Die Bachelorarbeit mit dem Titel
“Die Vorstellung von dem Messias ben Ephraim im Judentum” beschäftigt sich mit dem Aufkommen einer zweiten Messiasfigur in den Heilserwartungen der Juden im Laufe ihrer Geschichte.
Ausgehend von der Annahme, dass es zunächst nur eine Erlöserfigur in der jüdischen Eschatologie gab, verwundert das plötzliche Erscheinen eines weiteren Heilsbringers im Babylonischen Talmud. Im Laufe der jüdischen Geschichte entwickelte sich ein gespaltenes Messiasbild von zwei getrennten Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Funktionen am Ende aller Tage. Während der eine Messias zum strahlenden königlichen Retter erhoben wird, dem das ewige Leben zugeteilt wird, ist Messias ben Ephraim eine leidende Figur, beladen mit den Sünden Israels, der zum Tode verurteilt ist
und in einer endzeitlichen Schlacht mit dem Bösen sein tragisches Ende finden wird. Dies ist aber keineswegs als gescheitert zu beurteilen, sondern als Notwendigkeit, da er das Erscheinen des königlichen Messias aus dem Hause David erst möglich machen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biblische Hinweise auf einen Messias ben Ephraim
2.1 Das Buch Jesaja
2.2 Das Buch Sacharja
3. Die Vorstellung des Messias ben Ephraim im Babylonischen Talmud
3.1 Einführung
3.2 Sukka 52a
3.3 Sukka 52b
3.4 Sanhedrin 98a/b
4. Der Messias ben Ephraim in Eschatologie und Apokalyptik
4.1 Eschatologie und Apokalyptik im Judentum
4.2 Die Apokalypse des Zerubbabel
5. Die Vorstellung des Messias ben Ephraim in rabbinischen Homilien
5.1 Einführung
5.2 Pesikta Rabbati 34
5.3 Pesikta Rabbati 36
5.4 Pesikta Rabbati 37
5.5 Bedeutung
6. Der Messias ben Ephraim in der späteren Literatur
7. Sabbatai Zwi als leidender Messias
7.1 Die lurianische Kabbala als vorausgesetzte Lehre
7.2 Die Projektion des leidenden Messias auf Sabbatai Zwi und ihre Folgen
8. Der Messias ben Ephraim als exegetisches, zeitgeschichtliches und religionspsychologisches Ergebnis jüdischer Geschichte
8.1 Zusammenfassung
8.2 Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Aufkommen und die Entwicklung der Figur des "Messias ben Ephraim" innerhalb der jüdischen Heilserwartungen. Dabei wird analysiert, wie diese leidende Messiasgestalt als Ergänzung zum königlichen, davidischen Messias konstruiert wurde, um historische Traumata und theologische Fragen der Theodizee im Kontext der jüdischen Geschichte zu bewältigen.
- Biblische Wurzeln in den Prophetenbüchern Jesaja und Sacharja.
- Die namentliche Etablierung im Babylonischen Talmud.
- Eschatologische und apokalyptische Konzepte im Sefer Zerubbabel.
- Die Rolle des leidenden Messias in mittelalterlichen rabbinischen Homilien.
- Die Rezeption der Figur in messianischen Bewegungen wie der um Sabbatai Zwi.
Auszug aus dem Buch
3.2 Abschnitt Sukka 52a
Der älteste erhaltende Text, der den Messias ben Ephraim namentlich erwähnt, finden wir im Abschnitt Sukka 52a des Babylonischen Talmud.
Die zugrunde gelegte Bibelstelle aus Sacharja 12,10-11 beschreibt die so genannte Klage über den Durchbohrten, die in Punkt 2.2 über die biblischen Hinweise eines Messias ben Ephraim im Buch Sacharja behandelt wurde. Dalman sieht die Entstehung des Ephraim insbesondere durch die Exegese dieser Textstelle gegeben54. Eine These, der u.a. von Klausner widersprochen wird55. Zunächst erfahren wir etwas über eine Totenklage:
Und das Land wird trauern, jede Famile und insbesondere die Familie des Hauses Davids und speziell ihre Witwen…Was ist der Grund dieser Klage?
R.Dorsa und andere Rabbinen sind sich nicht einig an diesem Punkt. Der eine sagt, der Grund sei die Tötung des Messias ben Josef und die anderen sagen es wäre wegen dem bösen Trieb. Es ist gut nach dem, der erklärt, es ist wegen Messias ben Josef…57
Scheinbar gab es hier zwei verschiedene Auslegungen zu Sacharja 12,10ff., wobei der Bezug auf Messias ben Ephraim dem Verfasser dieser Stelle dann plausibler erschien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den geschichtlichen Hintergrund der Entwicklung eines dualen Messiasbildes.
