Melina Mercouri - Der Star aus "Sonntags ... nie!"


Fachbuch, 2012

45 Seiten


Leseprobe

Eine der berühmtesten griechischen Schauspielerinnen und Chansonsängerinnen war Melina Mercouri (1920–1994), eigentlich Maria Amalia Mercouri. Wenn ihr Name fällt, denkt man vor allem an ihren Film „Sonntags ... nie!“ und an ihr Lied „Ich bin ein Mädchen von Piräus“ von 1959. Von 1967 bis 1974 bekämpfte Melina Mercouri (nach anderer Schreibweise auch „Merkouris“) sieben Jahre lang die Militärdiktatur in Griechenland. In den 1980-er und 1990-er Jahren bekleidete die „Jeanne d’Arc Griechenlands“ das Amt der Kulturministerin.

Maria Amalia Mercouri kam am 18. Oktober 1920 als erstes Kind des Abgeordneten Stamatis Mercouri (1895–1967) und seiner Ehefrau Irini (auch Eirini) Mercouri, geborene Lappa, in der griechischen Hauptstadt Athen zur Welt. Ihre großbürgerliche Familie war sehr angesehen. In manchen Biografien heißt es, Melina sei erst 1925 geboren worden. Dies beruht darauf, dass sie sich später um fünf Jahre jünger machen wollte. Aus diesem Grund differieren oft die Angaben über ihr Alter.

In den ersten Lebensjahren wohnte die kleine Melina im Haus ihres Großvaters väterlicherseits, des Arztes Spyros Mercouri (1856–1939). Dieser war von 1899 bis 1914 und von 1929 bis 1932 Bürgermeister von Athen. Von 1917 bis 1920 lebte er auf Korsika im Exil. Ihn nannte Melina später „Großer Spyros“ (nach anderer Schreibweise auch „Spiros“ oder „Spyridon). Der Großvater liebte seine Enkelin und verwöhnte sie sehr. Für ihn war sie seine „kleine Königin“. Ihm verdankte sie ihren Vornamen „Melina“. Er führte sie als Kind ins Theater, wo sie von den Schauspielern fasziniert war.

Als ähnlich imposante Erscheinung wie der Großvater wird Stamatos Mercouri, der Vater von Melina, beschrieben. Im Laufe seines Lebens war er Offizier, Abgeordneter im Parlament und Minister. Er verließ die Mutter von Melina wegen einer Schauspielerin ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als diese ihren Sohn Spyros erwartete. Spyros, der 1926 geborene jüngere Bruder von Melina, erhielt den Vornamen des Großvaters. Obwohl der Großvater selbst viele Affären hatte, sprach er fortan nicht mehr mit seinem Sohn.

Über den Großvater väterlicherseits und den Vater von Melina Mercouri findet man in der Literatur sehr widersprüchliche Angaben. Beispielsweise wird der Großvater als führender Widerständler gegen die deutschen Besatzer in Griechenland geschildert, obwohl er bereits 1939 gestorben ist und erst im April 1941 deutsche Panzer über griechische Grenzpässe ratterten. Auch das Todesjahr von Großvater und Vater sind zuweilen falsch.

Was nach der Trennung der Eltern von Melina geschah, wird in der Literatur unterschiedlich geschildert. Nach einer oft zu lesenden Version lebte Melina danach bei ihrem Großvater väterlicherseits, dessen Haustüre immer offen für Gäste war. Nach einer anderen Version zog Irini Lappa nach der Trennung von ihrem Gatten mit ihrer Tochter Melina zu ihrer Mutter. Über diesen Umzug soll Melina sehr unglücklich gewesen sein. Denn das Leben bei der Großmutter mütterlicherseits erschien ihr angeblich streng und trist. Der Großvater mütterlicherseit hieß Dimitris Lappa (1859–1934)

Auch die Großmutter väterlicherseits namens Amalia Mercouri erlitt das selbe traurige Schicksal wie ihre Schwiegertochter Irini Lappa. Denn ihr gut aussehender Gatte Spyros Mercouri, der ein Frauentyp und Charmeur war, verliebte sich im fortgeschrittenen Alter in eine andere Frau und verließ seine Gattin. Sowohl die Mutter als auch die Großmutter väterlicherseits sprachen mit Melina offen über die Untreue ihrer Ehemänner und bezogen sie in ihren Kummer mit ein. Früh entschloss sich Melina, später auf keinen Fall eine so entwürdigende Frauenrolle hinzunehmen. Früh hasste sie auch die traditionelle Rolle einer Frau als Hausfrau und Mutter.

Die tiefe Zuneigung zu ihrem Großvater Spyros Mercouri prägte den Charakter von Melina mehr als alle anderen Beziehungen in ihrer Kindheit. Da sie früh die Rolle des Lieblings eines von allen verehrten, mächtigen Mannes war, wurde sie einerseits selbstsicher und eigenwillig, andererseits aber abhängig von Liebe und Bewunderung.

