[...]Die vorliegende Eruierung beschäftigt sich beginnend mit den sprachlichen Besonderheiten der SMS-Kommunikation. Dazu sollen zunächst die Kommunikationsform SMS und ihre Funktionen untersucht werden. Um dem begrenzten Umfang der Arbeit gerecht zu werden, sollen anschließend drei ausgewählte sprachliche Phänomene, die besonders häufig in Kurznachrichten Anwendung finden, einer genaueren Betrachtung unterzogen werden: die Verwendung von Abkürzungen und Akronymen, die Groß- und Kleinschreibung in SMS und die Verwendung von Emoticons. [...]
Als Grundlage für die Argumentation dieser Arbeit dienten vor allem die Beiträge von Nicola Döring, Christa Dürscheid, Jannis Androutsopoulos und Peter Schlobinski. Insgesamt ist die Forschungsliteratur zum Thema jedoch als übersichtlich einzuschätzen. Da sich der Mobilfunkmarkt in den letzten Jahren preislich sehr zugunsten der Verbraucher verändert hat, werden auch wesentlich mehr SMS (auch in der Massenkommunikation) gesendet. Hierzu fehlen allerdings neuere Studien, sodass für die vorliegende Arbeit noch mit den SMS-Korpora und Untersuchungsergebnissen von 2001/2002 gearbeitet werden muss, deren Argumentation und Ergebnisse angesichts der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklung im Jahre 2010 zuweilen äußerst veraltet und beinahe lächerlich – weil längst überholt oder in der breiten Bevölkerung bekannt – wirken. Zuweilen werden auch eigene SMS für die Argumentation verwendet, die nicht gesondert als solche gekennzeichnet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Eigenschaften von SMS und ihre Funktionen
3 Sprachliche Besonderheiten in der SMS-Kommunikation
3.1 Abkürzungen, Akronyme und Reduktionen
3.2 Besonderheiten hinsichtlich der Groß- und Kleinschreibung
3.3 Emoticons
4 SMS als Unterrichtsgegenstand (?)
4.1 SMS in Lehrbüchern
4.2 Bewusstmachung der Abweichungen von standard(schrift)sprachlichen Normen in SMS?
4.3 Christa Dürscheid und die Unsichtbarkeit des Mediums
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten der SMS-Kommunikation sowie die Eignung der SMS als Lerngegenstand im Deutschunterricht unter Berücksichtigung aktueller Lehrbücher und fachdidaktischer Positionen.
- Sprachliche Merkmale von SMS (Abkürzungen, Akronyme, Syntax)
- Funktionen der SMS-Kommunikation im Alltag
- Analyse der Darstellung von SMS in Deutsch-Lehrbüchern
- Diskussion des didaktischen Potentials von SMS im Unterricht
- Vergleich von konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Abkürzungen, Akronyme und Reduktionen
Abkürzungen aller Art werden in der SMS-Kommunikation recht häufig verwendet. Die Gründe dafür können vielfältiger Natur sein: (1) Zunächst kostet jede Textnachricht Geld, sodass viele Benutzer anstreben, das Mitzuteilende in den vorgegebenen 160 Zeichen (oder >160 verteilt über mehrere SMS) zu formulieren. Dabei können Abkürzungen hilfreich sein.
Allerdings werden seit einigen Jahren von vielen Mobilfunkanbietern so genannte SMS-Pakete angeboten, die die Kurzmitteilungen entweder kostenlos zu einem festen Tarif anbieten oder mit einem Einzelpreis um 5-9 Cent im Vergleich zum Beginn des neuen Jahrtausends, als die Studien entstanden, mit denen die vorliegende Arbeit argumentiert, sehr günstig erscheinen lassen. Diese Angebote richten sich insbesondere an jüngere Verbraucher wie zum Beispiel Studenten und entkräften somit weitestgehend das Argument der Geldersparnis, auch wenn die Forschungsliteratur zum Teil anderer Auffassung ist.
