Crowdfunding goes Crowdinvesting

Die Weiterentwicklung des Crowdfunding zur modernen und unkonventionellen Finanzierungsform für kleine und mittelständische Unternehmen


Skript, 2012

12 Seiten


Leseprobe

Inhalt:

1 Einleitung

2 Die historische Entwicklung des CROWDFUNDING als Ursprung einer Neuausrichtung zum CROWDINVESTING

3 Zielstellung des Aufsatzes

4 CROWDFUNDING in Europa am Beispiel von Deutschland

5 Wie funktioniert CF als Preform des CROWDINVESTING?

6 CROWDINVESTING, die Weiterentwicklung des CROWDFUNDING

7 Klare verständliche Projekte, Innovation und Chance auf Alleinstellungsmerkmale

8 Customer Relationship

9 Resümee, Ausblick und Chancen für einen unkonventionellen neuen Kapitalmarkt

Bibliographie:

Coverbild: pixabay.com morguefile.com

1 Einleitung

CROWDFUNDING1, auch übersetzt als sogenannte Schwarmfinanzierung, ist eine Inter- net basierte Finanzierungsform für Projekte, Produkte und Geschäftsideen bzw. sogenannte Aktionen, die es in dieser Form erst seit wenigen Jahren gibt. Während das CROWDFUNDING (CF) bisher eher der Finanzierung künstlerischer und kultureller Pro- jekten diente, sollte man gerade wegen der immer weiter wachsenden Schwierigkeiten, für Unternehmen und deren Projekte bzw. Start ups Finanzierungen bzw. Fremdkapital zu bekommen, mit dem CF eine alternative Finanzierungsquelle und -form nutzen, um derar- tige Finanzierungen überhaupt erst möglich zu machen oder die erforderlichen anteiligen Eigenmittel für den Fremdkapitaleinsatz hierfür generieren zu können. Gerade mittelstän- dische Unternehmen haben auch nach der letzten weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise grundsätzlich noch Schwierigkeiten, Kapital für Wachstum und Innovation zu finden.

Das Thema „Mittelstandsfinanzierung“ ist seit den letzten Krisen der Jahre 2007 und 2009 nicht entspannter, sondern weit komplizierter geworden als zuvor. Zwar gibt es national und international für den Mittelstand und insbesondere dabei für Existenzgründer soge- nannte staatliche geförderte Finanzhilfen. Ein Großteil davon setzt aber voraus, dass priva- te und genossenschaftliche Kreditinstitute mit begrenztem aber dennoch anteiligem eige- nem Risiko bzw. Obligo bei kleinster Zinsmarge eine Co-Finanzierung zusammen mit den staatlichen bzw. öffentlichen Förderinstituten übernehmen müssen. Die Bereitschaft und Motivation einer Vielzahl von Banken hierzu ist hierfür mitunter schwach ausgeprägt. Durch oftmals aufgeblähte und unnötig komplizierte Bearbeitungsprozesse in den Banken ist zudem die Wahrscheinlichkeit für Unternehmen und insbesondere für Startups, eine maßgeschneiderte Finanzierung zugesagt zu bekommen, eher als gering einzustufen. Die unausweichlichen Folgen hiervon sind vermeidbare Unternehmensinsolvenzen und die Unmöglichkeit, innovative Projekte oder Startups überhaupt erst realisieren zu können.

Die Weiterentwicklung des CF im Bereich der Unternehmensfinanzierungen kann man als sogenanntes CROWDINVESTING2 bezeichnen. Mit dieser innovativen, durchaus intelligenten und vor allem unkonventionellen Form der Finanzierung ist es möglich, auch der restriktiven Kreditvergabe-Politik vieler Banken entgegenzuwirken und dabei zukünftige oder bestehende Finanzierungslücken besser schließen zu können.

