Ein Vergleich der Industrialisierungsprozesse in Deutschland und Taiwan: Gemeinsamkeiten und Unterschiede


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

1. Charakteristika von Industrialisierungsprozessen

2. Voraussetzungen und Gründe für den Industrialisierungsprozess in Deutschland

3. Analyse des Industrialisierungsprozesses in Taiwan

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Netto-Investitionsquote in Deutschland in Prozent 1850-1880 (nach Hoffmann 1965: 825)

Abbildung 2: Bruttoinlandsprodukt Taiwans 1980-2015 (Economy Watch 2011)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bevölkerungsentwicklung und Strukturwandel Taiwans 1952-1996 (in Anlehnung an Deckert 1993: 116 und Goldstein 1997: 25)

Einleitung

„Die Industrielle Revolution in Europa war ein weltgeschichtlicher Vorgang. [...] So hat sich die Industrielle Revolution [...] über Europa und die Welt verbreitet, ohne daß [sic!] man heute schon alle Gesellschaften als industrialisiert bezeichnen könnte“ schreibt der Wirtschaftshistoriker Christoph Buchheim (1997: 17) in seinem ersten Kapitel. Buchheim weist jedoch auch daraufhin, dass „weite Teile Ost- und Südeuropas“ (ebd.: 17) zwar an der Phase der Industrialisierung teilnahmen, aber im Gegensatz zu Kerneuropa „unterentwickelt“ (ebd.: 17) wurden.

Diese Zitate werfen folgende Frage auf, die in dieser Seminararbeit zu beantworten versucht wird: Welche Indikatoren gibt es für einen Industrialisierungsprozess bzw. welche Voraussetzungen müssen für eine Industrialisierung erfüllt sein?

Um möglichst konkrete Antworten zu finden, beschränkt sich diese Arbeit dabei auf zwei konkrete Länderbeispiele, Deutschland und Taiwan. Taiwan sei ein „spektakuläre[s]“ Beispiel für einen „Prozess rascher nachholender Entwicklung hin auf ein Niveau, das mit dem der Industrieländer vergleichbar ist“ (ebd.: 17). Damit ist es besonders gut geeignet, um möglicher Faktoren bzw. Bedingungen herauszuarbeiten. Interessant ist dann auch die Frage, warum die Industrialisierung in den beiden Ländern zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgte.

Zunächst sollen dabei zunächst die Charakteristika von Industrialisierungsprozessen herausgearbeitet werden und dann mit Hilfe von verschiedenen Quellen nach Faktoren gesucht werden, die die Industrialisierung in Deutschland begünstigten bzw. auslösten. Danach werden diese Kriterien auf die aktuelle Situation in Taiwan angewandt, um herauszufinden, wodurch der Prozess vorangetrieben wurde und nicht bereits vor einigen Jahrzehnten erfolgte. Abschließend werden alle Informationen gebündelt in einem Fazit zusammengefasst.

1. Charakteristika von Industrialisierungsprozessen

In diesem Kapitel sollen allgemeine Charakteristika von Industrialisierungsprozessen beschrieben werden, um diese im Folgenden auf zwei konkrete Länderbeispiele anzuwenden.

Der Wirtschaftshistoriker Christoph Buchheim arbeitet in einem seiner Bücher heraus, dass nicht nur der „Aufbau von Industrie“ (Buchheim1997: 19) ein typisches Kennzeichen für eine Industrialisierung ist, sondern auch die Veränderungen, die dadurch in der Gesellschaft entstehen und verweist auf die Ansichten von Karl Marx bzw. Friedrich Engels:

„An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander. [...] [Die Bourgeoisie] hat enorme Städte geschaffen, sie hat die Zahl der städtischen gegenüber der ländlichen in hohem Grade vermehrt und so einen bedeutenden Teil der Bevölkerung dem Idiotismus des Landlebens entrissen. [...] [Sie] hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel des Besitzes und der Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert.“

(Engels/Marx 1986: 49-50)

Daraus leitet Buchheim folgende Schlagwörter heraus: voranschreitende „Urbanisierung“, „Konzentration von Produktionsmitteln in großen Fabriken“, „wirtschaftliche und politische Integration“, „rasche[r] technische[r] Fortschritt“ und den Aufbau von Infrastruktur (Buchheim 1997: 20). Ergänzend weist er auf die von Knut Borchardt vorgenommenen Charakterisierungen hin, wonach er unter Industrialisierung Folgendes versteht:

„1. neue Techniken, speziell die Arbeits- und Energieerzeugungsmaschinen [...], 2. [dass] die natürlichen Rohstoffe Eisen und Kohle erstmalig massenhaft genutzt wurden und somit die organischen Stoffe und Muskelkraft nicht mehr die Produktionsmöglichkeiten begrenzten. 3. das Fabriksystem als Organisationsform arbeitsteiliger gewerblicher Produktion [...] und 4. [dass] freie Lohnarbeit die herrschende Erwerbsform der Massen wurde [...] und das neue Wirtschaftssystem [...] ‚Kapitalismus’, [...] weil nun nicht mehr die Verfügbarkeit über den Produktionsfaktor Boden die Struktur der Gesellschaft und ihren Entwicklungspfad bestimme, sondern [... der] Produktionsfaktor Kapital (produzierte Produktionsmittel).“

