Die Leere erfassen - Die Leere erschaffen

Raumerschließungskonzepte und Raummetaphorik in Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ und Christoph Ransmayrs „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“


Magisterarbeit, 2009

123 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der spatial turn - Die Pluralisierung des Raumes
2.1 Der Ordnungsraum der Antike und des Mittelalters
2.2 Allmähliche Entgrenzung - Die Wende zum abstrakten Raum
2.3 Der objektivierte Raum– Aufbruch in die "neue Welt"
2.4 Die Räume der menschlichen Anschauung - Raumergreifung im Namen der Freiheit
2.5 Michel Foucaults „Andere Räume“

3 Der spatial turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften

4 Der literarische Raum
4.1 Der erzählte Raum
4.2 Juri Lotmans semantische Räume
4.3 Das Chrontopos-Modell Michail Bachtins

5 Der metahistorische Roman

6 Raumstruktur in Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt
6 . 1 Die räumliche Binnenstruktur des Romans
6.2 Semantische Räume in „Die Vermessung der Welt“
6.2.1 Zwischenraum und Fremdraum - Raumkontrastierung
6.2.2 Der Zwischenraum der Figur Alexander von Humboldt
6.2.3 Der Zwischenraum der Figur Friedrich Gauß
6.3 Die Bedeutung des Verhältnisses Außenraum und Innenraum
6.4 Übergang in den Fremdraum

7 Der Chronotopos der Vermessung - Die Leere erfassen
7.1 Thematisierung des Verfließens der Zeit im Raum
7.2 Die Heimkehr als Entwurf eines neuen Ausgangsraumes
7.3 Fiktion und Wirklichkeit - Außertextuelle Räume

8 Die Raumstruktur in Die Schrecken des Eises und der Finsternis
8.1 Metahistorische Erzählweise - Grundmoment der Raumstruktur
8.2 Die Erzählperspektive Josef Mazzinis - Die Leere erschaffen
8.3 Die Payer-Weyprecht Expedition - Basisräume
8.3.1 Stillstand im Eis - Unbeweglichkeit einer Insel
8.3.2 Der „Raumgreifer“ Payer
8.4 Mazzinis Verschwinden - Demontage des Mythos vom beherrschbaren Raum

9 Fazit

Literaturverzeichnis

„Aber es flieht unterdessen, es flieht die unwiederbringliche Zeit.

(Vergil )

„Der Raum ist dem Ort, was die Ewigkeit der Zeit ist.

(Joseph Joubert)

„Nur ein Gast bin ich in dieser Welt vergänglicher Dinge, durch nichts in ihr gebunden.

Keinem Land gehöre ich an, keine Grenzen schließen mich ein.“

(Jiddu Krishnamurti)

1 Einleitung

Im Jahre 2008 von Raum zu sprechen ist nicht einfach. Durch die Digitalisierung unseres Lebens fällt es schon fast nicht mehr auf, dass wir uns wie selbstverständlich und in Sekundenbruchteilen zwischen voneinander weit entfernten Räumen hin- und herbewegen. Nachrichtensendungen spielen uns stündlich Bilder aus weit entfernten Orten in unsere Häuser. Wir sehen Bilder von überschwemmten Landschaften und fliehenden Menschen in Bangladesch, sich bekriegender Milizen in Zentralafrika, vom Karneval in Brasilien und dem Treffen von Exil-Tibetern im nördlichen Indien; das Internet hat es möglich gemacht, wildfremde Menschen beim Vortragen von Liedern in ihrem Wohnzimmer zu bestaunen und mit einem Mausklick um die Erde zu fliegen; mit dem Flugzeug können wir uns innerhalb von 12 Stunden und über tausende von Kilometern von Frankfurt am Main nach Mumbai in Indien bewegen und per E-Mail und Videotelephonie sind wir in der Lage trotz großer Entfernungen scheinbar nah beieinander zu sein. Unsere Vorstellungsmuster von Raum haben sich besonders auch in den letzten Jahrzehnten nachhaltig verändert. Lange Zeit stabile Orientierungen wurden, nicht zuletzt durch die technische Revolution und die damit einhergehende Transzendierung territorialer Grenzen, erschüttert. Auch die ökonomische Globalisierung und die politischen Veränderungen, die mit der Aufhebung des Ost-West Konflikts und besonders dem Fall der Mauer in Deutschland einhergingen, haben zu dieser Erschütterung beigetragen.[1]

Das Fernsehen und die moderne Massentelekommunikation haben es scheinbar möglich gemacht, Räume schrumpfen zu lassen, eine „ time-space compression[2] herzustellen, wie es der Geograph David Harvey ausdrückt. Der Raum scheint durch die zunehmende wirtschaftliche, soziale und kulturelle Globalisierung im Verschwinden begriffen. Mit den Worten des französischen Philosophen Paul Virilio verschieben sich der Blickwinkel und die Wahrnehmung des Menschen von der Kleinen Optik zur Großen Optik. Die Kleine Optik, die auf der geometrischen Perspektive und dem menschlichen Blick basiert, zwingt den Blick des Menschen zwischen Horizont und einem Gegenstand zu unterscheiden. Nähe und Ferne sind diesem Blick immanent. Im Gegensatz dazu steht die Große Optik, die elektronische Informationsvermittlung in Echtzeit. Dadurch, dass Informationen von jedem beliebigen Ort in Echtzeit übermittelt werden können, verlieren die Begriffe der Nähe und der Ferne, als auch der Distanz und des Raumes ihre Bedeutung. Scheinbar ist jeder Ort auf der Welt unmittelbar erreichbar, der Horizont löst sich auf im Unendlichen. Zugespitzt gesagt vernichtet die Geschwindigkeit den Raum und verdichtet die Zeit.[3] Für Virilio ein Krisenszenario, in dem auch die menschlichen Bezugspunkte im Verschwinden begriffen sind, ein Szenario, welches im sogenannten Dromologischen Stillstand mündet. Die Geschwindigkeit entwickelt sich zum Stillstand, und zwar als Folge der Auslöschung unmittelbarer Nähe der Menschen zueinander.[4] Es scheint schlicht nicht mehr nötig aufzubrechen, den Raum zu begehen und damit die Distanz zu erfahren. Schon Heinrich Heine sprach vom Verschwinden des Raumes durch die immer schnellere Überwindung von Distanz: „ Sogar die Elementarbegriffe von Zeit und Raum sind schwankend geworden! Durch die Eisenbahnen wird der Raum getötet, und es bleibt uns nur noch die Zeit übrig “.[5] Die These vom getöteten Raum wird in der Folge, als Resultat der Umwälzungen, die mit der Beschleunigung und den raumüberwindenden Erfindungen in Bezug auf Mobilität (Eisenbahn, Automobil, Flugzeug) und Telekommunikation (Telefon, Internet) begannen, zur These einer globalen flachen Welt: „ The world is flat “.[6]

Die raumzeitlichen Wahrnehmungshorizonte verdichten sich[7], die ortsgebundenen Aspekte des Raumes scheinen im Verschwinden begriffen.[8] Die Ausrufung vom Verschwinden des Raumes verkennt jedoch die Tatsache, dass Räume durch gesteigerte Kommunikationsgeschwindigkeiten nicht ausgelöscht, sondern zu anderen werden: „ Physische Territorialität wird sozio-technisch reorganisiert “.[9] Die Orte der Lebenswelt werden medialisiert übersetzt: Daten autobahn, global village, Cyber space, chatr ooms, Home page, Portal, Fenster etc.[10] Der Mensch, so scheint es, ist durch gesellschaftliche Entwicklungen gezwungen, seine Raumvorstellung anzupassen. Dem Denken selbst scheint dabei eine gewisse Räumlichkeit innezuwohnen.

Diese Arbeit setzt sich mit Raumerschließungskonzepten und der Raummetaphorik in Daniel Kehlmanns Roman Die Vermessung der Welt und Christoph Ransmayrs Roman Die Schrecken des Eises und der Finsternis auseinander. In eine Zeit des scheinbaren Verschwindens des Raumes setzen die Autoren zwei Romane, die sich mit dem Thema der Exploration, der Urbarmachung und Entdeckung von Räumen auseinandersetzen. Der Leser wird in beiden Erzählungen in das 19. Jahrhundert zurückversetzt und damit in eine Zeit, die als Beginn der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Globalisierung gelten kann. Die wirtschaftliche Industrialisierung, der Imperialismus und die politischen Strömungen des Liberalismus, des Nationalismus und des Sozialismus, die Urbanisierung und die Verkehrsrevolution, die zu einer erhöhten Mobilität der Menschen führen sowie die Revolution der Wissenschaften und der Technik, lassen allesamt ihren Beginn in das 19. Jahrhundert rückdatieren.[11] Die Haupterzählstränge des Romans Die Vermessung der Welt bilden die Südamerika-Expedition Alexander von Humboldts zwischen 1799 und 1804 sowie die „geistige Expedition“ Friedrich Gauß´, der zwischen Göttingen, Hannover und Berlin pendelnd, in unbekannte mathematische und physikalische Sphären vordringt.

In Ransmayrs Werk bilden die Haupterzählstränge einmal die österreichisch-ungarische Nordpolarexpedition (Payer-Weyprecht-Expedition) zwischen 1872 und 1874 sowie die Geschichte von Josef Mazzini, der 100 Jahre nach der Payer-Weyprecht Expedition auf den Spuren derselben im ewigen Eis verschwindet. Die Analyse von Kehlmanns Roman nimmt dabei einen größeren Raum ein, da durch sie viele Grundbegrifflichkeiten bereits geklärt werden.

Meine These lautet, dass die von beiden Autoren entwickelten Raumerschließungskonzeptionen und die Raummetaphorik der Erzählräume auf der Metaebene auf die Vielfalt und Multidimensionalität von empirischen Räumen und deren Dynamik verweisen. Hinter der Fassade historischer Erzählungen verbergen sich moderne Raumkonzepte, deren Entstehung selbst durch die Struktur und Relation der erzählten Räume kritisch reflektiert werden.