Ist es nicht wahrscheinlicher, dass die Dialogstränge deshalb kurz gehalten sind, weil sich die Kommunizierenden vor dem Versenden der Nachrichten bewusst sind, dass eine kurze Anfrage oder eine knappe Frage nach dem Befinden sowie die Antworten darauf in 160 Zeichen passen? „Im Sinne rationaler Medienwahl [...] wird wohl vorzugsweise in solchen Situationen auf SMS-Kommunikation zurückgegriffen, in denen Kurzbotschaften zur Verständigung ausreichen.“ Darüber hinaus stellen Produkte und Dienstleistungen wie Downloadangebote für Klingeltöne, Handylogos, Spiele und der Zugang zum Internet mittlerweile die hauptsächlichen Kostenfallen für Jugendliche dar.
(2) Noch immer relativ aktuell hingegen ist, dass die Eingabe eines Textes aufgrund der verhältnismäßig kleinen Tastatur recht mühsam ist. Kürzungen ersparen dem Schreiber so höhere Mühen beim Eintippen. Moderne Mobiltelefone, die über eine vollständige Tastatur verfügen, wie etwa ein „Blackberry“, sind in der Regel noch sehr teuer und daher unter den meisten Verbrauchern noch nicht sehr weit verbreitet. Aber der Trend zu Handys mit vollständiger Tastatur wird sich vermutlich fortsetzen und die immer noch recht umständliche Eingabe der Zeichen weiter vereinfachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema SMS, Begründung der Relevanz und Vorstellung der untersuchten sprachlichen Phänomene sowie der Forschungsziele.
2 Die Eigenschaften von SMS und ihre Funktionen: Untersuchung der zweiwegigen, asynchronen Kommunikation per SMS und deren zentrale Funktion in der sozialen Kontaktpflege.
3 Sprachliche Besonderheiten in der SMS-Kommunikation: Analyse der lexikalischen und syntaktischen Reduktionsformen sowie der Rolle von Großschreibung und Emoticons zur Ausdrucksverstärkung.
4 SMS als Unterrichtsgegenstand (?): Kritische Betrachtung, wie Schulbücher das Thema SMS aufgreifen und ob eine Integration in den Deutschunterricht sinnvoll ist.
5 Fazit: Resümee über das mediale Auseinanderklaffen zwischen privater Alltagspraxis und didaktischer Aufbereitung sowie Ausblick auf die zukünftige Relevanz des Themas in der Schule.
Schlüsselwörter
SMS, Kommunikation, Sprachwissenschaft, Abkürzungen, Akronyme, Emoticons, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Sprachwandel, Lehrbuchanalyse, Sprachreflexion, Mobiltelefon, Jugendkultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachlichen Merkmale der SMS-Kommunikation und reflektiert deren Stellenwert sowie die didaktische Umsetzbarkeit als Unterrichtsgegenstand an Schulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die mediale Schriftlichkeit, die morphosyntaktischen Besonderheiten von Kurznachrichten (Abkürzungen, Tilgungen) und die Untersuchung von Lehrmaterialien auf ihre Behandlung dieser neuen Medienformen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage befasst sich damit, inwiefern SMS als Unterrichtsgegenstand taugen, wie Lehrbücher diese Thematik vermitteln und ob ein mediales Auseinanderklaffen zwischen Alltagspraxis und didaktischem Anspruch besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine Eruierung und kritische Diskursanalyse, die auf bestehender Forschungsliteratur (ca. 2001-2005) und einer exemplarischen Untersuchung von Deutsch-Lehrbüchern basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine linguistische Analyse der SMS-Sprache (Reduktionen, Akronyme, Emoticons) und eine fachdidaktische Prüfung von Schulbuchinhalten zur Medienkommunikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie SMS-Kommunikation, Sprachvariation, mediale Schriftlichkeit, Deutschdidaktik und Sprachreflexion charakterisiert.
Welche Rolle spielt die „konzeptionelle Mündlichkeit“ in der SMS-Kommunikation?
Die konzeptionelle Mündlichkeit erklärt, warum SMS-Texte trotz medialer Schriftlichkeit durch Assimilationen, Tilgungen und informelle Syntax stark an mündliche Umgangssprache angenähert sind.
Warum kritisieren die Autoren die Darstellung der SMS in den untersuchten Lehrbüchern?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass Schulbücher SMS oft praxisfern, veraltet oder mit pädagogisch fragwürdigen Ansätzen (wie dem Kreieren „origineller“ Akronyme) behandeln, anstatt tiefere Sprachreflexion zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Daniel Sosna (Autor:in), 2011, SMS und SMS-Kommunikation als Unterrichtsgegenstand in der Schule?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190590