Heimeinrichtungen am Beispiel der Kinder- und Jugendwohngruppe "Villa Max" der "Stiftung Dr. Georg Haar" Weimar

Wie lässt sich die Neue Steuerung in der Praxis realisieren?


Hausarbeit, 2009
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Die Stiftung „Dr. Georg Haar“ Weimar
2.1 Angaben zur Art der Gesamteinrichtung
2.2 Von Dr. Georg Haar zu differenzierten Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe - Ein Geschichtlicher Abriss
2.3 Die Grundwerte und das Leitbild der Stiftung „Dr. Georg Haar“
2.4 Die Organisatorische Struktur
2.5 Gleiche Qualität und fachliche Rahmenbedingungen in allen stationären Einrichtungen der Stiftung

3. Die Kinder- und Jugendwohngruppe „Villa Max“
3.1 Rechtliche Grundlagen, Aufnahmekriterien und pädagogische Ziele
3.2 Beispielhafte Methoden
3.2.1 Das Kontaktbetreuersystem
3.2.2 Das Monatsgespräch
3.2.3 Das Gruppengespräch
3.3 Das Raumkonzept der „Villa Max“
3.4 Betreuung von jungen Müttern mit ihren Kindern

4 Die Neue Steuerung- Qualität und Wirtschaftlichkeit
4.1 Ausgangspunkte
4.2 Die Qualität der erzieherischen Hilfen
4.3 Problematische Qualitätsmaßstäbe bei den Hilfen zur Erziehung
4.4 Leistungsvereinbarung, Entgeltvereinbarung und

Qualitätsentwicklungsvereinbarung

5 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen der Hausarbeit für die Vorlesung Handlungsfelder der Sozialen Arbeit soll eine soziale Einrichtung vorgestellt werden. Deshalb habe ich mich für das Thema „Stationäre Heimeinrichtungen am Beispiel der Kinder- und Jugendwohngruppe „Villa Max“ der Stiftung „Dr. Georg Haar“ Weimar, entschieden.

Außerdem werde ich versuchen, die Frage nach der Umsetzbarkeit der Neuen Steuerung, also die gesetzliche Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§§78 a bis g), am Praxis­beispiel der „Villa Max“, zu beantworten.

Für diese Thematik habe ich mich aufgrund der aktuellen Situation der stationären erzieherischen Hilfen entschieden. Durch den gesellschaftlichen Wandel der vergangenen Jahre, ist der Bedarf an Hilfen zur Erziehung, insbesondere stationärer Heimeinrichtungen, enorm angestiegen. Diese stellt die kostenintensivste Form der Erziehungshilfe dar. Die hohe Nachfrage der Anspruchsberechtigten stürzt die öffentlichen Träger in finanzielle Engpässe und führt zu einem Missverhältnis. Folglich ist die Neue Steuerung aus der Ökonomie auf die Kinder- und Jugendhilfe übertragen worden, mit der Hoffnung eine Kostensenkung zu bewirken. Die gesetzliche Erweiterung des KJHG führte zu einem Diskurs über die Qualität der erzieherischen Hilfen.[1] Ziel des Themas und der Fragestellung soll sein, die Machbarkeit bzw. die Umsetzungsfähigkeit der Neuen Steuerung am Beispiel der Kinder- und Jugend­wohngruppe „Villa Max“ zu ermitteln.

Zu Beginn der Hausarbeit soll im zweiten Kapitel die Stiftung „Dr. Georg Haar“ als bedeu­tender Träger der Region Weimars kennen gelernt werden. Die Art der Stiftung, ebenso wie die Geschichte, die Grundwerte, das Leitbild und die organisatorische Struktur, werden vor­gestellt. Denn es sollen die Rahmenbedingungen veranschaulicht werden, in welche die stati­onäre Einrichtung „Villa Max“ eingebettet ist. Dazu gehören ebenso die fachlichen Rahmen­bedingungen wie auch die Qualitätsanforderungen, welche die Stiftung „Haar“ an ihre Ein­richtungen hat. Das dritte Kapitel beschäftigt sich explizit mit der zu behandelnden Heimein­richtung sowie deren Konzeption. Es wird in die rechtlichen Grundlagen der Kinder- und Ju­gendwohngruppe, wie auch in die Methoden eingeführt sowie die Räumlichkeiten vorgestellt. Im Anschluss beschäftigt sich das vierte Kapitel mit der Neuen Steuerung und den damit ver­bundenen Qualitätsanforderungen. Das Schlusswort soll einen resümierenden Charakter ha­ben sowie die eingangs formulierte Fragestellung beantworten.

