Delinquenz verstehen


Bachelorarbeit, 2012

66 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das institutionelle System der Kinder- und Jugendhilfe
1.1 Der Perspektivwechsel der Jugendhilfe
1.2 Struktur des SGB VIII
1.2.1 Woran orientieren sich die Leistungen der Jugendhilfe?
1.2.2 Eingriffsrechte und das Prinzip der Freiwilligkeit des Jugendamtes
1.3 Der Schutzauftrag des Jugendamtes
1.4 Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe- Im Besonde ren die Hilfen zur Erziehung

2 Der Zugang zum Verständnis der Dissozialität von der psychoanalytischen Theorie psychischer Konflikte
2.1 Die Bedeutung der Lösung der Ödipalen Wende
2.2 Die Ich- Störung
2.3 Die Problematik des Über- Ichs
2.4 Die narzisstische Störung

3 Fallbeispiel
3.1 Vorstellung der Familie, Diagnostik und Behandlung in der KJP und erster Kontakt zum Jugendamt
3.2 Zwei Jahre später: Gewalttätigkeit in der Familie- An zeigen wegen schwerer Körperverletzung
3.3 Kollegiale Beratung und Helferkonferenz im Jugendamt, Mai 2006_
3.4 Antrag auf Hilfe zur Erziehung und Verhandlung vor dem Familiengericht
3.5 Zwischenzeitliche Straftaten
3.6 Erste stationäre Unterbringung und Flucht und Tod des Vaters
3.7 Zweiter stationärer Unterbringungsversuch
3.7.1 Probetage in der Wohngruppe
3.7.2 Aufenthalt in der Wohngruppe Januar- September
3.7.3 Der (sinngemäße) Abschlussbericht der Wohngruppe
3.7.4 Aufenthalt bei der Mutter ab September 2007- Untersuchungshaft
3.8 Dritter Unterbringungsversuch in einer Jugendhilfeeinrichtung
3.8.1 Bericht der Einrichtung (nach Abbruch der Maßnahme)
3.8.2 Schulentwicklung aus dieser Zeit- Die „10 Gebote"
3.8.3 Und das Ende?!

4 Die Interpretation der Fallgeschichte- Zum Vorgehen der Jugendhilfe und den Grenzen der Hilfemaßnahmen

5 Interpretation aus Sicht psychoanalytischen Entwicklungspsychologie

6 Schlusswort

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

Einleitung

Delinquente Jugendliche wecken auf verschiedenen Seiten ein enormes Interes­se und werden vor allem gesellschaftlich sowie wissenschaftlich als soziale Prob­lematik diskutiert. Dabei gilt das besondere Interesse am häufigsten den Ursa­chen für delinquentes Verhalten. Für mustergültig werden dabei Faktoren wie schlechte Freunde, Alkohol- und Drogenkonsum, Armut, ein vorhandener Migra­tionshintergrund usw. verantwortlich gemacht. In diesem Zusammenhang wird verbreitet auf Präventions- und Interventionsmaßnahmen gesetzt, um den Eintritt in die Delinquenz zu vermeiden und um delinquente Verhaltensmuster zu unter­brechen (z. B. AAT[1] ) (vgl. Rabold; Baier 2007, S. 1).

Doch was ist mit Jugendlichen (oder Kindern), bei denen derartige Interventionen keine Erfolge zeigen? Die so genannten „schweren Fälle", die sich scheinbar gewissenlos, weder von der Justiz noch vom Jugendamt Grenzen setzen lassen und keine Hilfen annehmen?

Darin liegt die Problematik der so genannten delinquenten Jugendlichen. Ihren Aggressionen, (zum Teil) unkontrollierten Wutausbrüche und zahlreichen Grenz­überschreitungen wird versucht rechtlich Einhalt zu gebieten und erzieherische Hilfen entgegen zu setzen. Aber für den (psychologischen) Grund dieses Verhal­tens (Symptome) wird kein Verständnis von den Zuständigen hervorgebracht. Da nur den Symptomen und nicht den psychodynamischen Ursachen Maßnahmen entgegengesetzt werden, verwundert es nicht weshalb eine langfristige Besse­rung ihres Verhaltens nicht eintritt oder keine Hilfen angenommen werden.

Bei der Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe, sowohl in einer Jugendwohngrup­pe, als auch bei der Jugendhilfe im Strafverfahren (Jugendgerichtshilfe), habe ich selbst erfahren was es bedeutet, wenn das Jugendamt und andere Beteiligte (Pädagogen in Wohngruppen, Justiz) bei Jugendlichen mit komplexen Problem­lagen an ihre Grenzen stoßen. Deshalb habe ich einen „ungelösten, komplizier­ten Fall" der Jugendhilfe im Strafverfahren ausgewählt, um diesen im Rahmen der Arbeit psychoanalytisch zu hinterfragen.

