Die ökonomische Theorie der Bürokratie ist ein Element der Public-Choice-Theorie, die wiederum ein Teilgebiet der modernen Institutionenökonomie ist. Die Public-Choice-Theorie ist aus der Politik- und der Finanzwissenschaft entstanden und beschäftigt sich hauptsächlich mit der Anwendung der ökonomischen Theorie im Rahmen der Politikwissenschaften bzw. mit der ökonomischen Analyse von nicht-marktorientiertem Entscheidungsverhalten. Die wesentlichen Grundsteine für eine rationale Theorie der Bürokratie, die vor allem auf die Nutzenmaximierung der neoklassischen Methoden beruht, wurden mit den Veröffentlichungen von Gorden Tullock und Anthony Downs erst in den 1960er Jahren gelegt.
Das Teilgebiet der Public-Choice-Theorie, das sich mit dem Verhältnis zwischen den „Büros“ auf der einen und den Politikern als gewählte Repräsentanten der Bürger auf der anderen Seite beschäftigt, soll in dieser Arbeit vertieft werden. Der Fokus jener Forschungsrichtung ist die Frage, mit welcher Rationalität das bürokratische Handeln gesteuert wird.
Ziel dieser Arbeit ist die Aufarbeitung und kritische Betrachtung der – besonders von William A. Niskanen entwickelten – grundlegenden Thesen der ökonomischen Theorie der Bürokratie.
Dazu werden Begriffe definiert, fundamentale Bedingungen der Theorie erörtert und die niskanenschen Grundthesen an sich sowie Auszüge aus den Ergebnissen der Theorie wiedergegeben.
Diese Thesen werden kritisch betrachtet und ihre bedeutendsten Modi-fizierungen und Weiterentwicklungen erläutert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Hypothesen zur Budgetmaximierung und Optionsfixierung.
Es sollen beispielhafte empirische Befunde und Überprüfungen der Büro-kratietheorie, unter besonderer Berücksichtigung der Budgetmaximierungs- und Optionsfixierungshypothese aufgezeigt werden und eine abschließende Beurteilung der Haltbarkeit in der Realität ermöglichen.
Außerdem soll geklärt werden, welche Thesen bzw. welche Ergebnisse besonders hilfreich in Bezug auf die Probleme in der Praxis sind und welche Lücken möglicherweise noch in der Theorie bestehen.
Zum Schluss wird versucht, durch Betrachtung von theoretischen und praktischen Ansätzen zur Behebung der Problematik in der Bürokratietheorie einen aktuellen Bezug herzustellen und zusammen mit den Ergebnissen aus Analyse und Empirie ein Fazit zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretisches Fundament und Grundmodell der Bürokratietheorie
- Definitionen und Bedingungen
- Bürokratie, Büros und Bürokraten
- Prinzipal-Agent-Theorie und bilaterales Monopol
- Grundthesen
- Budgetmaximierungshypothese
- Optionsfixierungshypothese
- Budget- und nachfragebeschränkte Gleichgewichtslösungen
- Kritik und Modifizierung der Grundthesen
- Budgetmaximierung
- Optionsfixierung
- Empirie
- Empirische Befunde bezüglich der Budgetmaximierung
- Empirische Befunde bezüglich der Optionsfixierung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Theorie der Bürokratie, einem Teilgebiet der Public-Choice-Theorie, die sich mit der Anwendung ökonomischer Theorien im Rahmen der Politikwissenschaften beschäftigt. Die Arbeit analysiert die grundlegenden Thesen der ökonomischen Theorie der Bürokratie, insbesondere die von William A. Niskanen entwickelten Thesen zur Budgetmaximierung und Optionsfixierung. Ziel ist es, diese Thesen kritisch zu betrachten, ihre Modifizierungen und Weiterentwicklungen zu erläutern und anhand empirischer Befunde ihre Haltbarkeit in der Realität zu beurteilen.
- Theoretische Grundlagen der ökonomischen Theorie der Bürokratie
- Kritik und Modifizierung der Grundthesen
- Empirische Befunde zur Budgetmaximierung und Optionsfixierung
- Bedeutung der Thesen für die Praxis
- Mögliche Lücken in der Theorie
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Die Einleitung führt in die ökonomische Theorie der Bürokratie und ihre Bedeutung innerhalb der Public-Choice-Theorie ein. Sie erläutert die historischen Wurzeln und die Relevanz der Thematik.
- Kapitel 2: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe und Bedingungen der ökonomischen Theorie der Bürokratie definiert. Es werden insbesondere die Prinzipal-Agent-Theorie und das bilaterale Monopol als Grundlagen der Theorie vorgestellt. Darüber hinaus werden die wichtigsten Thesen der ökonomischen Theorie der Bürokratie, insbesondere die Budgetmaximierungshypothese und die Optionsfixierungshypothese, erläutert.
- Kapitel 3: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der kritischen Betrachtung der Grundthesen der ökonomischen Theorie der Bürokratie, insbesondere der Budgetmaximierung und Optionsfixierung. Es werden die wichtigsten Modifizierungen und Weiterentwicklungen der Thesen diskutiert.
- Kapitel 4: In diesem Kapitel werden beispielhafte empirische Befunde und Überprüfungen der ökonomischen Theorie der Bürokratie vorgestellt. Der Fokus liegt auf den empirischen Befunden zur Budgetmaximierung und Optionsfixierung. Anhand dieser Befunde wird die Haltbarkeit der Thesen in der Realität beurteilt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen Theorie der Bürokratie, Public-Choice-Theorie, Budgetmaximierung, Optionsfixierung, Prinzipal-Agent-Theorie, bilaterales Monopol, empirische Befunde, Modifizierung der Thesen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern der ökonomischen Theorie der Bürokratie?
Die Theorie wendet ökonomische Methoden (wie die Nutzenmaximierung) auf das Verhalten von Bürokraten und öffentlichen Verwaltungen an, um deren Handeln rational zu erklären.
Was besagt die Budgetmaximierungshypothese nach William A. Niskanen?
Sie besagt, dass Bürokraten bestrebt sind, das Budget ihrer Abteilung oder ihres "Büros" zu maximieren, da dies mit Macht, Prestige und persönlichem Nutzen verbunden ist.
Was versteht man unter der Optionsfixierungshypothese?
Diese Hypothese beschreibt die Tendenz von Bürokraten, sich auf bestimmte Handlungsoptionen festzulegen, die ihren eigenen Interessen oder dem Erhalt ihrer Institution dienen.
Wie wird das Verhältnis zwischen Politikern und Bürokraten modelliert?
Es wird oft als Prinzipal-Agent-Beziehung in einem bilateralen Monopol dargestellt, bei dem Politiker (Prinzipale) auf die Informationen der Bürokraten (Agenten) angewiesen sind.
Gibt es empirische Beweise für die Thesen von Niskanen?
Die Arbeit untersucht beispielhafte empirische Befunde, um zu beurteilen, inwieweit die Budgetmaximierungs- und Optionsfixierungshypothesen in der Realität haltbar sind.
In welchen wissenschaftlichen Kontext gehört diese Theorie?
Sie ist ein Element der Public-Choice-Theorie, die wiederum zur modernen Institutionenökonomie gehört und an der Schnittstelle von Politik- und Finanzwissenschaft liegt.
- Arbeit zitieren
- Mario Burghaus (Autor:in), 2011, Ökonomische Theorie der Bürokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190768