2 Die historische Entwicklung des CROWDFUNDING als Ursprung einer Neuaus- richtung zum CROWDINVESTING

Historisch gesehen ist CF ein relativ junger Begriff für eine im Vergleich zu konventionel- len Finanzierungsarten neue Art der Fremdfinanzierung. Der Begriff tauchte erstmals im Jahr 2000 in den USA auf3 und wurde im weiteren Verlauf im Jahr 2006 beispielsweise als Internetplattform „sellaband.com“ ausgebaut, die es Künstlern ermöglichte, ihr Musik- album durch Fans vorfinanzieren zu lassen. Die sich entwickelnde Finanzierungsform des CF wurde unter anderem von Jeff Rowe4 in Anlehnung an dessen initiiertes CROWDSOURCING5 geprägt. Die Idee des CF entstammt grundsätzlich der Szene der Kreativen und Kulturschaffenden. CROWDFUNDING basiert dem Grunde nach auf einer kollektiven Zusammenarbeit vieler Menschen, deren Aufmerksamkeit für bestimmte Aktionen und Projekte über das Internet geweckt wird und die dann im Vertrauen auf den avisierten Erfolg der Aktion oder des Projektes im Vorfeld Geld zur Finanzierung zur Verfügung stellen. Der Zweck von einzelnen CF Projekten ist vielseitig, von der Unterstützung künstlerischer Projekte (Musikproduktionen), politischer Kampagnen bis hin zu Startups, kleinerer unternehmerischer Projekten und darüber hinaus.

3 Zielstellung des Aufsatzes

In dem vorliegenden Aufsatz wird erörtert und aufgezeigt, unter welche Voraussetzungen auf Basis der Grundsätze bzw. Grundzüge des CF, dieses als sogenanntes CROWDINVESTING modifiziert werden kann, um es im Bereich der Unternehmensfi- nanzierung geschickt und effizient einsetzen zu können. Die Autoren gehen sogar soweit, zu behaupten, dass mit dem CROWDINVESTING für Unternehmer durch die „Smartinvestoren“ bzw. privaten Kapitalgeber eine Art weitgreifende „Volksaktie“, eng- lisch „folk-stock6 “, zu schaffen und dabei die Grundsätze des Kapitalismus eigentlich um- gekehrt werden im Sinne des Erzeugens einer gemeinsamen Schnittmenge von interessan- ten Unternehmen und Projekten mit sozialwirtschaftlichen Belangen einer Volkswirtschaft und deren Individuen.

Die Umsetzung des CROWDINVESTING kann durchaus als eine neue Form von Corpo- rate Social Responsibility (CSR) verstanden werden. Mit dem aus heutiger Sicht zwar schon ansatzweise vorhandenen aber zwingend strukturiert weiterzuentwickelnden Er- scheinungsformen des CROWDINVESTING werden die Grundlagen geschaffen, dass Bürger und Verbraucher bzw. Konsumenten sich pro aktiv an Unternehmen und unterneh- merischen Projekten im für sie individuell finanziell machbaren Rahmen beteiligen, um somit diese Unternehmen und unternehmerische Projekte nachhaltig fördern zu können.

4 CROWDFUNDING in Europa am Beispiel von Deutschland

Die wesentlichen CF Engagements in Deutschland sind über die Internetplattformen inkubato, mySherpas, pling, Startnext und VisionBakery zu identifizieren. Nach kleinen erfolgreich angelaufenen und finanzierten CF Projekten im Jahre 2010 kann das Jahr 2011 als das Startjahr für das CF in Deutschland betrachtet werden.

Auf den fünf genannten Plattformen standen in 2011 rund 30 verschiedene Projektkatego- rien zur Verfügung, wobei der Schwerpunkt weiterhin auf künstlerischen und kreativen Projekten liegt. Dabei sind Bereiche und Kategorien wie Kunst, Design, Mode, Musik, Film/Video, Events/Ausstellung, Theater, Essen & Trinken, Journalismus sowie Sport häu- fig vertreten.

So wurden beispielsweise in Deutschland im abgelaufenen Jahr 2011 bis einschließlich September insgesamt 310 CF Projekte initiiert, 120 Projekte davon konnten erfolgreich finanziert werden. Das entspricht einer Erfolgsquote von 39 %. Insgesamt konnten in Deutschland im Jahr 2011 über C Projekte rund 550.000 Euro an Kapital von den Interessierten eingesammelt werden.

Daran ist auch erkennbar, dass das CF mit Sicherheit noch in den „Kinderschuhen“ steckt, sich aber durchaus in den Folgejahren dynamisch entwickeln könnte, also ein erhebliches Marktpotenzial hat, insbesondere die davon abzuletende Form des CROWDINVESTING, letzteres jedoch auf ein wesentlich professionelleres Niveau angehoben werden sollte, was auch inhaltlich im weiteren Verlauf dieses Aufsatzes zu erörtern ist.

5 Wie funktioniert CF als Preform des CROWDINVESTING?

Beim CF finanzieren viele Menschen, gleichsam eines „Schwarms“ gemeinsam als Community ein individuelles Projekt oder eine Aktion. Anders als beim Fundraising7 bekommen die Geldgeber beim CF als Gegenleistung zum Beispiel das fertige Werk bzw. Produkt, individuelle Geschenke (Dankeschöns), Medialeistungen (Sponsoring), eine Spendenquittung oder sogar eine Gewinnbeteiligung.