Zuerst erfolgt jedoch die Erläuterung des Systems der Kinder- und Jugendhilfe auf der Grundlage des SGB VIII. Dies geschieht, um die Handlungsweisen des Jugendamtes im Bezug auf mein Fallbeispiel besser nachvollziehen zu können. Im Folgenden (Punkt 2) versuche ich einen Zugang zum Verständnis der Disso­zialität von der psychoanalytischen Theorie psychischer Konflikte zu schaffen. Dieser Zugang beinhaltet die Ödipale Wende, die Ich- Störung, die Problematik des Über- Ichs und damit einhergehend, die narzisstischen Störungen als Teil der dissozial- aggressiven Störungen. Die genannten Bereiche sind ebenfalls vor dem Hintergrund der vorliegenden Problematik des Fallbeispiels ausgewählt worden. Aufgrund der Komplexität des Fallbeispiels, die sich im Laufe der Bear­beitung herausstellte, wurde dieser Punkt mit Unterstützung von Frau Kipp er­stellt. Den inhaltlich umfangreichsten Teil der Arbeit stellt somit auch die chrono­logische Erläuterung des Fallbeispiels dar (Punkt 3). Die umfangreiche Darstel­lung meines Fallbeispiels ist erforderlich, um die komplexe Problematik der Ge­schichte zu erfassen und um im Anschluss eine Interpretation erstellen zu kön­nen. Dem Fallbeispiel folgt sowohl eine Interpretation im Bezug auf die Vorge­hensweise der Jugendhilfe (und deren Grenzen), als auch eine Interpretation des Falls aus der Sicht der psychoanalytischen Entwicklungspsychologie. Zur Ergän­zung befinden sich im Anhang ein Auszug aus dem BGB sowie zwei handschrift­liche Dokumente des Jungen aus dem Fallbeispiel.

Ziel der Arbeit ist es, Delinquenz zu verstehen. Das heißt, ein Verständnis für die Psychodynamik dissozial- aggressiver Kinder und Jugendlicher und deren Grenzüberschreitungen zu entwickeln, indem die Ursachen der Symptome (Ver­haltensweisen) psychoanalytisch hinterfragt werden. Es soll aber auch geklärt werden, was die Jugendhilfe im Fall von dissozial- aggressiven Kindern/ Jugend­lichen leisten muss. Die Arbeit ist eine Verbindung zwischen Jugendhilfe und Psychoanalyse, die anhand meines Fallbeispiels hergestellt und interpretiert wird.

Das institutionelle System der Kinder- und Jugendhilfe In diesem Kapitel möchte ich das Kinder- und Jugendhilfesystem, mit seinen Rechtsnormen und den damit einhergehenden Handlungsmöglichkeiten sowie -aufträgen des Jugendamtes, erläutern. Zum Verständnis meiner Arbeit ist es von Bedeutung die Thematik der Kinder- und Jugendhilfe zu behandeln. Die Motive der sozialpädagogischen Vorgehensweisen des Jugendamtes sollen sichtbar gemacht werden, um besonders im Bezug auf das Fallbeispiel, ver­schiedene Handlungsabläufe besser erfassen zu können. Der Fokus liegt hierbei auf der staatlichen „Wächteramtfunktion“ des Jugendamtes, in Verbin­dung mit familienersetzenden[2] Maßnahmen des KJHG[3].

Gertrud Bäumer benannte die Kinder- und Jugendhilfe als, „alles was Erzie­hung, aber nicht Schule und nicht Familie ist“ (Bäumer 1929, S. 3). Damit war Bäumer die Wegbereiterin für die Kinder- und Jugendhilfe, die in den gesetzli­chen Bestimmungen ihren Niederschlag gefunden hat. Hiernach sollte Erzie­hung als Ergänzung zu Schule und Familie durch eigenständige Einrichtungen der staatlichen Hilfen geleistet werden. Natürlich hat in der sozialpädagogi­schen Arbeit im Laufe der Zeit eine ständige Ausdifferenzierung individueller Hilfen stattgefunden. Sodass sich die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe heute auf fast alle Lebensbereiche erstrecken. Vor allem sind sie im Bereich der Familie zu finden. Wobei aktuell ebenso schul- und familienergänzende Maßnahmen, wie die Schulsozialarbeit oder die Sozialpädagogische Famili­enhilfe zum festen Bestandteil der Sozialpädagogik gehören.

Trotz ihrer tatsächlichen Ausweitung, wird die Sozialpädagogik der Kinder- und Jugendhilfe, im engeren Sinne fälschlicher Weise noch immer in ihrer Darstellung auf das Gebiet der Erziehung begrenzt. Diese Einschränkung hat laut Bock im historischen Kontext nie den Tatsachen entsprochen (vgl. Bock 2005, S. 303f.).

