20 Jahre "Die Fantastischen Vier", zwei Jahrzehnte Anglizismen

Eine diachrone Korpusanalyse


Seminararbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Korpus und Methode

3. Analyse
3.1 “Jetzt geht's ab” (1991)
3.2 “Vier gewinnt” (1992)
3.3 “Die 4. Dimension” (1993)
3.4 “Lauschgift” (1995)
3.5 “4:99” (1999)
3.6 “viel” (2004)
3.7 “Fornika” (2007)

4. Fazit
4.1 Erkennbare Muster
4.2 Persönliche Einstellung
4.3 Kreative Rolle
4.4 Sprachliche Mischform

Bibliographie

1. Einleitung

Als direkter Ableger einer amerikanischen Subkultur ist die Deutsche Rapmusik geradezu ein Paradebeispiel interkultureller Beeinflussung unserer Muttersprache. Neben der kompletten Terminologie dieser Subkultur wurden auch zahlreiche Ausdrücke teilweise unverändert in die Deutsche Sprache übernommen oder fanden oft erst Jahre später eine sprachliche Integration. Auch heutzutage, nach fast drei Jahrzehnten, ist der sprachliche Ursprung in der Musik vieler deutscher Rapkünstler noch unverkennbar.

Synchrone Studien zur Rolle des Englischen in dieser Musik sind höchst ertragreich und eine diachrone Studie zu der Entwicklung eben dieser Beziehungen ist erstrebenswert. Keine andere Gruppe wäre für solch eine Studie geeigneter als das Stuttgarter Quartett Die Fantastischen Vier.

Sie gehören mit zu den Begründern deutschsprachiger Rapmusik und haben zudem erst kürzlich ihr 20-jähriges-Bestehen gefeiert. Mit ihrem musikalischen Schaffen, das über die Jahrzehnte hinweg an Konstanz behalten hat, decken sie die deutsche Rapmusik in all ihren Phasen komplett ab - ein Kriterium welches von keinen anderen Künstlern erfüllt wird.

Diese Arbeit widmet sich dem Einfluss der Englischen Sprache in der Musik dieser Gruppe und versucht zu ergründen, ob darin über die Jahre hinweg gewisse Tendenzen zu sehen sind die auf eine Entwicklung schließen lassen. Eine genaue Definition des Analysegegenstands und der Methode, sowie der zugrunde liegenden Texte wird im angrenzenden Kapitel aufgestellt.

2. Vorbemerkungen

Im Vorfeld der Analyse sind noch einige Dinge zu klären. Zuallererst wäre da eine Definition des Begriffes 'Anglizismus' aufzustellen.

2.1 Begriffsdefinition

Einen sehr guten Ansatz lieferte Miroslaw Jablonski bereits vor zwanzig Jahren. Er definiert einen Anglizismus als ein sprachliches Zeichen, dessen äußere Form aus englischen Morphemen oder aus einer Verbindung von englischen Morphemen und solchen der Replikasprache besteht, wobei die Bedeutung dieser Morpheme in der Gastsprache und im Englischen gleich ist (Jablonski 1990: 15).

Damit sind morphologische wie auch semantische Merkmale geklärt, es sollte aber noch hinzukommen, dass die Aussprache dieser Anglizismen „in mindestens einem Phon von den deutschen Ausspracheregeln abweicht“ (Lasarcyk 2005: 5). Dieser Aspekt wird wichtig wenn es zu den vielen Homographen kommt die von der Deutschen und der Englischen Sprache geteilt werden.

Nachdem dieser Begriff nun hinreichend bestimmt ist, werden nun Textkorpus sowie Vorgehensweise definiert.

2.2 Korpus und Methode

Das zu untersuchende Korpus setzt sich aus den sieben Studioalben der Stuttgarter zusammen und beinhaltet alle dort vertretenen Textstücke. Alle ohne Lyrik auskommenden Titel wurden ausgelassen, gleiches gilt für Gastauftritte, da nur die Texte der Fantastischen Vier von Bedeutung sind.