Die zu untersuchenden Romane spiegeln in ihrer historischen Ausformung eine Zeit wider, die als Beginn des „Zusammenschrumpfens“ des Raumes gesehen werden kann: Die Zeit der Aufklärung.

Die vielfache Nennung des Begriffes Raum macht klar, dass um mit dem Begriff als literaturwissenschaftliches Analysewerkzeug zu hantieren, zuvörderst eine Klärung und Eingrenzung der Frage, von was wir sprechen, wenn wir von Raum reden, erfolgen muss.

Die Betrachtung von Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis und Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt unter räumtheoretischen Aspekten setzt damit eine intensive Auseinandersetzung mit dem Begriff des Raumes voraus.

Deshalb steht zu Anfang die Selektion von für diese Arbeit relevanter Raumbegrifflichkeiten. Die Arbeit kann dabei ob des begrenzten Umfangs keinen umfassenden Überblick über die sich durch die Jahrhunderte verändernden philosophischen Raumkonzepte geben, jedoch ist es für das Verständnis von Raum unabdingbar, auf diese einzugehen. Natürlich kann für diese Untersuchung nicht die Schablone monolithischer Raumkonzepte angelegt werden. Der Multidimensionalität des Begriffes von Raum besonders in den Kultur- und Literaturwissenschaften muss Rechnung getragen werden. Der physikalisch gedachte, homogene, universelle Raum taugt als kultur- bzw. literaturwissenschaftliches Raumanalysewerkzeug wenig, um Zusammenhänge aufzuzeigen.

Deshalb steht nach der Betrachtung verschiedener historischer Raumkonzepte die Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Analyse des literarischen Raumes, hier besonders mit dem Schwerpunkt auf die raumsemantischen Untersuchungen Juri Lotmans und die Raumanalyse aus der Perspektive des Chronotopos Modells Michail Bachtins. Darüberhinaus folgt eine intensive Betrachtung des Konzepts des metahistorischen Romans von Ansgar Nünning, das als Analysewerkzeug für die Betrachtung der zu untersuchenden postmodernen Romane sehr fruchtbar ist. Diesem Zusammenlegen des Analysewerkzeugs widmet sich der erste Teil der Arbeit.

Der zweite Teil der Arbeit befasst sich intensiv mit den räumlichen Strukturen der Romane und deren Funktion für die metahistorische bzw. metaspatiale Analyse.

Vor dem Verschwinden des Raumes muss die Entdeckung und Wahrnehmung des Raumes stehen. Bevor die Leere erfasst werden kann, muss sie erschaffen werden. Nur wenn der fiktiv beschriebenen Bewegung der Protagonisten im Raum, ihren Bemühungen um Erkundung und Vermessung zugestanden wird, dass dieser Aufbruch der „Vermessung der Welt“ überhaupt erst Raum ermöglicht, kann die Untersuchung gelingen.

2 Der spatial turn - Die Pluralisierung des Raumes

Ob in der Philosophie, Soziologie, Kunstwissenschaft oder den Kultur- und Literaturwissenschaften, die Raumthematik scheint eine Renaissance erlebt zu haben. In allen Wissenschaftsdisziplinen wird vom spatial turn, vom topographical turn oder vom topological turn gesprochen. Dabei besteht keineswegs Einigkeit darüber, was diese Begriffe eigentlich beinhalten und worin sich das transdisziplinäre Raumparadigma, auf welches rekurriert wir, begründet findet: „ Jeder rechtfertigt seinen je besonderen spatial turn – in der Annahme, in den anderen Fächern sei er längst durchgesetzt “.[12] Der Begriff spatial turn selbst geht auf eine Formulierung des Humangeographen Edward W. Sojas zurück.[13] Aufbauend auf den Theorien Georg Simmels und Henri Lefebvres entwickelt Soja die Theorie einer postmodernen Geographie, die die Relation von Zeit und Raum auffächert und das Nebeneinander von multiperspektivischen Geographien anerkennt. Soja interessiert, wie der Raum der uns umgibt, gemacht wird, d.h. wie sich das „Machen der Geographie“ vollzieht. Er plädiert für eine „spatiale Hermeneutik“, die mit den Mitteln der Dekonstruktion sichtbar macht, welche Kräfte den Raum gestalten.[14] Michel Foucault beschäftigt sich bereits in den 1960ern in seinem Vortrag Des espaces autres mit diesem Gedanken.[15] Foucault beschreibt den Raum der Antike und des Mittelalters als Ortungsraum. Dieser Ortungsraum wird demnach in der Renaissance durch die „Erfindung“ der Zentralperspektive „ geöffnet “.[16] An die Stelle einer Homogenität des Raumes, tritt die Idee der Heterogenität, an die Stelle der Diachronität die Synchronität. Foucault analysiert, wie sich diese Heterogenität entwickelt hat. Um zu verstehen, was damit gemeint ist, folgt ein kurzer Exkurs in die historischen Vorstellungen von Raum.

2.1 Der Ordnungsraum der Antike und des Mittelalters

Die Auseinandersetzung mit Raumkonzepten in unserer Hemisphäre reicht bis zu den Anfängen der westlichen Philosophie zurück.[17] Raum war seit der Antike und weit bis ins 17. Jahrhundert hinein als konkret stofflich und semantisch gefülltes etwas gedacht, das alles Materielle umfasste.[18] Aristoteles war der erste, der den Raum über den Ort, den Topos (griech. τόπoς) definierte. Der Mensch und eine Leiblichkeit im Raum, sein Blick, manifestieren die Gegensätze von Himmel und Erde, von oben und unten. Der Raum wird durch Aristoteles von einer Umfassung oder Grenzziehung aus konzipiert, einem Ort, an dem sich Menschen und Körper befinden.[19] Der Denkraum bewegt sich in die Vertikale, indem Aristoteles Raum als Konfiguration von „Orten“, die sich in kosmologischer Konkretion von unten nach oben von der Erde über Wasser-, Luft- und Feuerschichten, bis hin zur translunaren Sphäre eines fünften Elements erstrecken: des Äthers, der den Gestirnen zugeordnet ist.[20]

Die antike Logik weist dabei Parallelen zur klassischen Geographie auf. Für Platon und Aristoteles etwa liegen die Gedanken in einem geistigen Raum, der sich nach dem Muster einer geographischen Landschaft angeordnet, beschreiben lässt. Die geographische Karte des Denkens definiert in der antiken Logik Lagebeziehungen, Umrisse und Grenzlinien.[21] Die klassische Logik entspricht in ihren Axiomen der geographischen Landschaft. Vom kartierenden Landschaftselement, wie auch von dem denkenden Gegenstand, wird angenommen, dass es/er für die Dauer des Kartierens/Gedankens feststehe, dass es/er entweder an einem oder an einem anderen Ort (nicht an zwei Orten zugleich) lokalisierbar ist, und dass es/er eindeutige Umrisse bzw. Grenzen hat, d.h. dass sein Ort klar definiert ist.[22] Will der Mensch seinen „richtigen“ Platz im Kosmos erkennen muss er, wie der Kartograph, die Welt vernünftig ordnen, auswählen, generalisieren, Grenzen und Verbindungslinien zeichnen und Unbekanntes durch Triangulation erschließen. Immer wird ein Beständiges, Festes angenommen.

Veränderliche Dinge müssen als fest dargestellt werden, festgeschrieben werden, um eine Orientierung zu gewährleisten.[23] Einer der wichtigsten „Festschreiber“ von Orten seiner Zeit war Claudius Ptolemäus, der ca. von 100-160 n. Chr. lebte. Basierend auf der Physik des Aristoteles und eigenen Beobachtungen, entwirft Ptolomäus eine systematische Darstellung der Astronomie (Mathematike Syntaxis, später Almagest) und schreibt damit das geozentrische Weltbild Aristoteles fest.[24] Seine 8 Bücher der Geographike hyphegesis („Geographische Anleitung“, kurz Geographie) erfassen über 8000 Ortsangaben (inkl. Flussmündungen, Bergen, Tälern und Wäldern) mit Breite und Länge (bezogen auf den Äquator und die Insulae Fortunatae, die heutigen Kanarischen Inseln) und eine Anleitung zum Kartenzeichnen. Enthalten sind eine Weltkarte und zahlreiche Regionalkarten. Die Darstellung der Erde erfolgt über zwei Kegelprojektionen, Ptolemäus war bekannt, dass die Erde eine Kugel ist. Die Regionalkarten werden als quadratische Plattkarten dargestellt. Im Mittelpunkt des ptolemäischen Kosmos steht die Erde, um die herum sich die Sterne in Sphären bewegen. Der ptolemäische Raum des Kosmos lässt sich bis in seine äußerste Ausdehnung berechnen. Dieser Raum ist ein absoluter Raum, ein Containerraum, in dem sich die Körper befinden. Ptolemäus prägte das geographische Bild der Erde bis in die frühe Neuzeit hinein. Die Kenntnis um das Wissen seiner Werke ging im Mittelalter in Westeuropa zunächst verloren und sollte erst mit der Renaissance im 15. Jahrhundert wieder entdeckt werden.[25]

Die antike Orientierungsachse ist vertikal und am Kosmos ausgerichtet. Der Mensch der Antike ist nicht bloß Lebewesen des Raumes, er ist ein Lebewesen im Kosmos. In diesem Kosmos gilt es „richtig“ zu stehen.[26] Die Architektur der Antike manifestiert dieses Weltbild, erinnert sei nur an die Säulenstruktur der griechischen und römischen Tempel.

Die christliche Architektur mit ihren Kirchen, Klöstern und Kuppeln ersetzt den antiken Kosmos im Mittelalter durch den Heilskosmos. Die Richtung und Orientierungsachse des „Oben“ bleibt die gleiche. Der Raum des Früh- und Hochmittelalters war als eine Konstruktion des Schöpfergottes gedacht.