1.1 Der Perspektivwechsel der Jugendhilfe

Nach dem Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) bestand die staatliche Einwirkung auf Kinder und Jugendliche sehr lange und ausschließlich darin, Verwahrlo­sung abzuwenden, um die allgemeinen Ordnung und Sicherheit zu garantie­ren. Gegenüber der ordnungspolitischen Funktion der Jugendarbeit, insbe­sondere im Zusammenhang mit den Reformen, die im Anschluss an die auto­ritäre Bewegung nach 1968 in Gang kamen, ist das Wohl der Kinder und Ju­gendlichen, ihrer Familien und deren vielseitige Problemlagen in den Mittel­punkt gerückt. Zunächst galt jedoch noch das alte Konzept der Fürsorgeerzie­hung. Allein das Jugendamt entschied, was für die Beteiligten am Besten ist, wobei die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen nicht berücksichtigt wor­den (vgl. Trenczek, Tammen; Behlert 2008, S.365). Erst mit der Einführung des neuen KJHG 1991 hat sich die Bundesrepublik von der „Zwangserzie­hung“ losgesagt (vgl. Post 2002, S. 20). Das KJHG ist im wesentlichen ein „Anspruchsgesetz“: Die familienersetzenden Hilfen basieren nicht mehr auf den Eingriffsrechten des Staates (mit Ausnahme des Schutzes vor Miss­brauch des Elternrechts nach §§1666 und 1666a), sie sind abhängig vom Wunsch der Erziehungsberechtigten. Die betroffenen Kinder und Jugendli­chen stehen im Mittelpunkt, eine stationäre Einrichtung besitzt keine von den Eltern unabhängige Schutz- und Erziehungsaufgabe (vgl. Post 2002, S.47f.). Mit der Ablösung des Jugendwohlfahrtsgesetzes, wird das Jugendamt, wel­ches die Gesetze der Kinder- und Jugendhilfe ausführt, nun nicht weiterhin als Behörde der Kontrolle und des Eingriffs gesehen (vgl. Wiesner 2007, S. 549). Die Verhältnismäßigkeit der Jugendhilfe hat sich von einer dominanten Unter­bringung in Heimen, hin zu einem freiwilligen, individuellen und dienstleis­tungsorientierten Hilfsangebot, entwickelt. Die hauptsächlich vorherrschende Fremdunterbringung wurde durch ein breites Leistungsangebot ersetzt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den familienunterstützenden[4] und familienergän- zenden[5] Hilfen. Dadurch hat sich auch die Rolle des Jugendamtes gewandelt. (vgl. Wiesner 2007, S. 549).

1.2 Struktur des SGB VIII

1.2.1 Woran orientieren sich die Leistungen der Jugendhilfe?

Das Jugendamt handelt grundsätzlich nach den Gesetzen des Achten Sozial­gesetzbuches, in welchem die rechtlichen Bestimmungen der Kinder- und Ju­gendhilfe festgelegt sind (vgl. Bock 2007, S.304). Der wichtigste Auftrag ist im § 1 formuliert: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Ent­wicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemein­schaftsfähigen Persönlichkeit.“ (vgl. BMFSFJ 2007, S.5). Dies meint den „Dienstleistungscharakter“, der allen Kindern und Jugendlichen offen steht. Es werden also nicht nur gefährdete oder benachteiligte Kinder und Jugendliche angesprochen. Zur Verdeutlichung: Die staatliche Unterstützung bezieht sich auf die breit gefächerten Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe. Dies meint also zum Beispiel die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Kin­dertagespflege (Dritter Abschnitt des SGB VIII) (vgl. Bock 2007, S. 304). Es ist also an alle Menschen und Familien adressiert. Diese stehen im Zentrum der Dienstleistung und in Absprache mit den Betroffenen werden diese bei ihren Anliegen sowie Schwierigkeiten unterstützt. Die Jugendhilfe begreift sich selbst als Unterstützung, damit sich andere (bedürftige) Menschen nach ihren Vorstellungen selbst verwirklichen können.

Neben dem Dienstleistungscharakter der Kinder- und Jugendhilfe, kommt vor allem das charakteristische Ideal und vor allem das Ziel pädagogischen Han­delns des §1 Absatz 1 zum tragen, nämlich die „ Entwicklung (...) zu einer ei­genverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ des Men­schen.

Die Hilfen des SGB VIII sind allerdings nur teilweise an das betroffene Kind oder den Jugendlichen direkt gerichtet. Hauptsächlich richten sich die Leis­tungen des SGB VIII an die Eltern. Sie richtet sich deshalb an die Eltern weil diese nach dem Grundgesetz verpflichtet sind die Sorge für das Wohl ihrer Kinder zu tragen, deshalb sind sie die Inhaber des Anspruchs auf Hilfe (zur Erziehung, nach unserem Beispielfall). Die Familienorientierung des §6 Ab­satz 2 des Grundgesetzes und des §1 Absatz 2 des SGB VIII zielt im Sinne der Kinder- und Jugendhilfe auf eine Unterstützung der Eltern und auf die Stärkung der familiären Erziehungsfähigkeit.

