Kann „Service made in Germany“ exportiert werden?

Voraussetzungen für erfolgreiche Dienstleistungen


Seminararbeit, 2012

22 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Geschichte des Qualitätssigels „Made in Germany“

3 Dienstleistungssektor in Deutschland

4 Gründe für Entstehung des Dienstleistungssektors

5 Eigenschaften von Dienstleistungen

6 Wie kann „Service made in Germany“ erzielt werden
6.1 Die vier Gewinnprinzipien
6.1.1 Das Angebot
6.1.2 Die Finanzierung
6.1.3 Das Personalmanagement
6.1.4 Das Kundenmanagement
6.1.5 Zusammenspiel der vier Elemente
6.2 Sonderstellung der Mehrfachspezialisten

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Internet-Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftssektoren

1 Einführung

Autos und Maschinen „Made in Germany“ sind bei Kunden in aller Welt begehrt. Die Marke „Made in Germany“ trägt ganz besonders den allgemeinen wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen hierzulande. Hauptsächlich können Branchen davon profitieren, in denen die deutsche Wirtschaft traditionell besonders stark ist, also z.B. in der Automobilbranche und Maschinenbau. Dort wertet die Marke die angebotenen Produkte derart auf, dass Wettbewerber das Nachsehen haben.[1]

Volkswirtschaftlich betrachtet wir der Absatz von Autos und Maschinen in der Zukunft nicht das für Deutschland notwendige Wachstum generieren können. Diese zentrale Rolle weisen viele Ökonomen eher dem Dienstleistungsbereich zu, die handelbare Dienstleistungen wie z.B. Informationstechnik, Kreditwirtschaft, Sicherheit, Leasing oder Werbewirtschaft anbieten.[2]

Die Hoffnung ist bisher die, dass dem Export von Autos und Maschinen der Export von Dienstleistungen folgt. Verkauft ein Unternehmen z.B. eine Maschine in die Türkei, kann es den Wartungsservice als Dienstleistung mit verkaufen. Im Idealfall wird der TÜV einen Auftrag für die technische Überwachung der Maschine anbieten können. Der Export kann auch in Form von Bildungsdienstleistungen erfolgen, wenn beispielsweise die FOM Hochschule für Oekonomie & Management eine Niederlassung in Indien eröffnen will.[3]

In Rahmen einer empirischen Studie des Münster Research Institut und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wurden weltweit 600 Unternehmen befragt, wie wichtig die Herkunftsmarke „Made in Germany“ für die Nachfrage nach bestimmten Dienstleistungen im Ausland ist. Die zentralen Ergebnisse waren wie folgt:[4]

- 46 Prozent der befragten Entscheider können sich vorstellen Dienstleistungen aus Deutschland zu beziehen.
- 55 Prozent der Manager vertrauen deutschen Dienstleistungsanbietern.
- 64 Prozent der weltweit Befragten meinen, dass deutsche Maschinen und Produkte deutlich besser sind als deutsche Dienstleistungen.
- Für 29 Prozent ist die Aussage „Service made in Germany“ ein Wiederspruch in sich.

Diese Umfrage macht deutlich, dass der zentrale Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft an Bedeutung verlieren wird.

Mit dieser Arbeit soll ein möglicher Lösungsansatz als Handlungsempfehlung vorgestellt werden, wie auch in der Zukunft deutsche Unternehmen mit Dienstleistungen weltweit die Erwartungen ihrer Kunden übertreffen können.

2 Die Geschichte des Qualitätssigels „Made in Germany“

Deutschen Herstellern von Maschinen, Metallwaren und anderen massenhaft gefertigten Produkten, gelang es im 19. Jahrhundert nicht, die im Ausland gefertigte Qualität zu liefern. Vielen deutschen Unternehmen fehlten das technische Wissen und das nötige Kapital, um die dazu notwendigen Maschinen zu kaufen. Aus diesem Grund haben zahlreiche deutsche Industrieprodukte weltweit einen miserablen Ruf. Selbst der deutsche Preisrichter auf der Weltausstellung 1876 urteilt schlecht über die Produkte aus Deutschland. Um die Käufer zu täuschen und zugleich die Preise der Konkurrenten unterbieten zu können, kopierten deutsche Unternehmen ausländische Qualitätsprodukte und deklarieren diese als britische, französische oder gar amerikanische Ware, so etwa die Schmieden in Solingen, wo seit dem Mittelalter Schneidwerke produziert werden.[5]

Anstatt teuren Gussstahls, wird Gusseisen verwendet. Maschinengearbeitete Produkte werden als handgearbeitet ausgegeben. Statt die Klingen von Messern durch Hämmern besonders zu härten, was eine dauerhafte Nutzung ermöglicht, sorgen deutsche Unternehmen nur für eine gefällige Oberfläche und Form. Am schlimmsten ist jedoch, dass die deutschen Unternehmen als Hersteller die namhaften Firmen aus Sheffield England ausweisen, die für ihre qualitativ hochwertigen Produkte weltbekannt sind.[6]