Von Relevanz sind vornehmlich Anglizismen deren Gebrauch auf die Rapmusik im engeren und das kulturelle Umfeld dieser Musik im weiteren Sinne beschränkt ist und die vielleicht sogar von dieser Subkultur geprägt wurden. Besonders in den Wortklassen der Verben und Adjektiven ist dies von großer Bedeutung, aber auch die Substantive, und besonders die Komposita darunter, weisen einige innerhalb der Deutschen Sprache nach wie vor recht ungewöhnlich anmutenden Fälle auf. Eine Klassifizierung der Anglizismen wurde nach eben diesen drei Wortklassen vorgenommen, da diese Unterteilung sich in Erwartung des zu findenden Materials am vorteilhaftesten erweist. Eine weitere Unterteilung der Anglizismen nach ihrem Benutzer, also in diesem Falle Smudo, Hausmarke oder Thomas D, wurde ebenfalls durchgeführt, soll aber in erster Linie den im Anhang beigefügten Statistiken bzw. deren Auswertung dienen und ist von geringer Aussagekraft für die eigentliche Analyse.

Die Analyse schließlich wird sich den Aspekten widmen die Rückschlüsse auf Sprachgebrauch und Rolle dieser Fremdwörter innerhalb der Texte zulassen. Vornehmlich geht es dabei um das Inventar eben dieser Gruppe von Anglizismen, welches hinsichtlich seiner Zusammensetzung und der Verteilung bestimmter Kernausdrücke untersucht wird. Aber auch morphologische Merkmale sollen berücksichtigt werden. Ob ein Anglizismus in unflektierter Form, also quasi unverändert aus dem Englischen, übernommen wurde oder ob er durch Flexion eine ansatzweise Integration in die Deutsche Sprache erfuhr, sagt viel über den Stellenwert dieser Fremdwörter in einem Text aus. Der Aspekt des Stellenwerts, also der Rolle die ein Anglizismus innerhalb eines Raptextes und dessen zugegebenermaßen von normalem Sprachgebrauch abweichenden Ansprüchen einnimmt, wird mit einem Blick auf Komposition, besonders im Feld der Substantive, und Wortschöpfung noch einmal genauer untersucht. Abschließend wird noch berücksichtigt, ob der Anglizismus lediglich als Füllwort, also in erster Linie synonym, gebraucht wird, oder ob er kreativen Nutzen mit sich bringt, sei es semantisch oder als Reimwort.

3. Analyse

3.1 „jetzt geht’s ab“ 1991

Das Debüt der Fantastischen Vier weist trotz zeitlichem und musikalischem Kontext bereits eine sehr ausgeprägte Anglizismenstruktur auf. Die Verbvielfalt erschöpft sich in den Wörtern 'rappen', 'rocken' und 'kicken'. Darunter ist besonders 'rocken' ein sehr interessanter Fall da es über ein breites Anwendungsspektrum verfügt. Ist es bei seinem ersten Auftauchen in „rockt jemand außer mir am phone“ noch auf die gesangliche Tätigkeit am Mikrofon beschränkt, steht es in „ich rocke das Haus“1 (Die Fantastischen Vier 1991) schon für die Musik der gesamten Gruppe und deren Wirken auf die Zuhörerschaft, dem übetragenen Haus. Eine leider nicht näher bestimmbare physische Dimension erhält es in den Zeilen „wir rocken weder gerade, noch schräg, noch krumm wir rocken Kugelrund“ (Die Fantastischen Vier 1991).

Bei den Nomen überwiegt vor allem die musikspezifische Terminologie, die sich in Worten wie „Sound“, „Beats“, „Samples“ und auch „Rap(-Musik)“ Ausdruck verleiht. Dem etwas kreativeren Aspekt der Wortbildung wird durch die zahlreichen Komposita Rechnung getragen. Dabei finden sich sowohl Substantivkombinationen mit deutschem Kopf, die bereits erwähnte „Rap-Musik“ oder „Hip-Hop-Quatsch“, als auch welche mit englischsprachigem, „Höllenparty“, aber auch aufwändigere Fälle wie das „Rhythmus-Sample-Klavier“ (Die Fantastischen Vier 1991), dessen Kern selbst noch einmal aus einem Deutsch-Englischen Kompositum besteht.