Auf mittelalterlichen Karten findet sich Gott als der Creator Mundi, der mit Zirkel und Waage die Welt plant und nach seinen Maßstäben konzipiert.[27] Der mittelalterliche Kosmos war ein christlicher Heilskosmos, er war abgeschlossen und homogen. Dieser Raum war laut Foucault definiert über ein hierarchisches Ensemble von Orten - heilige Orte und profane Orte, geschützte Orte und offene Orte, himmlische und irdische Orte: „Es war diese Hierarchie, diese Entgegensetzung, diese Durchkreuzung von Ortschaften, die konstituierten, was man grob den mittelalterlichen Raum nennen könnte; Ortungsraum. [28]

2.2 Allmähliche Entgrenzung - Die Wende zum abstrakten Raum

Mit der Abkehr vom Ptolemäischen Weltbild und der Kopernikanischen Wende im 16. Jahrhundert, wird eine feste Stellung des Menschen im Kosmos in Frage gestellt. Kopernikus entwickelt in seinem 1543 erschienenen Werk De revolutionibus orbium coelestium die Theorie, dass die Erde nicht der Zentralkörper des astronomischen Weltsystems sei.[29] Ein heliozentrisches setzt sich an die Stelle des geozentrischen Weltbildes. Die Orientierung des Menschen am Kosmos und damit an einer fixen Richtungskategorie des „Oben“ wird in Frage gestellt, denn „Oben“ als Kategorie hängt von der Position der sich drehenden Erde ab. Johannes Kepler (1571-1630) widmet sich folgend der Untersuchung der Planetenbahnen und Galileo Galilei (1564-1642) schließlich erschüttert mit den Werken Dialogo und Discorsi vollkommen das geozentrische Weltbild. Panofsky beschreibt in seinem Aufsatz Die Perspektive als ‚symbolische Form’ von 1927 die Perspektive als Symbol des Umbruches in der Auffassung von Raum.

Panofsky argumentiert, die Erfindung der Perspektivkonstruktion breche vollständig mit der aristotelischen Weltanschauung.[30] Die Definition was ein ist Ort ist, wird relativiert und mit der Bewegung in Beziehung gesetzt. Die Beziehungen zwischen „Natur“ und „Geist“, „Objekt“ und „Subjekt“ werden neu bestimmt.

Der Ort wird nicht mehr als unmittelbar gegebene dingliche Beschaffenheit angesehen, sondern als reine Beziehung aufgefasst. Diese Beziehung zu begreifen, ist das Anliegen der neuen Wissenschaften. Das Verhältnis der einzelnen Orte zum Raum wird neu bestimmt. Für Aristoteles und die Denker der Antike war der Raum noch ein Gesamtraum, der alle örtlichen Bestimmungen in sich vereinigt. Mit der Renaissance wurde, Schritt für Schritt, die Vorbedingung für einen neuen Raumbegriff geschaffen. Der Raum war mehr als Systemraum gegenüber dem antiken Aggregatraum zu verstehen, er wurde eher als Funktion denn als Substrat verstanden. Gleichzeitig wurde er seiner Dinghaftigkeit entkleidet und musste als freies ideales Liniengefüge entdeckt werden.[31] Die Entdeckung des Fluchtpunktes stellt gleichzeitig das Symbol für die Entdeckung des Unendlichen selbst dar. Die Perspektive ist keinesfalls eine Erfindung der Renaissance, wird aber mit ihr erstmals systematisch erfasst und angewandt. Bewegung und die Unendlichkeit bestimmen von nun an allmählich das Raumverständnis. Das Auge des Menschen wird zur maßgeblichen Einheit der Betrachtung von Raum.[32] Die frühe Neuzeit markiert eine Wende vom kosmischen Bild, hin zu einem abstrakteren Begriff von Raum. Der Ortungsraum wird der Foucaultschen Terminologie folgend geöffnet, ein unendlicher und unendlich offener Raum wird konstituiert:

[ D ] ergestalt, dass sich die Ortschaft des Mittelalters gewissermaßen aufgelöst fand: der Ort einer Sache war nur mehr ein Punkt in ihrer Bewegung, so wie die Ruhe einer Sache nur mehr ihre unendlich verlangsamte Bewegung war. Anders gesagt; seit Galilei, seit dem 17. Jahrhundert, setzt sich die Ausdehnung an die Stelle der Ortung.[33]

Isaac Newton (1642-1727) trennt in seinen Principia den absoluten Raum vom relativen Raum. Den Raum setzt er dabei als bekannte Kategorie voraus.

Dieser absolute Raum stellt dabei den physikalisch wirkenden Raum dar, der relative Raum ist der Raum, der sich der menschlichen Anschauung offenbart. Der absolute Raum ist unendlich und verschließt sich der menschlichen Anschauung.

Er hat keine Beziehung zu äußeren Gegenständen und ist gekennzeichnet durch Isotropie, Homogenität, Kontinuität und Leere.[34] Der Newtonsche Raum ist ein Behälterraum, der ein geschlossenes physikalisches System darstellt. Dieser Raum ist empirisch messbar, sei es physikalisch, mathematisch oder aus geographischer Perspektive. Die Idee eines totalen physikalischen Raumes, tritt in Gegensatz zum kosmischen Raum. Der physikalische Raum bietet keinerlei Orientierung mehr, denn jede Stelle in ihm wird beliebig, wenn sie auch gewissen Gesetzen unterliegt. Für den Menschen erzeugt der physikalische Raum metaphysische Kälte. Der Newtonsche Containerraum blieb lange Zeit der Bezugspunkt, wenn von Raum gesprochen wurde.[35] Festzuhalten bleibt, dass mit der Wende zum ptolemäischen Weltbild, der Raum nun als Systemraum vs. eines Aggregatraumes verstanden wurde. Die Betrachtung des Raumes mündet in der Frage nach dem Verhältnis von „Subjekt“ und „Objekt“: „ Der Mensch erscheint dem Universum, das Ich erscheint der Welt gegenüber zugleich als das „Umfaßte und als das Umfassende[36] Der Geist gleicht der Welt, die er begreift. Die menschliche Anschauung erhält die gleichen Prädikate der göttlichen Anschauung. Auch die menschliche Anschauung enthält die objektive Wirklichkeit, statt einzig von ihr umfasst zu werden: „Gleich Goethes Ganymed steht der Mensch der Renaissance der Gottheit und dem unendlichen Universum „umfangend-umfangen“ gegenüber“.[37] Zwar findet jegliche Bewegung vor dem „Auge Gottes“ statt, doch ist das Auge des Menschen in seiner Raumbetrachtung dem Auge Gottes gleichgestellt. Diese neue Raumbetrachtung hat weit reichende soziale, ökonomische und kulturelle Folgen.

2.3 Der objektivierte Raum– Aufbruch in die "neue Welt"

Während der Renaissance verbinden sich das antike Wissen und neue, auch auf empirischem Weg, gefundene Erkenntnisse und Vorstellungen. Die klassischen ptolemäischen Karten werden wieder entdeckt und in den neu aufgelegten antiken Werken selbst, oder neuen Anthologien, wie z.B. der Schedelschen Weltchronik (1493) verbreitet.

Die Umschiffungen Afrikas, die Ankunft portugiesischer Schiffe am Kap Verde (1445), die Fahrten des Diogo Cão bis zur Kongomündung und zum Kap Cross (Namibia) (1482 und 1486), die Umrundung des Südkaps durch Bartolomeu Diaz (1488) und die kontinuierlichen Fortschritte im Schiffsbau und der Navigation[38] schaffen die Voraussetzungen für den Abgleich der tatsächlichen Räume mit den kartographisierten Räumen des Ptolemäus. Die machtpolitisch und ökonomisch motivierten Entdeckungsreisen Christoph Kolumbus, Amerigo Vespucci und Vasco da Gamas tragen ihr übriges dazu bei. Die Mercator-Karte (Nova et aucta orbis terræ descriptio ad usum navigantium emendate accomodata) aus dem Jahre 1569 korrigiert das ptolemäische Weltbild vollends. Der flandrische Mathematiker, Philosoph und Geograph Gerhard Mercator ist der erste, der die kugelförmige Erde in einer winkeltreuen Darstellung auf eine Ebene projiziert. Dieses Verfahren wird Mercator-Projektion genannt. Durch die Projektion treten in der Nähe der Pole jedoch starke Verzerrungen auf, so dass die Pole nicht abgebildet werden können.[39] Mercators Karte stellt den europäischen Kontinent sehr viel größer dar, als er tatsächlich im Verhältnis zu den anderen Kontinenten ist. Die Karte verzerrt die Abbildung der Erde zugunsten Europas. Europa bildet die Mitte der Karte, was dem Machtstreben des Kontinents der Zeit geschuldet ist. Von Europa aus wird sich die Erde untertan gemacht. Die Karten spiegeln diese Machtrepräsentation wider. Die Erfindung des Fernrohrs durch den Holländer Lipperhey im 17. Jahrhundert, in Verbindung mit bekannten Methoden der Horizontalwinkel- und Vertikalmessung, führen zu einem völlig neuen Messinstrument und zu einem völlig neuen topographischen Messverfahren: dem Theodolit und der Triangulation.[40] Der Niederländer Snellius führt im Jahre 1615 erstmals eine genaue Triangulation durch.