2. Die Stiftung „Dr. Georg Haar“ Weimar

2.1 Angaben zur Art der Gesamteinrichtung

Die Stiftung „Dr. Georg Haar“ ist eine private gemeinnützige Stiftung und anerkannter Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe in der Stadt Weimar, nach §75 SGB VIII, sie ist keinem Verband der freien Wohlfahrtspflege zugehörig. Im Bereich der Jugendarbeit versucht sie be­nachteiligten Kindern und Jugendlichen mit offener Jugendarbeit nach §11 SGBVIII, wie auch Hilfen nach §13 und §19 SGBVIII, nach den Hilfen zur Erziehung, in Verbindung mit §27ff. SGBVIII, Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII und Eingliederungshilfe für seelisch Behinderte, besonderen Schutz zukommen zu lassen. Es können Kinder und Jugend- liche zwischen 3 und 27 Jahren betreut werden.[2]

Die Organisation und Leitung der Stiftung unterhält und bringt unterschiedliche Projekte als in sich geschlossene und strukturierte Betriebe hervor. Die teamorientierten Betriebe der Stif­tung „Dr. Georg Haar haben ein, an ihrer Konzeption orientiertes Personalangebot. Jedes Team hat einen Leiter, als Bindeglied zur Gesamtleitung. Diese sind klar gegliedert und für Außenstehende transparent. Die Angebote, Programme und Zielgruppen sind durch Konzep­tionen abgesichert. Eindeutige Aufgabenstellungen, welche in den jeweiligen Konzepten ver­ankert sind, machen es möglich durch Teamberatungen, Klausurtagungen, Zwischenauswer- tungen, Fallberatungen und Supervisionen, die jeweiligen Pläne zu lenken.[3]

Dies sichert die Qualität der einzelnen Wohngruppen und macht es in Verbindung mit der Un­terstützung der Einrichtungs- und Erziehungsleitung der Stiftung sowie durch die Beratung der „AG Fallschirm“ möglich, effizient die im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII zu erreichen. Alle Angebote der Stiftung sind mit den freien Trägern im Verbund auf der Stadtebene und mit dem Jugendamt nach Bedarf abgestimmt.[4]

2.2 Von Dr. Georg Haar zu differenzierten Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe - Ein geschichtlicher Abriss

Der erfolgreiche Weimarer Unternehmer und Rechtsanwalt Dr. Georg Haar wurde am 17. November 1887geboren.

Im Dezember des Jahres 1933 ehelichte er Anna Karola Felicitas von Holtum aus Braun­schweig, welche zwei Söhne aus ihrer ersten Ehe mitbrachte.[5]

Nach dem Tod seines Vater, dem Kommerzienrat und Kaufmann Otto Haar 1936, zog er in die „Villa Haar“ und führte dessen Geschäfte im Konfektionswarenhaus „Max Haar“ in der Schillerstraße 5a, mit seiner Frau Felicitas erfolgreich weiter.

Auch während des Zweiten Weltkrieges gaben sie ihre Geschäfte nicht auf und lehnten es ab, nach Beendigung des Krieges mit den amerikanischen Einheiten aus Weimar wegzugehen. Die Trauer über den Tod Felicitas Söhne durch den Krieg ließ das Ehepaar nicht los. Auch die Besatzung Weimars, durch die russische Armee löste in Dr. Georg Haar und seiner Frau Angst vor Zwangsmaßnahmen dieser und Ungewissheit über die Zukunft aus. Deswegen ent­schieden sie sich gemeinsam am 22. Juli 1945 mit Hilfe von Gift für den Freitod.[6]

Mit seinem Testament vom 06. Juni 1945 machte er die Stadt Weimar zur alleinigen Erbin seines erheblichen Vermögens. Das Erbe war an die Bedingungen geknüpft in der „Villa Haar“ ein Kriegswaisenhaus einzurichten und den Namen des Gebäudes beizubehalten. Die Gewinne durch die zahlreichen Immobilien und das Geschäftshaus sollten der Finanzierung des Waisenhauses dienen.[7]