2. Biblische Hinweise auf einen Messias ben Ephraim: Analyse der prophetischen Texte bei Jesaja und Sacharja, die den Grundstein für die Vorstellung eines leidenden Messias legten.
3. Die Vorstellung des Messias ben Ephraim im Babylonischen Talmud: Untersuchung der ältesten talmudischen Erwähnungen und der Einbettung der Figur in die Lehrmeinungen der Rabbinen.
4. Der Messias ben Ephraim in Eschatologie und Apokalyptik: Beleuchtung der Figur im Kontext eschatologischer Weltbilder, exemplarisch dargestellt anhand des Sefer Zerubbabel.
5. Die Vorstellung des Messias ben Ephraim in rabbinischen Homilien: Detaillierte Betrachtung der Leiden Efraims in der Pesikta Rabbati und deren Bedeutung als Trost für die Gemeinde.
6. Der Messias ben Ephraim in der späteren Literatur: Darstellung der Systematisierung der Messiaslehre bei Gelehrten wie Saadia Gaon.
7. Sabbatai Zwi als leidender Messias: Analyse der Projektion des leidenden Messias auf Sabbatai Zwi und die Rolle der lurianischen Kabbala.
8. Der Messias ben Ephraim als exegetisches, zeitgeschichtliches und religionspsychologisches Ergebnis jüdischer Geschichte: Zusammenfassende Deutung der Messiasfigur als Antwort auf das Leid des jüdischen Volkes.
Schlüsselwörter
Messias ben Ephraim, Messias ben Josef, Judentum, Eschatologie, Apokalyptik, Babylonischer Talmud, Pesikta Rabbati, Sabbatai Zwi, Leiden, Erlösung, Theodizee, Jesaja, Sacharja, Sefer Zerubbabel, Kabbala.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entstehung und den theologischen Wandel der Figur des „Messias ben Ephraim“ (auch Messias ben Josef) als leidende Gegenfigur zum siegreichen, königlichen Messias ben David.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die biblische Exegese, die rabbinische Tradition im Talmud, apokalyptische Schriften, mittelalterliche Homilien sowie die messianischen Bewegungen der frühen Neuzeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, warum und in welchem geschichtlichen Kontext die jüdische Tradition die Notwendigkeit entwickelte, ein gespaltenes Messiasbild zu konstruieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-philologische Analyse, kombiniert mit religionsgeschichtlichen und religionspsychologischen Ansätzen, um die Textquellen in ihren zeitgeschichtlichen Kontext einzubetten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch: von den biblischen Prophezeiungen über die talmudischen Textstellen und die apokalyptische Literatur bis hin zu den rabbinischen Predigten und der späteren Rezeption im Sabbatianismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Messias, Erlösung, Leiden, jüdische Geschichte, Theodizee, Eschatologie und Exegese charakterisiert.
Welche Rolle spielt das „Sefer Zerubbabel“ in der Argumentation der Autorin?
Das Sefer Zerubbabel dient als ein zentrales Beispiel für die apokalyptische Ausarbeitung der Figur, in der das Leiden des Messias ben Ephraim dramatisiert und als notwendiger Bestandteil des endzeitlichen Heilsplans dargestellt wird.
Warum wird die Figur des Sabbatai Zwi in diesem Zusammenhang analysiert?
Sabbatai Zwi wird als historisches Fallbeispiel betrachtet, auf den die traditionellen Konzepte des leidenden Messias projiziert wurden, um seinen pathologischen Zustand und sein Scheitern innerhalb des messianischen Glaubenssystems zu legitimieren.
Wie bewertet die Arbeit die Funktion des leidenden Messias im Judentum?
Die Autorin interpretiert die Figur als eine Form von „Seelsorge“, die dem leidenden Volk Israel einen Sinn in ihrem Schicksal gab und eine Antwort auf die drängende Theodizee-Frage bot.
Wann verlor die Vorstellung des Messias ben Ephraim an Bedeutung?
Laut der Arbeit fand die Vorstellung nach den enttäuschenden Ereignissen um Sabbatai Zwi einen ersten Dämpfer, erlitt jedoch durch die Katastrophe des Holocausts ihren wirklichen „Tod“ im lebendigen Bewusstsein des Judentums.
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- Patricia Yeshurun (Author), 2011, Die Vorstellung von dem Messias ben Ephraim im Judentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190488