Die Triangulation ermöglicht eine exakte Streckenmessung über große Entfernungen (bis zu 50 km).[41] Die beiden Messexpeditionen der Franzosen Pierre Bouguers (1698-1758) und Pierre de Maupertus sowie Alexis Clairaut (1714-1765) nahe des Äquators (Ecuador) bzw. nahe des Pols (Lappland) zwischen 1735 und 1743, bringen Klarheit über die Form der Meridianellipse der Erde. Newtons Theorie eines abgeplatteten Erdellipsoids wird bestätigt. Noch wichtiger sind die aus den Messergebnissen gefolgten Resultate der Festlegung der physikalischen Grundgrößen der Entfernung (Meter), der Zeit (Sekunde) und der Masse (Kilogramm):

- ein Meter als der 10-millionsten Teil des Erdquadranten auf dem Meridian von Paris – also den zehnmillionsten Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator
- eine Sekunde als 86 400. Teil der Rotationsdauer der Lotrichtung eines Ortes bezüglich der Richtung zur Sonne
- ein Kilogramm als 1 Kubikdezimeter Wasser bei 40° Celsius

Ein Prototyp dieses Meters wird 1795 in Messing gegossen. Der Raum kann von nun an zum ersten Mal objektiviert und systematisch betrachtet, erfasst und ergriffen werden. Ein mathematisches Netz (ein geometrischer Rahmen, der es erlaubt Distanzen zwischen Städten, Bergen und Meeren zu messen), erscheint auf den Karten. Den ersten Entdeckern folgen Heerscharen von Schiffen und Expeditionen.[42]

Die Karten werden durch die neuen Techniken immer genauer. Ebenso werden sie immer wertvoller für machtpolitische Ambitionen. Zur gleichen Zeit als der Raum mathematisch erfassbar wird, wird durch die Verbesserung des Harrisonschen Chronometers, durch den englischen Uhrmacher John Arnold (1736–1799), auch die Zeit präzise mathematisch messbar. Dadurch wird es ebenso erstmals möglich, den Längengrad exakt zu bestimmen.[43]

2.4 Die Räume der menschlichen Anschauung - Raumergreifung im Namen der Freiheit

Im Zuge der Aufklärung und mit Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft 1781 vollzieht sich eine radikale Wende in Bezug auf die Betrachtung des Raumes. Für Kant sind Raum und Zeit a priori vorgegebene Kategorien. Raum wird nun aus einem total subjektivistischen Standpunkt aus betrachtet. Jegliche Erkenntnis über den Raum wird geleitet von den Kategorien der äußeren und der inneren Anschauung. Die äußere Anschauung liefert die Gestalt, Größe, das Verhältnis und die Lage der Gegenstände im Raum. Die innere Anschauung liefert die Informationen über den inneren Zustand eines Objektes, seinen Platz in der Zeit. Der Raum stellt für Kant keine Eigenschaften von Objekten dar, sondern ist Bedingung jeglicher Anschauung. Nur der Mensch kann von seinem Standpunkt aus über den Raum reden. Der Raum ist gleichzeitig Bedingung für jegliche Erfahrung. Räumlichkeit ist Voraussetzung aller Körper.[44] Die vertikale kosmische Ausrichtung des Menschen geht über in eine horizontale, irdische Ausrichtung. Der konkret erfahrbare Raum im Gegensatz zum absoluten, sinngefüllten Raum bzw. im Gegensatz zum leeren physikalischen Raum wird nun zum Maßstab des Menschen. Die Idee eines einheitlichen, absoluten Raumes wird in der Neuzeit nachhaltig erschüttert. Nicht Gott oder eine Idee des Schöpfers definieren den Raum, sondern der Mensch. Dazu bedient er sich geometrischen Erkenntnissen.

In der Zeit der Aufklärung verbinden sich soziale und physikalische Zeit. Die Vorstellung von linearer Zeit und geschichtlichem Fortschritt beginnt sich durchzusetzen.[45]

Während der Moderne und mit der Industrialisierung wird das Konzept der uniformen und linearen Konzeption von Zeit und Raum weiter vorangetrieben.[46] Die Neuerungen und Erfindungen im Transport- und Kommunikationswesen lassen den Raum „schrumpfen“. Klassenkämpfe und der Kapitalismus finden über nationale Grenzen hinweg statt. Nationen formen sich, die imperialen Mächte werden zu globalen Mächten. Die Weltkriege sind ein Kampf um den Raum.

Der Mensch wird von nun an von weit entfernt stattfindenden Ereignissen tief beeinflusst.[47] Albert Einstein beweist mit seiner speziellen Relativitätstheorie, dass Raum und Zeit relativ sind. Er erkennt, dass der absolute Raum nicht a priori gegeben, sondern ein individuelles Phänomen ist. Die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen zwei Menschen gibt die Wahrnehmung von Raum und Zeit vor. Je höher die Geschwindigkeit ist, desto kleiner wird der Raum, desto langsamer die Zeit.[48] Dem Raum wird eine Zeitkomponente eingeprägt. Die Sichtweise, dass es unendlich viele menschliche Anschauungen von Raum und Zeit gibt, kommt auf. Der Raum wird folglich pluralisiert.

2.5 Michel Foucaults „Andere Räume“

An dieser Stelle setzt Foucaults Theorie an. Seine Abhandlung Andere Räume aus dem Jahr 1967 kann durchaus als Ur-Schrift der Ausrufung des spatial turn s gedeutet werden.

Foucault sieht die gegenwärtige Epoche als die Epoche des Raumes:

Wir sind in der Epoche des Simultanen, wir sind in der Epoche der Juxtaposition, in der Epoche des Nahen und des Fernen, des Nebeneinander, des Auseinander. Wir sind, glaube ich, in einem Moment, wo sich die Welt weniger als ein großes sich durch die Zeit entwickelndes Leben erfährt, sondern eher als ein Netz, das seine Punkte verknüpft und sein Gewirr durchkreuzt.[49]

Die Zeit erscheint Foucault nicht mehr als Kontinuum, sondern als dynamisch auf den Raum einwirkende Einheit. Die Verknüpfung von Merkmalen zeitlich verschiedener Ereignisse wird im Raum materialisiert. Die Merkmale lagern sich folglich in ihm. Zwangsläufig wird dadurch dem Raum eine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Für Foucault setzt sich in der heutigen Zeit die Lagerung im Raum an die Stelle der Ausdehnung des Raumes. Die Lagerung wird durch Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Punkten oder Elementen definiert, also als Netz. Der Raum, in dem der Mensch lebt, wird von Foucault als eine Gemengelage von Beziehungen, die Platzierungen definieren, beschrieben. Dieser Raum kann niemals leer sein. Die Platzierungen sind grundsätzlich nicht aufeinander zurückzuführen oder miteinander zu vereinen.

Doch gibt es Platzierungen, die mit allen anderen Platzierungen in Verbindung stehen, deren Eigenschaften sich aber gleichzeitig widersprechen.[50] Dies sind die Utopien und die Heterotopien. Die Utopien beschreibt Foucault als Platzierungen ohne wirklichen Ort, jene Platzierungen, die mit dem wirklichen Raum einer Gesellschaft ein Verhältnis unmittelbarer oder umgekehrter Analogie unterhalten.

Als Perfektionierung der Gesellschaft oder als Kehrseite der Gesellschaft.[51] Diesen unwirklichen Orten stehen die wirklichen Orte gegenüber, die als Gegenplatzierungen in die Einrichtung einer Gesellschaft hineingezeichnet sind. Diese beschreibt Foucault als tatsächlich realisierte Utopien, also Orte, in denen die wirklichen Plätze einer Kultur gleichzeitig repräsentiert, bestritten und umgekehrt sind. Diese „Orte außerhalb der Orte“[52] nennt er Heterotopien. Diese Orte sind verschieden von den Plätzen, die sie reflektieren. Als Beispiele nennt er Bordelle, Friedhöfe oder Bibliotheken. Auch das Theater oder das Kino werden als Heterotopien genannt, sie (er)schaffen an einem einzigen Ort mehrere Räume. Wichtig für diese Arbeit ist, dass Heterotopien eine Funktion gegenüber dem verbleibenden Raum haben.

Diese Funktion wirkt zwischen zwei Polen. Entweder sie schaffen einen Illusionsraum, der den gesamten Realraum, alle Platzierungen des menschlichen Lebens, als noch illusorischer denunziert (z.B. das Bordell) oder sie schaffen einen anderen wirklichen Raum, der gegenüber dem ungeordneten Realraum vollkommen wohlgeordnet und sorgfältig ist. Dieser Typus der Heterotopie wird als Kompensationsheterotopie beschrieben. Beispiele sind etwa Kolonien oder die Jesuitenmissionen in Südamerika.[53] Schließlich wird das Schiff als Heterotopie schlechthin beschrieben. Das Schiff ist ein Ort ohne Ort, der aus sich selbst lebt, in sich geschlossen ist und gleichzeitig der Unendlichkeit des Meeres ausgeliefert ist.[54]

3 Der spatial turn in den Literatur- und Kulturwissenschaften

Was heute fächerübergreifend als Bindeglied des Begriffes spatial turn fungiert, ist die Kritik an der besagten These vom Verschwinden des Raumes.[55] Diese fußt auf der Annahme, dass es eben nicht einen Raum gäbe, sondern dass das multiple Phänomen Raum sich in verschiedenen Dimensionen, Ebenen und Repräsentationsformen zeige.[56] Die Ausrufung einer räumlichen Wende steht dabei in Konkurrenz zum interpretive turn, zum performative turn, zum postcolonial turn oder zum iconic turn. Die Ausrufung von turns, d.h. von Wenden oder Kehren steht gerade in den Kulturwissenschaften unter dem Verdacht, aus rein forschungsstrategischen Gründen lanciert zu werden. So sehen Autoren wie Karl Schlögel nur ermäßigte Begründungsstandards für die Ausrufung eines spatial turn s als Großparadigma. Allen in der jüngeren Zeit ausgerufenen turns ist gemeinsam, dass sie in ihrer Reichweite nicht an den linguistic turn der 1970er Jahre heranreichen.[57]

Döring und Thielmann sehen es als notwendig an, den Begriff spatial turn weiter zu differenzieren. In den Kultur- und Literaturwissenschaften akzentuiert eher der topographische Aspekt den wissenschaftlichen Zugriff auf den Raum, in der phänomenologischen und philosophischen Diskussion eher der topologische Aspekt, was dazu führt neben dem Oberbegriff spatial turn auch von einem topographical turn und einem topological turn zu sprechen.[58]

In der Auseinandersetzung mit dem spatial turn in den Kultur- und Literaturwissenschaften wäre zuvörderst der Beitrag Sigrid Weigels ‚Zum ‚topographical turn’ aus dem Jahre 2002 in der Zeitschrift Kultur Poetik zu nennen. Weigel argumentiert vorrangig aus der europäisch-kulturwissenschaftlichen Perspektive und zeigt Differenzen zu den amerikanischen Cultural Studies in Fragen der theoretischen Analyse des Raumes auf. Wichtig für die Literaturwissenschaft sind, die aus dieser hier nicht behandelten Theoriekritik an den Cultural Studies, ableitbaren Schlüsse.[59]

Weigel richtet den Fokus auf das „graphein“, das in Topo graphie enthalten ist. Damit macht sie den Raum überhaupt erst zugänglich für eine kulturwissenschaftliche Analyse.