Schon im Oktober des gleichen Jahres zogen erste Waisen in die „Villa Haar“ ein. Ab August 1946 konnte auch das Kaufhaus in der Schillerstraße seiner testamentarischen Bestimmung dienen, da es zuvor noch von der russischen Armee genutzt wurde. Am 28. Februar 1947 wurde die Gründung der Stiftung „Dr. Georg Haar“ durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Ihr Vermögen besteht aus der „Villa Haar“, dem dazugehörenden Gründstück in der Ilmstraße 6 (heute Dichterweg 2a), den Gebäuden mit den entsprechenden Grundstücken in der Schillerstraße 5a, Deinhardtgasse 8 (heute Brauhausgasse) und dem damals unbebauten Areal zwischen der Schillerstraße und der Schützengasse.

Der finanzielle Erfolg der privatrechtlichen Stiftung „Dr. Georg Haar“ durch ihren Besitz und den Gewinn des Kaufhauses, wurde von der neuen Regierung der Deutschen Demokratischen Republik nicht geduldet. 1952 wurde die Firma „Max Haar“ verstaatlicht und von der Volks­eigenen Handelsorganisation übernommen, sämtliche Immobilien enteignet und die Stiftung „Dr. Georg Haar“ aufgelöst. Das Waisenhaus „Villa Haar“ wurde in „Kinderheim Rosa Thälmann“ umbenannt und der Ertrag Dr. Georg Haars einschließlich seines Erbes geriet in Vergessenheit.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands wurde 1990 die Umbenennung des Hauses in „Kin­derheimstätte Villa Haar“ beantragt und die Stiftung, im Sinne des Erbes, neu gegründet. Des Weiteren folgte die Umstrukturierung der Kinderbetreuung, den aktuellen Anforderung ent­sprechend, verbunden mit neuen Auflagen für die Betriebserlaubnis im Kontext des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. In Folge dessen wurde 1994 auf dem großzügigen Gelände der „Vil­la Haar“ ein Kinderheim neu gebaut und „Villa Felicitas“ genannt. Seit der Wende entwickel­te sich die Stiftung „Dr. Georg Haar“ zu einem fortschrittlichen Träger der Kinder- und Ju­gendhilfe wie auch der offenen Jugendarbeit.[8] Die „Villa Haar“ wird heute als Tagungs-, Se­minar- sowie Veranstaltungshaus genutzt.[9]

2.3 Die Grundwerte und das Leitbild der Stiftung „Dr. Georg Haar“

Individuelle Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen sind von der Gesellschaft abhängig, in der sie leben. Ihre Aufgabe ist es, benachteiligten Kindern und Jugendlichen besondere Hil­fe und Schutz zukommen zu lassen. Deshalb hat sich die Stiftung „Dr. Georg Haar“ das Ziel gesetzt, auf der Basis von freiheitlich demokratischen Grundwerten, unter besonderer Ach­tung der Menschenwürde, der Gleichberechtigung sowie der freien Entfaltung der Persönlich­keit, die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen individuell zu begleiten.[10]

Als Förderer heranwachsender Menschen und deren Familien vereint die Stiftung mithilfe ih­rer fachkundigen und produktiven MitarbeiterInnen, anpassungsfähige Konzepte; Maßnah­men, Projekte und Einrichtungen der ambulanten, stationären sowie offenen Kinder- und Ju­gendhilfe unter einem Dach, stammend aus der Weiterführung und dem Vermächtnis der Fa­milie Haar.

Des Weiteren versteht sich die Stiftung als zuverlässige, stabiler wie produktive Jugendhilfe­träger und als Erfolg versprechendes Unternehmen zugleich[11].

2.4 Die Organisatorische Struktur

Die Organe der Stiftung sind der Stiftungsvorstand und der Stiftungsrat. Vertreten wird die Stiftung durch ihren Vorstand, welcher als Kontrollorgan die Einhaltung des letzten Willens Dr. Georg Haars beaufsichtigt. Die Mitglieder des Stiftungsrates werden vom Stadtrat ge­wählt und haben zur Kontrolle das Entscheidungsrecht bei großen Veränderungen innerhalb der Stiftung inne, ebenso berufen sie den Gesamtsleiter.[12]

Unter dem Dach der Stiftung „Dr. Georg Haar“ hat die Organisation und die Gesamtleitung konzeptionell eigenständige stationäre und ambulante Einrichtungen der Kinder- und Jugend­hilfe geschaffen.