Das Morphem 'Rap' findet sich schließlich auch noch in der dritten Wortklasse, den Adjektiven, als Partizip Präsens in „rappend“ (Die Fantastischen Vier 1991) wieder. Zwar lässt das Vorhandensein dieses Partizips auf eine gewisse Vertrautheit mit der deutschen Grammatik schließen, doch der prämodifizierende Einsatz in „ohne Ende rappend Rap“ (Die Fantastischen Vier 1991) straft diese Schlußfolgerung sogleich Lügen.

Gegen Ende des Albums lässt sich auch ein erster Ansatz feststellen, die Anglizismen fester innerhalb der Texte zu verankern - hier in Form eines Endreims: „Frisco“, ein Spitzname der Kalifornischen Stadt San Francisco, dient als Folgereim für „Disco“ (Die Fantastischen Vier 1991).

3.2 „Vier gewinnt“ 1992

Das ein Jahr später erschienene Folgealbum steht dem Debüt in erster Linie in den Wortklassen der Verben und Adjektive nach. Beide weisen nur jeweils einen Vertreter auf, die Adjektive das zugegebenermaßen wenig exklusive „live“, die Verben erstmals eine Version von 'to check out'. Die Zeile „alles was die Werbung tut ist Zielgruppen abchecken“ (Die Fantastischen Vier 1992) führt diesen Ausdruck ein und definiert ihn auch gleich im Sinne von 'begutachten' oder 'sich mit etwas vertraut machen'.

Erneut ist es die Klasse der Substantive, die am meisten Material bietet, diesmal vorrangig mit weiteren Variationen wie „Rap-Klischees“, „-Glauben“, „-Familie“ und „Hip Hop-Jam“, „-Musik“, „-Unterricht“, aber auch dem neu eingeführten 'Ghetto' bzw. dem Kompositum „Ghetto-Image“ (Die Fantastischen Vier 1992). Die kreativere Seite wird von Begriffen wie dem sehr abstrusen „Goldchain-Motherfuckers“ und „Afrolook“ (Die Fantastischen Vier 1992), beides rein englische Komposita, bedient. In diesen Anglizismen schlägt sich der mittlerweile etwas differenziertere Umgang mit dem amerikanischen Ursprung und den damit einhergehenden Klischees nieder und führt zu etwas wie einem Nationalgefühl, das in Liedern wie „Hip Hop Musik“ Ausdruck findet.

Eine Sonderrolle auf dem Album nimmt der „Schallplattendealer“ ein, von welchem Smudo „scheibchenweise scheibenabhängig“ ist. Die Konnotation verweist eindeutig auf die Drogenszene und verleiht dem Anglizismus dadurch eine semantische Doppelbedeutung, zu welcher die Rolle als Endreim auf den vorhergehenden „Schallplattenspieler“ (Die Fantastischen Vier 1992) kommt. Überhaupt erfahren die Anglizismen auf Vier gewinnt eine weitaus bessere Einbeziehung in das Reimschema, wofür „Singlefrust“ auf „große Lust“ und „Gitarrenriff“ auf „jeden Kniff“ (Die Fantastischen Vier 1992) gute Beispiele sind.

[...]


1 wenngleich es wohl eine direkte Übersetzung eines Titels der New Yorker Gruppe Run-D.M.C. ist. Siehe Run-D.M.C. „Rock the House.“ King of Rock. Profile Records, 1985.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
20 Jahre "Die Fantastischen Vier", zwei Jahrzehnte Anglizismen
Untertitel
Eine diachrone Korpusanalyse
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Veranstaltung
PS I "Grammatik des Deutschen"
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V190760
ISBN (eBook)
9783656153955
ISBN (Buch)
9783656154402
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die Fantastischen Vier, Rapmusik, Anglizismus, Korpusanalyse, diachron
Arbeit zitieren
Florian Arleth (Autor), 2009, 20 Jahre "Die Fantastischen Vier", zwei Jahrzehnte Anglizismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190760

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