Bezug nehmend auf Michel de Certeau schreibt sie:

Der Raum ist [...] nicht mehr Ursache oder Grund, von der oder dem die Ereignisse oder deren Erzählung ihren Ausgang nehmen, er wird vielmehr selbst als eine Art Text betrachtet, dessen Zeichen oder Spuren semiotisch, grammatologisch oder archäologisch zu entziffern sind.[60]

Der Raum wird analog eines Textes lesbar, als ein Gebilde, das sich nach gewissen Regeln entziffern ließe. Und in der Negation wird der Raum nicht als Ursache oder Grund von Ereignissen oder deren Erzählungen gesehen. Also als solcher, nicht bedingungslos vorausgesetzt. Somit muss analysiert werden, was diesen Begriff von Raum überhaupt ausmacht, wie er sich entfaltet. Immer ist es ja der Mensch, der den erlebten Raum konstituiert. Einem feststehenden Raumbegriff wird somit ein dynamisches Konzept von Raum entgegengesetzt.

Weigel knüpft an Clifford Geertz´ Idee von „ Kultur als Text[61] und die Debatten des anthropological turn an.[62] Für Geertz lässt sich eine dem Betrachter fremde kulturelle Praxis erst dann analysieren („lesen“), wenn man sie objektiviert und analog eines Textes betrachtet. Dabei geht es Geertz nicht vorrangig um schriftliche Texte, sondern vor allem um die potentielle Lesbarkeit fremder Handlungszusammenhänge, die sich als eigene Zeichen- und Textstrukturen mit kulturellen Kodierungen präsentieren. Kurz gesagt: Eine Gesellschaft kommuniziert und konstituiert Kultur als „ selbstgesponnene [ s ] Bedeutungsgewebe"[63], indem sie alle Handlungen der Gesellschaft fortwährend in semiotische Zeichen verwandelt, sei es durch Sprache, sei es durch Text, sei es durch Symbole. Analog sieht Weigel den Raum in seiner Gemachtheit als Analyseobjekt. Nicht der Topos wird zum Untersuchungsobjekt, sondern die Topo graphie. Die Art und Weise, wie Räume verschriftlicht werden, interessiert die Analyse gemäß des topographical turns.[64]

Für kulturwissenschaftlich orientierte Literaturwissenschaftler werden unter diesem Gesichtspunkt vor allem Landkarten als Analyseobjekt interessant. Die Landkarte gilt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Paradebeispiel kulturtechnischer Verfahren, mit deren Hilfe Raum in Text verwandelt wird. Die Analyse betrachtet die Karte dabei aus zwei Perspektiven. Einmal wird die Landkarte als ein Raum der Repräsentationen betrachtet, die das historische räumliche Wissen aufzeichnet; folgend wird das Handeln untersucht, das die Praxis der Lektüre der Landkarte in Gang setzt.[65] Nach Weigel werden Orte „ nicht mehr nur als narrative Figuren oder Topoei untersucht, sondern auch als konkrete, geographisch identifizierbare Orte “.[66] Der französische Phänomenologe Maurice Merleau-Ponty unterteilt den Raum in den anthropologischen Raum, der als leiblicher Raum sowohl das Subjekt, als auch die Welt erfasst und den geometrischen, „ entleiblichten “ Raum der klassischen Repräsentation. Die Beziehung zwischen der Erfahrung des „ In-der-Welt-Seins “ und der Erkenntnis, dass dieses „ In-der-Welt-Sein “ gleichzeitig mit der Welt korrespondiert macht die anthropologische Raumerfahrung aus.[67] Räumlichkeit ist für ihn die Folge der leiblichen Verankerung in der Welt: „ Endlich ist mein Leib für mich so wenig nur ein Fragment des Raumes, dass überhaupt kein Raum für mich wäre, hätte ich keinen Leib “.[68] Für eine literaturwissenschaftliche Untersuchung postmoderner Romane bzw. metahistorischer Romane taugt diese Praxis allein wenig. Vielmehr muss die Beziehung von Topologie und Topographie in der Repräsentation des Raumes betrachtet werden. Topographie im literaturwissenschaftlichen Sinne meint nicht die Mimesis eines gegebenen Raumes, sondern die Produktion des Raumes selbst, das Schreiben, das Einkerben des Raumes, eben die Topo graphie.[69] Wie Vittoria Borsò feststellt, basiert die Produktion literaturwissenschaftlicher Topographien auf einer anderen Topologie als die der kartographischen Logik. Den literaturwissenschaftlichen Topographien geht es um das Verständnis von Topologie als Lehre des Raumes, die „ zugleich eine kritische Reflexion über die Bedingungen der Produktion, der Dynamik und der Emergenz von Raum “ ist.[70]

Das Verhältnis von Topologie und Literaturwissenschaft beschreibt Borsò in sieben Grundthesen:

1.) Die Produktion von Raum ist ein performativer Akt: Die präsentierten Räume sind keine Entitäten. Sie sind performative Artefakte, die durch Sprache oder Text erzeugt werden. Die Topologie beinhaltet sowohl die Kognition, die Wahrnehmung und die Produktion des Raums, als auch konkrete Materialitäten und Techniken. Raum wird gemacht.
2.) Die Topologie gibt die Möglichkeit einer Analyse des Politischen: Macht artikuliert sich im Raum. Die Konstellation und Artikulation von Macht im Raum kann literarisch inszeniert werden. Kafkas Das Schloß kann beispielsweise als topologische Metapher einer kritischen Reflexion des Raums der Macht angesehen werden. Der Landvermesser K. erhält keinen Zutritt zum Schloss. Im Verhältnis K.´s zum Schloss spiegeln sich Machtverhältnisse wider.
3.) Die Topologie gibt die Möglichkeit einer Epistemologie der Produktion von Raumdynamik: Nicht nur Macht kann durch topologische Metaphern dargestellt werden, sondern es können auch Räume des Widerstands produziert werden. Die postkoloniale Literatur bietet hierfür zahlreiche Beispiele. Fragen der Identität im Bezug zum Eigenen und zum Fremden können umgekehrt werden. Das Denken der Identität als topologische Formation und performativer Akt transformiert sich in ein Denken des Dazwischen.
4.) Die „In-differenz“ der Zeichen bildet den „Nullpunkt“ der Topologie: Die Strukturen und die Dynamik des Raumes sind keine Eigenschaft, keine Ontologie des Raumes. Sie werden vielmehr in Bezug auf den bewohnten Raum produziert. Borsò argumentiert, dass wissenschaftliche Klassifikationen und Kartographierungen die Dynamik des bewohnten, gelebten, Raumes mortifizieren. Die Dynamik selbst versucht die Topologie dabei zu erfassen. Wenn man sich dieser Methodik bediene, muss ein „indifferenter“ Raum, ein Nullpunkt der Topologie angenommen werden, dem die Strukturierungen nachtäglich gegeben sind. Dieser „Nullpunkt“ sei ein offener Betrachtungsstandpunkt des Topologen, ein Standpunkt, von dem er über die Kontingenz der eigenen Position reflektiert. Die materielle Oberfläche der Repräsentationen muss der Tiefensemantik eines Textes vorgelagert sein.
5.) Die Topologie ist eine Analyse der körperbezogenen Positionierungen im Raum: Sowohl im Betrachteten, als auch im Betrachter ereignen sich die topologisch zu beobachtenden Ereignisse auf der Ebene des Beschriebenen (énoncé) als auch auf der Ebene des Beschreibens (énoncation) und zwar als nachträgliche Positionierungen, mit denen sich Subjekte auch körperlich in Bezug zum Raum setzen (zum „Anderen“ im Raum und zu „anderen Räumen“).
6.) Die Topologie ist die Schule des Auges (der Wahrnehmung):. Die Topologie ermöglicht es, über das Verhältnis von Blick und Körper zu reflektieren. Raumkonstellationen sind immer „verkörpert“, d.h. sie artikulieren sich mittels des Körpers und seiner Orientierung im Raum.
7.) Die Topologie impliziert eine Bildtheorie: Das imago des Raumes ist nicht Bild, Abbild oder Bildnis des Raumes, sondern auch das Bilden, die Praxis der Erzeugung von topologischen Konstellationen.

Für Borsò sind imaginäre und literarische Topographien „ topologische Maschinen, Praktiken der Produktion des Raumes “.[71] Das „ Darstellungsgeschehen “ ist der Ort „an dem sich das Bilden topologisch ereignet “ und zwar „ nicht im symbolischen Tiefensinn “, sondern in der „ Materialität der Sprache “.[72] Der „ symbolische Tiefensinn “ sei nichts anderes als „ das Abbild vorstrukturierter Topographien “.[73] Um die von Borsò beschriebene kritische Reflexion der Autoren über die Bedingungen der Produktion, Dynamik und Emergenz von literarischen Topographien aufzudecken und zu verstehen, muss weiter auf den literarischen Raum eingegangen werden.

