Im Fokus dieser Arbeit steht Irina Liebmanns „Berliner Mietshaus“ und die dort stattgefundenen „Begegnungen und Gespräche“. Dabei soll unter Betrachtung der Gesamtheit der einzelnen Bewohnerportraits des „Berliner Mietshaus[es]“ unter Anderem nachvollziehbar erläutert werden, warum sich die Befragten eher als eine anscheinend untereinander anonyme, meist heterogene und willkürlich vom Schicksal zusammengewürfelte Gruppe, nahezu ohne gemeinschaftliche Tenden-zen herausstellen. Auch die Frage, warum das „Berliner Mietshaus“ zum Teil als ein „unbequemes, ein ehrliches Buch“ rezipiert wurde, welches mit scheinbar „schonungsloser Offenheit [damalige] Umstände“ enthüllt, soll nicht unbeant-wortet bleiben.
Inwiefern lassen sich nun diese zusammengewürfelten Portraits als eine Reflexion der DDR-Gesellschaft verstehen und vor allem mit welcher Intention?
Ich möchte beweisen, dass sowohl die einzeln befragten 32 Mietsparteien des „Berliner Mietshaus“ als ‚Menschengemeinschaft‘, wie auch das Haus selbst eine symbolträchtige Rolle einnehmen und von Liebmann bewusst zur Darstellung und letztendlich zur Vermittlung der vorgefundenen Ausschnitte zum Leben in der DDR genutzt werden.
Unter Einbeziehung und Auswertung der ausgewählten Sekundärliteratur soll Irina Liebmanns Methodik im Interview selbst, wie die Vorgehensweise bei der literarischen Umsetzung der „Begegnungen und Gespräche“, auch durch den Vergleich zum Konzept der gängigen Interviewliteratur näher beleuchtet werden. Da im Allgemeinen speziell die Literaturlage zu diesem Thema recht spärlich, andererseits vieles deutungsabhängig ist, soll meine Arbeit einen Einblick in Liebmanns Vorgehensweise gewähren, um in einer zusammenfassenden Auswer-tung als ein Interpretationsangebot die Frage nach Authentizität und Stellvertre-terfunktion des „Berliner Mietshaus[es]“ für die DDR-Gesellschaft zu klären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung des Werkes „Berliner Mietshaus“
3. Die Vorgehensweise Irina Liebmanns als Autorin im „Berliner Mietshaus“
3.1 Der Weg zum Berliner Mietshaus
3.2 Allgemeines zur Interviewliteratur
3.3 Die Umsetzung – Darstellung der „Begegnungen und Gespräche“
3.4 Das Haus
4. Fazit
5. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert Irina Liebmanns „Berliner Mietshaus“ hinsichtlich der Darstellung von Bewohnerporträts und untersucht, inwiefern das Werk eine Reflexion der DDR-Gesellschaft ermöglicht. Dabei steht insbesondere die methodische Vorgehensweise der Autorin im Fokus, um zu klären, wie durch die bewusste literarische Umsetzung von Begegnungen und Gesprächen ein authentisches Bild des Alltags im Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg vermittelt wird.
- Analyse der methodischen Vorgehensweise bei der Erstellung der Porträts
- Die Rolle des Mietshauses als zentrales, symbolträchtiges Element
- Vergleich der Liebmannschen Technik mit gängigen Konzepten der Interviewliteratur
- Untersuchung von Authentizität und Stellvertreterfunktion für die DDR-Gesellschaft
- Interpretation des Mietshauses als ‚Menschengemeinschaft‘ versus anonymer Rückzugsort
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Haus
Das Haus nimmt im „Berliner Mietshaus“ nicht nur eine zentrale Rolle ein, es ist das Zentrum allen Geschehens, aller Geschichten, aller Bewohner. Zwar entstanden die Texte erst im Nachhinein anhand von Mitschriften Liebmanns, referieren allerdings ausdrücklich auf die vorgefundene Situation und die Empfindungen während der Gespräche selbst. Das Haus ist demnach ‚der‘ Schauplatz.
Es ist eben nicht nur ein Element Liebmanns, es ist ‚das‘ Element. Allein die Beschreibung des Hauses verweist auf die enorme Wichtigkeit für die Autorin. Gleich zu Beginn verortet Liebmann „ihr“ Haus im Berliner Prenzlauerberg, einem Arbeiterbezirk, der sich durch seine unkonventionellen Bewohner (Arbeiter, Studenten, Künstler, Rentner) auszeichnet. „Das Haus steht mitten in der Häuserzeile, einer gewöhnlichen Straße“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt das „Berliner Mietshaus“ in den Fokus und formuliert die Forschungsfrage nach der Intention und Reflexionskraft der Bewohnerporträts bezüglich der DDR-Gesellschaft.
2. Vorstellung des Werkes „Berliner Mietshaus“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Buches und charakterisiert die Arbeitsweise von Irina Liebmann als Verbindung von Biografie, Erinnerung und Kommentar.
3. Die Vorgehensweise Irina Liebmanns als Autorin im „Berliner Mietshaus“: Der Hauptteil analysiert detailliert Liebmanns Recherche und Methodik, die Einordnung in die Interviewliteratur, die literarische Umsetzung der Gespräche sowie die zentrale Rolle des Schauplatzes.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Liebmann durch ihre offene und ehrliche Darstellung ein authentisches, wenngleich lückenhaftes Bild der Verhältnisse in der DDR zeichnet.
5. Literaturangaben: Die Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Nachschlagewerke.
Schlüsselwörter
Irina Liebmann, Berliner Mietshaus, DDR-Literatur, Interviewliteratur, Alltagsgeschichte, Bewohnerporträts, Dokumentarliteratur, Authentizität, DDR-Gesellschaft, Prenzlauer Berg, Narratives Interview, Subjektivität, Soziale Realität, Alltag, Erzählperspektive.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Irina Liebmanns Buch „Berliner Mietshaus“ und analysiert, wie die Autorin das Leben in der DDR durch eine spezifische Form der Interviewliteratur dokumentiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die literarische Methode der Autorin, die Bedeutung des Hauses als zentraler Handlungsort und die Frage nach der Authentizität der vermittelten Gesellschaftsbilder.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte beweisen, dass Liebmann sowohl die Bewohner als auch das Haus als symbolträchtige Mittel nutzt, um einen authentischen Ausschnitt des Lebens in der DDR zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit analysiert Liebmanns methodischen Ansatz, der sich durch den Verzicht auf starre Frageschemata und eine bewusste Integration der Autorin in die erzählte Situation auszeichnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese des Werkes, eine Einordnung in die Interviewliteratur, die Analyse der spezifischen Schreibweise und die herausragende symbolische Funktion des Berliner Mietshauses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „DDR-Alltagsgeschichte“, „Authentizität“, „Irina Liebmann“ und „Interviewliteratur“ geprägt.
Warum spielt das Berliner Mietshaus eine solch zentrale Rolle im Buch?
Das Haus dient als „Quasi-Subjekt“ und verbindender Rahmen, der laut der Autorin Einblicke in die gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse ermöglicht, indem es die individuellen Lebensgeschichten räumlich und historisch verankert.
Wie geht die Autorin mit dem Aspekt der Subjektivität um?
Anstatt die Subjektivität zu leugnen, macht Liebmann sie transparent und nutzt sie als gestalterisches Mittel, um die „Wirklichkeit“ des Lebens im Haus ausschnitthaft und subjektiv gefärbt darzustellen.
- Quote paper
- Julia Neubert (Author), 2010, Irina Liebmanns „Berliner Mietshaus“ – Möglichkeiten und Grenzen der Interviewliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/190779