In der Schule war Melina unbeugsam. Sie sah es nicht ein, sich dem Lehrpersonal fügen zu müssen. Zudem konnte sie nicht stillsitzen und fühlte sich vom Lernen gelangweilt. Mit elf Jahren rauchte sie ihre erste Zigarette. Weil sie den Unterricht häufig schwänzte, ständig von der Schauspielerei schwärmte und oft kleine Aufstände machte, flog sie wiederholt von Privatschulen und landete schließlich in einem öffentlichen Gymnasium.

Ohne den Einfluss ihres Großvaters Spyros Mercouri hätte Melina vermutlich ihr Abschlussexamen gar nicht geschafft. Am Tag der Abschlussprüfung wurde Melina allein in eine Schulbank gesetzt, wo sie von niemand abschreiben konnte. Eine Professorin, die gegen Melina eine Abneigung hatte, stellte sich schon vor sie hin und sagte „Aha Mercouri, du weißt nichts!“. Daraufhin rannten Tränen der Verzweiflung über die Wangen von Melina. Plötzlich kam aber unerwartete Hilfe. Zwei der Leibwächter des Großvaters von Melina klopften an ein Fenster, lächelten der Professorin zu und spielten danach mit ihren Pistolen. Melina bestand die Prüfung, bekam ihr Diplom und verstand damals, was Macht bedeutete, wofür sie sich später schämte.

Im Alter von angeblich 14 Jahren verliebte sich Melina in den jungen und attraktiven Schauspieler Jorgos Pappas. Jeden Tag erbettelte sie auf der Straße mit kleinen Schwindeleien das Eintrittsfeld für die Abendvorstellung, stahl sich mit Lügen von zuhause weg und saß in der ersten Reihe des Theaters, um den Angebeteten beim Auftritt zu sehen. Zudem bombardierte sie ihren Schwarm mit Anrufen und verfolgte ihn bis zu seiner Wohnung. Irgendwann soll Pappas das Mädchen in der ersten Reihe mit der Zahnspange um ein Rendezvous gebeten haben. Doch davon erfuhr die Familie von Melina und verdächtigte sie, mit Pappas geschlafen zu haben. Sie bestritt diesen Vorwurf, war tief verletzt über das mangelnde Vertrauen ihrer Familie, vor allem ihres Großvaters Spyros, und warf sie sich theatralisch vor ein Auto. Bei dieser selbstmörderischen Reaktion erlitt sie nur einige Quetschungen. Viel mehr als dies schmerzte sie der Bruch mit ihrem Großvater.

Der unüberlegte Sprung vor das Auto war nicht war nicht die letzte Aktion, bei der Melina ihrem ausgeprägten Hang zu Thetralik nachgab. Im Laufe ihres Lebens versuchte sie noch öfter, ihre Wünsche mit Tränenausbrüchen, Wutanfällen oder dramatischen Auftritten durchzuboxen.

Im September 1938 meldete sich Melina Mercouri heimlich zur Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule des Nationaltheaters in Athen an und bestand diese mit Bravour. Darüber war ihre Familie verärgert.

Zusammen mit ihrem Lehrer Dimitris Rondiris (1899–1981) erarbeitete Melina drei Jahre lang Tragödien, unter denen solche aus Griechenland überwogen.

Hals über Kopf verliebte sich Melina Mercouri in den reichen griechischen Geschäftsmann Pan Characopos (auch Panayitis Harakoipos) und brannte mit ihm durch. Er gefiel ihr vor allem, weil er unkonventionell und skandalumwittert war. Im Winter 1939 oder 1941 heiratete sie ihn. Im Haus ihres Ehemannes fanden etliche Leute, die Melina Mercouri nahe standen, Unterschlupf. Einer davon war ihr Bruder Spyros.

Pan Characopos ließ seiner jungen Gattin viele Freiheiten und förderte ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden. Nach bestandenem Examen an der Schauspielschule debütierte die 1,69 Meter große, blonde und grünäugige Melina Mercouri 1944 in Athen in einem avantgardistischen Stück von Alexis Solomos. In der Kritik darüber hieß es, sie sei zu groß, zu jung, zu blond, ungeschickt, talentlos. Anfangs lispelte Melina noch. Ihre vorstehenden Zähne ließ sie erst später richten. Es folgten kurze Auftritte in der Provinz und ihr erstes Engagement am „Griechischen Nationaltheater“ in Athen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Melina Mercouri - Der Star aus "Sonntags ... nie!"
Autor
Jahr
2012
Seiten
45
Katalognummer
V190605
ISBN (eBook)
9783656150978
ISBN (Buch)
9783656151395
Dateigröße
1964 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Melina Mercouri, Film, Filmschauspielerinnen, Schauspielerinnen
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2012, Melina Mercouri - Der Star aus "Sonntags ... nie!", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190605

Kommentare

  • Ernst Probst am 6.11.2012

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