Der Ruf der englischen Unternehmen wird dadurch stark beschädigt. 1866 richtet das Parlament in London eine Kommission ein, die bestätigen soll, dass deutsche Hersteller billige Plagiate in das Königreich sowie die Kolonien in Übersee einführen. 1883 schließen in Paris Staaten mehrerer Kontinente ein Abkommen zum Patent- und Markenrecht, das unter anderem Strafen für die Produktion falsch beschrifteter Waren vorsieht – die Vertreter des Deutschen Reiches weigern sich jedoch an der Konferenz teilzunehmen. 1886 bestätigt, die vor 20 Jahren eingeführte Kommission das deutsche Unternehmen falsch deklarierte Messer, Scheren, Feilen auf die Insel einführen und zwingt das Parlament in London zum Handeln.[7]

Seit der Abschaffung der Kernzölle im Jahr 1846 herrscht in Britischen Königreich Freihandel. Dieser soll weiterhin bestehen bleiben, da das freie Spiel zwischen Angebot und Nachfrage den Bürgern Brot und andere Lebensmittel zu günstigen Preisen ermöglicht. Statt der Einführung von Schutzzöllen sollen nun die ausländischen Hersteller einfacher identifiziert werden können. Am 23. April 1887 verabschiedet das Parlament eine Neufassung des Merchandise Marks Act von 1862. So muss auf allen Waren die in das Britische Königreich eingeführt werden und mit inländischen Produkten aufgrund ihrer Namen und Warenzeichen verwechselt werden können, in der Zukunft das Urheberland stehen, mit den Worten: „Made in …“. Dieses Siegel soll britische Kunden vor billigen Fälschungen warnen und den Kauf heimischer Produkte fördern.[8]

Seit der Weltausstellung 1876 in Philadelphia haben viele deutsche Hersteller den Rat des deutschen Preisrichters befolgt, auf „Konkurrenz durch Qualität“ zu setzen. Statt Billigprodukte exportiert Deutschland zunehmend hochwertige Industriewaren. Das neue Siegel offenbart sich nicht als Zeichen der tatsächlichen Herkunft sondern steht bald als Zeichen für Qualität. So verfehlt das Siegel die beabsichtigte Wirkung. Statt Kunden vom Kauf deutscher Produkte abzuhalten, lässt es bald Menschen in aller Welt bewusst zu Produkten aus Deutschland greifen. Den weltweiten Absatz deutscher Waren fördern Händler mit günstigen Lieferkonditionen, fachkundigem Verkaufspersonal und vergleichsweise niedrigen Preisen, die aus gedruckten Listen in der jeweiligen Landessprache leicht ablesbar sind. Zudem unterstützen die Konsulate des Reiches die Entwicklung des deutschen Handels im Ausland.[9]

Das Gütesiegel „Made in Germany“ ist für die deutsche Industrie bis heute ein Grund für deren Erfolg im Ausland. So spricht der Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) über eine mögliche Änderung der geltenden Ursprungsrechts des EU-Kommissars Algirdas Semeta, wonach Produkte künftig nur noch dann den Hinweis „Made in Germany“ tragen sollen, wenn mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen, vom „immensen Schaden“ für die deutsche Wirtschaft. Laut EU-Regeln gilt ein Land als Herkunftsland, in dem „die letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Be- und Verarbeitung“ vorgenommen wurde. Danach können Produkte auch dann mit dem Label „Made in Germany“ gekennzeichnet werden, wenn sie zu mehr als 90 Prozent im Ausland, aber zuletzt in Deutschland bearbeitet wurden.[10]

3 Dienstleistungssektor in Deutschland

Nach der Drei-Sektoren-Theorie entwickelt sich in Volkswirtschaften zunächst der primäre Sektor, zu dem die Land- und Forstwirtschaft, die Viehzucht sowie die Fischerei gezählt wird. Im Zuge der industriellen Entwicklung nimmt dann der sekundäre Sektor bei der Erwirtschaftung des Bruttoinlandsprodukts an Bedeutung zu, wozu hauptsächlich die Produktionswirtschaft gehört. Sodann verlagert sich die Wertschöpfung immer stärker zum tertiären Sektor, der die Dienstleistungen umfasst.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftssektoren[12]

So zeigt die Statistik deutlich (s. Abbildung 1) die Veränderung des Brutto­wertschöpfungs­anteils zum Dienst­leistungs­­bereich. Während der primäre und sekundäre Sektor an Bedeutung verlieren, nahm der Servicebereich stetig zu. Während im Jahr 1991 der Dienstleistungsbereich 59,5 Prozent der Erwerbstätigen ausmachte, werden es im Jahr 2010 voraussichtlich 73,5 Prozent sein; eine Zunahme von 14 Prozent. Im produzierenden Gewerbe nahm die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum um 12,2 Prozent ab während im gleichen Zeitraum die Gesamtzahl der Beschäftigten um 4,8 Prozent zunahm.[13]