Die Prävention ist von Bedeutung für die Stellung und die Funktion der Kinder- und Jugendhilfe. Denn im Bezug auf den Sozialstaat und dessen, im Grund­gesetz fest geschriebenen Auftrag, geht es nicht ausschließlich um den Schutz oder die Abwendung von Gefahren bei Kindern und Jugendlichen. Die Jugendhilfe muss präventive Maßnahmen ergreifen, die die Familien fördern und unterstützen, damit es erst gar nicht zu solchen Gefahrensituationen kommt. Dazu gehört es auch, Verbesserung zu schaffen, damit die Möglich­keit für eine gesellschaftliche Beteiligung solcher Familien besteht.

Durch den Präventionsgedanken als Basis der Jugendhilfe wird noch einmal der Perspektivwechsel deutlich, der mit der Neuerung des SGB VIII einherge­gangen ist. Die Ausrichtung auf präventive Maßnahmen kommt nicht nur in den differenzierten Hilfen zum Tragen, sondern auch in deren Vorraussetzun­gen. Dies wird vor allem im Unterschied vom §27 SGB VIII zum § 1666 BGB sehr deutlich. Weil die Angebote der Jugendhilfe nicht mehr defizitorientiert ausgerichtet sind, sondern von der jeweiligen Situation der Benachteiligung ausgehen (vgl. §§ 1 Absatz 3 und 27 Absatz 1 SGB VIII). Nach § 52 Absatz 2 SGB VIII; sind Hilfen rechtzeitig zu realisieren, um familiäre und soziale Be­nachteiligungen oder Belastungen zu verhindern oder zu vermindern.

Inhaltlich werden nach dem SGB VIII viele verschiedene Arten der Hilfe, Un­terstützung, wie auch Förderung für Erziehungsberechtigte und deren Kindern angeboten. Zugleich besteht darüber hinaus eine Verpflichtung Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern. Dieses Ziel der Jugendhilfe ist nicht direkt im § 1 Absatz 1 des SGB VIII formuliert, sondern den genauen Leistungsgesetzen zu entnehmen, im Speziellen den §§ 11 bis 13 (vgl. Trenc- zek; Tammen; Behlert 2008, S. 366f.)

1.2.2 Eingriffsrechte und das Prinzip der Freiwilligkeit des Jugendamtes

Das Jugendamt besitzt nach dem KJHG- anders als es noch vor 1991 nach dem JWG der Fall war- keine Eingriffsrechte mehr. Nach der Leistungs- und Aufgabenbeschreibung der Jugendhilfe hat das Jugendamt keine Handhabe dafür, um juristisch in das Leben der Betroffenen eingreifen zu können. Aus­schließlich in Krisen- oder Gefahrensituationen ist es dem Jugendamt erlaubt, gegen den Willen der Kinder oder Jugendlichen beziehungsweise der Eltern, eine zeitlich begrenzte Inobhutnahme vorzunehmen (§§ 8a Absatz 3 und 42 SGB VIII).

Ist es für Schutzmaßnahmen der minderjährigen Kinder oder Jugendlichen gegenüber notwendig in Rechte einzugreifen, wie es beim Einschränken oder Entziehen des Sorgerechts, aber auch bei einer freiheitsentziehenden Auf­nahme in der Psychiatrie der Fall ist[6], so hat das Familiengericht darüber zu entscheiden. Es ist gesetzlich so festgelegt, dass das Familiengericht in sol­chen Fällen die Entscheidungsmacht trägt, das Jugendamt kann sich maximal empfehlend oder anregend äußern (§8a Absatz 3 SGB VIII).

Folglich begründet sich das Kinder- und Jugendhilferecht auf dem Freiwillig­keitsprinzip. Soweit keine Notwendigkeit des Schutzes vor Gefahrensituatio­nen besteht, steht es den Adressaten frei, ob sie einem Hilfsangebot zustim­men oder dieses ablehnen. Das Prinzip der Freiwilligkeit findet seine sozi­alwissenschaftliche Begründung darin, dass die Erfolgschancen freiwillig an­genommener und mitgestalteter Hilfen höher sind, als bei aufgedrängten, vor­gegebenen Hilfen. Der Charakter des KJHG liegt deshalb nicht mehr beim al­ten Konzept der Fürsorge, sondern bei einer freien Auffassung von Erziehung. Somit werden bei allen Entscheidungen über Jugendhilfemaßnahmen, vor al­lem die betroffenen Kinder oder Jugendlichen miteinbezogen. Es ist beson­ders eine Mitwirkung der Sorgeberechtigten und deren Kinder bei der Hilfe­planung gefragt (§ 36 SGB VIII).

Auch Eingriffe in Krisensituationen werden in der Kinder- und Jugendhilfe nicht ungefragt vorgenommen. Hier ist es in der Regel ebenfalls so, dass die geplanten Schritte mit den Adressaten abgesprochen. Der § 8a Absatz 1 SGB VIII wird dazu im folgenden Punkt über den Schutzauftrag des Jugendamtes noch näher behandelt.