Die Unterstützer und Finanzierer sollen darüber hinaus eine emotionale und mentale Betei- ligung am Projekt erfahren , Unterhaltung & Entertainment durch Einblick in den Projekt- verlauf ermöglicht bekommen und einen Wissensvorsprung durch Insider Informationen erhalten, die speziell über das Projekt nur für Unterstützer bereit gestellt werden.

Der Kapitaleinsatz des Miniinvestors stellt wegen der auf ihn entfallenden geringen Investitionssumme für diesen kaum ein Risiko dar. In der Summe aller Investoren wird ein Budget geschaffen, mit dem die unternehmerischen Projekte schnell, kostengünstig und unkonventionell gefördert und umgesetzt werden können.

Der Miniinvestor sieht sich hierbei durchaus als Shareholder und bekommt die Chance, am Erfolg des Unternehmens oder Projekts finanziell und auch alternativ in Form von Sachwerten und Incentives zu partizipieren.

Darüber hinaus kann die Gegenleistung für die zur Verfügung Stellung von Geld ein ideeller oder altruistischer Wert sein. Interessierte können dadurch in die Entwicklung eines Projektes aktiv mit eingebunden werden, erhalten Insights und bekommen am Ende des Projekts für ihre finanzielle Unterstützung Dankeschöns und Vorteile.

Die Produzenten bzw. Projektverantwortlichen vernetzen sich über die Plattform mit ihrer Zielgruppe und Community dabei interaktiv, binden diese informationsseitig ein und motivieren sie damit auch zum Weiterempfehlen des jeweiligen Projekts. Das Alles-oder- Nichts-Prinzip ist der entscheidende und wichtigste Hebel für den Erfolg des CF.

Das benötigte und von der Community eingesammelte Budget kommt erst zur Auszahlung, wenn der gesamte Betrag komplett akquiriert wurde. Im Ergebnis werden von den Unterstützern des Projekts, die wirklich den Erfolg und die Realisierung des Projekts wollen, deren Freunde und Bekannten direkt angesprochen, um noch vor Ablauf der Deadline 100% Budget gemeinsam erreichen zu können.

Zudem können die Projektinitiatoren das CF parallel zur eigenen Marktrecherche einsetzen und prüfen, wie viele Personen tatsächlich bereit sind, entsprechendes Geld für das fertige Produkt zu zahlen. Sind über das CF erst einmal genügend Unterstützer gefunden, ist im künstlerischen Bereich der Weg zu einem Label, einem Verlag oder Produktionsstudio einfacher, denn die Betreiber von Verlagen und Produktionsstudios können sofort das Po- tenzial des Projektes und damit das Interesse der Unterstützer online einsehen und abschät- zen.

[...]


1 Crowd = swarm, bulk, plenty of; funding = financing, sourcing; crowd sourced capital

2 Synonym: CROWDFINANCING

3 Brian Camelio, Gründer der internet Base “artistshare.com”.

4 Jeff Howe is a professor of journalism at Northeastern University and the founder of The Atlantic's 1book140, a Twitter-based book club.

5 Crowdsourcing is a distributed problem-solving and production process that involves outsourcing tasks to a network of people, also known as the crowd. This process can occur both online and offline. The difference between crowdsourcing and ordinary outsourcing is that a task or problem is outsourced to an undefined public rather than a specific other body. Crowdsourcing is related to, but not the same as, human-based computation, which refers to the ways in which humans and computers can work together to solve problems. These two methods can be used together to accomplish tasks.

6 Synonym: public stock

7 Mittelbeschaffung für gemeinnützige Organisationen und Projekte

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Crowdfunding goes Crowdinvesting
Untertitel
Die Weiterentwicklung des Crowdfunding zur modernen und unkonventionellen Finanzierungsform für kleine und mittelständische Unternehmen
Veranstaltung
Wissenschaftlicher Kongress
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V190631
ISBN (eBook)
9783656157076
ISBN (Buch)
9783656157106
Dateigröße
5493 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
CROWDINVESTING, CROWDFUNDING;, CROWDFINANCING, CORPORATE FINANCE, Unternehmensfinanzierung;, Volksaktie;, Umkehrung des Kapitalismus, Internetfinanzierung, Social Community;, Corporate social responsibility
Arbeit zitieren
Rainer Schenk (Autor), 2012, Crowdfunding goes Crowdinvesting, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190631

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