt ihre entsprechende politische Repräsentation nicht erstreiten mussten, sondern automatisch mit dem Wechsel der Vermögensklasse auch andere Rechte (und Pflichten) in der Polis wahrnahmen. Der Adel und seine Vorrechte werden also moderat[27] geschwächt.

Der zweite Punkt beschreibt allgemein eine ganz wesentliche Wirkung der Solonischen Reformen. In unterschiedlichen Abstufungen werden alle Bürger in die neuen bzw. reformierten[28] Institutionen der Polis mit einbezogen. Insbesondere verwiesen sei auf die zuvor landlosen Theten, die jetzt unfraglich ebenfalls Teil der Polis sind.

Wie bereits erwähnt, geht mit der Einführung der Vermögensklassen eine Einteilung des Zugangs der Bürger zu den Institutionen der Polis einher.

Als Kandidaten für die Ämter der neuen Archonten kamen nur

pentakosiomedimnoi in Frage. Theten bekleideten in der

solonischen Ordnung wahrscheinlich keine Polisämter.[29]

[...]


[1] Die Lebzeiten Solons sind nicht endgültig geklärt. Eine Einordnung zwischen 650-550 v. Chr. scheint mit realistisch und für diese Arbeit ausreichend.

Vgl. Uwe Walter: An der Polis teilhaben. Bürgerstaat und Zugehörigkeit im Archaischen Griechenland, Stuttgart 1993, S. 192.

[2] Plut. Sol. 15.

[3] Arist. AP. 12, 4.

[4] Vgl. Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 200.

[5] Im Vergleich zu anderen Ereignissen und Vorgängen in dieser Zeit.

[6] Vgl. Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 192. Und: Vgl. Karl-Wilhelm Welwei: Die griechische Frühzeit. 2000 bis 500 v. Chr., München 2002, S. 117.

[7] Vgl. Wolf-Dieter Gudopp-von Behm: Solon von Athen und die Entdeckung des Rechts, Würzburg 2009, S. 85f. und: Vgl. Arist. AP. 2. sowie: Plut. Sol. 13.

[8] Vgl. Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 197.

[9] Vgl. Arist. AP. 5, 1.

[10] Solon wird im Prinzip die gesamte Staatsgewalt übertragen. Vgl. Arist. AP. 5, 2. und: Vgl. Plut. Sol. 14, 16.

[11] Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 197.

[12] Welwei: Die griechische Frühzeit, München 2002, S. 111.

[13] Aristoteles: Der Staat der Athener. hg. v. Peter Dams, Stuttgart 1981.

[14] Arist. AP. 12. 4.

[15] Arist. AP. 5, 2.

[16] Arist. AP. 5, 2.

[17] Vgl. Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 195.

[18] So wird auch der Krieg (und Solons Aufruf zu diesem) um Salamis interpretiert. Anders bei Walter: An der Polis teilhaben, Stuttgart 1993, S. 197. Walter belegt seine Aussage an dieser Stelle aber nicht.

[19] Vgl. Gudopp-von Behm: Solon von Athen, Würzburg 2009, S. 45 und 59f.

Beides ist m.E. sehr schlüssig und steht zumindest nicht im Widerspruch zu den Schilderungen Aristoteles´ und Plutarchs.

[20] Vgl. Arist. AP. 11, 2 und 12, 3

[21] Vgl. Mogens Herman Hansen: Die Athenische Demokratie im Zeitalter des Demosthenes. Struktur, Prinzipien und Selbstverständnis, Berlin 1995, S. 42f. und Arist. AP. 7, 3-4

[22] Vgl. Gudopp-von Behm: Solon von Athen, Würzburg 2009, S. 130f. Ähnlich auch bei Welwei: Die griechische Frühzeit, München 2002, S. 113.

[23] Vgl. Hansen: Die Athenische Demokratie, Berlin 1995, S.43f. An andere Stelle (ebd. S.45) gesteht der Autor jedoch zu, dass die Solonischen Vermögensklassen von Bedeutung für den Wehrdienst waren. Der Streit dreht sich also ausschließlich um den Zweck, die Absicht Solons.

[24] Wobei unklar ist, ob die Forschung in dieser Frage jemals zu einer eindeutigen, unumstritten Position gelangen wird.

[25] D.h. nicht im Widerspruch dazu

[26] Dieser Zusammenhang, der sich durch verschiedene Stellen bei Aristoteles belegen lässt, wird gut aufgeschlüsselt, zusammengefasst und belegt bei Hansen: Die Athenische Demokratie, Berlin 1995, S.44.

[27] Nur moderat, weil davon auszugehen ist, dass Adlige eher dem wohlhabenden Teil der Gesellschaft zuzurechnen sind und dementsprechend in den oberen Vermögensklassen weiterhin einen starken Einfluss auf die Polis ausüben konnten.

[28] Im Endeffekt kommt es hier nicht darauf an, ob bestimmte (Vor-)Institutionen bereits existierten oder nicht. Solon treibt die Polisbildung in jedem Fall qualitativ voran. Vgl. in diesem Zusammenhang Gudopp-von Behm: Solon von Athen, Würzburg 2009, S. 109.

[29] Welwei: Die griechische Frühzeit, München 2002, S. 114.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Solon von Athen - Die Anfänge der Polis bzw. der Demokratie in Athen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V190424
ISBN (eBook)
9783656148685
ISBN (Buch)
9783656149279
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Demokratie, Solon, Athen, Reformen, Staat, Recht, Verfassung, alte Geschichte, Antike, Institutionen, Vermögensklassen
Arbeit zitieren
Jann Lossdörfer (Autor), 2012, Solon von Athen - Die Anfänge der Polis bzw. der Demokratie in Athen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190424

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