Außerdem stehen den Betroffenen das Wunsch- und Wahlrecht nach § 5 SGB VIII zu. Dies besagt, dass die Adressaten ein Recht darauf haben, ihre Hilfe­leistungen mitzugestalten und unter gewissen Einschränkungen ebenso selbst wählen können. Das Wahlrecht beschränkt sich in diesem Sinne etwa, zum Beispiel auf ausgewählte stationäre Jugendwohngruppen, die für den speziel­len Jugendhilfefall geeignet sind. Hier können sich Eltern und Jugendlicher dann beispielsweise zwischen zwei oder drei in Frage kommenden Einrich­tungen eine entsprechende ausgesucht werden (vgl. Trenczek; Tammen;. Be- hlert 2008, S. 366f.).

1.3 Der Schutzauftrag des Jugendamtes

Die Kinder- und Jugendhilfe hat, wie es im § 1 Absatz 3 Satz 3 geschrieben steht: „Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen". (BMFSFJ 2007, S.69) Mit der Weiterentwicklung des KJHG wurden die Kon- trollbefugnisse des Jugendamtes 2005 bekräftigt. Von besonderer Bedeutung ist hierbei der § 8a SGB VIII zur Regelung des Schutzes bei Gefährdung des Kindeswohls. Der Schutzauftrag der Kinder- und Jugendhilfe nach § 8a, soll nun verschiedene Unsicherheiten im Umgang mit Hinweisen und Symptomen von Gefährdungen, wie auch bei der Abschätzung des Risikos, beseitigen. In diesem Artikel ist festgelegt, wie das Jugendamt mit eventuellen Gefährdun­gen umzugehen hat. Auf der einen Seite geht es hier um eine Verfahrensvor­schrift durch den § 8a SGB VIII, beispielsweise im Bezug auf die Kooperation von verschiedenen Fachkräften, den Erziehungsberechtigten oder den freien Trägern mit dem Jugendamt. Andererseits geht es ebenso um bestimmte selbständige Funktionen, wie bei der Beurteilung eines Gefährdungsrisikos, um gegebenenfalls das Familiengericht zu informieren (siehe auch Abb. 1).

Die Eingriffsrechte des Jugendamtes gegenüber den Rechten der Betroffenen haben sich mit dem neuen § 8a SGB VIII nicht erweitert.

Im ersten Absatz des § 8a SGB VIII wird das Verfahren zur Abschätzung von Gefährdungssituationen geregelt. In Kooperation mit mehreren Professionel­len wird das Risiko für das Wohl des Kindes abgeschätzt, falls das Jugendamt ernsthafte Anzeichen dafür in Erfahrung bringt. Bei der Beurteilung der Ge­fährdungssituation werden, wie gesagt auch die Sorgeberechtigten und das Kind mit einbezogen. Diese Einbeziehung ist allerdings nur soweit möglich, als die Sicherheit für das Kind nicht in Zweifel gezogen werden muss. Normaler Weise wird die Aufklärung des Geschehens mit den Betroffenen zusammen vorgenommen und nicht hinter ihrem Rücken ohne sie. Ausgeschlossen sind dabei diejenigen Fälle, in denen die Ergründung von Informationen mit den Betroffenen nicht möglich ist oder wichtige Erkenntnisse für den Schutz des Kindes bei Dritten einzuholen sind, tritt (§ 62 Absatz 3 Nr. 2d SGB VIII) in Kraft.

Wenn das Jugendamt dann Hilfen für erforderlich hält, um die Abkehr von vorhandenen Risiken zu bewirken, müssen diese den Eltern vorgeschlagen werden. Die Betonung des § 8a Absatz 1 SGB VIII liegt damit auf dem Vor­rang des Rechtes der Sorgeberechtigten, vor dem der Intervention. Im Absatz 3 des Artikels 8a wird das Verfahren geregelt, falls sonstige Hilfen zur Erzie­hung nicht ausreichen, um der Gefährdung eines Kindes entgegen zu wirken. Das Jugendamt wird im Absatz 3 dazu beauftragt, das Familiengericht zu in­formieren, falls ein Handeln des Familiengerichtes für notwendig erachtet wird. Dem Jugendamt steht im Bezug auf die Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls (als Bedingung für Eingriffe nach §§ 8a Absatz 1 und 42 SGB VI­II) kein Beurteilungsspielraum zu, dieser ist dem Gericht vorbehalten. Anders verhält es sich bei der explizit zugewiesenen Erlaubnis zur Beurteilung nach § 8a Absatz 3. Hier kann das Jugendamt sogar ogar bei einer existierenden Ge­fährdungssituation, kann das Jugendamt selbst entscheiden, ob es das Fami­liengericht informiert. Der Staat hat es an das Jugendamt weitergegeben, vor­erst die Mitwirkungsbereitschaft beziehungsweise das Potenzial der Erzie­hungsberechtigten, mit den Möglichkeiten der Sozialpädagogik zu aktivieren und zu verbessern. Ausschließlich dann der sozialpädagogische Dialog mit der Familie nicht gelingt, die Eltern nicht erreicht werden können und erforder­liche Hilfen zur Erziehung abgelehnt werden, hat das Jugendamt das Famili­engericht zu verständigen, damit ein eventuell erforderliches Urteil über das Sorgerecht getroffen werden kann (vgl. Trenczek; Tammen; Behlert 2008, S.369ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die Übersicht ist entnommen aus: Trenczek;Tammen; Behlert 2008, S.372.

