Coming out - Ich bin schwul!

Situation und Beratung der Eltern


Fachbuch, 2011

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Coming out

3. Entwicklung der Geschlechtsidentität in der Gesellschaft
3.1. Sexuelle Identität und Orientierung
3.2. Schwul
3.3. Warum sind Menschen homosexuell?

4. Homosexualität in der Geschichte

5. Rechte und Gesetze bezüglich der Homosexualität
5.1. Dürfen Homosexuelle heiraten?
5.2. Dürfen Schwule und Lesben ein Kind adoptieren?

6. Das häufigste Vorurteil gegenüber Schwulen

7. Formen der Diskriminierung

8. Bedeutung des Coming out für die Eltern

9. Bedeutung des Coming out für den Sohn
9.1. Äußeres Coming out der Eltern

10. Beratungssituation
10.1. Vor dem Beratungsgespräch zum Coming out
10.2. Vorbereitung zur Beratung
10.3. Beginn der Beratung
10.4. Der Berater in der Beratungssituation: Erstes Fallbeispiel
10.5. Beratungsgespräch: Zweites Fallbeispiel

11. Schlussfazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In dieser Abschlussarbeit möchte ich mich mit der Situation und Beratung von Eltern auseinandersetzen. Das Coming out des eigenen Kindes ist für Eltern oft eine erschütternde Offenbarung und mit einem Wechselbad der Gefühle und Gedanken verbunden.

Ich bin selbst Mutter eines erwachsenen homosexuellen 22jährigen Sohnes, welcher sein Coming out uns gegenüber im Alter von 16 Jahren hatte. Damals habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich nach dem öffentlichen Bekenntnis viele sorgenvolle Gedanken und Emotionen bilden und eine große Menge an offenen Fragen zur Homosexualität entsteht.

Da immer noch viele Vorurteile gegenüber der Homosexualität existieren, ist es für viele Eltern oft nicht möglich, offen über diese Situation zu kommunizieren.

An dieser Stelle ist es Aufgabe einer psychologischen Beratung die Eltern bei der Auseinandersetzung mit dieser, für sie oftmals belastenden, Situation zu begleiten und ihnen mit aufklärenden Sachinformationen zur Seite zu stehen.

2. Coming out

Wenn sich ein homosexueller Mensch zu seiner sexuellen Orientierung bekennt, wird der Begriff Coming out verwendet.

Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zur sexuellen Identität ist zunächst das Bewusstwerden und Akzeptieren der eignen sexuellen Orientierung. Dieser Vorgang wird in der Homosexualität und Bisexualität als inneres Coming out bezeichnet.

Im sogenannten äußeren Coming out wird dann diese sexuelle Orientierung den Freunden, der Familie und anderen sozialen Kontakten offenbart.

Der genaue Zeitpunkt für das eigene äußere Coming out ist individuell abhängig von der jeweiligen Lebenssituation, in welcher sich der Homosexuelle befindet. Das gesellschaftliche und soziale Umfeld besitzt dabei einen hohen Einfluss auf diese lebensverändernde Entscheidung.

Immer wieder wird ein homosexueller Mensch, der sich noch nicht öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung bekannt hat, mit Situationen konfrontiert, in denen für ihn das Bedürfnis geweckt wird, sich über die eigene Ausrichtung mitzuteilen. Je nach Lebensalter, Umweltsituation oder kulturellem Umfeld sieht er sich dann gesellschaftlichen Ansprüchen ausgesetzt.

Denn bis zum tatsächlichen Outing bleibt die Reaktion der Umwelt für den Homosexuellen ungewiss und erfordert somit Mut, die eigenen inneren Ängste vor einer möglichen Diskriminierung zu überwinden.

In Kulturen und Gesellschaften in denen das Schwul- und Lesbischsein als Schande angesehen und verachtet wird, findet ein äußeres Coming out oft später oder deutlich später statt.[1]

3. Entwicklung der Geschlechtsidentität in der Gesellschaft

Schon im Mutterleib wird das genetische Geschlecht festgelegt, welches dann äußerlich sichtbar wird und dadurch auch bestimmend für das soziale Geschlecht eines Individuums ist.

In einer Gesellschaft bringt die jeweilige Geschlechtszugehörigkeit auch geschlechts-bezogene Erwartungen mit sich und wirkt sich auf die Erziehung aus. Diese erfolgt dann geschlechtsspezifisch und unterstützt damit die gesellschaftliche Einteilung in zwei verschiedenen Rollenbildern.

Das soziale Umfeld unterscheidet in seinen Reaktionen ebenfalls nach weiblich oder männlich und setzt im Sinne der sexuellen Orientierung die Heterosexualität voraus.[2]

3.1. Sexuelle Identität und Orientierung

Die Entwicklung der eigenen Identität ist ein lebenslanger und zumeist unbewusst ablaufender Prozess. Dieser ist immer durch eine Innen- und Außenperspektive gekennzeichnet. Erikson beschreibt die Innenperspektive als ein Gefühl eine eigene Identität zu besitzen, wobei eine Person auch immer in einer Beziehung zur Außenwelt steht. Demnach beruht die Identität auf zwei gleichzeitigen stattfindenden Beobachtungen. Zum einen existiert die eigene Wahrnehmung immer die gleiche Person zu sein, auch über einen längeren Zeitraum. Zum anderen besitzt der Mensch das Bewusstsein, dass auch andere diese Gleichheit der Person wahrnehmen.[3]

So setzt sich die persönliche Identität eines Menschen aus verschiedenen Teilidentitäten zusammen. „Diese Teilidentitäten werden durch eigene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Auseinandersetzungen mit der Umwelt herausgebildet.“[4]

Eine der Teilidentitäten ist die sexuelle Identität, welche die sexuelle Orientierung enthält.

