Ergative (unakkusative) vs. unergative Verben

Syntaktische und semantische Erklärungsansätze


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung und methodisches Vorgehen

2. Verhaltensunterschiede zwischen unakkusativen (ergativen) und unergativen Verben
2.1 Ergativitätstests
2.2 Bewertung der Testkriterien für Ergativität

3. Syntaktischer Erklärungsansatz für die Verhaltensunterschiede Adger (2004)
3.1 Bewertung des Erklärungsansatzes von Adger

4. Semantische Erklärungsansätze für die Verhaltensunterschiede
4.1 Abraham (1994): Ergativa sind Terminativa.
4.2 Dowty (1991): Kap.8: The Unaccusative Hypothesis
4.3 Bewertung der semantischen Erklärungsansätze für die Verhaltensunterschiede

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und methodisches Vorgehen

In der Verbklasse der intransitiven (einstelligen) Verben kann in vielen Sprachen zusätzlich zwischen ergativen (auch: unakkusativen) sowie unergativen Verben unterschieden werden. Im Deutschen und anderen Sprachen (beispielsweise Italienisch und Niederländisch) das Phänomen der Ergativität syntaktisch mit der Perfektauxiliarselektion verbunden. Verben, die als ergativ angesehen werden, bilden ihr Perfekt mit sein, Verben, die als unergativ eingeordnet werden, bilden ihr Perfekt mit haben. Nach der Unaccusative Hypothesis von Perlmutter (1978) (vgl. Keller/Sorace 2003: 57) werden ergative Verben dadurch charakterisiert, dass ihr Subjekt sich so verhält wie das direkte Objekt transitiver Verben.

In der Sprachwissenschaft sind bislang viele notwendige Kriterien für die Unterscheidung zwischen ergativen und unergativen Verben bestimmt worden. Ein hinreichendes Kriterium, das ohne Zusatzannahmen die Zuordnung zu einer Gruppe möglich macht, gibt es jedoch nicht. In dieser Arbeit sollen drei Ansätze zur Erklärung der Verhaltensunterschiede betrachtet werden, die zum Teil auch versuchen, ein hinreichendes Kriterium zur Unterteilung zu finden. Nachdem zunächst die Verhaltensunterschiede aufgezeigt werden, die auch allgemein als Tests für Ergativität im Deutschen gelten (Wöllstein-Leisten 1997: Kap.8), wird der syntaktische Erklärungsansatz von Adger (2004), einem Vertreter des Minimalistischen Programms, betrachtet, der eine Erklärung für das Verhalten ergativer Verben in der Basisstruktur (D-Struktur) und der Derivation findet. Ferner werden zwei semantische Erklärungsansätze für das Phänomen besprochen. Abraham (1994) erklärt die Verhaltensunterschiede mit der unterschiedlichen Ereignisstruktur der Verben, die bei ergativen Verben einen Zustandswechsel impliziert, bei unergativen Verben nicht. Der zweite semantische Erklärungsansatz von Dowty (1991) wendet einen Ansatz zu thematischen Proto-Rollen auf die Problematik an, der die intransitiven Verben zu vier Kategorien zuordnen kann.

Die verschiedenen Ansätze, sowohl der syntaktische als auch die semantischen, werden vorgestellt und kritisch besprochen. Dabei werden sie einerseits daraufhin überprüft, welche wesentlichen Annahmen sie zur Erklärung der Verhaltensunterschiede machen, andererseits daraufhin, ob sie eine plausible Zuordnung aller intransitiven Verben vornehmen oder transparent machen können, was sie zur Definition eines hinreichenden Kriteriums für Ergativität beitragen und welche Fälle sie gegebenenfalls nicht erfassen können.

2. Verhaltensunterschiede zwischen ergativen (unakkusativen) und unergativen Verben

2.1. Ergativitätstests

Zwischen ergativen (unakkusativen) und unergativen Verben können folgende syntaktische Verhaltensunterschiede beobachtet werden, die für das Deutsche als übliche Tests für Ergativität gelten (vgl. Wöllstein-Leisten 1997: Kap.8):

a) Auxiliarselektion im Perfekt:

Ergative Verben bilden das Perfekt mit sein, unergative Verben selegieren das Auxiliar haben.

Bsp.:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Bewertung der Testkriterien für Ergativität

Die Testkriterien für Ergativität können nicht separat verwendet werden, da dies zu widersprüchlichen Zuordnungen führen würde. Problematisch sind die Testkriterien vor allem im Fall der Bewegungsverben, die zwar das Auxiliar sein selegieren, ansonsten aber zumeist das Verhalten unergativer Verben zeigen.

Die unergativen Verben, die kein Agens zuweisen, erweisen sich bei der Zuordnung nach den oben stehenden Kriterien ebenfalls als problematisch, da sie ihr Perfekt mit haben bilden, aber dennoch ergative Eigenschaften zeigen. Die Kriterien c) und e) zielen darauf ab, die Abwesenheit von Agentivität abzubilden, was die unergativen Verben ohne Agens nicht ausschließen kann sowie einen der Tests überflüssig macht, da sich die Ergebnisse überschneiden. Die Testkriterien b) und d) bilden die resultativen und direktionalen Eigenschaften von ergativen Verben ab und schließen somit unergative Verben ohne Agens aus. Direktional gebrauchte Bewegungsverben werden somit nicht ausgeschlossen. Nicht direktional gebrauchte Bewegungsverben stellen einen Zweifelsfall dar, da auch sie das Perfektauxiliar sein selegieren. Daher kann das Kriterium a) der Auxiliarselektion ebenfalls kein hineichendes für Ergativität sein.

3. Syntaktischer Erklärungsansatz für die Verhaltensunterschiede (Adger 2004)

In Übereinstimmung mit UTAH (Uniformity of Theta Assignment Hypothesis: Identische thematische Beziehungen zwischen Prädikaten und ihren Argumenten werden in der Tiefenstruktur [D-Struktur] durch identische strukturelle Relationen repräsentiert. [Vgl. Adger 2004: 138; Baker 1997: 74]) nimmt Adger an, dass unakkusative (ergative) Verben und unergative Verben unterschiedliche thematische Rollen vergeben und infolgedessen unterschiedliche zugrunde liegende Strukturen haben. Die Unterschiede zwischen unakkusativen (ergativen) und unergativen Verben werden als Unterschied in der Basisgenerierung des grammatischen Subjekts der ergativen oder unergativen Prädikate begriffen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ergative (unakkusative) vs. unergative Verben
Untertitel
Syntaktische und semantische Erklärungsansätze
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur)
Veranstaltung
Haupseminar Verbsemantik
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V190591
ISBN (eBook)
9783656151142
ISBN (Buch)
9783656151678
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwissenschaft, Deutsch, Verbsemantik, ergative Verben, Syntax, Semantik, Adger, Abraham, Dowty, Unaccusative Hypothesis, Minimalistisches Programm, Ergativitätstests, Auxiliar, Hilfsverb
Arbeit zitieren
Susanne Beyer (Autor), 2008, Ergative (unakkusative) vs. unergative Verben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190591

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