1.4 Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe- Im Besonderen die Hilfen zur Erziehung

Das KJHG setzt sich aus den[7] Kapiteln der allgemeinen Vorschriften (§§ 1- 10 SGB VIII), den anderen Aufgaben (§§42- 60 SGB VIII) der Jugendhilfe, dem Schutz von Sozialdaten (§§ 61- 68 SGB VIII), den Trägern der Jugendhilfe (§§ 69- 81 SGB VIII), den zentralen Aufgaben (§§ 82- 84 SGB VIII), der Kostenbe­teiligung (§§ 90- 97c SGB VIII) u. a. zusammen.

Die konkreten Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe werden in den §§ 11­41 SGB VIII aufgeführt und erläutert. Dieses Kapitel der Jugendhilfe enthält ein breit gefächertes Angebot, dass von niedrigschwelligen Angeboten, die von der Allgemeinheit (z.B. Anspruch und finanzielle Hilfe für den Kindergar­tenbesuch) beansprucht werden können, bis hin zu umfassenden individuellen Hilfen in komplexen Problemlagen reicht. Die Leistungen der Kinder- und Ju­gendhilfe sind in vier Abschnitten angeordnet. Von diesen vier Abschnitten werde ich im folgenden alle benennen, jedoch im Hinblick auf mein Fallbei­spiel nur die Hilfen zur Erziehung näher betrachten.

Im ersten Abschnitt geht es nach §§ 11 bis 15 SGB VIII, um die Leistungen der Jugendarbeit (Freizeitarbeit), der Jugendsozialarbeit (Schulsozialarbeit, Jugendberufshilfe) sowie den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz (Prä­vention).

Die §§ 16- 21 SGB VIII umfassen die Förderung der Erziehung in der Familie. Dazu gehören die allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie (Famili­enbildung und- erholung), gemeinsame Wohnformen für Mütter/ Väter und Kinder, die Versorgung des Kindes in Notsituationen (Ausfall der Eltern durch Krankheit, Freiheitsentzug o.ä.) sowie die Unterstützung zur Erfüllung der Schulpflicht. Des Weiteren gehören auch Beratungen und Unterstützungen in Krisen- sowie Konfliktsituationen, bei Trennung oder Scheidung und bei der Umsetzung des Umgangsrechts zum Abschnitt Förderung und Erziehung in der Familie dazu.

Die Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und in Tagespflege (§§ 22­26 SGB VIII) wird im dritten Abschnitt des Kapitels der Leistungen der Ju­gendhilfe geregelt. Hier geht es um eine Förderung der Kinder im Sinne des § 1 Absatz 1 SGB VIII und darum, Familie und Beruf miteinander vereinbaren zu können.

Neben der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder oder Jugendli­che (§ 35a SGB VIII) und der Volljährigenhilfe (§ 41 SGB VIII), besteht der vierte Abschnitt der Leistungen der Jugendhilfe vor allem aus den Hilfen zur Erziehung (§§ 27- 40 SGB VIII). In diesen drei Bereichen sind hauptsächlich die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, die von individuellen Lebensbe­dingungen abhängen, zu finden. Die Bereiche des vierten Abschnitts der Ju­gendhilfeleistungen sind in der Vorgehensweise ihrer Organisation, wie auch den Hilfearten fast identisch (vgl. Trenczek; Tammen; Behlert 2008, S. 377­386).

Die Hilfen zur Erziehung sind eines der am meisten ausgedehnten Tätigkeits­bereiche der Jugendhilfe. Im § 27 des SGB VIII ist die gesetzliche Formulie­rung der Hilfen zur Erziehung zu finden (vgl. Bock 2007, S. 305). Zur Durch­führung einer Hilfe zur Erziehung, muss § 27 SGB VIII erfüllt sein (vgl. Post 2002, S. 92). Dementsprechend hat ein Personensorgeberechtigter Anspruch auf Hilfe zur Erziehung, wenn dieser das Wohl seines Kindes nicht mehr ge­währleisten kann (vgl. BMFSFJ 2007, S.81f.). Personen haben nur ein An­recht auf Hilfe zur Erziehung, wenn eine erzieherische Notwendigkeit für das betroffene Kind oder den Jugendlichen vorhanden ist.

Im alten JWG ging es im Gegensatz dazu nicht um den Hilfebedarf, sondern um eine Defizitorientierung in der Erziehung und eine Suche nach Störungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Indizien für Verwahrlosung.