4 Der literarische Raum

Raum und Zeit sind ontologische Grundkategorien des menschlichen Daseins. Dies gilt auch für Romanfiguren. Während innerhalb der Erzähltextanalyse der Zeit über Jahre große Aufmerksamkeit zuteil wurde, führte die Betrachtung des Raumes eher ein Schattendasein. Der literarische Raum wurde über Jahrhunderte bis hinein das frühe Zwanzigste Jahrhundert im Sinne Lessings und seinen Ausführungen im Laokoon analysiert. Lessing legte die Zeitfolge als „ das Gebiete des Dichters, so wie de [ n ] Raum [ als ] das Gebiete des Malers “.[74] fest. Der Raum wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts als bloße Kulisse gesehen, vor deren Hintergrund sich die epischen Strukturen entfalteten. Aufbauend auf den Analysen des russischen Formalisten Tomaševskijs und des französischen Strukturalisten Todorovs, entwickelte der ebenfalls französische Strukturalist Gérard Genette 1927 in seinem Discours du récit seine bis heute zum literaturwissenschaftlichen Grundwerkzeug gehörende Erzähltextanalyse. Ausgehend von der Unterscheidung der Dimensionen récit (der narrativen Aussage, der Erzählung), histoire (dem narrativen Inhalt, der Geschichte) und narration (dem Akt des Erzählens), ermöglicht es sein Konzept, die Beziehungen der einzelnen Dimensionen zueinander zu analysieren. Das Verhältnis von histoire und récit bestimmt die Kategorie der Zeit. Das „Wie“ des Erzählens wird mit den Kategorien der Ordnung, der Dauer und der Frequenz eingehend untersucht. Ordnung meint das Verhältnis zwischen der Zeit der Erzählung und der Zeit des Geschehens.[75] In der Germanistik sind die Begriffe „Erzählzeit“ und „erzählte Zeit“ nicht mehr aus literaturwissenschaftlichen Analysen wegzudenken.

Indem jedoch die Erzählung an sich für Genette mit dem Medium der Erzählung korrespondiert und gleichgesetzt wird, wird auch der Inhalt mit der Form gleichgesetzt. Durch diese „Verzeitlichungstendenz auf der Inhaltsebene (histoire) ergibt sich eine klare Zeitdominanz. Linearität und Chronologie (wenn auch in Form von Analepse und Prolepse abgewandelt) ist dem erzählenden Text nach dieser Konzeption immer immanent. Dem Raum wird somit unbewusst eine für die Erzählung konstitutive Funktion abgesprochen.[76] Genette begründet dies explizit, indem er dem räumlichen Bezug zwischen Erzähler und Erzähltem im Gegensatz zum zeitlichen Bezug keine notwendige Spezifizierung zuweist.[77]

Diese Sichtweise genügt natürlicherweise nicht aus, um dem literarischen Raum gerecht zu werden.

4.1 Der erzählte Raum

Um das kontexthafte Sinngebilde der ästhetischen Räume, d.h. in diesem Falle den Räumen der zu untersuchenden Romane zu beschreiben, bedient sich diese Arbeit zunächst einer strukturalistischen Methode. Der narrativ entfaltete Raum präsentiert sich als zeichenhafte Vermittlung eines Ausschnitts der Wirklichkeit. Die Analyse der Raumstrukturen erfolgt dabei im Sinne von Roland Barthes:

Das Ziel jeder strukturalistischen Tätigkeit, sei sie nun reflexiv oder poetisch, besteht darin, ein „Objekt“ derart zu rekonstruieren, dass in dieser Rekonstruktion zutage tritt, nach welchen Regeln es funktioniert (welches seine „Funktionen“ sind). […] Der strukturale Mensch nimmt das Gegebene, zerlegt es, setzt es wieder zusammen […].[78]

Eine im Ansatz strukturalistische Theorie für raumtheoretische Analysen erzählender Texte lieferte bereits in den 1950er Jahren Hermann Meyer, noch bevor sich der eigentliche Strukturalismus in der deutschen Literaturwissenschaft durchsetzen konnte.[79] Der literarische Raum ist für Meyer „ein Gestaltungselement sui generis „[...] das zusammen mit verschwisterten Elementen wie Zeit, Erzählperspektive, Figur und Handlungsfolge den intendierten Gehalt bekörpert und die Struktur des Werkes bestimmt “.[80] Der Raum stellt nicht mehr eine bloße Kulisse oder einen Container im Sinne Lessings dar, sondern ist strukturgebend für das erzählte Geschehen.

Ebenfalls weist Meyer auf die Gestaltungsmechanismen der literarischen Raumdarstellung hin, indem er die Symbolisierungsfunktionen von im Text strukturierten Räumen benennt.[81]

Um den Raum als Analysekategorie fruchtbar zu machen, schlägt Meyer analog zu den Begriffen Erzählzeit und erzählte Zeit, die Ableitung in Erzählraum und erzählter Raum vor. Das Konzept des Erzählraumes wird dabei jedoch einzig anhand der Seitenzahlen eines Buches bestimmt, was auf den ersten Blick logisch erscheint. Frank Maatje macht dieses Konzept Mitte der 1960er Jahre dennoch nutzbar, indem er es funktional erweitert und anstatt Erzählraum den Begriff Erzählerraum prägt. Ein Erzählerraum sei dabei der Raum der sich dimensioniert, sobald ein personifizierter Erzähler oder Ich-Erzähler auftrete, der den Leser explizit darauf hinweise, wo sich dieser gerade befinde.[82] Der Erzählerraum basiert auf der Frage nach dem Aufenthaltsorts des Erzählers, dem „Wo“ seiner Wahrnehmungen. Der Erzählerraum ist dabei natürlich auch Teil des erzählten Raumes. Der erzählte Raum unterscheidet sich von der erzählten Zeit in seiner textstrukturierenden Funktion. Der erzählte Raum beschreibt die Räume von denen erzählt wird, also die Räume, welche den Wirklichkeitszusammenhang der Ereignisse ausmachen. Der Erzählerraum ist der Raum, den der Erzähler einnimmt. Aus der Relation des Erzählerraumes und des erzählten Raumes ergibt sich die Raumkonzeption.

Die Konstitution des erzählten Raumes kann dabei auf der Ebene der direkten Beschreibung durch den Erzähler, der Ebene der indirekten Darstellung und auf der Ebene der Figurenrede erfolgen.[83] Diese Methode ermöglicht es, die erzählten Räume zuerst zu verorten und zu analysieren, wie sie auf der paradigmatischen Achse narrativ konfiguriert sind. Die Analyse des erzählten Raumes dient also dazu, die im Text auftretenden maßgeblichen materiellen (historischen) und fiktionalen Räume zu verzeichnen. Es geht hier vor allem um die Frage nach der Auswahl, der Aussparung und der Gewichtung der einzelnen räumlichen Elemente.

Der kosmisch-orientierte Raum der Antike, der physikalische Raum Newtons und der metaphysische Raum Kants sind nicht in der Lage, die lebensweltliche Bedeutung des Raumes für den Menschen zu beschreiben. In den 1920ern widmet sich Ernst Cassirer in seinen Analysen der Räumlichkeit des menschlichen Lebens. Nach Cassirer gibt es keine „ allgemeine, schlechthin feststehende Raum-Anschauung, sondern [...] (erhält) der Raum seinen bestimmten Gehalt erst von der „Sinnordnung“, innerhalb derer er sich jeweils gestaltet “.[84]

Das bedeutet, dass es nicht den Raum gibt, sondern dass die Raumausgestaltung vom Betrachter und vor allem vom Kontext abhängig ist. Der Kontext ist dabei als kulturell bedingter Sinnzusammenhang zu verstehen, aus dem heraus der Mensch erst bestimmte Sinnordnungen bildet, welche räumliche Bezüge haben und folglich homogenisierend Raum genannt werden.[85] Das Kantische a priori des Raumes wird von Cassirer ad acta gelegt. Er erweitert vielmehr Kants Philosophie in dem Sinne, dass der Raum nicht als Objekt verstanden wird, sondern vom Erkenntnissubjekt selbst hervorgebracht wird.[86] Damit setzt Cassirer das Kantsche a priori in den Plural.[87] Der Kontext stellt dabei den Rahmen für die symbolischen Formen (z.B. Mythos, Religion, Wissenschaft, Kunst etc.), in dem alle Wahrnehmungen stehen, dar.[88] Wahrnehmung ist für Cassirer immer kulturell vermittelt. Sinnliche Wahrnehmung und Sinngebung finden immer als einheitlicher Akt statt. Diesen Vorgang nennt Cassirer symbolische Prägnanz. Die jeweilige Raumanschauung stellt nicht einfach eine Interpretation von Raum seitens der jeweiligen Betrachter dar, sondern konstituiert für sie den einzig wahren Raum. Es gibt schlicht keine objektiv wahre Auffassung von Raum. Wie Jörn Bohr treffend feststellt: „ Wahrnehmung heißt nicht Abbildung eines an sich Wirklichen, sondern zeichenhafte Vermittlung eines in einer bestimmten Weise Wirklichen[89]. Der ästhetische Raum ähnelt dabei eher dem mythischen Raum, als dem abstrakten Raum der Geometrie, denn wie der mythische Raum, ist auch der ästhetische Raum ein von Gefühl und Phantasie geformter, durch intensive Ausdruckswerte bestimmter, konkreter Lebensraum.

Der ästhetische Raum wird, ebenso wie der mythische Raum, durch ein leibzentriertes Raumgefühl bestimmt. Er ist ähnlich einem Ausrucksraum, und zwar, weil er bedingt ist durch die Unmittelbarkeit seiner sinnlichen Erfahrbarkeit.[90] Dabei ist diese sinnliche Erfahrbarkeit jedoch der realen, leiblichen sinnlichen Erfahrbarkeit des Subjekts nebengeordnet. So wird z.B. in der Literatur die sinnliche Konkretheit imaginiert. Der ästhetische Raum gestaltet einen Ausdrucksraum. Die sinnliche Konkretheit bleibt nicht auf den unmittelbaren Eindruck des textlichen Materials reduziert.[91] Sie tritt in eine Wechselwirkung mit dem mythischen Raum. Der Mensch ist dem Raum nicht nur ausgesetzt, sondern er erlebt den ästhetischen Raum auch, er lernt diesen kennen. Eine Verdopplung findet statt. Der sinnlich erfahrene mythische Raum wird „ zur Vorstellung gebracht und gestaltet bzw. wird zur Vorstellung in dem er gestaltet wird “.[92] Die Unendlichkeit der sinnlichen Raumerfahrung wird somit in der Kunst in einen Möglichkeitsraum übersetzt und damit gestaltbar. In diesem ästhetischen Raum ist es möglich, faktisch voneinander durch Zeit und Raum getrennte Ereignisse nebeneinander zu stellen und Relationen sichtbar zu machen. Dieser Raum ist immer auch ein Anschauungsraum, da durch die Anforderung an die Imagination disparate Räume und Zeiten verdichtet und in einem neuen, eben dem ästhetischen Raum, zur Anschauung gebracht werden. Der mathematisch vermessbare geometrische Raum ist Bedingung für die objektive Realität der empirischen Welt der Wissenschaft, jedoch nicht die Wirklichkeit des Handlungsraumes.[93] Ein Punkt, der für die Analyse der beiden Romane wichtig sein wird, denn gerade die Spannung zwischen dem Versuch den empirischen Raum objektiv zu vermessen und die gleichzeitige Aufdeckung der Art und Weise, wie der abstrakte Raum von den handelnden Figuren zur Vorstellung gebracht wird, macht eine Ebene der Analyse aus.

Dabei ist besonders das Verhältnis von erzählten Orten mit den Orten der realen Entsprechung auf die sie verweisen, interessant.

Stützt sich das Erzählen auf die Selektion realer, kollektiv vorbesetzter Orte und deren Umwandlung in literarische Schauplätze, findet beim Leser ein Rezeptionsprozess statt, der maßgeblich zum Verständnis einer Erzählung beiträgt und zum literarischen Kommunikationsprozess zwischen Autor und Leser überhaupt gehört.[94] Der Leser nimmt aufgrund von eingeschränkten Informationen während des Leseprozesses einen entworfenen Raum wahr und ergänzt diesen aufgrund seiner Alltagswahrnehmungen. Erst in der Wechselwirkung zwischen Autor und Leser wird der entworfene literarische Raum ein vollständiger Raum. Wolfgang Kayser unterscheidet Figur, Raum und Geschehen als „Substanzschichten“ einer Erzählung. Der Raum wird dabei als die Substanz einer Erzählung verstanden, der nicht nur als strukturelle Vorgabe dient, sondern auch Inhalt und Movens definiert. Ein Ort innerhalb dieses literarischen Raumes ist eine spezifische Ausformung dieser Substanz. Diese Substanzschicht ist ein Erzählelement sui generis, das in der Wechselwirkung mit den anderen Substanzschichten der Erzählung ein Ganzes ergibt.[95]

Durch die Selektion erzählter Orte und die Beschreibung der Protagonisten in den erzählten Räumen ergibt sich ein semantisch gefüllter Raum, dessen Gefülltheit oft mit realen kulturellen Semantisierungen korrespondiert, und die bestimmte Assoziationen und historische Erinnerungen wecken. Besonders unter psychoanalytischen Gesichtspunkten können so selbst kleinste Räume, wie der des Hauses, anhand von zahlreichen räumlichen Metaphern untersucht werden.[96] Diesen räumlichen Metaphern widmete sich besonders Gaston Bachelard in seinem Werk La Poetique de l’espace.[97] Durch seine Betrachtungen lassen sich selbst scheinbar simple Topographien auf sehr komplexe Weise und sehr ausschweifende Weise untersuchen. Hier geht es vorrangig um die Relation des gelebten Raumes „Draußen“ mit dem Raum des „Drinnen“ des Menschen, seinen Gedanken, Emotionen, die mit den äußeren Bildern verknüpft sind. Diese Raumbetrachtung bleibt sehr auf konkreten Einzelaspekten verhaftet.[98]

[...]


[1] vgl. Anz, Thomas (2008): Raum als Metapher: Anmerkungen zum "topographical turn" in den Kulturwissenschaften, in:literaturkritik.de 2/2008

[2] vgl. Harvey, David (1989): The Condition of Postmodernity: An Enquiry Into the Origins of Cultural Change. Oxford u.a.: Blackwell Publishing

[3] vgl. Virilio, Paul (1999): Fluchtgeschwindigkeit. Frankfurt: Fischer, S. 55

[4] vgl. Virilio, Paul (1993): Revolutionen der Geschwindigkeit. Berlin: Merve, S. 44

[5] Heine, Heinrich (1960): Lutetia. New York: Adamant Media Corporation, S. 223

[6] vgl. Friedman, Thomas L. (2005): The World Is Flat: A Brief History of the Twenty-first Century. New York: Farrar, Straus and Giroux

[7] Döring, Jörg/Thielmannn, Tristan (2008): Was Lesen wir im Raum? Der und das geheime Wissen der Geographen., in: Döring, Jörg/Thielmannn, Tristan (Hrsg.): Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Bielefeld: transcript, S. 14

[8] vgl. Kaschuba, Wolfgang (2004): Die Überwindung der Distanz. Zeit und Raum in der europäischen Moderne, Frankfurt a.M.: Fischer

[9] Döring, J. u.a., a.a.O., S. 15

[10] Dünne, Jörg/Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie: Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 15

[11] vgl. Ette, Ottmar (2001): Alexander von Humboldt: Aufbruch in die Moderne. Berlin: Akademie. vgl. auch Schwarz, Angela (1999): Der Schlüssel zur modernen Welt: Wissenschaftspopularisierung in Grossbritannien und Deutschland im Übergang zur moderne (ca. 1870-1914). Stuttgart: Franz Steiner

[12] Döring, J., u.a., a.a.O., S. 10

[13] vgl. Soja, Edward W. (1989): Postmodern Geographies: The Reassertion of Space in Critical Social Theory, London: Verson, S. 16

[14] vgl. ebd., S. 39

[15] vgl. Foucault, Michel (1967): Andere Räume, in: Barck, Karlheinz u.a. (Hrsg.) (1992): Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, Leipzig: Reclam, S. 34

[16] Ebd., S. 36

[17] vgl. Dünne, J. u.a., a.a.O., S. 19

[18] vgl. Schirmbeck, Egon (Hrsg.) (2001): RAUMstationen. Metamorphosen des Raumes im 20. Jahrhundert. Ludwigsburg: Wüstenrot Stift., S. 31-52

[19] vgl. Günzel, Stephan (2007): Raum - Topographie - Topologie, in: Günzel, Stephan (Hrsg.): Topologie: Zur Raumbeschreibung in den Kultur- und Medienwissenschaften. Bielefeld: transcript, S. 24

[20] vgl. Evers, Dirk (2000): Raum, Materie, Zeit: Schöpfungstheologie im Dialog mit naturwissenschaftlicher Kosmologie, Tübingen: Mohr Siebeck, S. 119

[21] Reichert, Dagmar (1999): Das Denken: der Raum der Geographie, in: 259003 – Subjektivität und Cyberspace. Institut für künstlerische Gestaltung der TU Wien: [o.V.], S. 19

[22] vgl. ebd., S. 20

[23] vgl. Reichert, D.,a.a.O., S. 20

[24] vgl. Torge, Wolfgang (2007): Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Berlin: de Gruyter, S. 17

[25] vgl. ebd., S. 18-30

[26] vgl. Dalferth, Ingolf. U. (2004): Wahrheit in Perspektiven: Probleme einer offenen Konstellation. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 14

[27] vgl. Englisch, Brigitte (2002): Ordo ORBIS terrae: Die Weltsicht in den mappae Mundi des frühen und hohen Mittelalters. Berlin: Akademie, S. 38

[28] Foucault, M., a.a.O., S. 36

[29] Meyer, Jos (1847): Die Erde in ihrem Verhältniss zum Sonnensystem u. als planetarisches Individuum, oder Versuch einer astronomischen u. physikalischen Geographie.[.o.O.]: Meyer u. Zeller, S. 55

[30] Büttner, Frank (2005): Der Blick auf das Bild. Betrachter und Perspektive in der Renaissance, in: Neuman, Michael (Hrsg.): Anblick/ Augenblick: Ein interdisziplinäres Symposion. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 133

[31] vgl. Cassirer, Ernst: Individuum und Kosmos in der Philosophie der Renaissance. Die platonische Renaissance in England und die Schule von Cambridge, in: Recki, Birgit (Hrsg.): Ernst Cassirer. Gesammelte Werke. Hamburger Ausgabe, Band. 14. Hamburg: Meiner 2002, S. 190-195

[32] vgl. Wenger, Piere (1998): Die Anfänge der Subjektivität in der bildenden Kunst Italiens vom 13. bis zum 15. Jahrhundert, in: Fetz, Reto Luzius; Hagebüchle, Roland; Schulz, Peter (Hrsg.): Geschichte und Vorgeschichte der modernen Subjektivität. Berlin: de Gruyter, S. 532-540

[33] Foucault, M., a.a.O., S. 36

[34] Dück, Michael (2001): Der Raum und seine Wahrnehmung. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 58

[35] Krug, Michaela (2004): Auf der Suche nach dem eigenen Raum: Topographien des weiblichen im Roman von Autorinnen um 1800. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 19

[36] vgl. Cassirer, E., a.a.O., S. 219

[37] vgl. ebd., S. 220

[38] Prinz Heinrich von Portugal errichtet eine Navigationsschule in Sagres, um die Erkenntnisse der Kartographie, der Navigation und des Schiffsbaus zu systematisieren und an alle Kapitäne weitergeben zu können. Diese Navigationsschule schafft die Voraussetzungen für später überseeische Entdeckungsfahrten.