3.2. Schwul

Wenn sich jemand von einer Person des eigenen Geschlechts angezogen fühlt, dann wird der Begriff der Homosexualität verwendet. Damit wird ein großes Gewicht auf die Sexualität gelegt und es könnte der fälschliche Eindruck entstehen, dass dieser Mensch nur auf seine homosexuelle Orientierung reduziert wird.[5]

In einer Broschüre von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung wird der Begriff „schwul“ beziehungsweise „lesbisch“ wie folgt erklärt und abgegrenzt:

„Bei Männern hat sich der Begriff ‚schwul sein’ durchgesetzt, bei Frauen der Begriff ‚lesbisch sein’. Beide Begriffe wurden früher abwertend als Schimpfwort gebraucht. Sie haben sich aber heute im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt, um männliche bzw. weibliche Homosexualität zu kennzeichnen.“[6]

3.3. Warum sind Menschen homosexuell?

Obwohl bereits über einen langen Zeitraum viele unterschiedliche wissenschaftliche Theorien aufgestellt wurden, gibt es bis zum heutigen Tag noch keine konkrete Erklärung dafür warum Menschen homosexuell sind.

Bisher konnte nicht hundertprozentig nachgewiesen werden, dass die Homosexualität durch Gene biologisch bedingt ist. Es existieren zwar veröffentlichte Studienergebnisse einer Forschungsgruppe, welche genetische Einflüsse bei männlichen Homosexuellen vorfanden.[7] „Diese Befunde sind jedoch nach wie vor umstritten, zumal sie außerhalb dieser Forschungsgruppe nicht repliziert werden konnten.“[8] Ebenso lässt sich nicht beweisen, ob die Ursache für Homosexualität bei der Erziehung, der Umwelt oder anderen Faktoren liegt.

Es wird in der Wissenschaft viel darüber spekuliert, warum Homosexuelle denn homosexuell sind. Interessanterweise hat sich jedoch noch niemand die Frage gestellt, warum Heterosexuelle eigentlich heterosexuell sind.[9]

4. Homosexualität in der Geschichte

Die Geschichte der Homosexualität lässt sich als ein Leidensweg gleichgeschlecht-licher Liebe in den letzten zwei Jahrtausenden dokumentieren. In der Antike – vornehmlich bei den Griechen und Römern – brachte man der Homosexualität noch Akzeptanz entgegen. Erst unter dem Einfluss des Christentums und der Berufung auf die Bibel wurde die Homosexualität in Verruf gebracht. Aufgrund von kontinuierlich patriarchalischer Herrschaft wurde die Liebe bei Männern untereinander schärfer verfolgt als die gleichgeschlechtliche Liebe bei Frauen, welche in diesem Zusammenhang nicht so ernstgenommen wurde.

Es war keine Seltenheit, dass im Mittelalter Homosexuelle sogar – neben Hexen und Ketzern – auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. In den späteren Epochen in der europäischen Kultur wurden gleichgeschlechtlich liebende Männer oft als Kranke in Nervenanstalten verbannt. Noch im 19. Jahrhundert wurden Homosexuelle in Deutschland als Kriminelle eingestuft. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten im dritten Reichen wurden Schwule sogar als Staatsfeinde angesehen und in Konzen-trationslagern deportiert.[10]

Der §175 des deutschen Strafgesetzbuches existierte vom 1.Januar 1872 bis zum 11. Juni 1994. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe. Im Jahre 1973 kam es zu einer Reform, seitdem nur noch homosexuelle Handlungen mit männlichen Jugendlichen unter 18 Jahren strafbar waren. Erst 1994 wurde der §175 ganz aufgehoben.[11]

[...]


[1] Vgl. Kobs, J.: „Ich muss euch etwas sagen...!“. Seite 174f..

[2] Vgl. Trautner, H.: Entwicklung der Geschlechtsidentität. Seite 626.

[3] Vgl. Erikson, E.: Identität und Lebenszyklus.

[4] Kobs, J.: „Ich muss euch etwas sagen...!“. Seite 165.

[5] Vgl. Rauchfleisch, U.: Schwule. Lesben. Bisexuelle. Seite 8.

[6] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Heterosexuell? Homosexuell?. Seite 20.

[7] Fiedler, P.: Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung. S.81.

[8] Fiedler, P.: Sexuelle Orientierung und sexuelle Abweichung. Seite 81.

[9] Vgl. Bass, E. / Kaufmann, K.: Wir lieben wen wir wollen. Seite 21.

[10] Siehe Feustel, G.: Die Geschichte der Homosexualität.

[11] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/§_175.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Coming out - Ich bin schwul!
Untertitel
Situation und Beratung der Eltern
Hochschule
Impulse e.V. - Schule für freie Gesundheitsberufe
Veranstaltung
Psychologische Beratung
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V190772
ISBN (eBook)
9783656153320
ISBN (Buch)
9783656153610
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese schriftliche Hausarbeit wurde als Abschlussarbeit für das Fernstudium zum psychologischen Berater eingereicht und bewertet.
Schlagworte
Schwul, Lesbisch, Homosexuell, Homosexualität, Psychologische Beratung, Coming out, Eltern
Arbeit zitieren
Renate Wedel (Autor), 2011, Coming out - Ich bin schwul!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190772

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