Im Unterschied zu den anderen Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe wer­den also nicht alle Familien angesprochen. Es richtet sich an Familien, bei de­nen „ eine dem Kindeswohl entsprechende Erziehung nicht gewährleistet“ (§ 27 SGB VIII) ist. In dieser Formulierung wird auf eine Defizitorientierung ver­zichtet, auch muss es sich nicht zwingend um eine Gefährdung des Kindes­wohls handeln. Im Unterschied zum § 1666 BGB, sind Hilfen zur Erziehung nicht mit einer Intervention in das Sorgerecht der Eltern verbunden. Eine be­deutende Rolle spielt hierbei der präventive Handlungsauftrag der Kinder- und Jugendhilfe, wonach keine Gefährdungssituation gegeben sein muss. Das An­recht auf die Leistungen der Hilfen zur Erziehung wird bereits hervorgerufen, wenn solche Benachteiligungen für Kinder oder Jugendliche bestehen, dass sie daran gehindert werden sich gesellschaftlich einzugliedern.

Wenn ein erzieherischer Bedarf unter den genannten Vorraussetzungen be­steht, kommt eine Bandbreite an unterschiedlich intensiven Hilfen in Frage. In den §§ 28 bis 35 SGB VIII sind diese Hilfen aufgeführt. Im Bezug auf die Vor­raussetzungen für den Anspruch auf Leistung, also den Problemlagen besteht eine Wechselbeziehung zu den Hilfsangeboten der Jugendhilfe. Der Leis­tungsanspruch ist also direkt an eine genaue Hilfeart gebunden. Die typischen Hilfen nach §§ 28 bis 35 sind deshalb nicht ausreichend und müssen dem ge­nauen Bedarf entsprechend geschaffen und bereitgestellt werden. Bei jedem individuellen Fall, ist der exakte Bedarf für das Kind oder den Jugendlichen zu bestimmen und in Anlehnung dessen auch die passende Hilfeleistung, nach Art und Umfang.

Es ist ein detailliertes Handeln erforderlich, um für die komplexe Problematik der verschiedenen Adressatengruppen angemessene Leistungsangebote be­reitstellen zu können (Verhältnismäßigkeitsprinzip). Vorerst ist abzuwägen, ob eine Fremdunterbringung für notwendig erachtet wird. Beispielsweise kann das bei einer Gefährdungssituation durch die Familie erforderlich sein. Beste­hen beim Jugendamt Zweifel über eine Fremdplatzierung, sind ambulante Hil­fen zu bevorzugen, die sich an der Lebenswelt der Betroffenen orientieren. Zu den ambulanten Hilfen gehören: die Erziehungsberatung (§ 28 SGB VIII), die soziale Gruppenarbeit (§ 29 SGB VIII), der Erziehungsbeistand (§ 30 SGB VI­II), und die sozialpädagogische Familienhilfe (§ 31 SGB VIII).

Bei komplizierten familiären Verhältnissen kann ebenso ein teil- oder stationä­res Hilfsangebot in Erwägung gezogen werden. Bei einer teilweisen Unter­bringung des Kindes oder des Jugendlichen, handelt es sich um eine Tages­gruppe (§ 32 SGB). Wenn eine vorläufige oder vollständige Unterbringung an­gebracht ist, gibt es dafür unterschiedliche Wege. Für kleinere Kinder werden bevorzugt Pflegefamilien gesucht (§ 33 SGB VIII). Es kann auch zu einer Un­terbringung in einem Heim kommen, wobei es viele verschiedene Arten gibt. Die so genannten Heime sind heute auf die Bedürfnisse der Kinder sowie Ju­gendlichen abgestimmt und besitzen zum Teil familiäre Strukturen. Vor allem ältere Jugendliche und Heranwachsende wohnen dabei in Wohngemeinschaf­ten oder Jugendwohngruppen, aber auch in einzelnen Wohnungen zur Ver­selbständigung (§ 34 SGB VIII). Bei extrem schwierigen Kindern oder Jugend­lichen besteht auch die Möglichkeit einer intensiven sozialpädagogischen Ein­zelbetreuung (§35 SGB VIII).

Wie bereits oben erwähnt, können die Hilfen zur Erziehung von den Adressa­ten nach dem Prinzip der Freiwilligkeit angenommen oder abgelehnt werden. Die Hilfsangebote der Jugendhilfe werden jedoch von den Betroffenen zum Teil als Einmischung in das Familienleben wahrgenommen. Dies ist haupt­sächlich bei Fremdunterbringungen der Fall. Bei der Ablehnung oder einem vorzeitigen Abbruch der Hilfen durch die Erziehungsberechtigten hat das Ju­gendamt zu prüfen, ob eine Gefährdung für das Wohl des Kindes vorliegt (§ 8a SGB VIII). Falls das Kindeswohl gefährdet ist und oder die Eltern die Zu­sammenarbeit zu Gunsten des Kindes verweigern, muss das Jugendamt das Familiengericht einschalten. Falls das Familiengericht es für erforderlich hält, wird den Eltern das Sorgerecht ganz oder teilweise (Aufenthaltsbestimmung, Gesundheit usw.) entzogen (vgl. Trenczek; Tammen; Behlert 2007, S. 387­390).