4 Gründe für Entstehung des Dienstleistungssektors

Das Thema vom Weg in die Dienstleistungsgesellschaft ist nicht unumstritten, wird doch dieser Bedeutungsanstieg, die die Statistiken verzeichnen, kontrovers diskutiert.[14] So erhöht sich die Zahl der Dienstleistenden, weil sich viele Industrieunternehmen unter dem wirtschaftlichen Wettbewerbsdruck gezwungen sehen, Ausgliederung von Geschäftsteilen durchzuführen. Damit zählen die ehemaligen Marktforschungs- oder Reparaturabteilungen, die in eigene Gesellschaften überführt wurden, plötzlich zum Dienstleistungsbereich. Anderseits bieten die Unternehmen im sekundären Bereich zunehmend zusätzliche Services wie Beratung und Wartung an, die dann in der Statistik zum verarbeitenden Gewerbe zählen. Insgesamt kann jedoch davon ausgegangen werden, dass der tertiäre Sektor Rückgänge in der verarbeitenden Industrie kompensiert.[15]

Für die Verschiebung vom produzierenden Gewerbe zu den Dienstleistungen wird eine Reihe von Faktoren als ausschlaggebend bezeichnet:[16]

Nachfrageverschiebung: Mit steigenden Pro-Kopf-Einkommen nimmt die Nachfrage nach Dienstleistungen stärker zu als der Bedarf an industriellen Gütern.

Neue Produkte: Innovative Branchen kreieren eine hohe Nachfrage, die zu neuen Stellen führt.

Produktivitätssteigerungen: Durch die Automatisierung entstanden in der produzierenden Industrie hohe Produktivitätssteigerungen bei gleichzeitigem Stellenabbau. Diese Zuwächse sind im Dienstleistungsbereich nicht zu erwarten.

Ausländische Konkurrenz: Zahlreiche Industrien wandern aufgrund der hohen Lohnkosten in Billiglohnländer ab. Eine solche Entwicklung war bislang im Servicebereich nicht zu befürchten, da für die meisten Dienste die Nähe zum Kunden Voraussetzung ist. Allerdings dürfte durch die EU-Osterweiterung damit zu rechnen sein, dass vermehrt kostengünstige Leistungen von Osteuropäern angeboten werden und damit die Globalisierung auch den Dienstleistungsbereich erreicht.

Veränderte Arbeitsorganisation: Eine Umschichtung von Arbeitsplätzen aus der Industrie in den Dienstleistungssektor entstand in den letzten Jahrzehnten auch dadurch, dass die Industrie zunehmend Aufgaben wie z.B. EDV, Werbung, Marktforschung externen Dienstleistern übertrug. Auch wurden Serviceleistungen in Tochtergesellschaften ausgegliedert. Auf diese Weise erfolgte die Umschichtung von Stellen aus dem produzierenden Bereich.

5 Eigenschaften von Dienstleistungen

Die Wissenschaft ist sich einig, dass bestimmte Eigenschaften existieren, mit Hilfe derer Dienste von Sachgütern unterschieden werden können. In ihrer Gesamtheit machen diese die Besonderheit von Serviceleistungen aus. Insgesamt jedoch besteht in der Wissenschaft keine Einigkeit dahingehend, welche kombinierten Eigenschaften diese trennscharf abgrenzen. Allerdings führen alle die folgenden zwei Faktoren als charakteristisch für Dienstleistungen auf:[17]

[...]


[1] Vgl. Kenning (2. November 2011), o. S.

[2] Vgl. ebda.

[3] Vgl. ebda.

[4] Vgl. ebda.

[5] Vgl. Holst et al. (27. April 2008), o. S.

[6] Vgl. ebda.

[7] Vgl. ebda.

[8] Vgl. ebda.

[9] Vgl. ebda.

[10] Vgl. kng (16. Januar 2012), o. S.

[11] Vgl. Haller (2010), S. 1.

[12] Quelle: Statistisches Bundesamt (2011), S. 87.

[13] Vgl. Statistisches Bundesamt (2011), S. 84.

[14] Vgl. Allbach (1989), o. S.

[15] Vgl. Haller (2010), S. 4.

[16] Vgl. Iwd (1. Juli 2004), o. S.

[17] Vgl. Haller (2010), S. 7.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kann „Service made in Germany“ exportiert werden?
Untertitel
Voraussetzungen für erfolgreiche Dienstleistungen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1.0
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V190529
ISBN (eBook)
9783656151180
ISBN (Buch)
9783656151593
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Service Management, Made in Germany
Arbeit zitieren
Raphael Bossek (Autor), 2012, Kann „Service made in Germany“ exportiert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190529

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