Die Stiftung „Dr. Georg Haar“ unterhält nach § 34, § 35 und § 35a integrativ in Verbindung mit § 27 des KJHG verschiedene Maßnahmen der stationären Einrichtungen. In familienähn­lichen Strukturen:

- die Kinder- und Jugendwohngruppe „Villa Felicitas“ (für 5 bis 18 Jährige)
- die Kinder- und Jugendwohngruppe „Villa Anna“ (für 5 bis 18 Jährige)
- „Villa Max“ (für Kinder und Jugendliche ab 13 Jahren)[13]
- „WG Erfurter Straße“ Weimar und „WG Spitzweidenweg“ Jena für Jugendliche und junge Erwachsene mit Essstörungen[14]
- vier Familienwohngruppen für die längerfristige Unterbringung von Kindern im Fa­milienverband.[15]

Das Projekt „Team Jugend Weimar“ wurde im Trägerverbund mit der Kindervereinigung Weimar e. V. gegründet. Die Jugendclubs „Vortrefflich“, Café Conti“ sowie der „Eckermann­Klub“, gehören zu den Angeboten der offenen Jugendarbeit, ebenso wie das Sportprojekt „Ju­gend gegen Gewalt“ und das Streetworkprojekt „Mobi Team“.[16]

Für Grundschüler die im normalen Schulbetrieb nicht regulär beschult werden können und Unterstützung brauchen, gibt es das Ganztagsschulprojekt „Kompass“.[17]

In der „Villa Matratze“ finden Jugendliche und junge Erwachsene eine Notfallschlafstelle und Schutz vor Obdachlosigkeit.[18]

Das Tochterunternehmen „AG Fallschirm GmbH“, gegründet von der Kinder- und Jugend­land GmbH und der Stiftung, bietet pädagogische, psychische sowie therapeutische Koordina­tion , ist also Fachdienstleister der stationären Einrichtungen der Stiftung.[19]

[...]


[1] vgl. Günder 2007, S.61

[2] vgl. Leistungsbeschreibung „Villa Max“ 2008, S. 1

[3] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/konzeption.html, 10. 07. 2009

[4] vgl. Leistungsbeschreibung „Villa Max“ 2008; S. 2

[5] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/geschichte.html, 10.07.2009

[6] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/geschichte-entstehung.html; 10.07.2009

[7] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/geschichte.html; 10.07.2009

[8] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/geschichte-entstehung.html; 10.07.2009

[9] vgl. http://www.stiftunghaar.de/villahaar/ueberblick.html; 11.07.09

[10] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/konzeption.html; 10.07.09

[11] vgl. http://www.stiftunghaar.de/pics/07.06.06_leitbild.pdf; 11.07.09

[12] vgl. http://www.stiftunghaar.de/stiftung/konzeption.html; 10.07.09

[13] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/villafelicitas.html; 15.07.09

[14] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/wgs.html; 15.07.09

[15] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/famwg.html; 15.07.09

[16] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/tjw.html; 16.07.09

[17] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/kompass.html; 16.07.09

[18] vgl. http://www.stiftunghaar.de/einrichtungen/matratze.html; 16.07.09

[19] vgl. Leistungsbeschreibung „Villa Max“ 2008; S. 3

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Heimeinrichtungen am Beispiel der Kinder- und Jugendwohngruppe "Villa Max" der "Stiftung Dr. Georg Haar" Weimar
Untertitel
Wie lässt sich die Neue Steuerung in der Praxis realisieren?
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Handlungsfelder der Sozialen Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V190513
ISBN (eBook)
9783656152545
ISBN (Buch)
9783656152996
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heimeinrichtungen, beispiel, kinder-, jugendwohngruppe, villa, stiftung, georg, haar, weimar, neue, steuerung, praxis
Arbeit zitieren
Lydia Respondeck (Autor), 2009, Heimeinrichtungen am Beispiel der Kinder- und Jugendwohngruppe "Villa Max" der "Stiftung Dr. Georg Haar" Weimar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190513

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