Die Hilfen zur Erziehung sind nach §36 des SGB VIII dem Hilfeplanverfahren untergeordnet. Es verlangt eine engagierte und kooperative Teilnahme aller Beteiligten (vgl. Bock 2007, S. 306). Nach Post soll der Hilfeplan der fachli­chen Qualifizierung des Hilfeprozesses dienen (vgl. 2002, S. 143). Zusam­menarbeit ist das Fundament der erzieherischen Hilfen und wird durch den Hilfeplan realisiert. Im Fall der Heimerziehung handelt es sich um eine erzie­herische Dienstleistung, die hauptsächlich für einen längeren Zeitraum in An­spruch genommen wird (Günder 2007, S. 53). Die Eltern, also die Anspruchs­berechtigten (§27) haben das Recht und die Pflicht auf Mitwirkung an der Pla­nung und Durchführung der Hilfe. Aber auch der betroffene junge Mensche ist zu beteiligen (§8), ebenso auch bei der Auswahl der Einrichtung (§36 Abs. 1). Diese transparente Verfahrensweise zur Hilfeentscheidung und Hilfedurchfüh­rung stellt das inhaltliche Element des Hilfeplans und somit der Hilfe zur Er­ziehung dar. Die gemeinsam ausgearbeiteten Resultate der durchgeführten Beratung sind sehr förderlich für eine erfolgreiche Durchführung der Erzie­hungshilfe. Die transparente Kommunikation und die Beratung, bestehend aus dem Ermessen, welche Hilfen erforderlich sind, wie auch alle nötigen Ände­rungen, werden vom Entscheidungsprozess bis zum Ende der Hilfe, prakti­ziert. Im Anschluss an die Gewährung der Hilfe, findet ein Aufnahmegespräch statt.

Des Weiteren wird jedes halbe Jahr ein Hilfeplangespräch veranlasst, um den Verlauf dieser Zeit zu besprechen. Es kann nicht vorausbestimmt werden, wie sich die Situation oder die für das Kind bzw.

[...]


[1] Abkürzung für Anti- Aggressivitäts-Training

[2] Familienersetzende Hilfen nach dem KJHG können beispielsweise sein: Vollpflege, Heimerziehung/ sonstige Wohnformen (Jugendwohngemeinschaften oder instensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (vgl. BMFSFJ 2007, S.35)

[3] Abkürzung für das Kinder- und Jugendhilfegesetz, ein Synonym für das Achtes So­zialgesetzbuch (SGB VIII).

[4] Familienunterstützende Hilfen meint nach dem SGB VIII zum Beispiel: Erziehungs­beratung, sozialpädagogische Familienhilfe, soziale Gruppenarbeit und Erziehungs­beistände (vgl. BMFSFJ 2007, S. 35).

[5] Familienergänzende Hilfen können unter anderem sein: Tagesgruppen, Tagespflege oder gemeinsame Wohnformen für Mütter/ Väter und Kinder (vgl. BMFSFJ 2007, S. 35).

[6] Wird ein Kind oder ein Jugendlicher in einer Einrichtung untergebracht, die einer freiheitsentziehenden Maßnahme entspricht (etwa geschlossene Wohngruppe oder Psychiatrie), dann muss das Familiengericht der Entscheidung des Jugendamtes un­bedingt zustimmen (1631b BGB). Nach dem SGB VIII existiert für die Kinder- und Ju­gendhilfe keine rechtliche Grundlage zur Unterbringung in eine geschlossene Einrich­tung (mit Ausnahme der Inobhutnahme zur Intervention bei Krisen oder Gefah- ren).Ausschließlich, wenn es sich um den Verzug von Gefährdungen handelt, darf das Jugendamt eine geschlossene Unterbringung vornehmen. Die Erlaubnis des Famili­engerichtes ist dafür schnellstmöglich nachzuholen (vgl. Trenczek; Tammen; Behlert 2008, S. 254).

[7] Die folgenden Ausführungen über die Kinder- und Jugendhilfe stützen sich auf:die Bücher: Trenczek; Tammen; Behlert 2008; Post 2002; Günder 2007; BMFSFJ 2007

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Delinquenz verstehen
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Dissozial-aggressive Kinderund Jugendliche/ Psychoanalyse
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
66
Katalognummer
V190516
ISBN (eBook)
9783656153252
ISBN (Buch)
9783656153740
Dateigröße
1570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
delinquenz, Psychoanalyse, Grenzen Jugendamt, Fallbeispiel Jugengerichtshilfe, dissozial aggressive Kinder und Jugendliche
Arbeit zitieren
Lydia Respondeck (Autor), 2012, Delinquenz verstehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190516

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