(Borchardt 1978: 39)

Der amerikanische Ökonom Walt Rostow geht im Gegensatz dazu davon aus, dass ein sogenannter „take off“ innerhalb von „two or three decades“ (Rostow 1956: 25) und damit eine Veränderung „einer Volkswirtschaft in den Zustand sich selbst tragenden Wachstums“ erfolgt (Buchheim 1997: 21):

„The take-off is defined as the interval during which the rate of investment increases in such a way that real output per capita rises and this initial increase carries with it radical changes in production techniques and the disposition of income flows which perpetuate the new scale of investment and perpetuate thereby the rising trend in per capita output. [...] The take-off requires, therefore, a society prepared to respond actively to new possibilities for productive enterprise; and it is likely to require political, social and institutional changes which will both perpetuate an initial increase in the scale of investment an result in the regular acceptance and absorption of innovations.“

(Rostow 1956: 25)

Folglich gäbe es eine „abrupte Änderung des Bewegungsmodus von einer vorindustriellen Wirtschaft mit keinem oder nur geringem Wachstum pro Kopf zu [... einem] anhaltenden erheblichen Wachstum pro Kopf“ (Buchheim 1997: 21). Dabei sei „ein Anstieg der Investitionsquote [...] auf mehr als 10% [...] eine wesentliche Bedingung“ (ebd.: 21).

Zusammenfassend gibt es zahlreiche Veränderungen sowohl technischer, wirtschaftlicher als auch sozialer Art, die nun als Grundlage der folgenden Untersuchungen dienen.

2. Voraussetzungen und Gründe für den Industrialisierungsprozess in Deutschland

Der Volkswirt Dr. Reinhard Spree schreibt in der Einleitung zu seiner letzten Veröffentlichung:

„Die Industrialisierung als der größte Veränderungsmotor in der Geschichte der letzten Jahrtausende [...] ereignete sich [...] ab den 1840er Jahren – nachdem während der 1830er Jahre wichtige Voraussetzungen realisiert worden waren. Binnen weniger Jahrzehnte fand der Wandel vom Agrarstaat [...] zum Industriestaat statt, der um die Wende zum 20. Jahrhunderts vorherrschte.“

(Spree 2011)

Dieses Zitat soll zum Anlass genommen werden, in diesem Kapitel zunächst theoretische Faktoren zu erarbeiten, die für das Einsetzen von Industrialisierungsprozessen entscheidend sind und konkret am Beispiel Deutschlands exemplifiziert werden.

Walt Whitman Rostow stellt die These auf, dass Länder bestimmte „Wachstumsstadien“ (Rostow 1960: 18) durchlaufen: die „traditionelle Gesellschaft“, die nach einer „Anlaufsperiode, in der die Voraussetzungen für den Beginn des Wachstums gelegt werden“ in eine „Periode des wirtschaftlichen Aufstiegs“ übergeht und danach zur „Entwicklung zum Reifestadium“ führt und schließlich im „Zeitalter des Massenkonsums“ mündet (ebd.: 18). Für ein Übertreten in eine neue Stufe und damit eine Produktivitätserhöhung seien neben „Erkenntnisse[n] der modernen Wissenschaft“ auch „exogen[e Faktoren] durch das Eindringen aus entwickelteren Gesellschaften“ entscheidend (ebd.: 20-21). Beispielsweise könnte der „Anteil der effektiven Investitionen und Ersparnisse [durch Kapitalimport] von 5 % des Volkseinkommens auf 10 % oder mehr steigen“ (ebd.: 23). Buchheim widerspricht allerdings dieser Theorie und ist der Ansicht, dass „ausländische[s] Kapital die Probleme vieler Entwicklungsländer eher verschärft [hat]“ und ist der Ansicht, dass dieser Faktor für Industrialisierungsprozesse nicht allzu entscheidend ist. Dabei nennt er Großbritannien als Beispiel, das „niemals eine Investitionsquote von 10 % erreicht[e]“ (Buchheim 1997: 21).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der Industrialisierungsprozesse in Deutschland und Taiwan: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V190629
ISBN (eBook)
9783656150831
ISBN (Buch)
9783656151289
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
vergleich, industrialisierungsprozesse, deutschland, taiwan, gemeinsamkeiten, unterschiede
Arbeit zitieren
Lennart Marx (Autor), 2012, Ein Vergleich der Industrialisierungsprozesse in Deutschland und Taiwan: Gemeinsamkeiten und Unterschiede, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190629

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ein Vergleich der Industrialisierungsprozesse in Deutschland und Taiwan: Gemeinsamkeiten und Unterschiede


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden