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Familie im Kaiserreich und der Weimarer Republik

Unter besonderer Berücksichtigung der Familie und der familienpolitischen Maßnahmen

Titel: Familie im Kaiserreich und der Weimarer Republik

Hausarbeit , 2012 , 32 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Carolin Bengelsdorf (Autor:in)

Pädagogik - Geschichte der Pädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Allgemeinen benötigt jede Gesellschaft Institutionen, welche ihre biologische und soziale Reproduktion miteinander verbinden. Die wichtigste Institution ist dabei die Familie. Durch sie werden die elementaren biologischen Tatschen und Prozesse des Lebens eingefügt in das System der wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen und kulturellen Tätigkeiten einer Gesellschaft. Kontinuität und Wandel sozialer Systeme vollziehen sich vor allem über die Familie.1 Aber auch die Familie erweist sich als ein sehr dynamisches soziales Gebilde.2 Als Vorläufer-modell der modernen Familie hatte sich die bürgerliche Familie entwickelt. Sie zeichnete sich durch ein verheiratetes Paar, seinen Kindern und die Trennung von Familien- und Erwerbsleben aus. In diesem Zusammenhang wurde sie als einen privatisierten und vor allem auf emotionale Funktionen spezialisierten Bereich dargestellt.3 Diese Familienform verfestigte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts und besaß gegen Ende des Jahrhunderts nach Schwab (1975) eine tendenzielle Allgemeingültigkeit.4 Obwohl die Souveränität eines Staates durch die Analogie mit dem Status der Familie definiert wird, sind familienpolitische Aktivitäten auf diese Institution vergleichsweise spät entstanden.5 Erstmals markierte der Erste Weltkrieg in familienpolitischer Hinsicht einen Wendepunkt, denn war vorher die Familie kaum Gegenstand fördernder Politik gewesen, so änderte sich dies unter dem Einfluss der enormen Menschenverluste durch den Krieg und der damit gleichzeitig rasch sinkenden Geburtenrate.6 Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, markiert durch das Kaiserreich, war eine Epoche, in der der Staat nur in den Privatraum Familie eingriff, wenn Verwahrlosung vorlag und die Eltern oder die alleinerziehenden Mütter ihren Aufgaben und Pflichten nicht gerecht wurden.7 Familien-dienliche Maßnahmen waren im Kaiserreich politisch nicht vorgesehen. Erst die Weimarer Republik hat die Dringlichkeit erkannt, eine familienpolitische Konzeption für die Familie zu entwickeln. Im Rahmen dieser Arbeit soll sich daher näher mit der Familie und den familien-politischen Maßnahmen seitens des Staates beschäftigt werden. Schwerpunkt bilden dabei die Epochen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Es soll herausgestellt werden, warum sich der Staat im Kaiserreich jedes staatlichen und gesellschaftlichen Eingriffs in Bezug auf die Familie entzog und erst die Weimarer Republik die Wichtigkeit feststellte eine zerrissene Gesellschaft wieder zu integriert.8

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ein Zugang zur Thematik der Familie und Familienpolitik

2.1. Der Familienbegriff

2.2. Der Gegenstand der Familienpolitik

2.2.1. Familienpolitik als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe

2.2.2. Historische Grundzüge der Familienpolitik

3. Die Familie im Kaiserreich

3.1. Die bürgerliche Familie im Kaiserreich

3.2 Die rechtliche Grundlage von Ehe und Familie

3.3. Familienpolitische Ansätze im Kaiserreich

4. Die Familie im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik

4.1. Familie und Erster Weltkrieg: Die erträumte Familie und ihre Wirklichkeit

4.2. Die Aufnahme der Familie in den Schutzbereich der Weimarer Verfassung

4.3. Familienpolitische Maßnahmen im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik

5. Familienpolitische Maßnahmen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik - Ein Fazit

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung von Familie und staatlicher Familienpolitik in Deutschland während der Epochen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik. Das primäre Ziel ist es, die Gründe für das staatliche Nichteingreifen im Kaiserreich sowie die zunehmende Bedeutung und Systematisierung familienpolitischer Maßnahmen in der Weimarer Republik – insbesondere als Reaktion auf Kriegsfolgen – kritisch zu analysieren.

  • Historische Entwicklung des Familienbegriffs und Funktionswandel der Familie
  • Rolle der bürgerlichen Familie und rechtliche Rahmenbedingungen durch das BGB 1900
  • Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das Familienleben und die gesellschaftliche Ordnung
  • Familienpolitische Reaktionen der Weimarer Republik und Schutz durch die Reichsverfassung

Auszug aus dem Buch

4.1. Familie und Erster Weltkrieg: Die erträumte Familie und ihre Wirklichkeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war die Familie der Anlaufpunkt für Millionen von der Front zurückkehrenden Soldaten. Nach vier Jahren des Krieges, der unzähligen Menschen das Leben gekostet hatte und schließlich in der militärischen Niederlage endete, sollte die Familie wieder Sicherheit und Hilfe bieten.70 Nach Hachenburg (1922) hatten die Heimkehrenden ein unsagbares Verlagen nach einem zu Hause und nach Liebe.71 Die Familie hatte unter den schweren Bedingungen der Kriegszeit die bestimmende Rolle bei der physischen und psychischen Bewältigung des Alltags gespielt.72 Den Familienmitgliedern war bei der täglichen Versorgung eine überlebenssichernde Funktion zugekommen. Dies war im Rahmen der starken Preissteigerungen und der durch die allgemeine, kriegsbedingte Verknappung erschwerte Beschaffung der Nahrungsmittel sehr wichtig.73 Der Mangel an Lebensmitteln, die minderwertige Zusammensetzung der Nahrung und die psychische Anspannung, unter der die Familien litten, führte gegen Ende des Krieges jedoch zu einem allgemeinen Verfall der Kräfte. Damit einhergehend kam es zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit der Zivilbevölkerung. Die alliierte Wirtschaftsblockade hatte die Menschen in der Weimarer Republik von den so dringend benötigten Lebensmittel- und Rohstoffeinführen abgeschnitten.74 Nach Adelshauser (1981) war die deutsche Bevölkerung regelrecht ausgehungert.75 Dies schlug sich auf den Gesundheitszustand der Menschen nieder. Der Hauptindikator für die Verschlechterung des Gesundheitszustandes war der Anstieg der Tuberkulosesterblichkeit. Die Sterblichkeit hat während des Krieges um mehr als die Hälfte zugenommen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Familie als zentrale gesellschaftliche Institution und führt in die Thematik der familienpolitischen Entwicklung in Deutschland ein.

2. Ein Zugang zur Thematik der Familie und Familienpolitik: Dieses Kapitel definiert den Begriff Familie historisch und bestimmt den Gegenstandsbereich der Familienpolitik als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe.

3. Die Familie im Kaiserreich: Der Abschnitt analysiert die bürgerliche Familie, ihre rechtliche Verankerung durch das BGB und die weitgehende Absenz einer staatlichen Familienpolitik im Kaiserreich.

4. Die Familie im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik: Hier werden die kriegsbedingten Belastungen, die soziale Neuordnung und die Aufnahme der Familie in den Schutzbereich der Weimarer Verfassung thematisiert.

5. Familienpolitische Maßnahmen im Kaiserreich und in der Weimarer Republik - Ein Fazit: Das Kapitel zieht ein Resümee über die Entwicklung, die Diskrepanz zwischen verfassungsrechtlichem Anspruch und politischer Realität sowie die unzureichende staatliche Unterstützung.

6. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung ordnet die Familie als leistungstragendes System ein und plädiert für den Ausbau sozialer Dienstleistungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Schlüsselwörter

Familienpolitik, Kaiserreich, Weimarer Republik, Familie, Sozialpolitik, Familienrecht, BGB, Erste Weltkrieg, Kriegsfolgen, Familienleitbild, Bevölkerungspolitik, Geburtenrückgang, soziale Sicherung, Mutterschutz, Reproduktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Wandlung der Familie als Institution und die Rolle staatlicher Familienpolitik in den politisch und gesellschaftlich prägenden Epochen des Kaiserreichs und der Weimarer Republik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Schwerpunkte sind die Definition des Familienbegriffs, das rechtliche Korsett des BGB, die Auswirkungen der Kriegsverluste auf Familienstrukturen sowie die familienpolitischen Ansätze in der Weimarer Verfassung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Ziel ist es herauszuarbeiten, warum der Staat im Kaiserreich kaum intervenierte und wie in der Weimarer Republik der Versuch einer systematischen Familienpolitik als Reaktion auf demografische und wirtschaftliche Krisen stattfand.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung historischer Quellen zur Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte der genannten Epochen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rollenverteilung und Lebenswirklichkeit im Kaiserreich, die rechtliche Fixierung im BGB sowie die traumatischen Erfahrungen und darauf folgenden familienpolitischen Maßnahmen der Weimarer Republik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Familienpolitik, Kaiserreich, Weimarer Republik, Sozialstaat, Geburtenrückgang, Familienleitbild und Mutterschutz.

Warum blieb eine systematische Familienpolitik im Kaiserreich weitgehend aus?

Der Staat betrachtete die Familie als unantastbaren Privatraum und sittliche Institution. Eingriffe erfolgten primär nur dort, wo Verwahrlosung vorlag oder staatliche Machtstrukturen gefährdet schienen.

Wie wirkte sich die Weimarer Verfassung auf die Familie aus?

Sie hob die Familie erstmals in den Rang einer verfassungsrechtlich geschützten Institution, schuf damit jedoch eher politische Intentionen statt unmittelbar einklagbarer Individualrechte.

Welche Rolle spielte der Geburtenrückgang?

Der Geburtenrückgang nach dem Ersten Weltkrieg war ein wesentlicher Diskussionspunkt, der den Staat zu pronatalistischen Maßnahmen motivierte, um die demografische Stabilität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu sichern.

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Details

Titel
Familie im Kaiserreich und der Weimarer Republik
Untertitel
Unter besonderer Berücksichtigung der Familie und der familienpolitischen Maßnahmen
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Carolin Bengelsdorf (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
32
Katalognummer
V190603
ISBN (eBook)
9783656150244
ISBN (Buch)
9783656150169
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie Weimarer Republik Kaiserreich familienpolitische Maßnahmen Familienpolitik bürgerliche Familie rechtliche Grundlage Erster Weltkrieg Schutzbereich der Weimarer Verfassung Gesellschaft Institution Wandel Ehe Eltern Familienform Geburtenrate Bürgerliches Gesetzbuch BGB Krieg Vater Mutter Politik Sozialpolitik 19. Jahrhundert Erwerbsleben Familienleben Reproduktionsgemeinschaft Mann Frau Kind Kinder Entwicklung Familienrecht APL allgemeine preußische Landrecht Weimarer Verfassung Nipperdey Sozialversicherungsgesetzgebung Bismarck Sozialversicherungen Haushalt Kinderprivileg Lebensgemeinschaft wirtschaftskrise Eingriff Mutterschutz Kriegswochenhilfe Kinderzulage
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Arbeit zitieren
Carolin Bengelsdorf (Autor:in), 2012, Familie im Kaiserreich und der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190603
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Leseprobe aus  32  Seiten
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