[39] vgl. Pantenburg, Vitalis (1970): Das Porträt der Erde: Geschichte der Kartographie. Stuttgart: Franck-Kosmos, S. 74 - 90

[40] „Der Maßstab einer Triangulationskette ergibt sich durch die Messung der Länge einer (relativ kurzen) Basis, aus der mittels eines sog. ``Basisvergrößerungsnetzes'' die Länge einer ersten Dreiecksseite abgeleitet wird. Verdichtungspunkte können durch ``Vorwärtsabschnitt'' bzw. ``Rückwärtseinschnitt'' eingeschaltet werden. Basierend auf den topographischen Daten einer Triangulationskette in Frankreich (Längenunterschiede waren mittels Triangulation erstmalig sicher zu bestimmen) und den astronomischen Daten aus einer Breitenbestimmung an den Endpunkten der Kette schloss Jean Picard (1620-1682) im Jahre 1670 die erste neuzeitliche Berechnung des Erdradius zu R = 6275 km ab.“, vgl. Lelgemann, Dieter: Vorlesungen zur historischen Entwicklung der Geodäsie. URL: http://mca.bv.tu-berlin.de/~lelge/gdg/gdg.html, (Letzter Zugriff am 14.12.2008)

[41] vgl. Lelgemann, D., a.a.O.

[42] vgl. ebd.

[43] vgl. Feldhaus, Franz Maria (1914): Die Technik der Vorzeit, der geschichtlichen Zeit und der Naturvölker: Der geschichtlichen Zeit und der Naturvölker. Ein Handbuch für Archäologen und Historiker, Museen und Sammler, Kunsthändler und Antiquare. Leipzig: W. Engelmann

[44] vgl. Michel, Karin (2003): Untersuchungen zur Zeitkonzeption in Kants Kritik der reinen Vernunft. Würzburg: de Gruyter, S. 39-54

[45] vgl. Schaper-Rinkel, Petra (2006): Der Zeit-Raum der Zukunft als politischer Handlungsraum, in: Krause, Britta (Hrsg.): Chronotopographien: Agency in Zeiträumen. Bern, u.a.: Peter Lang, S. 187

[46] vgl. Kaschuba, W., a.a.O.

[47] vgl. Werlen, Benno (1995): Sozialgeographie alltäglicher Regionalisierungen. Stuttgart: Franz Steiner, S. 378f

[48] Fornefett, Andreas (2004): Die kurze Geschichte der Allgemeinen Gravitation. Vortrag über die Entstehung und Entwicklung der Idee einer Massenanziehungskraft von Newton über Einstein

bis zu den gescheiterten Versuchen der Formulierung einer Quantentheorie der Gravitation für die Fachtagung „Geschichte der Astronomie“ der VdS am 23. Oktober 2004 in Göttingen. URL: http://www.pure-research.de/pdf/kurz_geschichte_gravitation.pdf (Letzter Zugriff am 14.12.2008)

[49] vgl.Foucault, M., a.a.O., S. 34

[50] vgl. vgl. Foucault, M., a.a.O., S. 38

[51] vgl. ebd., S. 39

[52] vgl. ebd., S. 39

[53] vgl. ebd., S. 45f

[54] vgl. ebd., S. 46

[55] vgl. Döring, J., a.a.O., S. 14

[56] vgl. Certeau, de Michel: Praktiken im Raum, in: Dünne, Jörg; Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften. Bielefeld: transcript 2006, S.343-353

[57] vgl. Döring, J., a.a.O., S. 12

[58] vgl. ebd., S. 12

[59] vgl. ebd., S. 16

[60] Weigel, Sigrid (2002): Zum "topographical turn". Kartographie, Topographie und Raumkonzepte in den Kulturwissenschaften, in: in: KulturPoetik, Bd. 2, Göttingen:

Vandenhoeck & Ruprecht, S. 160

[61] vgl. Döring, J., a.a.O., S. 15

[62] vgl. vgl. Bachmann-Medick, Doris (Hrsg.) (2004): Kultur als Text. Die anthropologische Wende in der Literaturwissenschaft. Stuttgart: UTB für Wissenschaft

[63] Geertz, Clifford (1983): Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, S. 9

[64] vgl. Döring, J., a.a.O., S. 16

[65] vgl. Döring, J., a.a.O., S.

[66] vgl. Weigel, S., a.a.O., S. 116

[67] Borsò, Vittoria (2007): Topologie als literaturwissenschaftliche Methode: die Schrift des Raums und der Raum der Schrift, in: Günzel, Stephan (Hrsg.): Topologie: Zur Raumbeschreibung in den Kultur- und Medienwissenschaften. Bielefeld: transcript, S. 289

[68] Merleau-Ponty, Maurice (1965): Phänomenologie der Wahrnehmung. Berlin: de Gruyter, S. 127

[69] Borsò, V., a.a.O., S. 279

[70] vgl., ebd., S. 279

[71] vgl. Borsò, V., a.a.O., S.292

[72] vgl. ebd., S.292

[73] vgl. ebd., S.279

[74] Lessing, Gotthold Emphraim (1766): Laokoon oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie, auf URL: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1617&kapitel=21&cHash=f1dedc427f2, (Letzter Zugriff, 15.12.2008)

[75] vgl. Martinez, Matias; Scheffel, Michael (2003): Einführung in die Erzähltheorie. München : C.H. Beck, S. 83

[76] vgl. Fröhlich, Melanie (2005): Zeitkonzeptionen: zur Kritik der aktuellen Erzählforschung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Lüneburg: [o.V.], S. 24

[77] vgl. Westpahl, Nicola (2007): Literarische Kartografie: Erzählter Raum in den Romanen Uwe Johnsons. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 10

[78] Barthes, Roland: Die Strukturalistische Tätigkeit, in: G. Schiwy (Hrsg.): Der französische Strukturalismus. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1970, S. 154

[79] vgl. Müller, Christian (2006): Strukturalistische Analyse des narrativen Raumes - erprobt an

Thomas Manns Der Zauberberg. Binäre Opposition und ein Drittes, in: Lörke, Tim; Müller, Christian (Hrsg.): Vom Nutzen und Nachteil der Theorie für die Lektüre: Das Werk Thomas Manns im Lichte neuer Literaturtheorien. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 52 / Meyer, Hermann (1953): Raum und Zeit in Wilhelm Raabes Erzählkunst. In: Deutsche Vierteljahresschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 27 (1953), S. 236-267

[80] Meyer, Hermann (1957): Raumgestaltung und Raumsymbolik in der Erzählkunst, In: Studium Generale 10, S. 630

[81] vgl. Lange, Carsten (2007): Architekturen der Psyche: Raumdarstellung in der Literatur der Romantik. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 23

[82] vgl. Reidel-Schrewe, Ursula (1992): Die Raumstruktur des narrativen Textes: Thomas Mann, "der Zauberberg". Würzburg: Könighausen & Neumann, S. 12

[83] Schweizer, Stefan (2008).: Literaturwissenschaftliche Analyse: Kategorien der Erzähltextanalyse, auf URL: http://www.hausarbeiten.de/e-book/120290 (Letzter Zugriff 13.12.2008)

[84] vgl. Cassirer, Ernst (1931): Mythischer, ästhetischer und theoretischer Raum, in: Dünne, Jörg; Günzel, Stephan (Hrsg.): Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften; Suhrkamp; Frankfurt a, M., 2006, S. 494

[85] vgl. Bohr, Jörn (2007): Raum als Sinnordnung bei Ernst Cassirer. Erlangen: filos Verlag, S.13f

[86] vgl. Cassirer, E., a.a.O., S. 496

[87] vgl. Bohr, J., a.a.O., S. 95

[88] vgl. Rudolph, Enno (2003): Ernst Cassirer im Kontext: Kulturphilosophie zwischen Metaphysik und Historismus. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 51-54

[89] vgl. Bohr, J., a.a.O., S. 8

[90] vgl. Lauschke, Marion (2008): Ästhetik im Zeichen des Menschen: Die ästhetische Vorgeschichte der Symbolphilosophie Ernst Cassirers und die symbolische Form der Kunst, Hamburg: Meiner: S. 259

[91] vgl. ebd.

[92] vgl. ebd.

[93] vgl. Günzel, Stephan (2002): Götter - Welt - Versionen. Cassirer und Goodman in der Auseinandersetzung, in: ders. (Hrsg.): Anteile. Analytik, Hermeneutik, Politik, Weimar: Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, S. 27

[94] vgl. Alker, Stefan (2005): Entronnensein - Zur Poetik des Ortes. Internationale Orte in der österreichischen Gegenwartsliteratur, Wien: Braumüller, S. 31

[95] vgl. Kayser, Wolfgang (1960): Das sprachliche Kunstwerk. Bern u.a.: Francke, S. 360f

[96] vgl. Anz, T., a.a.O.

[97] vgl. Bachelard, Gaston (1975): Die Poetik des Raumes. München: Hanser

[98] vgl. Taubenböck, Andrea (2002): Die binäre Raumstruktur in der Gothic novel. München: Fink, S. 16

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Die Leere erfassen - Die Leere erschaffen
Untertitel
Raumerschließungskonzepte und Raummetaphorik in Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ und Christoph Ransmayrs „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
123
Katalognummer
V190547
ISBN (eBook)
9783656153467
ISBN (Buch)
9783656153474
Dateigröße
1011 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit behandelt den literarischen Topos Raum. Es geht um Raumerschließungskonzepte und die Raummetaphorik in Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ und Christoph Ransmayrs „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“.
Schlagworte
Christoph Ransmayr, Daniel Kehlmann, Raum, Raummetaphorik, Semantischer Raum, Juri Lotman, Michail Bachtin, Chronotopos, Michel Foucault, Andere Räume, Erzählraum, erzählter Raum, Raum Antike, Die Schrecken des Eises und der Finsternis, Die Vermessung der Welt, Metahistorischer Roman, Spatial Turn
Arbeit zitieren
Benjamin Itter (Autor), 2009, Die Leere erfassen - Die Leere erschaffen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190547

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